Einige Nachrichten aus der Gegend der Stadt und 6 Ämter Wunsiedel

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Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Einige Nachrichten aus der Gegend der Stadt und 6 Ämter Wunsiedel
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 3, S. 239–243
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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VII.
Einige Nachrichten aus der Gegend der Stadt und 6 Ämter Wunsiedel.

Um das Jahr 1772 wurden auf dem Rittergute Brand zum ersten mahl an 3 adelichen Kindern vom Herrn Hof- und Medicinal-Rath D. Wagner aus Bayreut die Blattern mit dem glücklichsten Erfolg inoculirt. Seit dieser Zeit hat D. Schmid zu Wunsiedel 25 Kindern, darunter drey von seinen eigenen waren, mit eben dem guten Erfolg die Blattern eingeimpfet.

2. Seit 30 Jahren ist in diesen Gegenden kein wirklicher Kindermord bekannt geworden.

3. In den Badstuben zu baden hörte man zu Wunsiedel seit dem großen Stadt-Brand 1731 auf, weil das Holz theurer wurde, und niemand mehr als den vorher gewöhnlichen Lohn von 3 Pfenningen geben wollte.

4. Das Hebammenwesen hat zwar eine gute Einrichtung dadurch, daß keine Hebamme ohne vorher erhaltenen genugsamen Unterricht angenommen werden darf. Die Einwohner| oder der Beamte des Orts, wo eine Hebamme nöthig ist, schlagen sie gemeiniglich unter Ertheilung guter Zeugnisse von ihrem untadelhaften Verhalten und unbescholtenem Lebenswandel zur Lehre vor, der Physicus prüft sie, ob sie zu diesem Geschäffte geschickt sey, und schickt sie mit Empfehlung nach Bayreut ab, wo dann für die dürftigen Lehrlinge 30 fl. Fränk. aus den Landes-Cassen gezahlt werden. Aber es ist bey dem allen noch in einem schlechten Zustand, indem die wenigsten unter den vom Lande dahin geschickten Weibern nur das nothdürftigste lernen und bey ihrer eingebildeten Weisheit doch für sogenannte kluge Weiber gehalten seyn wollen, die voll schädlicher Vorurtheile und des unsinnigsten Aberglaubens sind. Dann ist aber auch ihre Belohnung äusserst gering unter dem Landvolke und den gemeinen Bürgern, so daß sie sich auf 8 Gr. mit allen und jeden beläuft, indem sie 4 Gr. Lohn 1 Gr. vom Pathen und 1 Gr. ins Bad und etwas weniges an Essen oder Köchet erhalten.
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5. In Wunsiedel ist wohl zur Zeit noch kein öffentliches Coffee-Haus, aber 1774 hat ein Mann einen Billard von einer Privat-Gesellschaft an sich gebracht und seit dieser Zeit| trifft man in den Winter-Monaten täglich, in den Sommer-Monaten abwechselnd hier oder in dem Schöpfischen Garten von 3 bis 7 Uhr Gesellschaft und beliebige Unterhaltung an.
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6. Im Jahr 1781 wurde zu Wunsiedel ein Institut für arme Kranke errichtet. Einige[1] Honoratioren tragen dazu jährlich bey 60 fl. rhein. bey und durch die alljährliche Unterstützung mit 62 fl. 30 kr. von unserm allgeliebten Landesvater hat es sich bisher erhalten, so daß davon jährlich 70 bis 80 Kranke in ihren Wohnungen versorget, mit den nöthigen Arzeneyen versehen und im dringenden Fall auch mit Geld zu Lebensmitteln und Holz unterstützt werden. Seit einigen Jahren hat der hiesige Stadtrath im Seelhaus eine eigene Stube erbauen und mit einem Bette versehen lassen, wo auch ein oder zwey Kranke, die hier Fremdlinge sind, untergebracht, bedient und versorgt werden.| Sonst aber bekommen nun die Armen der Stadt, ausser den auf gewisse Tage des Jahrs vestgesetzten Allmosen, an Fleisch, Brod und Geld, wöchentlich etwas Bestimmtes nach Beschaffenheit der Dürftigkeit und des Unvermögens zur Arbeit; die Fremden aber und Handwerksbursche erhalten so viel, daß sie sich sättigen und weiter gehen können.
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7. Seit einigen Jahren (ein quinquennium mehr oder weniger thut zur Sache nichts) wird in dem Bayreutischen sehr darauf gesehen bessere Wundärzte mit der Zeit zu erhalten. Es darf daher kein Lehrling mehr angenommen werden, wo er nicht vorher vom Physico geprüft und erwiesen ist, daß er hinlängliche Fähigkeit zu diesem Metier habe. Es darf auch keiner eine Badstube weder käuflich noch erblich annehmen, wo er nicht vorher das theatrum anatomicum und collegia chirurgica NB. ein halbes Jahr in Erlang besucht hat und vom Collegio Medico zu Bayreut examinirt ist. Indessen machen sie noch immer eine Zunft aus, und werden nach beygebrachtem Approbations-Decret vom Collegio Medico, wie andere Professionisten vom Zunftrichter, in optima forma zu Meistern gesprochen,| damit nichts altes abkomme, eben als ob dieser Meisterspruch so ehrwürdig als der Schwur auf die symbolischen Bücher wäre.



  1. Weil sich ein fürstlicher Beamter davon ausschloß, der nach seinem Vermögen beynahe für einen Millionär geschätzt wurde. Gleichwohl schickte er die in seinem Dienste krank gewordene arme Magd ihren Eltern zurück mit dem Begehren, daß sie sich beym Institut um die Cur melden sollte.