BLKÖ:Habsburg, Ernst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 180. (Quelle)
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Ernst von Österreich (1553–1595) in der Wikipedia
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79. Ernst, Erzherzog von Oesterreich (geb. 15. Juni 1553, gest. 20. Februar 1595). Sohn des Kaisers Maximilian II. und Maria’s, Tochter des Kaisers Karl V. Einen Theil seiner Jugend verlebte er in Spanien am Hofe Philipp’s II., der ihm eine Infantin zur Ehe zugedacht hatte, aber Philipp änderte sein Vorhaben und Ernst kehrte 1571 nach Deutschland zurück. Als sein Bruder Rudolph II. Kaiser wurde, ernannte er Ernst zum Statthalter in Ober- und Niederösterreich, und nach Erzherzog Karl’s Tode in Steiermark erbte er die innerösterreichischen Provinzen. 1592 schlug Philipp den Liguisten in Frankreich vor, Ernst zu ihrem Könige zu wählen, in welchem Falle er ihm seine Tochter Isabella Clara Eugenia [s. Nr. 76] zur Gemalin gäbe. Aber die Verhandlungen blieben erfolglos. Philipp II., von der Meinung geleitet, ein deutscher Prinz würde den Flammändern als Gouverneur willkommener sein, als die bisherigen italienischen und spanischen Gouverneure, welche das Land aussaugten, ernannte 1592 Ernst zum Statthalter in den Niederlanden. Am 30. Jänner 1594 hielt Ernst seinen Einzug in Brüssel. Man empfing ihn mit Jubel, den die Einnahme von La Fère (19. Mai 1594), das den Franzosen genommen worden, nur noch steigerte. Jedoch ungeachtet der Umsicht und humanen Mäßigung, mit welcher Ernst die Zügel des Regiments führte, wollten die künstlich genährten Unruhen nicht endigen. Der spanische Adel hatte zu großes Interesse am Kriege; er bekleidete im Lande die höchsten Aemter, hatte die Verwaltung der Finanzen, und bereicherte sich in einem Kriege, welcher die Schätze zweier reichen Länder, Spaniens und der Niederlande, erschöpft hatte. Alle Bemühungen Ernst’s scheiterten demnach am Widerstande des spanischen Adels. Die Wirren und Umtriebe steigerten sich. Gröningen öffnete am 24. Juli 1594 seine Thore der vaterländischen Partei, unter den schlecht geführten und schlecht bezahlten spanischen Soldaten brach offene Meuterei los. Louis Velasco erhielt nun den Oberbefehl der Armee, mußte aber den Rückzug antreten. Der Erzherzog Ernst blockirte indessen Cambrai, wo Balagny, der bis dahin die strengste Neutralität bewahrt hatte, befehligte. Nun trat Balagny aus der Neutralität heraus, schlug sich zur Partei der Protestanten und verwüstete die Besitzungen der Spanier mit Feuer und Schwerdt. Dazu gesellten sich noch die Intriguen französischer Seits, welche sich in eine Kriegserklärung Heinrich’s IV. gegen Spanien auflösten, der seine Truppen in Flandern einrücken ließ. Während die Verwirrung in den Niederlanden den Höhenpunct erreichte, starb Ernst im Alter von 41 Jahren, nachdem er die ganze Zeit seines Aufenthaltes in den Niederlanden leidend gewesen. Bei Oeffnung seiner Leiche will man einen Stein und ein Stück Glas in den Eingeweiden gefunden haben, welch’ letzteres die anliegenden Körpertheile verletzt hatte. Ernst besaß eine seinem Namen entsprechende tiefernste Miene, man will ihn niemals lachen gesehen haben.

Delrio (Martin Anton), Historia belgica seu commentarius rerum in Belgio gestarum sub. ... comite (Petro Ernesto) Mansfeldio, ... archiduce Ernesto et praecipue Petro Henriques comite fontono (Fuentes); accedunt Ambrosii Spinolae victoriae (Col. Agr. 1611, 4°.). Dieses Werk hat Delrio unter dem [181] Pseudonym „Rolandus Mirtaeus Onatinus“ herausgegeben. – Le Clerc (Jean), Histoire des Provinces unies, V, 156. – Van Meteren, Historia belgica, lib. XVII, 357. – Van Reyd, Oorspronck ende voortganck van de Nederlantsche Oorloghen. Buch XI, 441. – Grotius, Annales et Historiae belgicae, lib. IV.Khevenhüller (Fr. Chr. Gf.), Ferdinandeische Jahrbücher in einen pragmatischen Auszug gebracht und berichtigt von J. Fr. Runde. I. und II. Theil, S. 5, 47, 73–81, 209–213, 269, 270, 352, 353, 449–455, 504–507; III, 10–15, 87–92, 172–178, 250, 286, 325, 329, 330; IV, 4, 5, 68, 113, 114, 129, 140. – De Thou, Histoire universelle, liv. CIX. Bas. Ausg. von 1747, tom. IX, p. 401–403, 408, 409, 413, 416–419, 422; liv. CXI, p. 495, 496; liv. CXII, p. 564. – Ersch und Gruber, Allgem. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. I. Sect. 37. Bd. S. 284–296, von Ferd. Wächter[WS 1]. – Wagenaar, Allgemeine Geschichte der vereinigten Niederlande (Leipzig 1760) IV. Theil, S. 54, 60, 63–66.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wachter, Ferdinand.