BLKÖ:Nauendorf, Friedrich August Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 103. (Quelle)
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Nauendorf, Friedrich August Joseph Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Heilsdorf im sächsischen Voigtlande 3. August 1749, gest. zu Troppau 30. December 1801). Entstammt einer adeligen sächsischen Familie, jedoch schon sein Vater stand als Hauptmann in kaiserlichen Diensten. Der Sohn trat im Jahre 1763 bei dem 8. Huszaren-Regimente in die kaiserliche Armee und rückte in kurzer Zeit zum Officier vor. In den bayerischen Erbfolgekrieg zog er bereits als Rittmeister in seinem Huszaren-Regiment und bewährte sich schon damals als ein Officier voll Umsicht und Tapferkeit. Der Krieg ward durch den Einbruch der Preußen in Böhmen am 5. Juli 1778 eröffnet. Die bei Silberberg aufgestellte Hauptmacht der Preußen führte Friedrich II. über Glatz auf Nachod im Königgrätzer Kreise. Der preußische General-Lieutenant Wunsch drang mit der von ihm geführten Avantgarde durch das Defilé von Levin bis Nachod vor und stieß auf Nauendorf, der mit einer Abtheilung von 50 Huszaren auf Vorposten stand. Nauendorf begrüßte die feindlichen Huszaren im Anbeginn als Freunde, als ihm aber der Bescheid ward, daß mit ihrem Erscheinen die Feindseligkeiten beginnen, zog sich N. sofort auf den Hauptposten zurück. Unmittelbar nach diesem Vorgange lieferte er dem Feinde bei Skalitz ein Gefecht, aus dem er als Sieger hervorging. Am folgenden Tage wurde er zum Major befördert. Schon wenige Wochen später that er sich bei dem Angriffe auf den feindlichen Convoi bei Gerbersdorff in Schlesien hervor, den er selbst leitete und dabei 240 Proviantwagen, 2400 Centner Mehl und 13 Marketenderwagen erbeutete. Außerdem nahm er bei dieser Gelegenheit 3 Officiere und 110 Mann gefangen, erbeutete 476 Pferde und verbrannte die feindliche Wagenburg. Auch im folgenden Jahre zeichnete er sich am 3. März bei dem nämlichen Orte Gerbersdorff aus. Als zu Beginn des zweiten Feldzuges des Erbfolgekrieges auf kaiserlichen Befehl unter Vorsitz des Feldmarschalls Grafen Hadik ein Capitel zur Prüfung der Gesuche der Bewerber um den Maria Theresien-Orden zusammentrat, wurde N. in der 13. Promotion (vom 19. Mai 1779) mit dem Ritterkreuze ausgezeichnet. Bemerkenswerth erscheint es nur, daß Nauendorf laut Diplom am 12. März 1779 in den Grafenstand erhoben ward, daß aber im Diplome des ihm verliehenen Kleinkreuzes des Maria Theresien-Ordens ausdrücklich gedacht wird, während denn doch die 13. Promotion, in welcher eben Nauendorf das erwähnte Kleinkreuz erhielt, erst zwei Monate nach der Grafenstand-Erhebung am 19. Mai 1779 stattfand. Im Türkenkriege 1788 befand sich N. mit dem Regimente bei der operirenden Armee; er war bereits im Jahre 1784 zum Oberstlieutenant befördert worden. Bei Pancsowa, am 23. October 1788, bot sich ihm neue Gelegenheit zur Auszeichnung. Mit drei Divisionen des Regimentes fiel er auf die feindliche Arrièregarde und nahm Pancsowa in Besitz, einige Tage früher schon hatte er mit nur einer Division seiner Huszaren [104] über anderthalbtausend Spahis in die Flucht gejagt. Im Jahre 1789 wurde er in Anerkennung seiner ausgezeichneten Tapferkeit zum zweiten Obersten im Regimente befördert. Indessen verrichtete der tapfere Oberst eine Waffenthat um die andere. So erbeutete er auf der Insel Borecs, nachdem er den dort gelagerten Feind vertrieben, namhafte Vorräthe; bei der Eroberung von Gladowa, am 9. November, zeichnete er sich bei der Führung der von ihm befehligten vier Schwadronen besonders aus. Er wurde in Folge dessen erster Oberst und Commandant des Huszaren-Regiments, in dessen Reihen er seine militärische Laufbahn begonnen hatte und das bei Ausbruch des französischen Krieges zur Armee am Rhein eingetheilt wurde, wo nun N. seine Waffenthaten fortsetzte; so leitete er mit Umsicht die Vertheidigung der Verschanzungen bei Pellingen im December 1792; führte bei Merzkirchen am 15. December d. J. einen gelungenen Angriff auf die feindliche Aufstellung aus; bewies große Bravour im Scharmützel bei Oberlenken am 23. d. M., in welchem 34 Franzosen getödtet, 31 gefangen und 65 Pferde erbeutet wurden, und wurde im Jahre 1793 zum General-Major befördert. Zwei Jahre später machte N. den Feldzug am Rhein mit, wo er bei Mainz mehrere glänzende Waffenthaten ausführte. Als am 10. October 1795 der Entsatz von Mainz vom rechten Ufer durch unsere Truppen bewirkt wurde, war es N., der mit der leichten Cavallerie den Main durchschwamm, ein Vorgang, der geradezu unausführbar schien, während er gleichzeitig die Infanterie überschiffen ließ, worauf er den Feind über Hochheim hinaus verfolgte, viele Gefangene machte und mehrere Geschütze erbeutete. Bei dem Angriffe der feindlichen Verschanzungen bei Mainz, am 29. October, commandirte N. das dritte Treffen der ersten Colonne mit solchem Erfolge, daß die Franzosen auf allen Puncten zurückwichen, nun verfolgte er die Fliehenden mit seiner leichten Cavallerie und nahm ihnen noch am nämlichen und am folgenden Tage einen großen Theil der Belagerungs-Artillerie und beträchtliche Magazine ab. Nicht minder erfolgreich war sein am 6. November d. J. ausgeführter Angriff auf das verschanzte feindliche Lager bei Rochenhausen, durch welchen gelungenen Angriff er die beabsichtigte Vereinigung der beiden feindlichen Armeen verhindert hatte. N. wurde für seine ausgezeichneten Waffenthaten dieses letzten Feldzugs am 18. December 1795 außer Capitel mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens decorirt. Im folgenden Jahre kam N. zur Armee nach Italien, welche Wurmser befehligte, aber schon im Juli 1796 berief ihn der Generalissimus Erzherzog Karl nach Franken, wohin er dem Prinzen eine Verstärkung zuführte, mit welcher er in den Gefechten bei Teiningen und Amberg den französischen General Jourdan schlagen half. Der Prinz, in der Besorgniß, daß der General Moreau, während er gegen die Donau vorrückte, seine Arrièregarde beunruhigen könnte, indessen er mit der Verfolgung Jourdan’s beschäftigt war, detachirte den General Nauendorf mit einem Separatcorps gegen Moreau, der von N. auch in der That bei Neuberg an der Donau aufgehalten und mit seiner Armee bis gegen Ulm zurückgeworfen wurde. Nauendorf vereinigte nun sein Corps mit jenem des Generals Latour, stieß dann schleunigst im Breisgau wieder zum Erzherzog und leitete unter dessen [105] Augen am 24. October den Angriff auf die engen Pässe von Candern, wo die Oesterreicher ungeachtet eines langen und tapferen Widerstandes der Franzosen, einige Vortheile errangen. Im Februar 1797 wurde N. zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und ihm im Jahre 1799 die Inhaberstelle des Huszaren-Regiments Nr. 8, dem er seit Anbeginn seines Dienstes angehört, verliehen. Im Feldzuge des Jahres 1809 befehligte er die Avantgarde des Erzherzogs Karl gegen Basel und Schaffhausen. Aber noch vor dem Friedensschlusse mußte der in Folge der erlittenen Kriegsstrapazen physisch stark mitgenommene General um Versetzung in den Ruhestand bitten, der ihm denn auch gewährt wurde. Aber nicht lange mehr sollte er ihn genießen, schon im folgenden Jahre raffte ihn zu Troppau, wohin er sich zurückgezogen, der Tod im Alter von 61 Jahren hin.


Grafenstands-Diplom ddo. 12. März 1779. – Hirtenfeld (J. Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 227, 458, 1732 u. 1738. – Bornschein (Adolph), Oesterreichischer Cornelius Nepos u. s. w. (Wien 1812, 8°.) S. 188. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit nebst entsprechenden Aphorismen (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bischöfl. Lyceal-Buchdruckerei, gr. 8°.) S. 301 [nach diesem ist N. am 3. August 1749 geboren]. – Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix-huitième siècle etc. (Londres 1800, 8°.) Tome III, p. 96. – Biographie nouvelle des Contemporains ou dictionnaire historique et raisonné de tous les hommes qui, depuis la révolution française, ont acquis de la célébrité ... Par A. V. Arnault, A. Jay, E. Jouy, J. Norvins etc. (Paris 1820 et s., à la librairie historique, 8°.) Tome XV, p. 20. – Wappen. Ein durch einen mit drei fünfblättrigen rothen Rosen belegten, rechts schiefliegenden schwarzen Balken, vorn roth, hinten weiß abgetheilter Schild, auf welchem eine gräfliche Krone ruht, auf der sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Helm erhebt. Aus der Krone des Helms wachsen zwei mit ihren Mündungen auswärts gekehrte, dreimal quer durchgetheilte Büffelhörner, deren vorderes oben weiß, in der Mitte schwarz, unten roth, das Hintere oben roth, in der Mitte schwarz und unten weiß ist.
Ueber die Familie Nauendorf, welche für Oesterreich, außer obigem Maria Theresien-Ordensritter Friedrich August Joseph Grafen Nauendorf, weiter kein Interesse hat, gibt Kneschke’s „Neues deutsches allgemeines Adels-Lexikon“, Bd. VI, S. 450, nähere Auskunft, auch wird zu Ende der dortigen Darstellung eine reiche Literatur mitgetheilt, aus welcher Valerian König’s „Genealogisch-historische Beschreibung der von Nauendorf“ (1716) und desselben „Genealogische Adelshistorie ... der adeligen Geschlechter in Chursachsen“ (Dresden 1727 u. f.) Bd. III, S. 710 u. f., hervorzuheben ist.