BLKÖ:Krommer, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Kromer
Nächster>>>
Krommer, August
Band: 13 (1865), ab Seite: 251. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Krommer in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119149419, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Krommer, Franz|13|251|}}

Krommer, Franz[BN 1] (Tonsetzer, geb. zu Kamenitz in Mähren im Jahre 1759, gest. zu Wien 9. Jänner 1831). Sein Onkel Anton K., Chorrector in Turas, leitete, als er das Talent seines Neffen erkannte, dessen ersten Unterricht in der Musik und unterrichtete ihn selbst im Orgelspiele und Contrapuncte. Im Alter von 16 Jahren versah Franz bereits die Dienste eines Organisten in der Turaser Pfarrkirche. Acht Jahre lang versah K. diesen Posten und bildete sich, so weit es ihm seine Stellung und die kärglichen, ihm zu Gebote stehenden Hilfsmittel erlaubten, technisch und theoretisch immer weiter aus. Er studirte die besten Meister, nahm sie sich insbesondere bei seinen kirchlichen Compositionen zum Muster und legte dadurch eine feste Grundlage in seiner musikalischen Entwickelung. Eine besondere Fertigkeit besaß er im Violinspiele. Als Graf Ayrum einen ersten Violinspieler für seine Capelle zu Simonthurn in Ungarn suchte, nahm K. diese Stelle an, wurde bald Director der gräflichen Capelle und blieb im Ganzen sechs Jahre in den Diensten des Grafen, bis er nämlich im Jahre 1790 die Stelle eines Chordirectors an der Domkirche zu Fünfkirchen annahm. Auf diesem Posten erregte er bald die Aufmerksamkeit des musikliebenden ungarischen Adels. Seine eigenen Compositionen, die Leistungen des seiner Direction überwiesenen Chors fanden immer mehr und mehr Beifall. Unter anderm machte ihm Anton Graf Károlyi den Antrag, die Direction seiner Regiments-Capelle zu übernehmen. K. nahm diesen Antrag an und versah die Stelle eines Regiments-Capellmeisters, bis er sie, nach des Grafen Karolyi Tode, mit jener eines Musikdirectors des Fürsten Grassalkovich vertauschte. Letzteren Posten bekleidete K., bis des Fürsten Capelle durch dessen Tod aufgelöst wurde. K. war nun dienstlos und mußte Lectionen geben. Er lebte als Musiklehrer in Wien, bildete als solcher manchen tüchtigen Schüler, componirte aber zugleich fleißig und dieß um so mehr, als es ihm gelang, einen Kammerdienst, wenn Herausgeber nicht irrt, eine Thürhüterstelle bei Hofe zu erhalten, wodurch er mehr Muße und mit dieser mehr Liebe zu schöpferischen Arbeiten gewann. In eine entsprechendere Stellung aber trat er über, [252] als er 1814 nach Leopold Kozeluch’s [s. d. S. 92] Tode sein Nachfolger als Hofcapellmeister wurde und den Monarchen auf seinen Reisen in Frankreich und Italien begleitete. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm während seines Aufenthaltes in Paris die Auszeichnung zu Theil, daß das Pariser Conservatorium. um ihm einen Beweis der Anerkennung seiner Verdienste zu geben, den Künstler zum Ehrenmitgliede erwählte. K. versah die Stelle als k. k. Hofcapellmeister bis zu seinem Tode, der ihn im Alter von 72 Jahren der Kunst entriß. Die Partitur eines Pastorals, das unvollendet geblieben, war seine letzte Arbeit. K. war ein sehr fruchtbarer Tonsetzer und hat sich in allen Gebieten der Tonkunst, das dramatische ausgenommen, mit mehr oder weniger Erfolg versucht. Seine Arbeiten gehören ihrem Charakter nach jener Periode an, welche den Uebergang von Haydn zu Beethoven kennzeichnet. Ohne Mozart’s Genie und Beethoven’s Schwung ist sein Styl correct, seine Harmonie kräftig, seine Melodien lieblich und natürlich, und erzielen seine oft unerwarteten Modulationen eine vortreffliche Wirkung. Obgleich er viel für die Kirche geschrieben, so ist doch nur eine vierstimmige Messe in ut mit Orchester- und Orgelbegleitung im Drucke erschienen. Sonst sind nahezu anderthalbhundert Compositionen von ihm bekannt und die Hälfte davon ist gedruckt. Indem hier die einzelnen derselben in ihrer Gattung numerisch zusammengefaßt werden, wird, wer ihre Titel einzeln kennen lernen will, auf Dlabacz und Gerber gewiesen. Krommer schrieb also fünf Symphonien für großes Orchester, die erste in fa, die zweite und dritte in re, die vierte in ut minor, die fünfte in mi Be-mol, sie sind bei André in Offenbach im Drucke erschienen; – acht Harmonien, meist für neun bis zehn Instrumente; – sechs Märsche und ebenso viele nach geschwindem Tempo; – fünf Violinconcerte; – achtzehn Quintetten für zwei Violinen, zwei Alto und Violoncell; – neunundsechzig Quartetten für zwei Violinen, Alto und Baß; – vier Duetten für zwei Violinen; – zwei Concerte; – sieben Quintetten und vier Quartetten für die Flöte; – zwei Concerte und zwei Quartette für die Clarinette; – eine Concert-Symphonie für Flöte, Oboe, zwei Alto, zwei Hörner, Violoncello und Contrabaß; – eine zweite für zwei Clarinetten; – eine dritte für Flöte, Oboe, obligate Violine, zwei Alto, zwei Hörner, Violoncello und Contrabaß, und eine vierte für Flöte, Clarinette und obligate Violine. Während Zeitgenossen, wie Gerber, nicht anstehen, K.’s Compositionen so hoch zu stellen, daß er z. B. sagt: „sie haben inneren Gehalt genug, um die Aufmerksamkeit der Quartettenliebhaber auf sich zu ziehen und sich daran mithalten zu können, wenn einmal in den Novitäten-Verzeichnissen der große Name Haydn außen bleiben sollte“; ein späterer und tüchtiger Musikkenner, wie Gaßner, seinen Tonstücken nachsagt, daß „sie ebenso sehr durch einen humoristisch heiteren Charakter, als durch eine interessante Behandlung sich auszeichnen“, ja selbst die Franzosen ses mélodies élegantes et naturelles, son style correct, son harmonie vigonreuse et ses modulations inattendues“ rühmen, faßt das Schladebach-Bernsdorf’sche Musik-Lexikon sein Urtheil über K. in den unbegründeten Ausspruch zusammen: „Daß er geraume Zeit schon seinen eigenen Ruhm überlebt hatte und alle seine Compositionen in einem eingänglichen, gemüthlich heiteren Style, der nicht selten [253] auch an’s Philiströse und Hausbackene streift, geschrieben seien“.

Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1813, Gottl. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 135. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, R. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 665 [nach diesem gestorben 8. Jänner 1831]. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Frz. Köhler Lex. 8°.) S. 511 [nach diesem gestorben 8. Jänner 1831]. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 131. – Neuigkeiten (politisches, zu Brünn erscheinendes Blatt, Fol.) 1858, Nr. 8, im historischen Erinnerungskalender, wo der 9. Jänner 1831 als K.’s Todestag angegeben wird. – Oesterreichische Revue (Wien, Gerold, gr. 8°.) Bd. IV, S. 188, 191, 193; Bd. VI, S. 124, 125, in den Aufsätzen: „Zur Geschichte des Concertwesens in Wien. I. und III.“ – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXVIII, p. 230 [nach dieser gestorben 8. Jänner 1831]. – Porträte. 1) C. T. Riedel sc. (Leipzig, Breitkopf u. Härtel, 4°.); – 2) F. Adameck p., J. Neidl sc. (Wien, Haslinger, 4°.), Halbfigur; – 3) dasselbe Blatt mit Nadelschrift und vor Verkleinerung der Platte; – 4) Stainhäuser p., Neidl sc. (8°.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Krommer, Franz [Bd. XIII, S. 251].
    d’Elvert, Notizenblatt u. s. w., wie bei Jaschke, 1859, Nr. 5, S. 37 [nach diesem geb. zu Trebitsch 17. Mai 1760, gest. 8. Jänner 1831]. [Bd. 28, S. 360.]