BLKÖ:Marschall von Bieberstein, Ernst Dietrich Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Marsano, Wilhelm von
Band: 17 (1867), ab Seite: 12. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ernst Dietrich Marschall in der Wikipedia
GND-Eintrag: 13736380X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Marschall von Bieberstein, Ernst Dietrich Graf|17|12|}}

Marschall von Bieberstein, Ernst Dietrich Graf (k. k. Feldmarschall und Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Burgholzhausen in Thüringen 31. October 1692, gest. zu Luxemburg 31. August 1771). Einem der ältesten meissenschen Adelsgeschlechter entstammend, welches bei den alten Markgrafen von Meissen das Erbmarschallamt bekleidete und von dem unweit Noffen liegenden Schlosse und Dorfe Bieberstein den Namen führt, trat Ernst Dietrich, 18 Jahre alt, als Fähnrich in die Dienste seines Landesherrn, des Churfürsten von Sachsen, und machte den Feldzug in den Niederlanden unter Marlborough, später als Adjutant jenen in Polen und Ungarn mit. Im Jahre 1717 nahm ihn der Feldmarschall Seckendorf als Adjutant in kaiserliche Dienste. Bei Messina erhielt er die erste Wunde, rückte dann zum Hauptmann und im Jahre 1732 zum Oberstlieutenant vor. Im Treffen bei Colorno, 1734, wurde er neuerdings verwundet, im Jahre 1736 zum Obersten des Infanterie-Regiments Nr. 35, damals Fürstenbusch, und dann vor Belgrad zum General-Major ernannt. Im Erbfolgekriege kämpfte M. bei Czaslau, wo er neuerdings eine schwere Wunde erhielt, eroberte Tabor, 1744, und bei Trautenau, 1745, wurde er wieder so schwer am Kopfe verwundet, daß er einen Theil seiner Hirnschale verlor und diese durch eine silberne Platte ersetzen mußte. Bald darauf wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Nun erbaten sich ihn die Holländer vom Kaiser, um Mastricht, ihr letztes Bollwerk, das noch nicht in die Hände der Franzosen gefallen war, seiner Vertheidigung anzuvertrauen. M. führte sie vom 16. April 1748 bis zum Frieden von Aachen mit so ausgezeichnetem Erfolge, daß sein Gegner, der Graf von Sachsen, im Hinblick [13] auf den zu Aachen geschlossenen Frieden meinte, es wäre richtiger zu sagen: „La paix est dans Mastricht“. Von der Kaiserin wurde M. nun zum Feldzeugmeister ernannt. Im siebenjährigen Kriege befehligte M. im Jahre 1757 ein Corps, mit dem er Mähren deckte, und an dem denkwürdigen Schlachttage bei Kollin (18. Juni 1757) die Infanterie des rechten Flügels. Im Feldzuge des Jahres 1758 erwarb er sich bleibenden Ruhm durch seine heldenmüthige Vertheidigung der Festung Olmütz, wofür er in der dritten Promotion (vom 4. December 1758), zugleich mit Feldzeugmeister Sincere, Feldmarschall Loudon, Feldmarschall Herzog Arenberg und Feldmarschall Lacy, mit dem Großkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1760 erhielt er den Grafenstand und führt diese jüngere einzige gräfliche Linie der Marschall von Bieberstein das Prädicat der Marschall auf Burgholzhausen. Wie die Kriegsgeschichte meldet, hat M. bei der Vertheidigung von Olmütz eine erstaunliche Umsicht und Energie entwickelt. Auf die Ausbesserung der Werke, die Räumung der Vorstädte, die Beischaffung der Lebensmittel und Vorräthe, die Entfernung aller unnützen Zehrer, auf Alles hatte er Bedacht. Dabei ließ er die Batterien in so zweckmäßiger Weise aufführen, daß sie in Verbindung mit den häufigen Ausfällen dem Feinde ungleich mehr Schaden zufügten, als er den Belagerten zufügen konnte. Mit Recht sagt die Zeitgeschichte im Hinblick auf Marschall’s Vertheidigung von Olmütz: „eine Festung, von welcher der Feind – und zumal ein Feind wie Friedrich II. – abziehen mußte, ist hinreichend, den Namen des Vertheidigers auf die Nachwelt zu bringen“. Die Officiere des in der Festung befindlichen Vertheidigungscorps bezeugten dem General: „daß sie nicht nur von den klugen und tapferen Veranstaltungen tägliche Proben und ein Muster höchst rühmlicher Vertheidigung wahrgenommen, sondern auch, daß der Feldzeugmeister sich bei Tag und Nacht jeder Gefahr, wo es dem Dienste nützlich und der Garnison zum Beispiel und Nacheiferung hat dienen können, ausgesetzt habe“. Als in späteren Jahren dem Könige Friedrich II. der Sohn des heldenmüthigen Vertheidigers vorgestellt wurde, sprach er zu diesem die sehr bezeichnenden Worte: „Je n’ai que trop bien connu votre père à Olmutz“. Durch die Vertheidigung von Olmütz war das Vertrauen auf den wackeren Kriegshelden allgemein so stark geworden, daß man ihn vor dem Gefechte bei Maxen (20. und 21. November 1759), da die Belagerung Dresdens zu befürchten war, zur Vertheidigung dieser Hauptstadt berief, obschon diese Gefahr bald darauf durch die Gefangennehmung des Fink’schen Corps abgewendet wurde. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges kehrte M. in sein Gouvernement Luxemburg zurück, wo er, fast achtzigjährig, starb.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 59 u. 1727. – Schmidl (Adolph), Oesterreichische Blätter für Literatur, Kunst u. s. w. (Wien, Jahrg. 1847, Nr. 304. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 580. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XX, S. 860, Nr. 1. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. II, S. 137. – Oesterreichischer Soldatenfreund. Zeitschrift für militärische Interessen. Herausg. von J. Hirtenfeld und Dr. H. [14] Meynert (Wien, gr. 4°.) VI. Jahrg. (1853), Nr. 77, im Artikel „Olmütz“. –