BLKÖ:Roose, Betti

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 337. (Quelle)
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Roose, Betti (k. k. Hofschauspielerin, geb. zu Hamburg 20. October 1778, gest. zu Wien 24. October 1808). Eine Tochter des berühmten Hofschauspielers Siegfried Gotthilf Eckardt [Bd. III, S. 419], genannt Koch. Sie erhielt im Elternhause eine sorgfältige Erziehung und wurde von dem eigenen Vater für die Kunst, die er selbst mit so ausgezeichnetem Erfolge betrieb und für die sie von frühester Jugend ein entschiedenes Talent gezeigt, ausgebildet. Als zehnjähriges Kind, 1788, betrat sie in Riga, wo damals ihr Vater Theaterdirector war, zum ersten Male die Bühne; im Jahre 1794 debutirte sie in Mannheim, trat dann in Hannover, Hamburg und Bremen, und nachdem der Vater im Jahre 1798 einem Rufe Kotzebue’s nach Wien gefolgt war, auch in Wien auf, wo sie bald sowohl in heroischen, als naiven Rollen sich die Gunst des Publicums erwarb und dessen Liebling wurde. Im Jahre 1799 vermälte sie sich mit dem k. k. Hofschauspieler und Regisseur Friedrich Roose [siehe dessen Biographie auf der folg. Seite], mit dem sie mehrere Kunstreisen nach Prag, Pesth, Breslau, Regensburg u. a. O. unternahm. In Folge einer unglücklichen [338] Entbindung starb die Künstlerin im Alter von erst 30 Jahren. Unter ihren zahlreichen Rollen sind besonders hervorzuheben: Iphigenia, die Jungfrau von Orleans, die Polyxena in „Balboa“, die Octavia, die Bertha in Kotzebue’s „Hussiten“ u. m. a. Einer der über sie erschienenen Nekrologe schreibt von ihr: „Die volltönende, harmonische Stimme, der echtrömische Kopf und ein edler, majestätischer Gang trugen nicht wenig zur Vollkommenheit ihrer Darstellungen bei“. – Ihr Gatte Friedrich Roose (geb. zu Limburg an der Lahn im Mainzischen im Jahre 1767, gest. zu Wien am 29., n. A. am 30. Mai 1818) sollte sich nach zuerst in Mainz, dann an der Hochschule zu Heidelberg beendeten Studien dem Advocatenstande widmen, aber die Neigung zur Bühne überwog und er wurde unter dem Namen Rosolvi Mitglied der Faller’schen Schauspieler-Gesellschaft zu Baireuth. Mit derselben kam er nach Regensburg und von dort nach Königsberg, wo er seinen bisherigen Namen Rosolvi mit Roose vertauschte und denselben bleibend behielt. In Königsberg hatte ihn Kotzebue kennen gelernt, der damals nach Wien berufen worden war und den Auftrag hatte, taugliche Mitglieder für die Hofbühne zu gewinnen. Unter diesen Letzteren befand sich auch Roose, der nun zugleich mit Eckhardt und dessen Tochter Betti, die er bald darauf heirathete, nach Wien kam und an der Wiener Hofbühne durch zwei Decennien in feinkomischen Rollen mit großem Erfolge wirkte. Im Jahre 1802 erhielt Roose die Stelle eines der fünf Regisseure des Burgtheaters. Am 18. Jänner 1818 trat er in der Rolle des Königs von Spanien in dem zum ersten Male gegebenen Trauerspiele: „Don Gutierre“ zum letzten Male auf. Wenige Monate später erlag er im Alter von erst 51 Jahren der Brustwassersucht. In Rollen wie Sperling in den „Deutschen Kleinstädtern“, Wachtel in „Sorgen ohne Noth“, Gustav Erlenhof im „Verbannten Amor“, Antonio in Goethe’s „Tasso“ u. dgl. m. soll er Treffliches geleistet haben und war, wie es noch viele Jahre nach seinem Tode hieß, „unvergeßlich und zum Theile unersetzt“.

Monatschrift für Theater und Musik. Herausgegeben von Joseph Klemm (Wien, 4°.) III. Jahrgang (1857), S. 295. – Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) II. Jahrg. (1808), Intelligenzblatt December, Sp. 250. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 343. – Sammler (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.) 1811, S. 511: „An Sie“, von Passy. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 409. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VI, S. 309. – Porträte. 1) C. Agricola p., J. Neidl sc., Halbfigur (8°.); – 2) Costumbild als „Mirina“. Axbeck p., Stubenrauch sc. Rad. u. Aquat. (8°.); – 3) Costumebild als „Iphigenia“. J. Langedel p., C. Pfeiffer sc. (Fol.). – Ueber Betti Roose’s Gemal Friedrich Roose vergleiche: Sammler (Wiener belletrist. Blatt, 4°.) 1818, S. 275: „Biographische Notiz“. – Porträt. J. Neidl sc. (Wien, 8°.).