BLKÖ:Wolfskron, Adolf Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 44. (Quelle)
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Wolfskron, Adolf Ritter von (Archäolog, geb. zu Wien am 10. Februar 1808, gest. in Baden bei Wien am 13. Juli 1863). Die biographischen Momente dieses verdienstvollen Forschers sind bald zusammengefaßt. Sein Vater, ein k. k. Beamter, wollte, daß der Sohn gleichfalls Beamter werde, ließ ihn also die Rechte studiren und in den Staatsdienst, und zwar im Jahre 1830 bei der k. k. Lottodirection in Wien eintreten. 1836 wurde Wolfskron Controlor bei der Lottodirection in Bozen; einige Jahre später nach Brünn übersetzt, kam er von dort 1855 als Verwalter an das k. k. Lottoamt in Lemberg. Die unerquicklichen Verhältnisse, unter denen der deutsche Beamte im polnischen Lande litt, veranlaßten Wolfskron, der übrigens schon seit Jahren schwer leidend war und vergeblich in Baden bei Wien und Rožnau in Mähren Linderung seines Leidens gesucht hatte, im Frühling 1863 nach Wien zu übersiedeln. Noch hoffte er einigermaßen seine Gesundheit in Baden bei Wien zu kräftigen, aber schon in wenigen Wochen ward er im Alter von erst 55 Jahren der Wissenschaft durch den Tod entrissen. Waren der Aufenthalt in Südtirol und später der in Brünn, besonders letzterer, für seine Lieblingsstudien sehr erfolgreich, umso weniger war es jener in Galizien, das dem deutschen Forscher kaum einen ergiebigen Boden darbietet. Wolfskron’s Zeit fällt in die Tage wissenschaftlicher Gährung in Oesterreich, in welcher man aber vorwiegend die archäologische Richtung einzuschlagen pflegte, weil sie die wenigst bedenkliche war und kaum das Mißtrauen der den braven Unterthan väterlich überwachenden Behörden erregte. So sehen wir denn Männer, wie Chmel, Gevay, Karajan, Leber und Andere sich in die Studien des Alterthums versenken, und ihr Zeit- und Gesinnungsgenosse Wolfskron that ein Gleiches. Als nun derselbe als k. k. Beamter nach Südtirol kam, so nahmen wohl die Reize der Natur in diesem herrlichen Lande ihn fürs erste gefangen, aber allmälig wendete er sich doch der Forschung zu, zu welcher sich ihm eben da eine reiche Fundgrube erschloß. Den Kunstbegabten und namentlich des Zeichnens Kundigen fesselten vor Allem die höchst interessanten dem Artuskreise angehörigen Fresken im Schlosse Runggelstein nächst Bozen und die dort befindliche merkwürdige Waffensammlung, alles dies wurde durchforscht, dann zeichnete er die beiden mit gnostischen Symbolen geschmückten Portale vom Schloß Tirol und entzog in Gemeinschaft mit den tirolischen Geschichtsforschern Beda Weber und Albert Jäger manche bis dahin noch völlig unbekannten Denkmale der Vergangenheit theils figürlich, theils buchstäblich dem Schutte. Zu letzteren gehören vier altdeutsche Passionskomödien (aus dem Jahre 1514), welche werthvollen Manuscripte er im Archive der Deutschordensballei zu Bozen aufgefunden hatte und eben zur Herausgabe vorbereitete, als ihn seine amtliche Uebersetzung nach Brünn an der Ausführung seines Vorhabens hinderte und seine archäologische Thätigkeit einer anderen von Tirol weitab gelegenen Provinz zuwandte. In Mähren nämlich, wohin er nun kam, herrschte damals ein reges wissenschaftliches Leben, welches sich aber auch aus oben angeführten Gründen zunächst auf Hebung der daselbst aufgespeicherten archivalischen Schätze beschränkte. Anton Boczek, der sich mit Herausgabe des „Codex [45] diplomaticus et epistolaris Moraviae“ beschäftigte, war es, welcher im vertrauten Umgange mit Wolfskron auf dessen archäologische Neigungen wirkte. Er hatte in der Piaristenbibliothek zu Schlackenwerth das Manuscript einer Hedwigslegende aus dem Jahre 1353 gefunden, dessen zahlreiche Illustrationen sowohl in künstlerischer als culturhistorischer Bedeutung Wolfskron ein reiches Material darboten, das derselbe auch bearbeitete. Eine andere Beschäftigung unseres Forschers, die in diese Zeit fällt, bestand in der Wiedergabe der Miniaturen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts, welche er größtentheils in Rechtsbüchern der St. Jacobsbibliothek und des Stadtarchivs zu Brünn entdeckt hatte. Das alles waren Gegenstände, wie geschaffen für sein hervorragendes Zeichentalent. Dazu kam noch ein Umstand. Er hatte eine neue Combination im technischen Verfahren zur trefflichen Reproduction des Goldgrundes gefunden. Dadurch sah er sich wieder in seiner Arbeit gefördert, zu welcher er besonders von dem berühmten Alterthumsforscher Passavant ermuntert wurde. In alle diese mit großem Eifer und Liebe zur Sache unternommenen Arbeiten brachte das Jahr 1848 eine lange dauernde Hemmung, wozu sich noch im folgenden Jahre der Tod des Freiherrn Clemens von Hügel gesellte, in welchem er einen edlen und werkthätigen Mäcen gefunden hatte. Ein Versuch seiner Freunde, ihn in das politische Parteigetriebe, das mit dem Nachmärz begonnen, hineinzuziehen, blieb wohl nicht erfolglos, und unser Forscher trat in das von Freiherrn von Hingenau und Ritter von Chlumecky herausgegebene „Brünner politische Wochenblatt“ als Mitarbeiter ein, aber diese politische Episode Wolfskron’s war nicht von langer Dauer, seine Vorliebe für archivalische Forschungen und Arbeiten überwog. Er betheiligte sich demnach an einem Prachtwerke über die mährische Landtafel. Diese aus 200 Foliobänden bestehende, Veränderungen des Güterbesitzes, Landtagsverhandlungen, Friedensschlüsse, Verordnungen der Landesfürsten, Testamente, Stiftbriefe u. d. m. enthaltende ungemein wichtige und werthvolle Sammlung bot ihm ein reiches Material für seinen Zeichenstift, und in Führung desselben bewährte er seine alte Meisterschaft. Als er dann nach Lemberg übersetzt wurde, gestatteten ihm die Pflichten einer verantwortlichen Dienstführung nur noch geringe Muße, aber auch diese verwendete er zu einigen Arbeiten, bis ihm eine stets zunehmende Schwäche seiner Augen auch darin Halt gebot. Wohl wurden die berühmtesten Augenärzte in Wien und Berlin zu Rathe gezogen, aber da das Augenleiden im Zusammenhange mit Wolfkron’s tiefkrankem Gesammtorganismus stand, so blieben alle Hilfsmittel erfolglos. Noch ein Lichtblick fällt in das Leben des edlen Forschers, als es ihm nämlich 1858 gegönnt war, Nürnberg zu besuchen, wo er mit dem Gründer des germanischen Museums, dem Freiherrn von Aufseß, einige Zeit im freundlichen Zusammensein verlebte. Wir beschließen diese Skizze mit einer Uebersicht der im Druck erschienenen Arbeiten Wolfskron’s, von deren einigen die Geschichte ihrer Entstehung im Verlaufe dieser Skizze angedeutet worden. Selbständig kamen heraus: „Die Bilder der Hedwigslegende. Mit einem Auszuge des Originaltextes und historisch-archäologischen Bemerkungen“ (Wien 1846, LI und 138 S. Text, Folio, mit 61 gemalten Steindrucktafeln); – „Die Landtafel [46] des Markgrafthums Mähren. Herausgegeben von Peter Ritter von Chlumecky, Dr. Joseph Chytil, Karl Demuth und Adolf Ritter und Wolfskron (Brünn 1854–1861, mit 23 Tafeln von Wolfskron, facsimilirte Wappen, Schriftproben und Miniaturen enthaltend). In gelehrten Zeitschriften und periodischen Sammelwerken, und zwar in Adolf Schmidl’s „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ 1844: „Das Portal des Rathhauses zu Brünn. Mit Abbildung“ [IV. Quartal, S. 618]; 1846: „Ueber die Zderad-Säule bei Brünn“. Im IV. Bande des „Jahrbuches der k. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale“: „Miniaturen des 13., 14, und 15. Jahrhunderts“; im Jahrgang 1857: „Der Bischofstab, dessen liturgisch-symbolische Bedeutung mit Abbildungen“; im Jahrgange 1858: „Ueber einige Holzkirchen in Mähren, Schlesien und Galizien“. In d’Elvert’s „Notizenblatt“ 1855: „Kunst und Alterthum“ [S. 1, 9]; – „Das Portal der Dominicanerkirche zum h. Kreuz in Iglau“ [S. 17]; – „Die sogenannten Heidentempel in Znaim, eine Hauscapelle der alten Markgrafenburg daselbst“ [S. 36]; – „Die Gemälde der Spitalscapelle und der Niclaskirche in Znaim und das Sacramentshäuschen daselbst“ [Seite 41]. Im VII. Bande der „Schriften der historisch-statistischen Section für Mähren und Schlesien“: „Beitrag zur Geschichte des Meistergesanges in Mähren. Mit Abbildung“, auch im Sonderabdruck. Außerdem noch Anzeigen zahlreicher in das Gebiet der Alterthumskunde einschlägiger Werke. In seinem Nachlasse aber befanden sich Vorarbeiten und Materialien zu einer „Beschreibung und Geschichte der St. Jacobskirche in Brünn“ und ein „Raisonnirender Katalog der Incunabeldruckwerke der St. Jacobsbibliothek in Brünn“; außerdem zahlreiche Zeichnungen archäologischer Gegenstände, alter Bauten u. d. m. Eine reichhaltige Sammlung seiner Notizen und kunstgeschichtlichen Materialien sammt Illustrationen in Manuscript, welche 110 Nummern umfassen und vorwiegend auf das Land Mähren sich beschränken, schenkte er bereits 1857 dem mährischen Landesarchive. Noch sei bemerkt, daß er in dem 1848 in Olmütz erschienenen „Oesterreichischen Correspondenten“ (Nr. 31) die Verwaltung der Wiener Universitätsbibliothek bemängelte, worauf dieselbe im nämlichen Blatte Nr. 41 u. f. erwiderte, ohne jedoch Wolfskron’s gegründete Ausstellungen ganz entkräften zu können.

Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben. Beilage zur k. k. „Wiener-Zeitung“ (Wien, Lex. 8°.) Jahrgang 1863, S. 276 u. f. – d’Elvert (Christian). Historische Literaturgeschichte von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1850, gr. 8°.) S. 336, 377. – Derselbe. Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Büchercensur und der periodischen Literatur u. s. w., auch unter dem Titel: „Beiträge zur Geschichte und Statistik Mährens und Oesterreichisch-Schlesiens“ I. Bd. (Brünn 1854, Rohrer, gr. 8°.) S. 315.