BLKÖ:Stubenberg, Johann (Hans, um 1448)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 131. (Quelle)
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22. Johann (Hans). Vom Wurmberger Aste. Hie und da wird ihm der Vorname Andreas beigelegt, den auch sein Schwiegervater, der berühmte Andreas Baumkircher, führte. Er ist ein Sohn Leutholds S. aus dessen erster Ehe mit Agnes von Pettau. Urkundlich tritt er zuerst 1448 auf, im Jahre 1480 weilt er nicht mehr unter den Lebenden. Durch eine eigenthümliche Verkettung von Umständen wurde er in seines Schwiegervaters Baumkircher blutige Wirren verwickelt, deren nächste Ursache neuere Historiker in einem Testamente finden wollen, welches Hansens Mutter Agnes von Pettau am 13. April 1443 errichtet und worin sie bestimmt hatte, daß, im Falle ihre männliche Descendenz unbeerbt ableben sollte, der Kaiser als Landesherr der Steiermark und Kärnthens ihre Herrschaften und Schlösser Wurmberg, Schwanberg sammt dem Markte, und Hollenburg in Kärnthen erbe. Hans, als der ältere Sohn, erhielt die genannten Herrschaften, der jüngere Sohn Friedrich Haus am Bacher (Hausenbach). Der Erstere sieht sich veranlaßt, mittels der Urkunde vom 24. April 1463 seine Schlösser Wurmberg, Schwanberg, Haus, Hollenburg und Entrach seinem lieben Freunde Andrä Baumkircher, Span zu Preßburg, für den Fall als Eigenthum zu verschreiben, als der Stubenberg’sche Mannesstamm erlöschen sollte, zum Dank dafür, daß Baumkircher „unter großen Gefahren ungespart seines Leibes und Gutes ihn bei Erb und Gut erhielt“. Nachdem er am 6. December 1464 seine Verlobung mit Martha, der kaum zur Jungfrau herangereiften Tochter Baumkircher’s verkündet hatte, bestätigte er Baumkircher’s Exspectanz am 30. September 1466. Die Heirat aber kam etwa 1470 zum Vollzuge. Wie sich die Verwicklungen zwischen dem Kaiser und Baumkircher allmälig gestaltet und immer mehr zugespitzt, ist ein Gegenstand, der die neuesten Geschichtsforscher stark beschäftigt hat, und die in den Quellen angeführten Werke und Abhandlungen bringen wenn nicht endgiltige Resultate, doch auf höchster Wahrscheinlichkeit beruhende Vermuthungen. Für uns ist es nur wichtig, zu wissen, daß Hans Stubenberg treu zu Baumkircher hielt, als mit dem Jahre 1463 die Entfremdung zwischen demselben und dem Kaiser sichtlich zu Tage trat. Es scheint, daß der Letztere das Absterben der Stubenberg nicht abwarten, sondern ihre Besitzungen schon eher in seine Gewalt bekommen wollte, wogegen sich Hans von Stubenberg wehrte. Zudem knüpften die Pflicht der Dankbarkeit sowohl, als die Bande der nächsten Blutsverwandtschaft Hans an den tapferen steirischen Ritter und weihten ihn auch zum Gefährten im Unglück, als Baumkircher’s Stern verblaßte. Mit den übrigen Verschworenen kündete Johann von Stubenberg im Jahre 1468 dem damals in Rom weilenden Kaiser Fehde. Während derselben wurde die dem Stubenberg gehörige Hollenburg von den Kaiserlichen erstürmt, dagegen aber auch dem Kaiser und seinen Ländern bedeutender Schaden zugefügt, bis dieser unter dem Drucke der Nachbarschaft des Königs Mathias Corvinus und gedrängt von den auf dem Landtage von Völkermarkt versammelten Steirern und Kärnthnern, daselbst am 30. Juni und 2. Juli 1470 mit den Baumkircher, Stubenberg und den Anderen Frieden schließend, dieselben wieder in Gnaden aufnahm. Allein die Abfertigung der Ansprüche Baumkircher’s und der Seinigen verzog sich, so daß der Krieg noch immer kein Ende fand. Als dann Baumkircher unter freiem Geleite zu neuen Verhandlungen nach Gratz kam, ereilte ihn sein Schicksal. Ein mit dem Verlaufe der Dinge bekannt gewesener Zeitgenosse tadelte den Baumkircher ob seines Vertrauens zu dem Geleitbriefe, der Ritter habe dadurch gezeigt, daß er mehr „Leuen- als Fuchshirn“ besessen. Der Baumkircher war gefährlich, man wollte sich deshalb seiner entledigen und so wurde ihm, es scheint, ohne viel Procedur, am 24. April 1471 der Kopf abgeschlagen, [132] eine Handlung, die dem Kaiser nicht zu Gunsten gerechnet werden kann. In dem dramatischen Abschlusse der Empörung tritt Baumkircher’s Unglücksgenosse Andreas Greissenegger neben dem Haupthelden der Tragödie in den Vordergrund. Hans von Stubenberg, einer der Brüder Narringer und Jacob Schreiber werden gefangen genommen und festgehalten. Es erscheint deshalb Hans von Stubenberg nicht mehr in dem Adelsbunde, welchen Wilhelm Baumkircher, um den schmachvollen Tod des Vaters zu rächen, allsogleich ins Leben rief. Mit diesem Bunde pactirte endlich der Kaiser, indem er am 8. Mai 1472 mit der Witwe Baumkircher’s, den beiden Söhnen Wilhelm und Jörg (dessen Gemalin Margaretha von Stubenberg), den Töchtern Martha (vermälten Stubenberg) und Katharina über ihre Geldforderungen sich verglich. Bei diesem Anlasse dürfte Stubenberg die Freiheit wieder erlangt haben, doch möchte hiermit wohl kaum die Spannung zwischen dem Kaiser und Stubenberg nachgelassen haben, noch viel weniger das volle Einvernehmen zwischen beiden hergestellt worden sein. Hans Stubenberg hatte bei diesen Händeln wohl nicht Alles, jedoch so Vieles eingebüßt, daß der Glanz seines Hauses für immer verdunkelt, die Macht desselben dauernd gebrochen blieb. Wurmberg war ihm wohl geblieben, hingegen Hollenburg, Schwanberg und Anderes gingen ihm für immer verloren. Hans war in erster Ehe mit Helene von Tschernembl vermält, welche Ehe kinderlos geblieben zu sein scheint; seine zweite Frau war die bereits erwähnte Martha, Baumkircher’s Tochter, welche ihm drei Söhne gebar, deren ältester, Caspar [S. 124, Nr. 4], die Wurmberger Linie fortpflanzte. [Mittheilungen des historischen Vereins für Steiermark, 1869, Heft XVII, S. 73 bis 129: „Zur Geschichte der Steiermark vor und in den Tagen der Baumkircher Fehde“. Von Prof. Dr. Franz Krones. – Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen, VII. Jahrg. (1870), S. 3–55: „Die zeitgenössischen Quellen der steiermärkischen Geschichte in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts“. Von Professor Dr. Franz Krones. – Zeitschrift für österreichische Gymnasien (Wien, 8°.) 1871, Heft 7 und 8: „Zeugenverhör über Andreas Baumkircher’s Thaten, Leben und Ende“. Von ebendemselben. – Mailáth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°.) Bd. I, S. 302. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrgang 1818, Nr. 132: „Baumkircher und Stubenberg“.] –