BLKÖ:Vlassits, Franz Freiherr (Vater)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 51 (1885), ab Seite: 106. (Quelle)
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Vlassits, Franz Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Ban von Croatien, Slavonien und Dalmatien und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Dombóvár im Tolnaer Comitate Ungarns am 24. April 1766, gest. zu Agram am 16. Mai 1840). Ein Sohn adeliger Eltern, trat er, nachdem er sich anfangs dem Studium der Rechte gewidmet hatte, 1784, im Alter von achtzehn Jahren als Cadet in das k. k. Huszaren-Regiment Emmerich Eszterházy, in welchem er 1785 Unterlieutenant, [107] 1790 Oberlieutenant, noch im nämlichen Jahre erster Rittmeister wurde; 1803 zum Major bei Kaiser-, 1806 zum Oberstlieutenant bei Erzherzog Ferdinand d’Este-, 1808 zum Obersten bei Liechtenstein-Huszaren befördert, rückte er 1813 zum Generalmajor, 1824 zum Feldmarschall-Lieutenant vor. In letzterem Jahre verlieh ihm der Kaiser das Uhlanen-Regiment Fürst Schwarzenberg Nr. 2 als zweiter Inhaber, ernannte ihn 1831 zum commandirenden General in Peterwardein und 1832 zum Banus und commandirenden General in Croatien, systemgemäß zugleich zum Inhaber beider Banal-Regimenter, zum Bantafel-Präsidenten und Obergespan des Agramer Comitates. In den Rahmen dieser vorherrschend militärischen, aber in seinen letzten Lebensjahren auch politischen Laufbahn fallen eine Reihe von Waffenthaten, welche seinem Namen eine bleibende Erinnerung in der Kriegsgeschichte Oesterreichs sichern, wie denn auch seine politische Thätigkeit im Lande Croatien in ungetrübtem Andenken lebt. Von 1792 ab machte er alle Kriege gegen Frankreich mit, wurde in denselben mehrmals verwundet, in den Armeerelationen aber auch öfter unter den Helden des Tages genannt. Nach der Schlacht bei Neerwinden, 18. März 1793, in welcher Prinz Coburg die Franzosen unter Dumouriez schlug, besetzte er als Oberlieutenant Brüssel, hielt dort den Aufstand nieder und rettete dem Staate mehrere Magazine. Dann griff er bei Gent, später bei Brügge den weit überlegenen Feind an und machte namhafte Beute. Noch focht er in diesem Jahre bei Jemappes, Eschweiler, Löwen, Quievrain, Famars und auf dem Caesarsfelde. Im Jänner 1794, um welche Zeit er bereits Rittmeister war, kam er zum kaiserlichen Hilfscorps, das unter dem Oberbefehle des Herzogs von York stand. In den Treffen und Gefechten bei Chatillon, Château-Cambresis, Tournay, Templeuve wurde sein Name immer mit Auszeichnung genannt, und in einem dieser Kämpfe half er auch eine Batterie von zehn Geschützen erobern. Im weiteren Verlaufe der Kriege focht er und zeichnete sich aus an der Ruhr, bei der Belagerung von Mannheim, bei Rastatt, am Lech, bei Neersheim, Grissingen, Biberach an der Kinzing, bei Schlingen und während der Belagerung des Brückenkopfes bei Hüningen. 1796 kam er zur Armee in Italien, 1799 wieder zu jener in Deutschland, wo er bei Ostnach und Stockach die Aufmerksamkeit; bes Erzherzogs Karl auf sich zog und dessen Zufriedenheit erwarb. Als dann im Jahre 1800 nach den Schlachten und Gefechten bei Heitersheim, Engen, Moskirch und Oettingen unsere Armee den Rückzug antreten mußte, befand sich Vlassits bei der Arrièregarde und trug zur Rettung des Gepäckes und verschiedener Aerarialgüter, dann auch zur Befreiung von Gefangenen bei. 1803 focht er bei Neuhaus und Maria Zell mit ausgezeichneter Bravour. Am 31. October 1805 im Treffen zwischen Steinakirchen und Kremsmünster schmolz das Regiment Kaiser-Huszaren, in welchem er als Major diente, nach heldenmüthiger Ausdauer auf zweihundert Mann herab und verlor dabei auch seinen Commandanten, den Obersten Baron Graffen. Doch in der Drei-Kaiser-Schlacht am 2. December erntete es nichtsdestoweniger unter Vlassits’ Führung bei der hartnäckigen Vertheidigung der Posten zu Kostel und Bilowitz, zur Deckung der linken Flanke der Armee gegen die Angriffe der französischen Marschälle [108] Davoust und Mortier, großen Ruhm. Im Feldzuge 1809 zeichnete sich Vlassits an der Spitze seines Regiments vorerst bei Landshut aus, dann bei Aspern, wo er in den Gefechten der Avantgarde die Infanterie, sobald es das Terrain nur einigermaßen gestattete, auf das kräftigste unterstützte; ferner bei Wagram unter General Wallmoden; endlich auf dem Rückzuge nach Mähren drang er in unwiderstehlicher Tapferkeit auf den Gegner ein und hielt am 9. Juli bei Hollabrunn glorreich Stand gegen die überlegene feindliche Reiterei. Er war es eben, welcher diesen herrlichen Soldatengeist dem erst vor wenigen Jahren aufgestellten Regimente einzuflößen verstanden hatte. Nicht minder that er sich mit demselben 1812 im Kriege gegen Rußland hervor. Im Frühlinge 1813 zum Generalmajor befördert, wurde er dem nach Tirol operirenden Corps des Feldmarschall-Lieutenants Fenner beigegeben, welcher den rechten Flügel der von dem Feldmarschall-Lieutenant Hiller befehligten Armee von Innerösterreich commandirte. Als Letzterer am 26. October den Aufruf an die Völker Italiens erließ, war Fenner schon über Trient und Motorello gegen Volano und Caliano vorgerückt und hatte die feindliche Division Gifflenga zum Rückzuge auf Serravalle hinter Roveredo gezwungen, mußte aber, dabei durch einen Schuß im Arme verwundet, das Commando an Vlassits übergeben. Dieser nahm nun bei San Marco vorwärts, Feldmarschall-Lieutenant Sommariva aber bei Roveredo Stellung. Da griff am 27. October General Gifflenga die Unseren nochmals an, und zwar bei San Marco, sei es, daß er die Tags vorher empfangene Schlappe rächen, oder nur das Vordringen unserer Truppen nach dieser Seite hindern, oder aber selbst gegen Trient vorrücken wollte, um das dortige von den Unseren bereits beschossene Castell zu entsetzen. Sein Angriff ließ sich auch anfangs zu seinen Gunsten an. Aber als Vlassits Verstärkung erhielt, dann die Attaque einer Schwadron Frimont-Huszaren unter Rittmeister Skerletz vom besten Erfolge war, und überdies ein von Verona gekommenes feindliches Reservebataillon die Flucht ergriff, wurden die Abtheilungen Gifflenga’s erschüttert und begannen in ordnungsloser Hast zurückzuweichen. Am Abend nahm Letzterer hinter Ala Stellung, aber Vlassits rückte auch bis zu diesem Orte vor. Die Gefechte an diesem und an dem vorangegangenen Tage kosteten der Division Gifflenga tausend Mann, darunter fünfhundert Gefangene. So hatte Vlassits mit einer nur geringen Truppe dem weit überlegenen Feinde kräftigen und erfolgreichen Widerstand geleistet und dadurch die Räumung Süd-Tirols wesentlich gefördert. Mit allerhöchstem Handschreiben ddo. 8. November 1813 erhielt er außer Capitel für sein mannhaftes und erfolgreiches Verhalten das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Er blieb bei der Armee in Italien. Mit der Vorhut des rechten Flügels rückte er am 4. Februar 1814, nachdem Feldmarschall Graf Bellegarde, der Nachfolger Hiller’s, sein Hauptquartier nach Verona verlegt hatte, nach Castelnuovo und dann nach Peschiera vor, um diese Festung am Gardasee einzuschließen. Am 16. April ging dieselbe in Folge der Capitulation an Oesterreich über. Während der Schlacht am Mincio am 8. Februar hielt Vlassits mit den Vortruppen des Feldmarschall-Lieutenants Sommariva [109] die Angriffe des Generals Palombini aus den Höhen von Cavalcaselle und Salionze aus, und nachdem ihm Verstärkungen zugekommen waren, warf er den Feind wieder unter die Kanonen von Peschiera zurück. Hier enden nun die Waffenthaten des wackeren Generals. Während der darauf folgenden Friedensepoche wirkte er mehrere Jahre als Brigadier, von 1824 ab als Divisionär theils in Ungarn, theils in den angrenzenden Ländern, bis er nach dem Hinscheiden des Feldzeugmeisters Grafen Gyulay zu dessen Nachfolger in der Würde des Banus im Februar 1832 berufen wurde. Als im Laufe des letztgenannten Jahres die Zustände in Siebenbürgen eine solche Wendung genommen hatten, daß die Autorität der kaiserlichen Regierung im gewöhnlichen Wege sich nicht mehr aufrecht erhalten ließ, entsendete der Kaiser den Ban, der früher schon als Divisionär in Siebenbürgen gestanden und also in diesem Lande bekannt war, als bevollmächtigten königlichen Commissär dahin. Am 16. April 1833 traf Vlassits daselbst ein, aber so ruhig und besonnen er vorging, um die Angelegenheiten in Siebenbürgen in ein richtiges Geleise zu bringen, dem Hader und der Willkür der verschiedenen Parteien gegenüber blieb er doch machtlos, und endlich müde der schiefen Stellung, in die man ihn versetzt hatte, bat er mit allem Nachdrucke um seine Enthebung von dieser frucht- und erfolglosen Mission. Im Februar 1835 wurde ihm denn auch hierin willfahrt, und er kehrte auf seinen früheren Posten in Agram zurück. In den nun folgenden Jahren kränkelte der alte General in Folge der vielen in den Kriegen erhaltenen Wunden, so daß er die 1832 übernommene Obergespanswürde des Agramer Comitates niederlegen mußte. Anfangs 1840 erkrankte er schwer, erholte sich aber scheinbar wieder, doch mit Beginn des Mai aufs neue von seinem Leiden ergriffen, erlag er demselben nach vierzehn Tagen im Alter von 74 Jahren. Die ausgezeichneten Verdienste des Soldaten und Staatsmannes würdigte der Monarch durch die Verleihung der geheimen Rathswürde und des Großkreuzes des Leopoldordens, und aus eigener Bewegung durch die Erhebung in den Freiherrenstand, der übrigens dem General als Ritter des Maria Theresien-Ordens statutengemäß zukam. So hatte der greise Krieger nach 32 Kriegs- und 25 Friedensjahren, nachdem er in fünfzig und mehr Schlachten tapfer gekämpft und mehrere Wunden erhalten, sein thatenreiches Leben beschlossen. Er wurde in feierlichster Weise in der Agramer Katharinenkirche am 23. Mai 1840 unter dem Donner der Kanonen zur Ruhe bestattet.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. 1255 und 1749. – Thürheim (Andreas Graf). Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, 8°.) Bd. II: „Die Huszaren“. S. 22, 60, 71 und 187; Bd. III: „Die Uhlanen“. S. 79. – Höfel und Boor. Oesterreichs Ehrenspiegel (Wien, 4°.) Blatt 10.
Porträt. Unterschrift: „Franz | Freiherr von Vlassits“ (Wien, 4°.). In Reliefmanier von Boor und Höfel.