BLKÖ:Henckel von Donnersmarck, die Grafen, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 300. (Quelle)
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I. a) Genealogie der Grafen Henckel von Donnersmarck. Ein altes, aus Ungarn stammendes Geschlecht, welches bis zum halben achtzehnten Jahrhunderte in naher Beziehung zum Kaiserstaate stand, von da ab durch Besitz und Religion zu Preußen sich hinneigte, wo der jedesmalige Standesherr seit 12. October 1854 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses ist. Die ältere Linie – welche katholisch – besitzt neben ausgedehnten Gütern in Preußisch-Schlesien auch in Kärnthen die Herrschaften Wolfsberg, St. Leonhard, Groß-Reideben und Wiesenau. Die Anfänge der Familie reichen in die Mitte des 14. Jahrhunderts, und ein Petrus Henckel de Quintoforo (1378), zu deutsch von Donnersmarck, ungarisch Csötörtökhely, einem im Zipser Comitate in Oberungarn gelegenen Marktflecken genannt, ist der erste bekannte Stammvater des Hauses, von dem ab eine ununterbrochene Stammreihe bis auf die Gegenwart gezogen wird. Dieser Petrus selbst ist aber kein Henckel von Geburt, sondern ein Sproße des alten ungarischen Geschlechtes der Grafen Thurzo de Bethlen-Falva, der sich mit der Erbtochter der alten Adelsfamilie von Henckel vermälte, deren Namen sich beilegte und denselben auch auf seine Söhne übertrug. Von seinem Sohne Jacob stammt ein Sohn Johann (I.), von dessen zwei Söhnen Georg (I.) und Niklas der erstere das Geschlecht in seinem Sohne Georg (II.) fortpflanzte. Von Georg’s (II.) Söhnen hatte Conrad (geb. 1486, gest. 1542) 8 Söhne und 4 Töchter. Von Ersteren war Johann (II.) (geb. 1513, gest. 1588), Vater des Freiherrn Lazarus (I.) (geb. 1550, gest. 1624). Dieser hatte aus seiner zweimaligen Ehe: 1) mit Anna Magdalena von Greisz und 2) mit Barbara Haag von Steinberg 12 Kinder, von denen Lazarus (II.) (geb. 1573, gest. 1664) die Herrschaften Oderberg und Beuthen mit Tarnowitz als wirkliches Fideicommiß und sein Bruder Georg (geb. 1578, gest. 1636) die Herrschaften Gföll und Wasendorf erhielt, die aber nach seinem kinderlosen Tode nicht an die Familie zurückfielen, sondern an Heinrich von Kielmansegg kamen. Lazarus’ (II.) ältester Sohn Elias (geb. 1603, gest. 1667) ist der Stifter der I. älteren oder oderbergischen Hauptlinie, welche mit dem Grafen Johann Erdmann (geb. 1728) im Jahre 1803 erlosch. Lazarus’ (II.) zweiter Sohn Gabriel (geb. 1609, gest. 1666) erhielt die Herrschaft Beuthen, welche nach seinem ohne männliche Nachkommen erfolgten Tode an seine Brüder, den oberwähnten Elias und Georg Friedrich zurückfiel. Dieser Letztere, Lazarus’ (II.) jüngster Sohn (geb. 1611, gest. zu Wien 1671), war der Stifter der II. beuthen’schen Hauptlinie, und ist der gemeinschaftliche Stammvater aller noch lebenden Grafen Henckel von Donnersmarck. Seine zwei Söhne Leo Ferdinand und Karl Maximilian bildeten die zwei Nebenlinien. Leo (nach Kneschke Leopold) Ferdinand die A) katholische Linie zu Beuthen; Karl Maximilian die B) Evangelische zu Tarnowitz-Neudeck. Der Sohn Leo Ferdinand’s ist der Graf Karl Joseph Erdmann [siehe oben den besonderen Artikel] und von diesem stammt das gegenwärtige Haupt der noch blühenden katholischen Linie zu Beuthen, Graf Karl Hugo (geb. 26. April 1811). Die Söhne des Grafen Karl Maximilian, des Stifters der evangelischen Nebenlinie zu Tarnowitz-Neudeck, bildeten zwei Zweige, und zwar Graf Leo Maximilian (geb. 1691, gest. 1771) den a) älteren oder sächsischen Zweig, dessen gegenwärtiges Haupt Graf Leo Victor Felix (geb. 25. Juni 1785) ist; und der [301] zweite Sohn Graf Karl Erdmann b) den jüngeren oder schlesischen Zweig, dessen gegenwärtiges Haupt Graf Karl Lazarus (geb. 5. März 1772) ist. Bezüglich des heutigen Standes der Familie, die nur in Einem Mitgliede und zwar dem Haupte der älteren Linie der Grafen Karl Hugo zum Kaiserstaate in näherer Beziehung steht, wird auf die unten folgenden Quellen verwiesen. Was die Adelsstufen und durch Diplome bestätigten Verdienste der Henckel von Donnersmarck anbelangt, so erhielt ein solches bereits Jacob, Sohn des Petrus Henckel de Quintoforo zu Costnitz im Jahre 1417 von Kaiser Sigismund, worin seine Verdienste und sein gutes Herkommen hoch angerühmt werden. Jacob’s Enkel Georg (I.) erhielt von dem Könige Ladislaus von Ungarn ein ähnliches Diplom zu Ofen im Jahre 1456. Lazarus (I.) wurde von Kaiser Mathias am 30. April 1615 in den Freiherrnstand erhoben und dessen Sohn Lazarus (II.) erhielt am 18. December 1636 den böhmischen Freiherrnstand und von Kaiser Ferdinand III. am 5. März 1661 die Grafenwürde. Kaiser Leopold I. erhob die Landschaft Beuthen am 14. November 1697 zu einer freien Standesherrschaft und die Standesherrenwürde, welche ursprünglich der ältern Linie allein angehörte, wurde später mit dem Seniorate dergestalt vereinigt, daß der jedesmalige Geschlechtsälteste aus beiden Linien Standesherr der Familie zu Beuthen und Tarnowitz ist.

I. b) Quellen zur Genealogie der Grafen Henckel von Donnersmarck. Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels (Wien 1800, Schuender, 4°.) Bd. IV, S. 237. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof.), Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart (Leipzig 1852, J. O. Weigel, 8°.) Bd. I, S. 340. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 5. Theil, S. 389 [nach S. 395 befindet sich die Stammtafel der Grafen Henckel von Donnersmarck, doch nur bis zum Jahre 1829 fortgeführt]. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf das Jahr 1861 (Gotha, Perthes, 32°.) S. 342. – Historisch-heraldisches Handbuch (Gotha 1856, Perthes, 32°.) S. 322 u. 1112.