BLKÖ:Unterberger, Christoph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Unterberg
Band: 49 (1884), ab Seite: 79. (Quelle)
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Unterberger, Christoph (Maler, geb. zu Cavalese im Fleimserthale Südtirols 27. Mai 1732, gest. zu Rom 25. Jänner 1798). Der ältere Sohn des Unterwaldmeisters in Cavalese Joseph Unterberger [vergleiche das Stammtäfelchen auf S. 83], zeigte er früh Talent und Liebe zur Malerkunst, in welcher er von seinem Oheim Franz I. [siehe diesen S. 82] die erste Anleitung [80] erhielt. In dessen Begleitung suchte er eines Tages die Capuciner in Klausen unweit Brixen auf, deren Kloster mehrere gute Gemälde barg, welche er mit großer Geschicklichkeit copirte. Später ging er mit Franzens älterem Bruder Michael Angelo [S. 93] nach Wien, wo er mehrere Jahre unter dessen Leitung sich weiter bildete. Mit einem biblischen Gemälde: „Tobias heilt den blinden Vater“ gewann er 1753 den ersten Preis, nachdem er einen solchen bereits mit dem Bilde: „Die Anbetung der h. drei Könige“, welches sich noch in Cavalese befindet, davongetragen hatte. Von Wien begab er sich nach Italien, wo er zunächst in Venedig, dann in Verona arbeitete, und zwar in letzterer Stadt unter der Leitung des berühmten Cignaroli, welcher das bedeutende Talent seines Schülers anerkannte. Nach einem kurzen Besuche seiner Heimat Cavalese, wo er einige Bilder malte, zog er 1758 nach Rom. Daselbst fand er in Raphael Mengs [Bd. XVII, S. 347] den Lehrer, der ihn auf die rechte Fährte leitete, indem er ihn auf die Antike und das Studium der älteren Meister hinwies. Unter diesen fühlte sich der junge Maler vornehmlich zu Dominichino und Pietro da Cortona hingezogen, welch’ Letzteren er mit Vorliebe copirte, und er brachte es darin zu solcher Vollendung, daß man seine Copien für Originale hielt. Indeß arbeitete er längere Zeit als Gehilfe seines Lehrers Mengs, durch den er auch in der Akademie von San Luca Aufnahme fand. Mit ihm vereint malte er in der vaticanischen Bibliothek an den Grotesken und Verzierungen, welche er dann, als sein Meister im Jahre 1761 einem Rufe an den Hof von Madrid folgte, allein fortsetzte. Bald darauf wurde er von Papst Clemens XIV. mit der Ausschmückung des Clementinischen Museums betraut, welche er gleichfalls trefflich ausführte. Durch diese Arbeiten wuchs sein Ruf, und sein Atelier erfreute sich des Besuches der höchsten Personen, unter denen ihm Fürst Borghese sein besonderes Wohlwollen zuwandte. Dieser übertrug ihm auch die Ausführung der Entwürfe zur Restaurirung seiner Villa Pinciana. Für dieselbe zeichnete nun der Künstler sämmtliche Anlagen der Brunnen, Lauben, Alleen, Tempel und sonstige Einzelheiten des Parkes, sowie er alle Gemächer und Säle neu ausschmückte. An der Decke des einen Saales malte er in Fresco die Thaten des Herkules, an jener eines zweiten die Mythe Apollo’s. Die Verbrennung des Herkules und dessen Apotheose und Apollo mit Pythia erregten durch geistvolle Composition die Bewunderung aller Kunstkenner. Vierzig Jahre – bis zu seinem Tode – arbeitete Unterberger in Rom. Aber meist mit der Ausführung großer historischer Werke betraut, fand er für kleinere Bilder nur selten die erforderliche Zeit. Daher ist ihre Zahl auch verhältnißmäßig gering. Zu denselben gehören mehrere Altargemälde, dann Landschaften, Blumen- und Fruchtstücke. Obwohl die Landschaft nicht jenes Gebiet war, welches er besonders pflegte, so rühmt man doch dem Wenigen, was er darin geschaffen, seltene Schönheit nach. Ein Gleiches gilt von seinen Blumen- und Fruchtstücken. Von seinen Altarbildern, welche sich größtentheils in italienischen Kirchen befinden, kennt man im Dome zu Spoleto „Die Marter des h. Pontianus“, in der Kirche zu Jesi unweit Ancona ein „Abendmahl des Herrn“, in jener zu Subiaco „Die Kreuzigung Christi“ und in der zu Galese eine „Himmelfahrt Mariä“; im Dom zu Loreto befinden sich zwei Mosaikbilder, ausgeführt [81] nach seinen Gemälden: „Der h. Philippus“ und „Der h. Ignatius“. Tirol, das Vaterland des Künstlers, hat mehrere Werke desselben aufzuweisen, so das Ferdinandeum zu Innsbruck: „Maria mit dem Kinde und dem h. Johannes“; die Kirche zu Oberbozen eine „Himmelfahrt Mariä“, Wiederholung des schon erwähnten Bildes zu Galese; die Domkirche zu Brixen den „h. Julian“, „Die Verklärung Christi“ und „Die Marter der h. Agnes“; die Kirche des Augustiner-Chorherrenstiftes zu Neustift nächst Brixen den „h. Augustin“ und den „seligen Hartmann“; das Palais des Grafen Sarntheim in Innsbruck das Hausaltarblatt, darstellend den „h. Aloisius“. Eines seiner schönsten Werke hat sich nur in der Zeichnung erhalten. Auf den Beschluß der Stadt Genua, die Decke des Dogensaales mit einem Frescobilde auszuschmücken, sendeten sechzehn Künstler zu diesem Zwecke ihre Zeichnungen ein; darunter auch unser Maler, dessen Bilde von der Akademie der Preis zuerkannt wurde, mit der Erklärung, daß kein anderer Künstler in reichen Compositionen mehr zu leisten verstehe als Unterberger. Aber, wie es auch heutzutage zu geschehen pflegt, wurde nicht der preisgekrönte Künstler mit der Ausführung seines Bildes betraut, sondern derjenige, der am billigsten malte! Eine andere große und herrliche Arbeit Unterberger’s sind die Copien der Bilder Raphael’s in den Loggien des Vaticans, mit den Ornamenten von Giovanni da Udine. Diese Copien, in der Größe der Originale, führte er für die Kaiserin Katharina II. von Rußland aus, und zwar durch Vermittelung des bekannten Kunstfreundes und russischen Hofrathes Joh. Friedrich von Reifenstein. Das Honorar dafür betrug 45.000 fl., welche er mit seinen übrigen Ersparnissen in der heiligen Geist-Bank zu Rom deponirte. Von anderen Werken dieses Künstlers kennen wir noch in der Fürst Liechtenstein’schen Galerie, Gartenpalais in der Roßau zu Wien: „Köchin in der Köche begiesst einen Vogel am Spiess, den eine andere Frau herumdreht; im Hintergrunde ein Knabe und ein Mann“; – „Ein Kellner zapft Wein, zwei Frauen, deren eine von einem Manne umarmt wird, sehen zu“ zwei Gegenstücke [beide auf Schiefer gemalt, je eines 17 Centimeter hoch, 13 Centim. breit]; – „Cleopatra, die Perle in den Becher werfend“ Brustbild [lebensgroß auf Holz, 89 Centim. hoch, 70 Centim. breit]; – im Privatbesitze des Oberbaurathes Bergmann eine Allegorie, Rothstiftzeichnung [23 Centim. hoch, 32 Centim. breit]. Bis in seine letzten Lebensjahre hatte sich Unterberger ungetrübten Lebensglückes erfreut, da brachte ihn die Invasion der Franzosen in Rom, welcher der Bankerott der römischen Bank folgte, um sein Vermögen. Nun hielt es ihn nicht mehr in der ewigen Stadt, er begab sich heim nach Fleims, rührte aber nicht den Pinsel an. Nach jahrlangem Aufenthalt daselbst kehrte er nach Rom zurück, ruhelos verließ er es abermals und ging aufs Neue in die Heimat und von dieser wieder nach Rom, wo er, 66 Jahre alt, im Kummer sein reiches Künstlerleben beschloß. Christoph Unterberger war zu seiner Zeit einer der gefeiertsten Künstler, man räumte ihm einen Platz unter den ersten Meistern ein. Wie ihn in seinem Wesen[WS 1] philosophischer Gleichmuth kennzeichnete – der ihn aber im Alter, nachdem ihn das Unglück heimgesucht hatte, verließ – so erschien er in seinen Werken als ein gelehrter Künstler. Frische kräftige Färbung, verbunden mit glänzenden [82] Lichteffecten und breiten Massen, die er liebte, verlieh seinen Bildern einen hohen Reiz. Wenn Nagler von einem römischen Kritiker, Namens Caracca schreibt, der im Jahre 1798 an Unterberger vornehmlich die glänzende Farbe und die Rundung der Figuren in der Weise des Polidoro da Laravaggio rühmte, so passirte darin dem genannten Biographen etwas Menschliches da er das päpstliche Journal „Cracas“ worin dieses Urtheil über unseren Maler ausgesprochen ist, zum Kritiker Caracca machte. Auch eine Stelle in Goethe’s „Winckelmann“, welche Nagler citirt, und in welcher der Dichter ziemlich abträglich über Unterberger sich äußert, dessen Kunst er einfach „Plafondmanier“ nennt, worin er wohl heitere frische Farben, einen angefüllten Raum ohne viel Inhalt finde, diese Stelle, auf welche auch Reber’s Urtheil über Unterberger sich stützt, konnte ich in meiner Ausgabe Goethe’s nicht finden. Fällte Letzterer in der That über Unterberger jenen Ausspruch, so ist derselbe nicht nur hart, sondern ungerecht und ungerechtfertigt und würde nichts beweisen, als daß auch ein Goethe sich irren könne. – Ein Sohn Christophs (geb. 1780), unbekannten Taufnamens, genoß nach dem Tode des Vaters den Unterricht des Malers C. Camuccini. Später erhielt er eine Custosstelle an irgend einer Sammlung in Rom und befand sich 1849 noch am Leben. Ueber seine Arbeiten haben wir keine Kenntniß.

Tirolisches Künstlerlexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborene Tiroler waren oder eine längere Zeit in Tirol sich aufgehalten haben. Von einem Verehrer der Künste [geistlicher Rath Leman] (Innsbruck 1830, Fel. Rauch, 8°.) S. 257. – Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 139, 141, 154(?), 155, 157, 404. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 505 [nach dieser gest. im Jahre 1801]. – Sammler für Geschichte und Statistik für Tirol (Innsbruck, 8°.) Bd. III, S. 132. – Die Künstler aller Zeiten und Völker u. s. w. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt und beendet durch Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) S. 725.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wesem.