Der flüchtige Negersklave

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Textdaten
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Autor: Henry Wadsworth Longfellow
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Titel: Der flüchtige Negersklave
Untertitel:
aus: Lieder- und Balladenbuch amerikanischer und englischer Dichter der Gegenwart, Seite 61–62
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Hoffmann & Campe
Drucker: Jacob & Holzhausen
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer: Adolf Strodtmann
Originaltitel: The Slave in the Dismal Swamp
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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[61]
Henry Wadsworth Longfellow.

Dieser berühmteste, auch in Europa hinlänglich bekannte Dichter Amerika’s, ist am 27. Februar 1807 zu Portland in Maine geboren. Er war seit 1835 Professor der neueren Sprachen am Harvard College zu Cambridge, legte jedoch 1855 dies Amt nieder. In technischer Hinsicht unzweifelhaft der geschickteste Schriftsteller unter seinen Landsleuten, und vertraut mit den Literaturen aller europäischen Völker, ist er vielleicht der talentvollste Nachahmer und gewandteste Übersetzer, den die englische Literatur gegenwärtig aufzuweisen hat – aber wir vermissen an den meisten seiner selbständigen Produktionen das Gepräge jener Originalität, welche den epochemachenden Genius kennzeichnet. Manche seiner besten Schöpfungen nehmen sich wie gelungene Übersetzungen fremder, besonders Freiligrath’scher, Heine’scher und Victor Hugo’scher Gedichte aus.


     Der flüchtige Negersklave.

Der Neger lag im Irrlichtsumpf,
     Und vor ihm flackerten hell
Die Lagerfeuer am Weidenstumpf;
Oft hört’ er Rossegetrampel, und dumpf

5
     Des Bluthunds fernes Gebell.


Wo der Glühwurm scheint und die Irrwischflamm’
     In Farren und Bilsenkraut;
Wo die Tann’ umkleidet der feuchte Schwamm,
Wo die Zeder ragt, und der Rebenstamm,

10
     Gefleckt wie der Schlange Haut;
[62]

Wohin kein menschlicher Fuß sich verlor,
     Wo der giftige Nebel schwillt:
Aus den zitternden Grund im finstern Moor
Duckt’ er sich hinab in das wuchernde Rohr,

15
     Wie in sein Lager das Wild.


Ein armer Sklave! vom Peitschenschlag
     Geschändet der Tyrannei;
Auf die Stirne gebrannt das Mal der Schmach,
Und ein Lumpengewand um den Körper lag,

20
     Des Elends düstre Livrei.


Um ihn war Alles licht und schön,
     Und Alles war frei und froh;
Eichhörnchen tanzten aus Baumeshöhn,
Und Vögel erfüllten die Luft mit Getön,

25
     Das jubelnd aufwärts entfloh.


Auf ihn nur fiel das Loos der Pein,
     Seit er ans Licht gebracht,
Auf ihn nur blitzte der Fluch des Kain
Hinab, und schmetterte ihn allein

30
     In ewige Schmerzensnacht.