BLKÖ:Wolf de Lamarselle, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 4. (Quelle)
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Wolf de Lamarselle, Ludwig (k. k. Generalmajor und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Mons in Belgien 1746, gest. daselbst 11. October 1804). Er trat schon im Alter von 14 Jahren als Cadet bei Wied-Infanterie ein, wo er in kurzer Zeit Officier und mit 22 Jahren, durch Convention, Hauptmann im 38. Infanterie-Regimente l’Aisné wurde. Beim Beginn des Türkenkrieges (1788) zum Major bei Gemmingen-Infanterie vorgerückt, kam er während der Dauer desselben in sein früheres Regiment Nr. 38 zurück, aus welchem er, nachdem er sich 1790) bei dem allgemeinen Angriffe der niederländischen Insurgenten am 22. September auf die Stellung der Oesterreicher an der Maas bei Assèse und dann noch in einigen der folgenden Gefechte ausgezeichnet hatte, zum überzähligen Oberstlieutenant bei Clerfayt-Infanterie Nr. 9 befördert wurde. 1794 übernahm er das vacante Grenadier-Bataillon Rousseau, welches aus den Divisionen De Ligne, Murray und Clerfayt bestand, und [5] kämpfte mit demselben im Feldzuge 1795 bei der Oberrhein Armee unter dem General der Cavallerie Grafen Wurmser. Bei der Belagerung von Mannheim zeichnete er sich in der Nacht vom 10. auf den 11. November besonders aus, indem er mit seinen Grenadieren zur Eröffnung der Laufgräben am linken Neckarufer die feindlichen Truppen verjagte, in die Stadt zurücktrieb und mit dem Bajonnete die beiden Chausseen von Schwetzingen und Heidelberg nahm. General Wurmser rühmte in seiner Relation über diesen Vorfall die ausgezeichnete Tapferkeit der beiden Grenadierbataillons-Commandanten Wolf de Lamarselle und Retz. Nach der Einnahme von Mannheim kehrte das Bataillon Wolf zur Haupt- und Reichsarmee zurück. Im April 1796 wurde Wolf Oberst im Regimente und folgte mit demselben dem Zuge des Erzherzogs Karl an die Lahn. Am 19. Juni genannten Jahres lieferte Feldmarschall-Lieutenant Baron Kray dem Feinde das Gefecht bei Kircheip, welches den Rückzug des linken Flügels der französischen Armee unter Marschall Kleber zur Folge hatte; in diesem Gefechte zeichnete sich Oberst Wolf so hervorragend aus, daß ihn der Erzherzog in der Relation desselben rühmend belobte. Schon war unser rechter Flügel gefährdet, und schon hatte der Feind sich des rechts und seitwärts liegenden mit Gestrüpp bewachsenen Hohlweges bemächtigt, als Wolf, die Gefahr der Unseren durchblickend, sich freiwillig antrug, mit einem Bataillon seines Regimentes den Feind nicht nur zu vertreiben, sondern auch den gefährdeten rechten Flügel zu decken. Und er ließ seinem angenommenen Antrage rasch die That folgen, rückte vor und warf die feindlichen Jäger durch einen ebenso entschlossenen als ungestüm ausgeführten Angriff aus ihrer vortheilhaften Stellung. Als dann ein neues durch Cavallerie unterstütztes feindliches Jäger-Bataillon vordrang und eben daran war, unser Centrum und unseren linken Flügel zu überflügeln, stellte er sich selbst an die Spitze seines ganzen Bataillons und schlug mit einem entschlossenen Bajonnetangriff den überlegenen Gegner zurück. Im Feldzuge 1799 befand er sich im Corps des Generals Bellegarde, das in das Engadein vorrückte. Daselbst zeichnete er sich im Gefechte aus, das am 26. und 27. März stattfand; dann wieder am 2. Mai bei Süh, wo er mit ebensolcher Umsicht als Bravour die Avantgarde befehligte. Bei den Operationen Bellegarde’s aus dem Innthale nach Lentz überwand er mit aller Energie die zahlreichen Terrainhindernisse, erreichte den Julienberg, wo er den Feind nahezu aufrieb, und verfolgte den nicht aufgeriebenen Rest bis Tiefenkasten. Seine so oft bewährte Tapferkeit bewies er von neuem im Gefechte zwischen Bosco und Cassino am 20. Juni. Er führte nämlich, nachdem er am 19. bei seinem Vormarsche von Marengo nach Spinetta die detachirten Truppen des Generalmajors Grafen Alcaini unterstützt hatte, schon am folgenden Tage einen glänzenden Angriff aus, bei welchem er ein ganzes französisches Bataillon gefangen nahm. Er befehligte dabei als Oberst eine Brigade, und zwar mit solcher Auszeichnung, daß er in der Relation auf das rühmlichste genannt wurde. Im September 1799 ward er zum Generalmajor befördert. Das Theresienkreuz aber erhielt er in der 66. Promotion (vom 18. August 1801) für seine Waffenthat bei Kircheip (19. Juni 1796), denn erst nach dem Frieden von Luneville (9. Februar 1801) erfolgte der Auftrag, [6] daß jene Officiere, welche infolge der kriegerischen Ereignisse bis dahin verhindert gewesen, ihre Ansprüche auf den Orden zur Geltung zu bringen, ihre Gesuche einreichen sollten. Darauf berieth das Capitel vom 15. März bis 14. August 1801 unter Vorsitz des Feldmarschalls Lacy, und unter den 80 Ausgezeichneten befand sich auch Wolf. Im Mai 1801 trat derselbe nach 41jähriger Dienstleistung in den Ruhestand, den er aber, nachdem er in seine Vaterstadt Mons sich zurückgezogen, nur wenige Jahre genoß, da er schon 1804, erst 58 Jahre alt, daselbst starb.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, schm. 4°.) Bd. I, S 592.