BLKÖ:Veyder von Maalberg, Franz Karl Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 254. (Quelle)
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Franz Karl Veyder von Malberg in der Wikipedia
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Veyder von Maalberg, Franz Karl Freiherr (k. k. Generalmajor und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. auf seinem väterlichen Schlosse Maalberg im ehemaligen Herzogthum Luxemburg 1775, gest. zu Mainz am 10., nach Anderen am 12. April 1830). Nach der Besitznahme seines Vaterlandes Luxemburg durch die Franzosen verließ er dasselbe im Jahre 1794, in welchem er bereits die Universitätsstudien zu Cöln beendet hatte, und trat als Cadet in das k. k. Infanterie-Regiment Manfredini ein. Er kämpfte in allen Feldzügen seiner Zeit, in jenen von 1794, 1795, 1796, 1797, 1799, 1800, 1805, 1809, 1812, 1813, 1814 und 1815 und vollbrachte eine Reihe von Waffenthaten, welche seinem Namen in Oesterreichs Kriegsgeschichte ein bleibendes Andenken sichern. 1794 focht er am Rhein unter Feldmarschall-Lieutenant Clerfayt. 1795 bereits Fähnrich, gehörte er mit zur Besatzung der in diesem Jahre hart bloquirten Festung Mainz. Daselbst wohnte er dem hitzigen Ausfall am 6., dem Treffen auf dem Hardenberge am 30. April und nebst vielen anderen Gefechten der blutigen Bestürmung der Mainzer Linien am 29. October bei, sich überall als tapferer Soldat bewährend. In der gedruckten Relation wird ausdrücklich erwähnt, daß er namhaft zur Eroberung von 38 Stück groben Geschützes bei der Erstürmung der Hechtsheimer Verschanzungen mitgewirkt und daselbst eine Verwundung davongetragen habe. Nach Beendigung dieses Feldzuges wurde er von dem französischen Volksrepräsentanten [255] La Coste zur Rückkehr in sein Vaterland aufgefordert. Er folgte diesem Rufe nicht, und die gänzliche Einziehung und Confiscation seines bedeutenden Vermögens und Güterantheils in den dortigen Gebieten von Luxemburg und Trier am Kielflusse waren die Folge seiner Weigerung und seines Verbleibens im kaiserlichen Heere. In diesem gelangte er meist durch Auszeichnung von Charge zu Charge und nahm während seiner ganzen Dienstzeit an 62 bedeutenderen Gefechten und entscheidenden Schlachten Theil. Durch fünf Jahre, 1805–1809, kämpfte er unter dem Feldmarschall-Lieutenant Marquis Chasteler, zuerst als Flügel-, dann als Corpsadjutant. Aber bereits 1801 hatte er in Folge besonderer Auszeichnung und reger Mitwirkung zum Besten Tirols von den dortigen Ständen die Tiroler große Ehrenmedaille mit einem ehrenvollen Dankschreiben ddo. 10. April 1801 erhalten. Für sein heldenmüthiges Verhalten aber in den Tagen vom 13. bis 19. Mai 1809 bei Wörgl, Schwaz und Volders wurde ihm in der 87. Promotion (dem Nachtragscapitel vom 17. April 1811) das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt. Veyder war überall gegenwärtig, wo es die höchste Noth dieser Tage erheischte, trat überall an die Stelle des Anführers, den eine Truppenabtheilung durch feindliche Kugeln verlor. Bei Innsbruck sammelte er im Mai 1809 eine Volksmasse von 15.000 Tirolern, besetzte am 14. dieses Monats mit derselben die für ganz Tirol damals so wichtige Position an der Voldersbrücke, leitete deren Vertheidigung, hielt den unter dem Marschall von Danzig aus dem Salzburgischen vordringenden Feind vor Innsbruck ab, rettete solchergestalt die in dieser Stadt noch befindlichen Aerarialvorräthe und Cassen, dann das schon gänzlich abgeschnittene 3. Bataillon von De Vaux-Infanterie und eine Division von Lusignan-Infanterie, welche beide sonst unvermeidlich in Kriegsgefangenschaft gerathen wären. Diese seine Waffenthaten hatten wesentlichen Einfluß auf die Erhaltung Tirols und gewährten dem herbeigeeilten Volksanführer Major Teimer [Bd. XLIII, S. 212] und dem Sandwirthe Andreas Hofer [Bd. IX, S. 134] entsprechenden Spielraum zur Entwickelung ihrer die Befreiung des Landes bezweckenden Unternehmungen. Von weiteren Waffenthaten Veyder’s erwähnen wir nach den darüber vorhandenen Armeeberichten, Relationen u. s. w. sein tapferes Verhalten bei Stara Wischna in Volhynien am 25. August 1812 [Hauptrelation ddo. Wien 8. October 1812]; bei dem Ueberfall auf Freiberg in Sachsen am 18. September 1813 [Relation ddo. Hauptquartier Pöplitz 20. September 1813]; während des Ueberfalles auf Wettau bei Naumberg und des Gefechtes bei Stössen am 10. October 1813 [Armeebericht ddo. Altenburg 11. October]; in der Schlacht bei Leipzig am 16. bis 19. October 1813, wo er abermals verwundet wurde [Bericht der 1. leichten Division unter dem Fürsten Liechtenstein; im Gefecht bei Kösen an der Saale am 21. October 1813 [officielle Berichte ddo. Hauptquartier Elleben 26. October 1813]. In Anerkennung dieser seiner ruhmvollen Waffenthaten erhielt er, zu jener Zeit Oberst, mit ah. Cabinetsschreiben ddo. Paris 1. Juni 1814 mit den Worten: „wegen ausgezeichneter Verdienste in den Feldzügen 1813 und 1814 das Ritterkreuz des kaiserlichen Leopoldordens“. Noch im Jahre 1813 ertheilte Feldmarschall Fürst Schwarzenberg [256] Veyder, als Obersten des k. k. 7. Jägerbataillons, den Auftrag, diese in dem Feldzuge völlig aufgeriebene Truppe, und 1816, als er Oberst und Commandant des 24. Infanterie-Regiments Baron Strauch war, der Hofkriegsrath den Auftrag, das k. k. Infanterie-Regiment Nr. 45 neu zu errichten. Im Jahre 1820 rückte Veyder zum Generalmajor vor und wurde am 1. November 1827 Inhaber des 58. Infanterie-Regiments. Als Brigadier war er zuerst in Alessandria, dann 1823–1829 in Karlstadt thätig. In letzterer Stellung richtete er sein besonderes Augenmerk auf das daselbst seit Jahren eingewurzelte Räuberunwesen, welches von Bosnien herüber unsere Gebiete so unsicher machte. Dabei war er, während er die Ausrottung dieses Uebels anbahnte, auf das regste bemüht, das politische Einvernehmen mit den türkischen Landesbehörden und den Häuptlingen zu erhalten, und wenn er einerseits Alles that, um die Sicherheit im Lande zu kräftigen, wirkte er anderseits überall, wo es nöthig erschien, versöhnlich ein. Er wurde den verschiedensten Berathungen, Commissionen und Verhandlungen im geheimen und politischen Wege, wenn sie auch nicht eben direct militärische Angelegenheiten betrafen, beigezogen, und die Sachkenntniß und Klugheit, welche er in allen diesen Fällen entwickelte, erwarben ihm ebenso das Vertrauen der Regierung, wie jenes der Bevölkerung. Als wieder eine Horde Bosnier einen Raubzug über unsere Grenze unternommen hatte, bot er alle Mittel der Grenze, Croatiens, Krains und des Fiumaner Küstenlandes auf, um mit ihnen vereint in den Tagen vom 10. bis 27. August 1829 die Vertreibung jener Unholde auszuführen. Bei dieser aufreibenden Arbeit, bei den Strapazen in schlimmster Zeit in einer unwirthbaren wilden Gebirgsgegend scheint er sich aber den Todeskeim geholt zu haben. Denn als er zu seiner hohen Freude durch die Ernennung zum Truppenbrigadier in Mainz von Karlstadt abberufen wurde, brach er bereits leidend zur Uebernahme seines neuen Postens auf. In Wien angelangt, wohnte er noch am 11. November 1829 im Rathssaale der vereinigten Hofkanzlei einer Berathung bei, welche die Maßregeln zur Hintanhaltung der räuberischen Einfälle aus türkischem Gebiete zum Gegenstande hatte, trat dann nach seiner Ankunft in Mainz das Brigadecommando daselbst an, welches ihm jedoch nicht lange zu führen gegönnt war, da er noch im Frühling 1830 im Alter von erst 55 Jahren sein thatenreiches Leben beschloß. Freiherr von Veyder hatte sich am 8. August 1827 mit Julie (geb. 27. Juli 1794) geborenen von Wallenburg, Witwe seines Bruders Friedrich (geb. 31. Juli 1772, gest. 23. März 1825), k. k. Obersten, vermält. – Friedrich (geb. 3. Mai 1819) Freiherr von Veyder-Maalberg, der heutige Chef der österreichischen Linie dieses Geschlechtes – denn neben dieser jüngeren ist noch eine ältere (rheinische), aber im Mannesstamme bereits erloschene Linie vorhanden – ist nur eilt Stiefsohn des Freiherrn Franz Karl, da er aus dessen Frau erster Ehe stammt. Er vermälte sich am 24. Juni 1849 mit Maria Magdalena geborenen Balde (geb. 6. Juni 1829), und gingen aus dieser Ehe hervor: Arthur (geb. 18. September 1850), zur Zeit Officier im 15. Feldjägerbataillon, Henriette (geb. 7. Februar 1852), Emil (geb. 6. Juli 1853) und Camilla (geb. 26. December 1854). Von der obenerwähnten im [257] Mannesstamme erloschenen älteren (rheinischen) Linie sind nur noch am Leben die Witwe des Freiherrn Karl (gest. 17. Februar 1869) Karoline Gräfin von Saint Ignon (geb. 13. März 1802) und dessen Schwester Adelheid (geb. 1803), seit 1844 vermälte Baron Ferrand von Montigny auf Bracht.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. 959 und und 1747. – Schallhammer (Anton Ritter von). Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809 (Salzburg 1855, Mayr’sche Buchhandlung, gr. 8°.) S. 261 u. f.; S. 357, Nr. 30; S. 358, Nr. 31; S. 370, Nr. 44; S. 371, Nr. 45; S. 388, Nr. 65; S. 398, Nr. 74; S. 537, Nr. 192; S. 566, Nr. 218; S. 571, Nr. 219; S. 572, Nr. 220; S. 572, Nr. 222, und S. 576, Nr. 223. – Oesterreichische militärische Zeitschrift. Herausgegeben von Schels (Wien, 8°.) 1830, X. Heft. – Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Justus Perthes, 32°.) 1857, S. 801.
Porträt. Unterschrift: „Veyder“. Darunter: Stahlstich von C. Helmsauer [besonders deshalb auch interessant, weil es der erste Versuch im Stahlstich ist].