BLKÖ:Taaffe, die Grafen, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Taaffe, Eduard Graf
Band: 42 (1880), ab Seite: 298. (Quelle)
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I. Zur Genealogie der Grafen Taaffe. Die Taaffe, in deren Adern nach einigen Genealogen normännisches Blut fließen soll, sind allem Anscheine nach eine aus Wales nach Irland übergewanderte Familie, welche daselbst zu den ältesten Geschlechtern zählt, da ihre urkundlich festgestellten Stammregister bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen, in welchem ein Sir Richard Taaffe, zur Zeit Eduards I., Königs von England, lebend, im Jahre 1287 starb. Daß die Taaffe zu den begütertsten Familien des Landes gehörten, dafür sprechen ihre nicht selten bedeutenden kirchlichen Stiftungen, welche in Urkunden aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verzeichnet stehen. Wie sehr sie aber in Ansehen gestanden, bezeugt ein königlicher Freibrief vom 19. März 1336, welchem zufolge Richard Taaffe von Castelumpnagh für seine Lebenszeit von der Stellung oder Untersuchung vor Jury und Assisen befreit wurde. Sein Reichthum aber erhellt aus einer nur übersichtlichen Anführung des Grundbesitzes, der seiner Gemalin gehörte und aus 40 Häusern mit Grundstücken, 2 Mühlen. 8 Stück Land, 80 Morgen, 200 Hutweiden, 200 Waldungen. 500 Morästen und Sümpfen u. s. w. bestand. Von genanntem Richard setzt sich das Geschlecht in ununterbrochener Folge fort, und wir finden die Sprossen desselben immer im Dienste ihrer Könige, denselben in allen Kriegen treu zur Seite stehend und von ihnen dafür in mancherlei Weise ausgezeichnet und mit Schenkungen an Grundbesitz, Befreiung von Zöllen und Verleihung wichtiger und einflußreicher Rechte reich bedacht. Und zwei Hauptmomente sind es, welche die Familie kennzeichnen, ihre unerschütterliche Treue gegen den angestammten König und ihr Festhalten am katholischen Glauben, für welche beide sie keinen Augenblick anstehen, zuletzt Güter, Rang und Freiheit aufzugeben, ja ihr Vaterland zu verlassen, nachdem sie erkannt, daß sie den Untergang ihrer Fürsten nicht aufhalten, daß sie mit ihrer Glaubenstreue dein Widerstande der Gegner nicht mit Erfolg mehr begegnen, daß sie. alleinstehend mit ihrer Treue und ihren Ueberzeugungen, dem Vaterlande nicht mehr nützen können. Da wir denn doch ein österreichisches Lexikon schreiben, so gehen wir, indem wir die Geschichte dieser Familie, so weit sie mit deren Stammlande auf das innigste verflochten ist. überspringen, zunächst auf den Zeitpunkt über, in welchem dieselbe zum Kaiserstaate in Beziehungen tritt, sie eingehender behandelnd von dem Momente, da die Taaffe festen Fuß im Kaiserstaate fassen und ihre Geschicke mit jenen der Monarchie bald mehr bald weniger innig verwoben sind. Die Stammtafel beginnen wir mit [299] Wilhelm, mit dessen Enkeln Theobald [S. 305, Nr. 17] und Wilhelm das Geschlecht sich in zwei Hauptstämme theilt, von denen der von dem Ersteren ausgehende schon mit dessen gleichnamigem Enkel Theobald [S. 316, Nr. 18] 1738 im Mannesstamme erlischt, während der von Wilhelm gepflanzte, welcher mit dessen Enkel Nicolaus [S. 311], dem ersten Reichsgrafen, sich bleibend in Oesterreich seßhaft machte, noch zur Stunde blüht. Die beiliegende Stammtafel gibt eine genaue Darstellung beider Hauptstämme mit deren Stammesfolge bis auf die Gegenwart. – Was nun die Würden und Aemter dieses Hauses anbelangt, so treffen wir, wenn wir auf die Geschichte desselben in seiner alten Heimat Irland zurückgreifen, in Johann, dem einzigen Sohne Wilhelms, mit dem unsere Stammtafel anhebt, auf den ersten Viscount Taaffe von Corren und Baron von Ballymote, zu welcher Würde er mittelst eines königlichen Privy Seal-Schreibens ddo. 27. Juni 1628 erhoben wurde, dem zufolge er am 14. Juli 1634 seinen Sitz im Hause der Pairs einnahm. Sein erstgeborener Sohn Theobald erhielt für die ausgezeichneten Dienste, welche er dem Könige und dessen Sache erwiesen, von demselben als Zeichen dankbarer Huld am 26. Juni 1662 die Würde eines Earl von Carlingford für sich und seine männlichen Leibesnachkommen. Diese Würden setzten sich fort, und zwar die des Earl von Carlingford bis auf Theobald den vierten Earl, mit welchem, da er kinderlos starb, dieselbe erlosch; jene des Viscount bis auf die Gegenwart, so daß der gegenwärtige Chef des Hauses, Minister-Präsident Graf Eduard, der zehnte Viscount Taaffe zu Corren und Baron von Ballymote ist. Den Reichsgrafenstand erlangten die Taaffe im Jahre 1662, das böhmische Incolat erwarb zuerst Franz von Taaffe am 20. August 1676. später Theobald Graf Taaffe am 2. November 1702; das mährische Incolat kam in die Familie am 30. September 1758; Graf Ludwig aber erlangte das Incolat von Kärnthen am 22. April 1819, von Steiermark am 16. Jänner 1821, von Galizien am 19. August 1823, von Niederösterreich am 15. October 1827, und das Indigenat von Ungarn am 6. Februar 1829. Von persönlichen Würden tragen zwei Sprossen des Hauses das goldene Vließ: der berühmte Kriegsheld und Staatsmann Franz [S. 301, Nr. 3], der es 1698 erhielt, dann der gegenwärtige Minister-Präsident Graf Eduard [S. 294], welchem es mit ah. Handschreiben vom April 1878, als er noch Statthalter von Tirol war, verliehen wurde. Was nun die einzelnen Sprossen dieses Geschlechts betrifft, so erblicken wir dieselben im Dienste des Staates, des Heeres und der Kirche, welche letztere wohl auch einen hohen Würdenträger, den Erzbischof von Armagh, Johann Taaffe (gest. am 30. October 1288), aufzuweisen hat, jedoch mehr von den einzelnen Familiengliedern in den Religionskämpfen, die England im 16. und 17. Jahrhunderte zerwühlten, vor den Bedrohungen der verschiedenen anderen Religionsparteien mit kräftigem Arme geschützt wurde. Vornehmlich aber dienten die Taaffe im österreichischen Heere, und zwar bereits zu einer Zeit, da sie noch gar nicht bleibend nach dem Kaiserstaate übersiedelt waren. Franz [S. 301, Nr. 4] focht rühmlichst bei der Belagerung Wiens durch die Türken, an deren Besiegung noch immer aus Gott weiß welchen Gründen die Polen ihr Theil für sich in Anspruch nehmen, da es denn doch durch neuere Forschungen erwiesen und festgestellt ist, daß dieselben, obgleich sie noch heute auf dem jetzigen Leopoldsberge am 12. September ihre Polenmesse feiern, der einzige Theil des Entsatzheeres waren, der geschlagen und gegen Dornbach zurückgeworfen wurde. Die Ursache dieser sich fort und fortschleppenden Unrichtigkeit in der Geschichte des Entsatzes rührt von dem Umstande her, daß man den deutschen zumeist protestantischen Reichstruppen die Ehre des Triumphes nicht gönnen wollte, und daß darum die damaligen Hof- und Leibhistoriographen lieber dem katholischen Könige einen Sieg zuschrieben, den eigentlich seine protestantischen Kampfgenossen erfochten hatten. Wilhelm [S. 307, Nr. 20] fiel 1684 im Türkenkrieg, und auch Theobald [S. 306, Nr. 18] zeichnete sich in demselben bei der Belagerung von Ofen rühmlichst aus. Uebrigens standen die Grafen Franz [S. 301 und 302, Nr. 3, 4 u. 5], Johann [S. 304, Nr. 9], Karl [S. 307], Nicolaus [S. 304, Nr. 13, und S. 311] und Rudolph [S. 305, Nr. 16] in den Reihen der kaiserlichen Armee, in welcher sie immer mit großer Bravour fochten und entscheidend in den Ausgang des Kampfes eingriffen, wie dies in den betreffenden [300] Lebensskizzen vorgestellt ist. – Auch Staatsmänner hat das Geschlecht sowohl in der Vergangenheit als in der Gegenwart aufzuweisen, und indem wir von jenen absehen, die ihren heimischen Königen mit aller Ergebenheit gedient, wie Franz [S. 301, Nr. 4] und Nicolaus [S. 304, Nr. 13], nennen wir den Grafen Ludwig [S. 308], dessen Name in der Geschichte des österreichischen Justizwesens mit unvergänglichen Zügen eingezeichnet ist, während sich für uns die Wirksamkeit des gegenwärtigen Minister-Präsidenten Grafen Eduard, auf dessen Lebensskizze [S. 294] hingewiesen wird, als eine noch nicht abgeschlossene jeder näheren Beurtheilung entzieht. Auch die exacte Wissenschaft fand im Hause Taaffe ihren eifrigen Pfleger, um hier nur des Grafen Franz [S. 301, Nr. 3] zu gedenken, der bereits als General-Major ein hervorragender Militär, in seinen späteren Lebenstagen sich ganz in die Einsamkeit zurückzog, um seiner Lieblingswissenschaft, der Astronomie, zu leben, zu welchem Zwecke er in Budweis sich eine eigene Sternwarte hatte bauen lassen. – Was nun die Frauen des Hauses betrifft, so gehören diese sowohl den edelsten Geschlechtern ihres Stammlandes an, wie dies aus der Stammtafel zu ersehen, als auch seit Uebersiedlung der Taaffe nach Oesterreich-Ungarn den ersten Familien dieses Reiches, wir nennen hier nur die Fürsten Bretzenheim, die Grafen v de Varkony, Chotek, Csáky, Harsch, Haugwitz, Rindsmaul, Spindler. [Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 266. – Genealogie der Grafen Taaffe. Aus dem Englischen übersetzt (Wien 1862, F. B. Geitler, 4°.) 21 S., 4°.). – Memoirs of the Family of Taaffe. Not published (Vienna 1856, Auer, 8°., 372 S.). Mit den Bildnissen der Grafen Ludwig (Titelbild), Lords Rudolph (S. 33), Grafen Franz (S. 34). Earls Francis (S. 207), Lords Nicholas (S. 305), Grafen John (S. 337), den Abbildungen der alten in Irland gelegenen Taaffe’schen Burgen und Schlösser: Ballymote Castle, Abbey of Clonshanville, Ballyhara Castle, Carlingford Abbey, Church at Jamestown, Roß Castle und dem in Böhmen gelegenen Ellischau und St. Anthony’s Chapel (Ellischau), und einer Stammtafel (2 Meter und 33 Centimeter lang, die in Folge dieser Dimensionen und der ganzen Anlage nach sehr schwer benützbar ist). – Historisch-heraldisches Handbuch zum genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser (Gotha 1855, Justus Perthes, 32°.) S. 982. – Lodge (Edmund), The Peerage of the British Empire as at present existing. Twelfth Edition (London 1843, Saunders and Otley, gr. 8°.) S. 512.


[300a] [WS 1]
Stammtafel der Grafen Taaffe, Pairs von Irland, Lords Viscount Taaffe von Corren und Barone von Ballymote.

Wilhelm[1][19][2]
† 9. Februar 1630, n. A. schon 1626.
1) Elisabeth Brett von Tulloch
2) Ismay Bellew.
Johann, erster Viscount [7]
† 9. Jänner 1642.
Anna Dillon.
Marie,
vm. Johann Taaffe von Arthurstown.
Eleonore,
vm. Richard Taaffe von Tookstown.
Theobald [17],
Earl von Carlingford,
zweiter Viscount,
† 31. December 1677.
1) Maria White von Leixlip.
2) Anna Pershall, wiedervm. Randal
Lord Dunsany.
Anna
† 1642,
vm. 1) Joseph Throckmorton,
2) Randal Plunkett.
Lucas [11],
General-Major.
Elisabeth Stephenson von Dummolyn.

Mary,
vm. Richard Burke von Derrymaclaughty.
Franz [11, im Texte], Oberst † in Neapel. Wilhelm.
Margaretha Kennedy
de Roe Ballygartita.
Eduard †. Thomas.
N. N.
Jacob,
Franciscaner-
Mönch.
Georg
jung †.
Jaspar ⚔ †
N. N. Hill.
Christoph
† 1625.
Karl,
Cistercienser-
Abt.
Ismay,
vm. Brian
Mac-Donogh.
Eleonore,
Nonne.
Anna,
Nonne.
Lucas †. Theobald †. Jacob. Anna.
Elisabeth †,
vm. Hiberius O’Hara v. Ballyhara.
Eleonore †,
vm. Johann Philipp von Ballinduth.
Maria †. Franz.
Anna Maria D’Crean de Sligo, nachmals
vermälte Philipp von Ballinduth,
† 1736.
William [20]
⚔ † im Türkenkriege
1684.
Nicolaus [13],
dritter Viscount,
zweiter Earl von Carlingford,
⚔ † in der Schlacht
am Boynefluß 1. Juli
1690.
Marie Wild von Wildhouse.
Robert †. Franz [4].
Ritter des goldenen Vließes,
dritter Earl v. Carlingford,
vierter Viscount,
geb. 1639, † 1704.
Elisabeth Maximiliana
Gräfin Traudisch, verwitw.
1) Wilhelm Heinrich Schlik,
2) Georg Ernst Schlik.

Anna †.
Dillon. Johann [6]
⚔ † bei Derry
1689.
Rosa Lambert von
Cavan.
Anna,
vm. 1) Joseph
Throckmorton,
2) Niclas Plunkett
Graf Fingall
† 1742.
Nicolaus [S. 311],
erster Reichsgraf,
sechster Viscount Taaffe,
geb. 1677, † 30. Dec. 1769.
Marianna Gräfin Spindler
† 21. November 1769.
Anna,
vm. Johann Brett von Bathdovny.
Maria †,
vm. Theodor Verdon v. Clunigashele.
Lambert
⚔ † 1701
bei Cremona.
Theobald [18],
fünfter Viscount,
vierter Earl von Carlingford,
† 24. November 1738.
Amalia Plunkett Gräfin
von Fingall
† 4. October 1757.
Maria. Johann [8]
geb. 1. Februar 1733,
† 11. December 1765.
Maria geb. Gräfin Chotek,
wiedervm. Mallabaila Canale
† 1810.
Franz [3]
geb. zu Prag
1. Jänner 1738.
Francisca Maria Bellew Baronin Duleck
† vor 1792.
Rudolph [16],
siebenter Viscount,
geb. 6. October 1762,
† 7. Juni 1830, n. A. 1836.
Maria Josepha Gräfin Haugwitz
† 30. Mai 1823.
Johann [9]
geb. 28. Juni 1764, † 1814,
Anna geb. Gräfin Harsch.
Maria
geb. 1760,
vm. Graf Rindsmaul.
Joseph
† 1846
Maria,
vm. Freiherr Minckwitz v. Minckwitzburg.
Franz [5],
achter Viscount,
geb. 2. Mai 1789, † 8. Febr. 1849.
Antonia Gräfin Amadé von Varkony
geb. 31. December 1795.
Rudolph
jung †.
Ludwig Patrik [S. 308]
geb. 23. December 1791, † 21. December 1855.
Amalie Fürstin Bretzenheim [1]
geb. 6. October 1802,
† als Letzte ihres Geschlechts 28. October 1874.
Clementine
geb. 26. November 1793, † 1816.
vm. Thaddäus Graf Amadé von Varkony.
Karl [S. 307],
neunter Viscount,
geb. 26. April 1823, † 1873.
Clementine
geb. 20. October 1827.
Louise
geb. 29. September 1829
Amalie
geb. 14. September 1832.
Eduard Ritter des goldenes Vließes [S. 294],
zehnter Viscount,
geb. 24. Februar 1833.
Irma Gräfin Csáky von Keresztszegh und Adorjan
geb. 6. Jänner 1838.
Marie
geb. 21. September 1866.
Louise
geb. 28. Juni 1868.
Helene
geb. 29. Sept. 1870.
Heinrich[WS 2]
geb. 22. Mai 1872
Clementine
geb. 3 Jänner 1875.

  1. Die in Großbritannien blühenden Linien stammen von Geschwistern des obigen Wilhelm ab, mit dem in Hinblick auf den Eintritt der Familie in Oesterreich unsere Stammtafel anhebt.
  2. Die in den Klammern [ ] befindlichen Zahlen weisen auf die kürzeren Biographien, welche sich auf S. 300–307 (Nr. 1–20) befinden, wenn aber ein S. voransteht, auf die Seite, auf welcher die ausführlichere Lebensbeschreibung des Betreffenden steht.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. In der Vorlage ohne Seitenzahl.
  2. Heinrich Taaffe (Wikipedia).