BLKÖ:Pleischl, Adolph Martin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Plech, Johann
Nächster>>>
Plenciz, Joseph von
Band: 22 (1870), ab Seite: 415. (Quelle)
Adolf Martin Pleischl bei Wikisource
Adolf Martin Pleischl in der Wikipedia
GND-Eintrag: 117683760, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Pleischl, Adolph Martin|22|415|}}

Pleischl, Adolph Martin (k. k. Professor der Chemie an der Wiener Hochschule, geb. zu Hossenreith im Budweiser Kreise Böhmens 10. October 1787, gest. zu Dorf an der Enns 31. Juli 1867). Der Sohn unbemittelter Eltern, besuchte anfänglich die Pfarrschule in Ober-Plan, später die Dorfschule in Stuben, von dort kam er nach Friedberg, wo sich der fürstlich Schwarzenberg’sche Revierjäger Riegger, ein Freund des Hauses, seiner annahm und für seinen Unterricht sorgte. In Friedberg erhielt P. auch Unterricht in der Musik und er machte im Orgelspiele recht gute Fortschritte. Als aber in einer Nacht Hossenreith abbrannte und von der ganzen Habe der Eltern nur wenig gerettet werden konnte, wurde P., um den Eltern zu helfen, von Friedberg abberufen und mußte die Studien vor der Hand aufgeben. Drei Jahre mußte er so unter dem Drucke harter häuslicher Arbeit leben, endlich ertheilte ihm der Vater die Erlaubniß, die Studien wieder fortzusetzen. Nachdem er privatim einige Zeit vorbereitet worden war, kam er nach Pisek, wo er die erste lateinische Schule beendete und im Jahre 1803 an das akademische Gymnasium nach Prag. Dort begann er im Jahre 1806 die philosophischen und 1809 die medicinisch-chirurgischen Studien, mit denen er im J. 1814 fertig wurde. Am 22. Juli 1815 erlangte er die medicinische Doctorwürde und begann sofort die Praxis, welche er aber in einiger Zeit; um sich ganz dem Studium der Chemie zu widmen, aufgab. Der Professor der Chemie, Jos. v. Freysmuth, nahm P. zu seinem Assistenten an; als Freysmuth im Jahre 1819 starb, erhielt P. die Supplirung [416] der Lehrkanzel und wurde im Jahre 1821 sein Nachfolger. In Prag trug er nun seit 1821 bis 1838 über allgemeine und pharmaceutische Chemie, Phyto- und Zoochemie, über Licht, Wärme, Magnetismus und Elektricität, über chemische Operationslehre und Stechiometrie vor. Er sammelte sich sowohl um die Förderung der Wissenschaft als um die Bildung tüchtiger Chemiker vielfache Verdienste und hatte auch nach langjährigen Bemühungen die Genugthuung, daß auf seinen Vorschlag und nach seinem Plane die chemisch-pharmaceutische Lehranstalt zu Prag eine totale Umgestaltung mit einem Kostenaufwande von 12.500 fl. für neue Baulichkeiten und 8000 fl. für die innere Einrichtung erfuhr. Im Jahre 1838 kam P. in gleicher Eigenschaft an die medicinische Facultät nach Wien, auch daselbst bemühte er sich, die chemische Lehranstalt, die unter Professor Jacquin’s Leitung von 1792 bis 1838, also nahezu ein halbes Jahrhundert, unverändert bestanden hatte, den Erfordernissen der Wissenschaft entsprechend herzurichten. P.’s Bemühungen scheiterten an der todähnlichen Starrheit der vormärzlichen Verwaltungszustände. Als aber das Jahr 1848 hereinbrach, wurde P. das erste Opfer. Der Unterstaatssecretär für Cultus und Unterricht, Ernst Freiherr von Feuchtersleben, hielt ihn des den Fortschritten der Chemie entsprechenden[WS 1] Vortrags nicht mehr für fähig und P. wurde am 3. October 1848 in den Ruhestand versetzt. Schwer traf diese unverdiente Demüthigung den verdienstvollen Mann, aber mit welch würdevoller Resignation er den gegen ihn geführten Streich aufnahm, dieß erhellet aus dem „Nachruf an seine Schüler“, welcher seiner Biographie von Wiskoczill, S. 25–30, beigegeben ist. Etwa ein Jahr nach seiner Pensionirung wurde ihm der Titel eines k. k. Regierungsrathes mit Nachsicht der Taxen verliehen. P. entfaltete während seines langjährigen Lehramtes eine ebenso mannigfaltige als verdienstvolle Wirksamkeit. Ein Verzeichniß seiner selbstständig erschienenen Schriften folgt auf nächster Seite, hier sei nur in Kürze einiger seiner wissenschaftlichen Erfolge gedacht. Als im Jahre 1821 in ganz Deutschland die Klage erscholl, daß aus dem Mehle des in diesem Jahre in großer Menge ausgewachsenen Getreides kein genießbares Brot erhalten werden könne, veröffentlichte P. seine Versuche über die verschiedenen Verfahrungsarten, aus Mehl von ausgewachsenem Getreide ein der menschlichen Gesundheit zuträgliches und gedeihliches Brot zu bereiten. – Er war der Erste, der den Gedanken faßte, eine sichere Grundlage zu einer medicinischen Topographie Prags zu schaffen. Zu diesem Behufe unterzog er das Grundgestein von Prag, den Uebergangsthonschiefer, einer chemischen Analyse, gleichwie er auch, der Erste, das Wasser der Moldau, der Wasserleitungen und der am häufigsten benützten öffentlichen Brunnen, der Krankenhäuser, Erziehungshäuser chemisch-physikalisch untersuchte. Seine chemischen Untersuchungen erstreckten sich ferner auf mehrere Mineralquellen in der Nähe von Prag, z. B. die Quelle im Pstroßischen Garten vor dem Roßthore; jene in Bubentsch, in Kuchel u. a.; auch von Prag entfernte Quellen hat er analysirt, z. B. auf den Herrschaften Brandeis, Radnitz, Smečna, u. s. w. Im Auftrage der Behörden hat er untersucht: das Glaubersalzwasser in Püllna; – das Wasser in der Houška bei Brandeis; – das Lochotiner Wasser bei Pilsen; – die Elisabethquelle bei Heržmanměstec; – die St. Wenzelsquelle [417] bei Tschachwitz; – die Mineralquelle nächst Mariaschein bei Teplitz, genannt der Freßbrunnen; – die Moorerde bei Karlsbad, wo, er zugleich eine Anleitung beifügte, diese gewöhnliche Moorerde der Dorotheenau mit Bestandtheilen des Karlsbader Wassers zu schwängern und dadurch in einen Mineralmoor zu verwandeln, der auch mit dem besten Erfolge zu Moorbädern u. s. w. angewendet wird; – die Wiesenquelle im Franzensbad, deren Analyse Professor Dr. Gustav Wolf zu Ende führte. – Eine große Wirksamkeit entfaltete P. seiner für die böhmischen Bäder überhaupt und unbenommen bleibt ihm das Verdienst zum Gedeihen von Franzensbad, Marienbad, Teplitz und Karlsbad wesentlich beigetragen zu haben. Die als sehr zweckmäßig befundene Einrichtung der Stadtbäder in Teplitz ist größtentheils sein Werk, und ebenso erfolgreich erwiesen sich seine Vorschläge bei dem Baue und der Einrichtung der Moorbäder in Teplitz; ferner wies er die Grundlosigkeit des Vorwurfs der Unbeständigkeit nach, welchen man gegen die Marienbader Heilquellen, namentlich gegen den Ferdinandsbrunnen erhoben hatte. Nachdem Berzelius bereits das Karlsbader Thermalwasser untersucht, nahm P. eine neue Analyse vor und förderte noch drei, bis dahin unentdeckte, sehr wirksame Bestandtheile desselben, nämlich Kali, Jod und Brom, zu Tage. Vornehmlich aber ist sein Werk: die Versendbarkeit des Karlsbader Thermalwassers mit Beibehaltung seiner Heilkräfte, was früher für unmöglich gehalten wurde. In Folge von Pleischl’s Bemühungen bezieht die Stadt Karlsbad, ohne daß die Frequenz der Badegäste, wie man besorgte, abnahm, indem diese vielmehr sich steigert, für die Versendung ihres Thermalwassers seit dem Jahre 1846 einen jährlichen Pachtzins von 6773 fl., ein Reinertrag von Wasser, das vordem ganz nutzlos in der Tepel dahinrann. Ueberdieß ist die Wasserversendung im Zunehmen begriffen. – Ferner faßte P. auch in Wien den Plan, die Grundlage zu einer medicinischen Topographie dieser Stadt zu schaffen und hatte auch mit der Untersuchung des Wassers mehrerer Brunnen begonnen. – Ein nicht geringes Verdienst endlich ist seine Erfindung eines vollkommen unschädlichen metallfreien Emails, womit Geschirre aller Art aus Eisenblech inwendig dauerhaft überzogen werden können. Es war dieß das Ergebniß langjähriger, mit vielen Opfern verbundener Versuche und hatte die Beseitigung der schlecht glasirten irdenen und der kupfernen Kochgeschirre aller Art zur Folge. Pleischl’s selbstständig erschienene Druckschriften führen folgende Titel: „Dissertatio inauguralis de splenis inflammatione“ (Prag 1815, 8°.); – „Das chemische Laboratorium der k. k. Universität in Prag, Entstehung und gegenwärtiger Zustand desselben u. s. w.“ (Prag 1820, 1 K., gr. 8°.); – „Bemerkungen zu dem Werke des Herrn Dr. H. F. Kilian: „Die Universtäten Deutschlands in medicinisch-naturwissenschaftlicher Hinsicht betrachtet“ ... in Beziehung auf die k. k. Universität zu Prag“ (Prag 1829), worin er die gehaltlosen aus einer nur flüchtigen Bereisung gewonnenen Bemerkungen norddeutscher Anmassung in entsprechender Weise abfertigt; – „Beiträge zu einer medicinischen Topographie Prags“, 2 Lieferungen (ebd. 1836 und 1838, 8°.); – „Ueber Krystallbildung durch Sonnenlicht und Sonnenwärme“ (ebd. 1836, 8°.); – „Beiträge zur physikalischen Geographie Böhmens“, 1 Lieferung (ebd. 1838, 8°.), die drei letzten Schriften [418] aus den Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften: – „Die Nothhilfe bei Mangel an Futterstroh“ (ebd. 1835, 8°.); – „Können natürliche Mineralwässer durch künstliche ersetzt werden?“ (Wien 1842, 8°.); – „Ueber die Abkühlung der Karlsbader-Mineralwässer und über die Versendbarkeit derselben“ (Wien 1846); – „Beiträge zur Lehre von den Nahrungsmitteln“ (ebd. 1846); – „Ueber die Bleiglasur“ (ebd. 1848, 8°.), die drei letzten Schriften aus den medicinischen Jahrbüchern. Außerdem enthalten sehr viele Beiträge seiner Feder Schweigger’s „Journal“, Gilbert’s „Annalen“, Poggendorff’s „Annalen“, Kastner’s „Archiv“, Erdmann’s „Journal“, Buchner’s „Repertorium“, Baumgartner’s[WS 2] und Ettingshausen’s „Zeitschrift“, Trommsdorff’s „Journal“, die „Medicinischen Jahrbücher des österreichischen Staates“, die „Oesterreichische medicinische Wochenschrift“, die „Verhandlungen der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien“, die Zeitschrift derselben Gesellschaft, Krombholtz’s „Topographisches Taschenbuch von Prag“, De Caro „Almanac de Karlsbad“, 1832–1854, die „Wiener medicinische Wochenschrift“, das „Wiener polytechnische Journal“, der „Hesperus“, der „Oesterreichische Zuschauer“ u. a. Von diesen in den genannten Blättern zerstreuten Arbeiten ist besonders hervorzuheben die im Februarhefte 1841 der „Medicinischen Jahrbücher des[WS 3] k. k. österreichischen Kaiserstaates“ abgedruckte Abhandlung, welche gegen Dr. Liebig’s in den „Annalen der Pharmacie“ 1838 erschienenen Aufsatz: „Der Zustand der Chemie in Oesterreich“, gerichtet ist, worin Pleischl mit Sachkenntniß und in würdevoller Weise der seichten und absprechenden Kritik, mit welcher der übrigens große Chemiker Liebig besonders österreichischen Zuständen gegenüber sich vernehmbar zu machen pflegt, entgegentritt. Ein Verzeichniß der von Pleischl in den Jahren 1815 bis 1828 erschienenen selbstständigen Werke und in verschiedenen Schriften und Journalen abgedruckten Aufsätze befindet sich auf Seite 22–26 des bereits oberwähnten Werkchens: „Bemerkungen zu dem Werke des Herrn Dr. H. F. Kilian“. Zwei Jahre vor seinem Tode feierte P. sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum, zu welchem ihm von Seite der Prager und Wiener Hochschule Glückwünsche dargebracht wurden. Seine Verdienste um die Wissenschaft wurden mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Seine Tochter war die Gemalin des berühmten Arztes Ritter von Oppolzer [Bd. XXI, S. 76]. – Sein Sohn Theodor (geb. zu Prag 1828) erhielt seine Erziehung und wissenschaftliche Ausbildung zu Prag und Wien, wurde 1853 Dr. der Medicin und Chirurgie, dann Secundararzt im allgemeinen Krankenhause, im Jahre 1854 Assistent der medicinischen Klinik bei Dr. Oppolzer in Wien und wurde im Jahre 1858 ordinirender Arzt und Privatdocent. In Dr. Wittelshöfer’s „Wiener medicinischen Wochenschrift“ veröffentlichte er viele Berichte über die auf Oppolzer’s Klinik beobachteten Krankheitsfälle und lieferte auch sonst mehrere Aufsätze über verschiedene Krankheitsformen.

Wiskoczill (A. M.). Biographie des Herrn Dr. Adolph Martin Pleischl u. s. w. (Wien 1854, K. Ueberreuter, gr. 8°.). – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1854, Nr. 53, Beilage. – Morgenblatt zum Wiener Courier 1857, Nr. 311: „Ueber ein wahres Gesundheitsgeschirr mit metallfreiem Email“. –Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte [419] der exacten Wissenschaften (Leipzig 1836, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 471. – Krombholz (J. V. v.), Topographisches Taschenbuch von Prag, Zunächst für die Naturforscher und Aerzte (Prag 1837, Haase Söhne, 8°.) S. 237–242. – Medicinische Jahrbücher des österreichischen Staates, herausgegeben von Raimann und Rosas, Bd. 31, S. 450, in Ant. Jungmann’s „Skizzirte Geschichte der medicinischen Anstalten an der Universität zu Prag“. – Handschriftliche Notizen des Herrn Dr. Mezler von Andelberg in Weiz. – Porträt. Lithographie und Druck von Fr. Schier in Prag.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ensprechenden.
  2. Vorlage: Baumgarten’s.
  3. Vorlage: des des.