BLKÖ:Gautieri, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 110. (Quelle)
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Gautieri, Joseph (Arzt und Naturforscher, geb. zu Novara 5. Juli 1769, gest. ebenda 23. Febr. 1833). Entstammt einer wohlhabenden Familie, besuchte die Schulen in Monza und studirte Medicin auf der Universität in Pavia, wo er 1791 die Doctorwürde der Medicin und Philosophie erhielt. Auf Joh. Peter Franks (s. d. IV. Bd. S. 320) Rath, dessen Schüler er war, unternahm G. eine Reise nach Deutschland, studirte die endemischen Krankheiten in Tyrol, Steiermark, Kärnten, namentlich den Kropf und Cretinismus, und gab seine Beobachtungen in Wien heraus, wo er bis 1794 verweilte. Der Umgang mit Jacquin, Fichtel u. A. lenkte G.’s Aufmerksamkeit auf das mineralogische Studium, er legte eine mineralogische Sammlung an, setzte seine Reisen durch Sachsen, Süddeutschland, Elsaß und Schweiz und nach beiden Richtungen, der medicinischen und mineralogischen, auch seine Studien und Beobachtungen fort. Als 1795 in Slavonien eine ansteckende verheerende Seuche auftrat, schloß sich G. dem als Commissär mit ausgedehnten Vollmachten dahin abgeschickten Grafen De Lowaz freiwillig als Begleiter an, leistete 1796, als die ungar. Insurrection zum Schutze Oesterreichs sich erhob, ärztliche Dienste, so daß ihn Graf Lowaz zum Oberarzte jener Comitate ernannte, in welchen die Insurrection sich erhob. Daselbst blieb G. bis 1798 und leistete unentgeltliche Dienste. Im J. 1799 setzte er seine Reisen durch Deutschland fort und knüpfte Verbindungen mit Blumenbach, Creuzer, Sprengel, Schelling, Goethe, Werner u. A. an. Schon hatte er mit seinen mineralogischen Studien auch jene der Forstwirthschaft verbunden, womit er seinem Vaterlande, nach der Rückkehr in dasselbe 1800, wesentliche Dienste leistete. Unter der cisalpinischen Republik wurde G. Gesundheitsrath im Departement Agogna und war ein muthiger Kämpe für die Vaccination. Als die Republik zum Königreich umgewandelt wurde, trat [111] G. in den gesetzgebenden Rath, ward Mitglied der Bergwerks- und Forstcommission, und 1807 General-Inspector der Forste, welchen Posten er behielt, als Ober-Italien wieder in den Besitz Oesterreichs überging. G. war auch als Schriftsteller sehr thätig und seine Werke sind: „Tyrolensium, Carynthiorum, Styriorumque Struma“ (Wien 1793); – „Untersuchung über die Entstehung, Bildung und den Bau der Chalcedons und der mit ihm verwandten Steinarten“ (Jena 1800); – „Progetto sulla costruzione dei cimiterii“ (Milano anno X); – „Sperienze ed osservazioni sul glutine animale come rimedio nelle febbri intermittenti“ (Mailand 1803); – „Istruzione al popolo sulla vaccina“ (Novara 1803); – „Sulla necessità di stabilire una direzione generale per lo scavo delle miniere e de’ fossili ecc. ecc.“ (Mailand 1804), die von G. darin gegebenen Winke wurden von der damaligen Regierung benutzt; – „Slancio sulla genealogia della terra e sulla costruzione dinamica della organizazzione“ (Jena 1805), als Anhang befindet sich dabei: „Ricerca sull’ origine dei vermi abitanti le interiora degli animali“. Der Druck dieses mehr poetischen als wissenschaftlichen Werkes, bemerkt Fossati, wurde nur mit dem Druckorte Jena gestattet; – „Osservazione della comparsa di piccolissimi agarici chiodiformi sui capelli di una donna presa da febbre puerperale“ (1806); – „Confutazione della opinione di alcuni mìneraloghi sulla volcancità de’ monticelli collocati tra Grantola e Cunardo nel dipartimento del Lario“ (Mailand 1807; – „Della ruggine del frumento“ (Ebenda 1807). G. erklärt diese Erscheinung aus kleinen Cryptogamen im Parenchyme des Pistills; – „Prospetto di tutti i concimi Europei ecc. ecc.“ (Ebenda 1809); – „Nozioni elementari sui boschi ad uso degli impiegati di boschi“ (Mailand 1812), wurde in Neapel und Palermo nachgedruckt; – „Quando e come abbiasi a permettere il pascolo ne’ boschi ecc. ecc.“ (Ebenda 1813); – „Dei vantaggi e dei danni derivanti dalle capre in confronto alle pecore“ (Ebenda 1816), worin G. nachweist, daß der Schaden, den die Ziegen in Waldungen durch Benagen der Baumrinde, Zerstören und Ausreißen der Wurzeln u. dergl. hervorbringen, viel größer sei, als der Nutzen, den sie sonst gewähren; – „Dell’ influsso di boschi sullo stato fìsico di paesi e sulla prosperità delle nazioni“ (Mailand 1814 und verm. 1817). Zwei große wissenschaftliche Arbeiten beschäftigten aber G. sein ganzes Leben hindurch u. z. eine allgemeine Darstellung des Forstwesens und der Forstverwaltung, welche er 1831 dem Gouvernement in Mailand in Handschrift vorgelegt; und eine Naturgeschichte der vornämlich den Bäumen und Sträuchern in Europa schädlichen Insekten, deren Vollendung der Tod unterbrach. G. sprach außer seiner Muttersprache fertig ungarisch, deutsch und französisch.

Gené (Giuseppe), Necrologia di G. Gautieri (Mailand 1833, 8°.). – Biblioteca italiana (Mailand 1833, gr. 8°.) LXX. Bd. Nekrolog von G. Gené. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Barth, Lex. 8°.) Sp. 859. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 55. Bd. S. 53 [nach dieser gest. 23. Febr. 1832]. – Nouvelle Biographie générale... publiée sous la dir. de Mr. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XIX. Bd. Sp. 729 [nach Original-Mittheilungen von Fossati]. – Alle Angaben des Geburts- und Sterbedatums stimmen überein, nur die Ersch u. Gruber’sche Encyklopädie gibt das J. 1832 – die andern 1833 – als G.’s Sterbejahr an.