BLKÖ:Kalchberg, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 384. (Quelle)
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Kalchberg, Joseph Freiherr von[BN 1] (Staatsmann und Mitglied des Abgeordnetenhauses des österr. Reichsrathes, geb. zu Gratz in Steiermark 27. März 1801). Sohn des Franz Ritter von K. (gest. 1824), Neffe des Dichters Johann, Bruder des Freiherrn Franz von K. [s. d. Qu.] und Vetter des Theresien-Ordenritters Wilhelm von Kalchberg [s. d. S. 386]. Beendete seine Studien an den Hochschulen zu Gratz und Wien und erwarb an letzterer die juridische Doctorwürde. Anfänglich widmete er sich dem Lehramte und war an der Wiener Hochschule Supplent des bürgerl. Rechtes, später Adjunct der Kanzel für die Staatswissenschaften, sodann ordentl. Professor an der Theresianischen Ritterakademie und Lehrer dieser beiden Fächer bei den durchlauchtigsten Herrn Erzherzogen Albrecht und Karl Ferdinand. Im März 1839 verließ er aber die akademische Laufbahn und trat, nachdem er den Titel eines kaiserl. Rathes erhalten hatte, als Güterdirector in die Dienste Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Karl in Schlesien und Galizien, dann in Mähren. Nachdem im Jahre 1849 die Auflösung der gutsherrlichen Patrimonial-Gerichtsbarkeit stattgefunden, trat K. in kaiserliche Dienste über. Im Juli 1849 zum Ministerialrath im Ministerium des Innern ernannt, wurde er Grundentlastungs-Ministerialcommissär in Schlesien und im December 1849 Statthalter in Schlesien. Seine Leistungen in Durchführung der politischen Organisation wie in der Grundentlastung und im Schulwesen richteten bald die Aufmerksamkeit der Regierung auf ihn, und im Jahre 1853 erfolgte seine Ernennung zum Vicepräsidenten der Statthalterei in Lemberg, als welcher er zugleich mit der Durchführung der Grundentlastung im Lemberger Verwaltungsgebiete betraut wurde. Auf diesem Posten blieb er bis zu des Grafen Gołuchowski Berufung in das Ministerium des Innern, zu dessen denkwürdigen Thaten auch jene der Beseitigung des von der Bevölkerung Schlesiens und Galiziens hochverehrten Vicepräsidenten von Kalchberg gehört. K. nunmehr in den Ruhestand versetzt, wendete seine Muße gemeinnützigen Arbeiten zu, wurde im Jahre 1860 Verwaltungsrath der Creditanstalt, in welcher Stellung er so lange blieb, bis das Ministerium Schmerling die mühselige Aufgabe übernahm, die Schäden einer 14monatlichen Verwirrung zu heilen, worauf K. als Sectionschef in das Handelsministerium berufen wurde, welche Stelle er zur Stunde noch bekleidet. Schon im Jahre 1848 wurde er in die [385] deutsche Nationalversammlung in Frankfurt a. M., im März 1861 aber, als im Kaiserstaate die Wahlen für die Landtage stattfanden, im Landbezirke Klosterneuburg zum Landtagsabgeordneten für Niederösterreich, und in drei Wahlbezirken Schlesiens, in Freiwaldau, Teschen und Friedeck, zu jenem Schlesiens gewählt und von Sr. Majestät zum Vicepräsidenten des Landtags ernannt. Im schlesischen Landtage erfolgte seine Wahl als Abgeordneter in den Reichsrath. Als solcher sprach er gewichtige Worte in der Berathung über das Gemeindegesetz in der 52. und 55. Sitzung (vom 10. und 17. September 1861), zweimal in längeren gehaltvollen Reden seine Ansichten entwickelnd und namentlich gegen die Ausscheidung des Großgrundbesitzes aus der Gemeinde sprechend; ebenso entwickelte er in einem längeren Vortrage in der 69. Sitzung (vom 7. November 1861) in der Debatte über die Gewerbeordnung die Nothwendigkeit: das 7. Hauptstück und alle dahin einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung einer Revision zu dem Zwecke zu unterziehen, um das Institut der Gewerbegenossenschaften unter strenger Wahrung der vollen Gewerbefreiheit den örtlichen Verhältnissen, Bedürfnissen und Kräften des Gewerbestandes anzupassen. Seine parlamentarische Thätigkeit schloß in der ersten Sitzungsperiode des Reichsrathes in einer längeren Rede über den Grundertragskataster, in welcher er, ohne für die Regierungsvorlage zu plaidiren, den Ausschußantrag bekämpfte und dieß in einer oft vom Beifall begleiteten Rede, in welcher seine praktischen Erfahrungen die nicht immer stichhältigen Ansichten der reinen Theoretiker etwas grell, wenn gleich mit Humor beleuchteten. Als im Jahre 1860 nach dem Sturze des Grafen Gołuchowski von mehreren Seiten Rathschläge und Ansichten über die politische Neugestaltung Oesterreichs durch die Presse gegeben wurden, trat auch Herr von K. mit einer Broschüre: „Meine Beiträge zu grossen Fragen“ (Wien 1860, 8°.) anonym auf, in welcher er die Autonomie, die Landesvertretungen, den Reichsrath, den Einfluß der socialen und volkswirthschaftlichen Umwälzungen auf die Gestaltung des Gemeindewesens, die Stellung und die Aufgabe des Adels, die Nationalitätenfrage, das exclusive Beamtenthum, die Judenfrage, die geistigen, sittlichen und confessionellen Zustände, das Concordat, Oesterreich und Deutschland in geistvoller Weise erörtert und sozusagen sein eigenes Programm aufstellt. Die Verdienste des Staatsmannes sind mit Allerhöchster Entschließung vom 10. September 1857 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone 2. Classe ausgezeichnet worden, welcher statutengemäß noch im nämlichen Jahre die Erhebung in den Freiherrnstand folgte. K. fungirt überdieß als Verwaltungsrath mehrerer volkswirtschaftlichen und Eisenbahngesellschaften, ist Gemeinderath der Stadt Wien, Ehrenbürger der Städte Troppau und Lemberg und Mitglied mehrerer wissenschaftlichen und Landwirthschafts-Vereine.

Der Fortschritt. Journal für Politik u. s. w. (Wien, Fol.) II. Jahrg. (1860), Nr. 22: „Programme eines österreichischen Staatsmannes“. – Schlesischer Anzeiger (Troppau 1861, Nr. 43: im Wiener Briefe Nr. V [gibt interessante Aufschlüsse über Kalchberg’s humanes Gebaren in Schlesien der protestantischen Kirche gegenüber]. – Die Presse (Wiener politisches Blatt) 1861, Nr. 254 [in der Wiener Correspondenz vom 15. September]; Nr. 285 [in der Teschener Correspondenz vom 9. October]. – Stenographische Protokolle des Hauses der Abgeordneten des Reichsrathes. (Wien 1862, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1589 [stellte seinen Verbesserungsantrag [386] zum Antrage Skene’s, betreffend die Revision der Gewerbeordnung]; S. 1183 und 1270 [spricht über das Gemeindegesetz]; S. 1589, 1656, 1668, 1684 [über Gewerbsgenossenschaften]; S. 1714, 1717, 1719 [über Ablösung der Messalien]; S. 3991 [über den Grundertragskataster]; S. 4883 [über die Bankacte]. – Der Reichsrath. Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren- und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes (Wien 1862, Förster und Bartelmus, 8°.) 2. Heft, S. 19. – Porträte. 1) Lithographie von Eduard Kaiser (Wien, Fol.); – 2) Photographie von Jagemann (Visitkartenformat). – Freiherrnstands-Diplom vom 7. Mai 1857. – Wappen. Dasselbe ist im Wappenschilde identisch mit dem ursprünglichen Familienwappen. Nur im Kronenschmucke der beiden Helme und in den Schildhaltern weicht es etwas von jenem der Freiherren Wilhelm und Joseph v. K. ab. Die Krone des mittleren Helmes trägt den Schwan von natürlicher weißer Farbe des Familienwappens; die Krone des rechten Helmes trägt einen offenen, rechts von Schwarz und Gold, links abgewechselt quergetheilten Adlerflug mit einer dazwischen hängenden goldenen Krone von fünf Zinken (wie sie im galizischen Wappen vorkommen); aus der Krone des linken Helmes erhebt sich aber ein ebenfalls offener, rechts von Silber und Roth, links abgewechselt quergetheilter Adlerflug mit einem dazwischen hängenden Sterne. Die Schildhalter sind goldene Löwen mit ausgeschlagenen rothen Zungen und über den Rücken sich erhebenden Schweifen. –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Kalchberg, Joseph Freiherr von [s. d. Bd. X, S. 384, in den Quellen]. Mit Allerh. Handschreiben vom 27. Juli 1865 wurde Freiherr von Kalchberg bei Gelegenheit als das Ministerium Schmerling abtrat und das Ministerium Belcredi die Leitung der Staatsgeschäfte übernahm, über sein Ansuchen von der Leitung des Ministeriums für Handel und Volkswirthschaft enthoben, in bleibenden Ruhestand versetzt und in Anerkennung seiner Dienstleistung mit dem Großkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet.
    Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 314: „Eine neue Enthüllung über die Ministerkrise“. [Bd. 14, S. 491.]