BLKÖ:Roos (Rosa), Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Roose, Betti
Band: 26 (1874), ab Seite: 335. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Joseph Roos in der Wikipedia
GND-Eintrag: 137423152, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Roos (Rosa), Joseph|26|335|}}

Roos (Rosa), Joseph (Maler und Aetzkünstler, geb. zu Wien am 9. October 1726, gest. ebenda am 25., nach And. am 30. August 1805). Sein richtiger Name ist Roos und mag er wohl durch seinen Großvater Philipp Peter Roos[WS 1], in der Kunstwelt bekannt als der berühmte Rosa da Tivoli, zu dem Namen Rosa gekommen sein. R. entstammt einer ausgezeichneten Künstlerfamilie. Sein Vater Cajetan ließ sich in Wien nieder, wo er um das J. 1735 starb. Er war ein geschickter Maler, dessen Landschaften, Thier- und Schlachtstücke, nebst anderen Darstellungen seiner Zeit Beifall fanden. Ausgezeichneter war sein Großvater Rosa da Tivoli, der besonders als Thiermaler seinen Ruf begründete. Ueber beiden aber stand der Urgroßvater, der als Maler und Radirer berühmte Johann Heinrich Roos[WS 2], genannt der „alte Roos“. Sein Urenkel, unser Joseph Roos, erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater Cajetan, unter dessen unmittelbarer Leitung er neun Jahre arbeitete, worauf er die Gemälde seines Großvaters Rosa da Tivoli zu studiren anfing. Nun besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien, und nach einigen Jahren begab er sich auf Reisen und arbeitete anfänglich in Dresden, dann 1757 in Berlin, im folgenden [336] Jahre wieder in Dresden, worauf er in einigen Jahren nach Wien zurückkehrte und daselbst Inspector der kaiserlichen Belvedere-Gallerie wurde, über welche er im Jahre 1796 in Wien eine sehr geschätzte und schon ziemlich seltene Beschreibung in drei Bänden herausgab. Von seinen Arbeiten, besonders Landschaften und schöne Thierstücke, befinden sich mehrere in verschiedenen Sammlungen und im Besitze von Privaten. In Dresden arbeitete er anfänglich unter Bibiena und Servandoni für die Opernbühne und zugleich setzte er an den Kunstwerken der daran so reichen Dresdener Gallerie seine Studien fort. Vornehmlich arbeitete er damals an Zeichnungen nach Gemälden seines Großvaters, und seine Werke fanden solchen Beifall bei König August III., daß dieser ihm nicht nur eine feste Besoldung anwies, sondern ihn auch zu seinem Hofmaler ernannte. Als R. im Jahre 1751 in Berlin verweilte, wurde er vornehmlich von einem Herrn Gotzkowski und einigen anderen Kunstliebhabern mit Arbeiten beschäftigt. Während seines zweiten Aufenthaltes in Dresden wendete ihm der Hof nur noch größere Gunst als früher zu, trug ihm die Ausführung mehrerer Bilder auf und besuchte ihn öfter in seinem Atelier; diesem Beispiele folgte nun auch der Adel, der ihn mit Bestellungen überhäufte. Nach seiner Rückkehr nach Wien war er als Inspector der Belvedere-Gallerie mit Arbeiten in derselben so sehr beschäftigt und überdieß auch schon vorgerückt in Jahren, daß aus dieser Zeit nur mehr selten Bilder seiner Hand noch vorkommen. Von seinen Gemälden sind bekannt in der Belvedere-Gallerie: „Gebirgslandschaft mit Wasserfall, im Vordergrunde eine Schafheerde mit schlafenden Hirten“, bezeichnet: J. Rosa f. 1770 (Leinwand, 4 Schuh 4 Zoll hoch, 6 Schuh 3 Zoll breit); – „Ein Thalgrund mit einem Teiche., im Vordergrunde ein auf der Erde sitzendes Weib mit einem Kinde auf dem Schosse, neben ihr ein Schäferhund“, Größe und Bezeichnung wie bei dem vorigen; – im Lustschlosse Schönbrunn vier große Landschaften; – in der Sammlung des ehemaligen Münzdirectors Eimbke zu Berlin befanden sich seiner Zeit drei prächtige Stücke: eine „Landschaft mit Thieren“; – eine „Gebirgsgegend mit fliessendem Wasser“; – ein „Wasserfall mit einem Sibyllentempel auf Felsen, im Grunde mehrere Figuren, die eine alte Schrift untersuchen“; – in der Bildersammlung von Joseph Winter in Wien: „Landschaft mit Schafen und einem weissen Ziegenbock“ (1 Schuh 2 Zoll hoch, 1 Schuh 6 Zoll breit); – in der Sammlung von Ferd. Geißler gleichfalls in Wien: „Eine Madonna“, aus dem Jahre 1801, mit seinem ganzen Namen gezeichnet (46 Zoll breit, 61 Zoll hoch). Nach seinen Gemälden haben auch mehrere Künstler gestochen, so A. Balzer eine Landschaft mit Viehheerde (Fol.); – L. Zucchi vier Blätter für den „Trionfo della fedeltà“ (Dresden 1754, 4°.) und drei italienische Landschaften (Qu. Fol.); – L. Janscha eine Gebirgsgegend mit einer Heerde (s. gr. Qu. Fol.); – O. E. Sahler eine Gebirgslandschaft in Tuschmanier (Qu. Fol.). Auch hat Joseph R. mehrere Blätter selbst radirt, die jedoch denen seines Urgroßvaters Johann Heinrich Roos nachstehen, es sind: „Première et seconde Suite de six pièces de plusieurs animaux“ (1789 u. 1790), jede zu sechs Blättern, die erste mit Kühen, Schafen und anderen Thieren, die zweite mit Pferden, Kühen und Schafen, in Landschaften, 1789 und 1790[WS 3], in Qu. Fol.; – eine Folge von [337] Schafen und Ziegen, mit Titel. Links auf einem Steine am Brunnen steht: „Joseph Roos inv. et fec. aqua f. 1784“ (Qu. 8°.); – „Eine Landschaft mit zwei Schafen und zwei Ziegen im Vordergrund) im Hintergrunde Ruinen“ (gr. Hochfol.); – „Landschaft mit mehreren Thieren“ (gr. Qu. Fol.). Die Arbeiten von Joseph Roos sind trefflich gezeichnet, mit Sorgfalt ausgeführt, das Studium der ausgezeichneten Werke seines Großvaters Rosa da Tivoli ist namentlich in seinen früheren nicht zu verkennen, jedoch sind sie weit entfernt von knechtischer Nachahmung, sondern eben nur Vorbilder, deren Vorzügen er nachzueifern bemüht war. Die Staffage bei seinen Landschaften ist ungemein fleißig gehalten, und die Landschaft selbst eine glückliche und treue Wiederholung der Reize der Natur. – Sein Sohn, gleichfalls Joseph (geb. zu Wien im Jahre 1760, gest. ebenda 7. December 1822), bildete sich unter Anleitung des Vaters auch für die Kunst aus und besuchte an der k. k. Akademie die Abtheilung für Historienmalerei. Er wurde wie sein Vater in der k. k. Gemäldegallerie im Belvedere angestellt und bekleidete daselbst zuletzt die Stelle eines ersten Custos. In der Gallerie sollen mehrere Werke seines Pinsels vorhanden sein, und die in der Bildersammlung von Ferdinand Geißler (Wien, Josephstadt, Josephstädterstraße Nr. 33) vorhandene, mit Joseph Rosa 1801 bezeichnete „Madonna“ auf Leinwand, 46 Zoll breit, 61 Zoll hoch, möchte wohl eher von ihm als seinem Vater gemalt sein.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 409, als Joseph Rosa [nach dieser am 25. August 1805 gestorben]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XIII, S. 361. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 45, 50, 58, 73, 89, 318, 362 [nach diesem geb. im Jahre 1732]. – Mechel (Christian von), Verzeichniß der Gemälde der kais. kön. Bildergallerie in Wien (Wien 1783, Gräffer, 8°.) S. 303 u. 377. – Andresen (Andreas), Handbuch der Kupferstichsammler oder Lexikon der Kupferstecher, Maler, Radirer u. s. w. Auf Grundlage der zweiten Auflage von Heller’s prakt. Handbuch für Kupferstichsammler neu bearbeitet u. s. w. (Leipzig 1873, T. O. Weigel, gr. 8°.) Bd. II, S. 395[WS 4] [nach diesem gestorben am 30. August 1805]. – Porträt. P. Haubenstiker p., C. Fellner sc. 1789, Halbfigur (Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Philipp Peter Roos (Wikipedia).
  2. Johann Heinrich Roos (Wikipedia).
  3. Vorlage: 1700.
  4. Vorlage: S. 305.