BLKÖ:Mittrovsky von Mittrowitz und Nemischl, Anton Friedrich Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 384. (Quelle)
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Mittrovsky von Mittrowitz und Nemischl, Anton Friedrich Graf (Staatsmann, Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Brünn 20. Mai 1770, gest. zu Wien 1. September 1842). Entstammt einem alten böhmischen Adelsgeschlechte, über welches weiter unten ausführlichere Mittheilungen folgen. Sein Vater Johann Baptist Graf M. (gest. 1811) war Präsident des mährisch-schlesischen Appellations- und Criminalgerichts. Graf Anton Friedrich erhielt seine erste Ausbildung im Adeligen-Convict, dann in der Theresianischen Ritterakademie, und trat nach beendeten Studien zu Anfang des Jahres 1791 als Concepts-Praktikant bei der k. k. böhmisch-österreichischen Hofkanzlei in den Staatsdienst. Schon im folgenden Jahre kam er als dritter Kreiscommissär nach Brünn, von dort im Jahre 1796 als erster Kreiscommissär nach Krakau. Im nämlichen Jahre, damals erst 26 Jahre alt, war er bereits Kreishauptmann in Iglau, im folgenden zu Znaim, im Jahre 1799 wurde er als Stadthauptmann nach [385] Wien berufen und im Jahre 1801 zum Hofrathe bei der Polizeihofstelle ernannt. Im folgenden Jahre erhielt er untergleichzeitiger Verleihung der geheimen Rathswürde die Vice-Präsidentenstelle bei der niederösterreichischen Regierung und im Jahre 1804 jene bei dem Gubernium in Böhmen. Nach zweijähriger Thätigkeit auf diesem Posten wurde er über sein Ansuchen im Jahre 1806 seiner angegriffenen Gesundheit wegen zeitlich beurlaubt. Im Jahre 1815 kehrte er in den Staatsdienst zurück, und übernahm die ihm am 22. April g. J. übertragene Leitung der Provinz Mähren und Schlesien als Landes-Gouverneur derselben. Zwölf Jahre, bis 1827, bekleidete er diesen Posten, und die öffentliche Meinung war voll des Lobes über diese Periode seines Wirkens. Keinen Zweig der politischen Verwaltung unberücksichtigt lassend, war der Graf unablässig bestrebt, Landescultur und Nationalbildung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Das schöne Friedensdenkmal zu Brünn, die Gründung des Franzensmuseums, die Erhaltung und Bereicherung des ständischen Archivs, die ungemein reichhaltige Sammlung der Handschriften und Incunabeln für die Geschichte Mährens sind sprechende Denkmäler seines Wirkens. Ein unvergeßliches Denkmal aber errichtete sich der Graf durch den unter seinen Auspicien und auf seine Kosten erschienenen „Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae“, der ihm auch zugeeignet ist. In ähnlicher Weise förderte der Graf auch noch ein zweites, nicht minder wichtiges und gehaltvolles Werk, nämlich Wolny’s „Mähren, topographisch, statistisch und historisch geschildert“. Am 23. Jänner 1827 berief ihn Se. Majestät der Kaiser zum Hofkanzler und Präsidenten der k. k. Studien-Hofcommission nach Wien, worauf er im Jahre 1830 zum obersten Kanzler ernannt wurde, welche Stelle er bis zu seinem Tode bekleidete. Auch diese zwölfjährige Periode seines Wirkens ist durch zahlreiche gemeinnützige Unternehmungen, mit welchen er die Interessen der verschiedenen, der vereinigten Hofkanzlei unterstehenden Länder förderte, durch den Bau und die Errichtung von Lehr- und Erziehungsanstalten, Instituten für Künste und Wissenschaften, Bauten von Straßen, Eisenbahnen, Canälen u. dgl. m. in bedeutungsreicher Weise bezeichnet. Ueber seinen brieflichen Auftrag unternahm auch der Protokolls-Director Trimel – bekannter unter seinem Schriftstellernamen Emil – eine Zusammenstellung der „Materialien zu einer Geschichte der vereinigten Hofkanzlei“. Die erste Abtheilung, die Zeit von ihrem Entstehen bis auf Karl VI. (einschließig) umfassend, liegt in einem starken Manuscript-Foliobande in der administrativen Bibliothek des Ministeriums des Innern vor; die vier anderen Abtheilungen (die zweite die Zeit der Kaiserin Maria Theresia, die dritte jene der Kaiser Joseph II. und Leopold II., und die vierte jene der Kaiser Franz I., Ferdinand und Franz Joseph umfassend) sind ihres Bearbeiters gewärtig. So viele Verdienste um den Staat und das Gemeinwesen fanden aber auch Allerh. Ortes und von anderen Seiten mehrfache Würdigung. Schon im Jahre 1830 erfolgte seine Ernennung zum Großkreuz und Kanzler des kais. österr. Leopold-Ordens, im Jahre 1836 die Verleihung des goldenen Vließes. Im Jahre 1839 beging die Wiener Universität am 1. October die Feier der Aufstellung seines Bildnisses, und als der Graf im Jahre 1841 sein fünfzigjähriges Dienstesjubiläum [386] beging, wurde zur Verherrlichung seines Andenkens eine Denkmünze geprägt [siehe das Nähere weiter unten]. Der Graf war seit 26. Juli 1797 mit Leopoldine Gräfin von Klebelsberg (geb. 13. October 1773) vermält, welche nach 35jähriger glücklicher Ehe (am 16. September 1831) an der Cholera starb. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne: Graf Anton Friedrich (geb. 16. April 1801, gest. 19. August 1865), k. k. geh. Rath, Kämmerer, zuletzt im Jahre 1860 Präsident des Ober-Landesgerichtes in Prag, vermält seit 19. September 1833 mit Adelheid Gräfin Clam-Gallas (gest. 7. Februar 1836), zum zweiten Male seit 4. September 1839 mit Therese Gräfin Wrbna (geb. 1. April 1812), und Graf Joseph (geb. 14. Juni 1802), Malteserritter, k. k. geh. Rath, Kämmerer und General-Major. Graf Anton Friedrich, der Vater, starb im Jahre 1842 im Alter von 72 Jahren. Ueber seine werthvolle Bibliothek, welche 8000 Bände und über 100 Handschriften enthielt, und nach seinem Tode von den Gebrüdern Klein gekauft und im Jahre 1853 in ihrem Schlosse zu Wiesenberg systematisch ausgestellt wurde, vergleiche Näheres in der „Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Bücher-Censur u. s. w. in Mähren und Oesterreichisch-Schlesien“, von Christian d’Elvert, S. 304.

Wiener Zeitung 1842, Nr. 261. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XX. Jahrg. (1842), S. 630, Nr. 216. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 999. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, Joh. Strauß. 4°.) X. Jahrg. (1819), Nr. 84. – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1837, II. Band, S. 507: „Ehre dem Verdienste!“ – Jahrg. 1839, IV. Bd. S. 1256, in der Rubrik: „Geschichtliche Momente und Begebenheiten aus der Gegenwart“; – Jahrg. 1841, I. Band, in den Blättern für geistige Thätigkeit u. s. w., Nr. 8: „Nachhall der Feier des fünfzigjährigen Dienstjubiläums des Grafen Anton Friedrich Mittrovsky u. s. w.“; – II. Band, besondere Beilage zu Nr. 72: „Denkmünze an den Grafen Mittrovsky“. – Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. mähr. schles. Gesellschaft des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde (Brünn, gr. 8°.) III. Heft (1852), S. 25–34, im Aufsatze: „Die Grafen und Freiherren Mittrovsky von Mittrowitz und Nemischl“. Von d’Elvert. – Porträte.' 1) Unterschrift: Ant. Friedr. Graf Mittrovsky von Mittrowitz und Nemischl, Oberster Kanzler, Praesident der Studienhofcommission vom April 1815 bis Jänner 1827, Gubernator in Mähren und Schlesien. Nach der Natur gemalt von Lieder. In Stahl gest. von Franz Xav. Eißner in Wien, 1837 (sehr ähnlich); – 2) Lithographie von Franz Eybl nach Lieder’s Oelgemälde. – Im Wiener Universitätssaale befindet sich sein lebensgroßes Oelbildniß, von Lieder gemalt, mit folgender Devise: „Antonio Frid. e Comitibus de Mittrovsky in Mittrowitz et Nemysl, Domino Dynastiae Wiesenberg in Moravia, Suae Caes. Reg. ap. Majestatis Consiliario intimo atque Camerario actuali, Supremo Imperii Cancellario, inclytae C. R. aulicae stud. Commissionis Praesidi, etc. etc. Patrono Musarum eximio, ob plurima in Caesarem, patriam et rem literariam merita grata scientiarum Accademia Viennensis MDCCCXXXIX. – Ein zweites in Oel gemaltes Bildniß, von dem Wiener Maler Ranftl ausgeführt, befindet sich im Olmützer Universitätssaale. – Denkmünze. Wie oben in der Lebensskizze erwähnt, wurde anläßlich der fünfzigjährigen Jubelfeier des Grafen eine Denkmünze ausgegeben, welche von J. Schön geprägt worden. Avers. Büste, das Bildniß des Grafen vorstellend, am Abschnitt: J. SCHÖN. Umschrift nach innen: ANT.(onius) FRID.(ericus) COM.(es) MITTROVSKY. DE. MITTROVIZ. ET. NEMISCHL.; nach außen: NAT.(us) BRUNAE. 20. MAJ. 1770. Revers. Ein Lorbeerkranz, darin die Inschrift: JURATUS | AD. PUBL.(ica) NEG.(otia) {{Seite|387} 22. JAN.(uarii) | 1791 | CAPITAN.(us) | CIRC.(uli) IGLAV.(iensis) | 1797 | CAPITAN.(us) URB.(is) VIENN.(ae) | 1799 | VICEPRAES.(es) REGIM.(inis) AUSTR.(iaci) | 1802 | VICEPRAES.(es) GUB.(ernii) BOHEM.(ici) | 1804 | GUBERNATOR. MORAVIAE | 1805 | CANCELL.(arius) ET. STUD.(iorum) PRAES.(es) | 1827 | SUPREM.(us) CANCELLARIUS | 1830 | AUR.(el) VELL.(eris) EQUES | 1836. und unterhalb des Lorbeerkranzes die Jahreszahl: 1841. Es gibt von dieser Medaille, die in Silber 21/2 Loth schwer und etwas größer als ein Zweiguldenstück ist, auch Exemplare in Kupfer.