BLKÖ:Thürheim, Johann (Hans) Christoph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 280. (Quelle)
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23. Johann (Hans) Christoph (geb. 2. November 1589, gest. zu Linz 14. August 1634), Sohn Philipp Jacobs Herrn von Thürheim aus dessen Ehe mit Cordula Herrin von Nußdorff, war der Erste seines Geschlechtes, der sich dauernd in Oesterreich ansässig machte. Durch 15 Jahre Kämmerer und Rath des Erzherzogs Leopold Wilhelm, Bischofs von Passau und Straßburg (Bruders Kaiser Ferdinands III.[WS 1]), begab er sich 1623 nach Oberösterreich und trat als Kämmerer, Rath und Pfleger zu Ebelsberg in die Dienste Kaiser Ferdinands II. von welchem er mit Diplom ddo. Wien 12. Februar 1625 für sich und seine Nachkommen in den Reichsfreiherrenstand erhoben’ wurde. Aus einem im Familienarchive noch erliegenden eigenhändigen Concepte seines amtlichen Berichtes an den damaligen Statthalter Oberösterreichs, den kurbayrischen Generalfeldwachtmeister Grafen Adam. Herberstorff, vom Jahre 1626 ist ersichtlich, daß die rebellischen Bauern sowohl den Markt als das landesfürstliche Schloß Ebelsberg angriffen und plünderten. „Thüren, Truhen [281] und Kasten wurden erbrochen, Alles, was sie nur immer fanden, weggenommen oder vertilgt, 356 Eimer Weins durch die Gurgel gejagt, das allda liegende Getreide abgeführt und aus seinem (Hans Christophs) eigenen Stalle drei gute Pferde und fünfundzwanzig Stück Ochsen weggetrieben, die Dienerschaft gequält, mißhandelt und bei der geringsten Widerrede mit dem Leben bedroht, ebenso die Bürgerschaft des Ortes in ihrem Hab und Gut ganz ruinirt.“ Die Directionsräthe und Ausschüsse der Bauern führt Hans Christoph in diesem Berichte namentlich auf; die denkwürdigeren unter ihnen waren: die Pfleger Hausleutner der Herrschaft Parz, und Aschauer jener von Schaumberg, sowie die Ortsrichter von Lasberg, Leonfelden, Ottensheim, Gallnaukirchen, Gmunden und der Doctor Lazarus Holzmüller von Stadt Steyer. Laut einer seinem Berichte beigefügten Specification beziffert er den selbst erlittenen Schaden mit 11.285 fl., einer zu jener Zeit nicht unbedeutenden Summe. Am 21. Mai 1627 wurde Freiherr Johann Christoph Thürheim in die oberösterreichische Landmannschaft aufgenommen und bereits 1628 zum Verordneten der dortigen Stände gewählt, „in welcher Bedienung“ er nach zeitgenössischen Berichten „dem Lande, in specie bei dem damals völlig zerfallenen Credit und verwirrten Landschaftswesen sehr viel ersprießliche Dienste geleistet, davon die zu seinem unsterblichen Nachruhm annoch vorhandenen und bei der Landschaft verwahrten Acta und verfaßte Gutachten Zeugniß geben“. Im Jahre 1629 erkaufte er die noch jetzt im Besitze der Familie befindlichen Herrschaften Weinberg, Wartberg und Dörnach von den des Protestantismus halber emigrirten Freiherren von Zelking. Auch war er im Besitze des Rittergutes Bibrachzell mit Ober- und Unter-Reichenbach in Schwaben und der von seiner Mutter ererbten vormaligen Nußdorff’schen Güter Fischbach und Stockenfels in der Oberpfalz. Johann Christoph hatte sich am 9. Juni 1619 mit Anna Martha Freiin von Tauffkirchen vermält, welche 1661 das Zeitliche segnete. Beider Testament ddo. 21. December 1621 befindet sich in legalisirter Copie laut Nedopil’s „Adelsproben“ Nr. 6841 im deutschen Ordens-Centralarchive zu Wien. Ihrer Ehe entsproßten fünf Söhne und vier Töchter, welche in der Stammtafel ersichtlich sind. Er starb im 45. Lebensjahre und ruht in der Pfarrkirche zu Linz, unweit des St. Erasmialtares. Nach seinem Tode war Freifrau Anna Martha von Thürheim Herrin der Herrschaft Weinberg, welche sie aber 1650 ihren Söhnen Christoph Leopold und Philipp Jacob zum Eigenthum übergab. Sie ruht in der Pfarrkirche zu Linz an der Seite ihres Gatten. Laut eines von ihr im Jahre 1641 aufgestellten Stiftungsbriefes begründete sie zu Ebelsberg, wo Johann Christoph als kaiserlicher Pfleger und Lehenpropst von Oberösterreich mehrere Jahre gewirkt, ein Beneficium S. Sebastiani mit Seelenmessen für ihren Gemal, ihre Kinder und alle christgläubigen Seelen. Hinsichtlich dieser Stiftung wurde im Einvernehmen mit dem gegenwärtigen Familienchef Ludwig Egbert Grafen Thürheim als directem Descendenten der Stifterin mit Bescheid des bischöflichen Consistoriums in Linz, Z 2954 ddo. 11. Jänner 1845, die Bestimmung getroffen, daß von den entfallenden Interessen des Capitals alljährlich am Sebastianstage ein Lobamt und alle Monate zwei heilige Messen für die Thürheim’sche Familie von dem jeweiligen Pfarrer zu Ebelsberg gelesen werden [Hohenegg, loco citato, Bd. II, S. 643.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ferdinands II.