Gesammelte Schriften über Musik und Musiker/Kritische Umschau (2): V. Capriccio’s und andre kurze Stücke

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Kritische Umschau (2): IV. Duo’s Gesammelte Schriften über Musik und Musiker (1854) von Robert Schumann
Kritische Umschau (2): V. Capriccio’s und andre kurze Stücke
1836 (Schluss)


V. Capriccio’s und andre kurze Stücke.
Julie Baronin Cavalcabo, Bravour-Allegro (E moll). Werk 8.[H 1]


Die Namen unserer Componistinnen lassen sich bequem auf ein Rosenblatt schreiben, daher wir jeder nachspüren und uns nichts entschlüpft von Damenwerken. Denn ein Mädchen, das über Notenköpfen Hauben- und andere Köpfe vergessen kann, muß zehnmal mehr Grund besitzen zu componiren als wir, die wir’s nur der Unsterblichkeit wegen thun. Unsere Componistin mag aber noch etwas zum Schreiben begeistert haben; sie ist eine Schülerenkelin Mozarts, der Sohn Mozarts nämlich ihr Lehrer, ihre Heimath aber das weitentlegene Lemberg.[H 4] Bei solchen Erinnerungen und an solchem Orte mag es Einen wohl oft traurig überfallen, und ein Winterabend thut das Seinige. Kurz der Flügel wird aufgemacht, der dichterische angelegt, man phantasirt, ohne es zu wissen, und hat man Träume und Musik in sich, so thut man es so, wie die, von der wir sprechen.

Einzelne stockende Augenblicke, einige zu undeutlich verzogene Melodieen, die leicht in’s Einfache und Völlig-Edle zurückzuführen wären, ausgenommen, finde ich alles wohl und recht, Anlage und Ausbildung vorhanden, und stört mich nur das beigefügte „di bravura,“ weil dann das Allegro unüberwindlicher sein müßte und die Gattung überhaupt den Frauen weniger ansteht, die lieber schwärmerische Romanzen und dergleichen schreiben sollten. Endlich aber wünschte ich den ganzen Satz von zwei anderen gefolgt, so, daß eine Sonate fertig geworden, an deren einen ersten Theil (bis auf den fehlenden Mittelsatz) das Allegro am meisten anklingt, des Umstandes noch zu erwähnen, daß dann die bescheidene Dilettantin einen ganzen großen Schritt zur Namensverbreitung zurückgelegt hatte, während man in einer Zeit, wo so Viele halb vor- und zurückschreiten, die Besseren unter diesen verwechselt oder übersieht. So sei denn der nächste der größere!




G. C. Kulenkamp, Caprice (D moll).[H 5]


„Sage mir, wo du wohnst, so will ich dir sagen, wie du componirst.“ Es liegt etwas in diesem Paradox Florestans, der es sogar umgedreht richtig gefunden wissen will. Spazierflüge, Reisen sind nicht anzuschlagen, wenn sie auch momentan einfließen. Aber schließt Beethoven zehn Jahre in ein Krähwinkel (der Gedanke empört) und seht zu, ob er darin eine D moll-Symphonie fertig gebracht. In Städten[H 6] wohnen nämlich Leute, im schlimmsten Falle Freunde; man componirt, man frägt letztere, sie erstaunen: man schickt zum Druck, Zeitungen kommen drüber und fangen etwa an: „Sage mir“ etc. — Ich meine, der geschätzte Componist obiger Caprice gehört in eine große Stadt, wo der stete Gegendruck anderer Talente neue Kräfte hervorruft und verdoppelt. Seinen meisten Erfindungen hängt etwas Aengstliches vom Kleinstadtleben an, über das er sich gern erheben möchte und auch könnte, wenn ihn nicht kräftige Bürgerhände zu sehr festhielten im Rücken. Daher bei allem Guten, Wohlgesetzten, bei dem unverkennbaren Streben nach dem edelsten Ziel das Ruckweise und Steife. Der eigentliche Gedanke kommt nicht ordentlich zur Sprache, so nahe er auch darum geht; es ist Grau in Grau, oder Silber in Silber, d. h. gehaltreich, aber ohne scharf Gepräge, ohne hellen Klang. Vielleicht würde ihm nützen, wenn er einmal entschieden einem Meister nachzubilden sich bemühte, damit ihm in der Vergleichung seiner Ideen mit denen des Originals der Unterschied zwischen Dein und Mein recht klar entgegenfiele. Stehe er nur nicht stille und suche er namentlich nach ergiebigen Lebensquellen, die die Schaffekraft erfrischen und nähren. Wie wir mit der Vorliebe, die uns jede ernste Kunstgesinnung einflößt, seine bisherigen Leistungen verfolgt haben, obwohl stillschweigend, weil wir auf eine außergewöhnliche warteten, so werden wir es auch künftighin öffentlich mit der Aufmerksamkeit und der Strenge, die er verdient.




Fr. Pollini, Toccata. Werk 56.[H 7]


Die Claviercompositionen der heutigen Italiäner sind im Durchschnitt nicht viel werth. Pollini kann man als ihren Chopin betrachten; er schreibt, im italiänischen Sinn, ernst und schwierig, in der Harmonie interessanter, überhaupt satzrein und mit guter Kenntniß des Instrumentes. Diese Toccata zeichnet noch das Besondere aus, daß sie in drei Systemen niedergeschrieben ist, das obere für die Hauptmelodie, das mittlere für die Begleitung, das unterste für den Baß. Doch irrt vielleicht der Componist, wenn er dadurch erleichtert zu haben meint, ebenso wie darin, daß einige Phrasen seines Stückes nach der gewöhnlichen Einrichtung gar nicht darzustellen wären: ich schreibe es ihm von Anfang bis Ende in zwei Reihen und die Spieler werden meine Weise seiner vorziehen, welche der Composition ein unmusikalisches Ansehen gegeben, woran sich das Auge viel schwerer gewöhnt, als den Händen dadurch geholfen ist, die sich schon zurecht gefunden haben würden. Jedenfalls muß man den besten Willen hierin, wie in der ganzen Composition loben.




H. Dorn, l’aimable Roué. Divertissement (C maj). Oe. 17.[H 8]


Wie oft im Wachen schrieb ich im ordentlichen Traume folgendes über dieses Dornenstück nieder: Um den Hals möchte ich dem Componisten dafür fallen und lachendweinend ausrufen: „ja wohl, bester Musik-Juvenal, ist es schwer keine Satire zu schreiben, erstens überhaupt, und dann wieder über die Satire selbst.“ Und er würde mir antworten: „dem Himmel sei’s gedankt, daß mich wenigstens Einer verstanden; denn die Käufer des Pfennigmagazins (das Stück bildet einen Theil davon) merken meinen Heinismus schwerlich.“[H 9] „Heinismus“ scholl es aus allen Ecken und das sonderbare Wort verlor sich in einzelnen Buchstaben durch die Lüfte. Ich aber wachte auf.

Im Grunde genügte der Traum zum Verständniß der Absicht des Componisten. Indeß stehe der Deutlichkeit halber noch dieses da. Oft trifft es sich, daß wir Künstler, nachdem wir redlich einen halben Tag gesessen und studirt, unter eine Schaar Dilettanten gerathen, und zwar unter die gefährlichsten, denn sie kennen die Beethovenschen Symphonieen. Herr, fängt der Eine an, die wahre Kunst hat mit Beethoven den Culminationspunct erreicht; d’rüber hinaus ist alles Sünde; wir müssen durchaus in die alte Bahn einlenken. Herr, antwortet der Andre, Sie kennen den jungen Berlioz nicht; mit ihm beginnt eine neue Aera; die Musik wird wieder dahin zurückkehren, von wo sie ausgegangen ist, von der Sprache zur Sprache. Deutlich genug, fällt der Erste ein, scheint dies auch Mendelssohn in seinen Ouverturen zu wollen u. s. w. — Unser einer sitzt aber kochend und stumm dazwischen (leider können wir Musiker Alles, außer reden und beweisen) und gießt in bester Laune das Ueberlaufende in Dorn’sche und ähnliche Divertissements. So ist es denn auch die ausgelassenste Persifflage auf Dilettantismus, Italianismus, Contrapunct, Virtuosenbravour, auf die ganze Musik, auf des Componisten eigene Person und bewundere ich allein seine Geduld, so etwas niederzuschreiben, wobei es freilich sehr gedonnert haben mag inwendig. Schleicht sich aber schon die Ironie in unsre Kunst, so ist wahrhaft zu befürchten, sie stehe ihrem Ende wirklich so nahe, als Manche vermuthen, wenn anders kleine lustige Kometen das größere Sonnensystem aus seiner Ordnung zu bringen vermöchten.




I. W. Kalliwoda, 3 Solo’s. Werk 68.[H 10]


Nie lachte ich so, als neulich in einer Gesellschaft von Musikern, meistens bekannten Virtuosen, wo ein Witziger den Vorschlag machte, in einem Tripelconcerte die Stimmenrollen zu wechseln, so also, daß der Violinist das Clavier spielte, der Clavierist das Violoncello; auch eine unselige Flöte fand sich. Vom Komischen dieser Scene, und wie sich übrigens vollkommene Meister lächerlich auf Instrumenten abarbeiteten, die nicht ihre eigentlichen, kann man sich schwerlich einen Begriff machen; zum Bersten klang’s und namentlich die Flöte, die nicht blasen konnte vor Lachkrampf. Der Auftritt fällt mir bei dem liebenswürdigen Kalliwoda ein, der eigentlich Meister auf der Violine, gern für das Clavier componiren soll, worauf er keiner. Wird er nun auch keineswegs dadurch so komisch, wie das obige verkehrte Kleeblatt, so gefällt er mir doch auf dem Instrumente, das er anerkannt beherrscht, am besten. An guten Violincompositionen fließt unsere Zeit auch nicht über: möchte er daher lieber dafür sorgen. Ueber die Solos selbst läßt sich nicht viel sagen; sie sind leicht, munter, rothbäckig, aber gewöhnlich. Hätte ich seine dritte Symphonie[H 11] geschrieben, so fürchtete ich die Herausgabe solcher Kleinigkeiten einmal zu bereuen. Doch muß Jeder am besten wissen, warum er dies und das thut.




Fr. Otto, Phalènes. Oe 15.[H 12]


Sie sind Florestan und Eusebius dedicirt und, nach des Componisten eigenem Geständnisse eine Folge ihrer „Papillons“,[H 13] obwohl die letzteren bei weitem mehr der Nacht angehören möchten. Das Talent dieses Componisten, der übrigens mit geistigen Steckbriefen seit lange verfolgt wird, weil er sich gar zu tief eingesponnen irgendwo, gehört durchaus dem lichten beweglichen Tage, wenn auch auf den unteren Flügelseiten seiner Falter hier und da sich dunklere Linien durcheinander ziehen. Einen Faden, einen tieferen Zusammenhang suche ich sonst in ihrer Folge nicht; jeder fliegt für sich, oft zackig, oft in schönen Bogen, oft träg, oft pfeilschnell. Betrachtungen lassen sich bei jedem einzelnen anstellen, und oft sinnigste, wenn man Theil zu nehmen weiß. Namentlich höre ich in der letzten Phaläne ein wehmüthig Lied aus verklungener Zeit. Wenn ich noch bemerke, daß sie sich auf dem Papier und in der zurückspiegelnden Phantasie um vieles bedeutender ausnehmen, als im wirklichen Klangkörper, so lobe ich damit den Sänger, der auch im Freien zu componiren weiß, und tadle den Clavierspieler, der mit leichter Mühe manches leichter hätte stellen können. Sei er mit diesem herzlich gegrüßt und möge von seinen Geistesflügeln sein Genius nichts abgestreift haben als den Staub, der sich leider zu oft über den sonnigen als zweite Kruste ansetzt!




Sigismund Thalberg, Caprice (E - maj). Oe. 15.
Sigismund Thalberg, 2 Nocturnes. Oe. 16.[H 14]


Könnten die Wiener hassen, so geschähe es wegen der schlimmen Gedanken, die diese Zeitschrift bisher über die Compositionen Thalbergs gehegt, ihres Lieblings und Augapfels. Noch vor Kurzem versprachen wir, uns und Anderen Weh zu ersparen, seine Werke so lange gänzlich zu übergehen, bis wir eines nach vollster Ueberzeugung loben könnten. Bedenke man nur, daß wir etwas auf unser Lob geben und ordentlich geizen damit, — daß Vieles, was andere Zeitungen als „empfehlenswerth“ abthun, für uns noch gar nicht existirt, weil im andern Fall sonst jeder Spatz wie ein Adler behandelt sein wollte und darauf pochte, daß er erschaffen worden und schüfe, — bedenke, daß man, sich loben zu lassen, nur an die Redactionen der … oder des … schreiben könne, die davon leben, — bedenke, daß, wer lobe, nach Goethe sich gleich stelle,[H 15] worauf wir verzichten — und man wird froh sein, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Ohne Seitenblicke: wir halten die zwei neusten Werke von Thalberg für seine besten, und worüber wir klar sind, darüber würde er uns täuschen, wenn er sie selbst vortrüge; denn herrlich soll er sein Instrument spielen und namentlich seine eigenen Compositionen. Ist es nun eben kein vollgültiger Beweis der Güte eines Tonstückes, wenn es nur unter den Händen des Componisten schön erscheint, sondern nur einer für die Vorzüglichkeit des Vortrags, so muß sich doch Vieles auch unter fremden als reizend darstellen. Zwar geht der Caprice die Schärfe und Tiefe des Witzes ab; aber sie enthält einen gut entwickelten Hauptgedanken, einzelne wahre Glanzpuncte (so das Agitato, S. 10) und bildet ein ganzes Stück, dem unzählige Evivas[H 16] folgen müssen. Daß es von einem Spieler herrührt, der die Schönheiten des Pianofortes genau kennt und mit leichten wie mit schweren Mitteln gleich geschickt zu wirken versteht, sieht man jeder Seite der Caprice an, die übrigens mehr Verehrer als Ueberwinder finden wird. — Die Notturnos nun vergleiche ich einem jungen Mann von schöner Fignr, feiner Tournüre, etwas blaß geschminkt, in der Art, wie wir es oft auf Wiener Modekupfern sehen. Des vielen Lieblichen und wirklich Einschmeichelnden halber dauern mich im Herzensgrund die einzelnen banalen Reden, z. B. nach der zartsingenden Stelle der ersten Seite der zweite Tact des letzten Systems, S. 4 der 2te des zweiten Systems; darüber wegspringen möcht’ ich, die Augen zudrücken und, die Wahrheit zu sagen, ist mirs dann, als habe der Componist gar keinen rechten Drang zum Schaffen, als thäte er es nur, weil er gerade nichts Anderes anzustellen wüßte; er muß nicht, es muß. Heine pflegt zu einem reichen deutschen Componisten, dessen Name auch in diesen Blättern vielmals vorgekommen,[H 17] gewöhnlich zu sagen: „warum componirst du nur? du hast’s ja nicht nöthig.“ Es fehlt oft wenig, daß wir Hrn. Thalberg dasselbe zurufen möchten. Talent haben wir ihm zugesprochen — wie verdiente er denn so viel Aufhebens! Eine wahre Freude aber soll uns sein, wenn wir von seiner nächsten Composition sagen könnten: sie sei durch und durch gleichmäßig gehalten, ohne virtuosisches Beiinteresse von Anfang bis Ende sich treu bleibend, eine reinste Regung des Gemüthes in geweihter Stunde. Verschaffe er uns diese!

Da wir aber gerade bei den Notturnos stehen, so will ich gar nicht leugnen, wie mich während dieses Schreibens zwei neue von Chopin[1] in Cis moll und Des dur unaufhörlich beschäftigten, die ich, wie viele seiner früheren, (namentlich die in F dur und G Moll neben denen von Field für Ideale dieser Gattung, ja für das Herzinnigste und Verklärteste halte, was nur in der Musik erdacht werden könne.[H 18]

Endlich hat uns auch Herr John Field selbst mit drei neuen Notturnos beschenkt, dem vierzehnten bis sechszehnten.[H 19] Ist es Einem doch dabei als kehrte man nach einer abenteuerlichen Tour durch die Welt, und nach den tausend Gefahren zu Land und Meer zum erstenmal wieder in’s elterliche Haus zurück. Alles steht da so sicher und am alten Fleck und das Naß könnte Einem in die Augen treten. Sonderbar und verdächtig scheint mir nur das sechszehnte Nachtstück; es werden einige Anstalten mehr darin gemacht, sogar ein Quartett von Violinen,[H 20] Viola und Baß herzugezogen. Man meint Wunder, was da kommen soll; denn der alte Herr ist ein Schalk, der mit einem Strich ein einfältig Gesicht in ein blitzendes umzuzeichnen, ja, wie Garrik[H 21] im Sprech-Vortrag, das einfachste musikalische A B C so zu sprechen weiß, daß man traurig dabei werden muß… Es kömmt aber nichts.




H. Herz, 2ème Caprice sur la Romance favor.: la folle d’ A. Grisar. Oe. 84.[H 22]


In der großen Weltpartitur[H 23] aber rechne ich Henri Herz ohne Weiteres zur Janitscharenmusik:[H 24] auch er spielt mit, will beachtet sein und verdient sein Lob, wenn er gehörig pausirt und beim Einfallen nicht zu viel Lärmens macht. Ueberhaupt ist es neuster Ton der haute volée der Künstler, Herzen zu loben, und wirklich bekömmt man auch die Klagen fader Patrioten über „Ohrenkitzel, Klingelei“ u. s. w. nachgerade überdrüßig. Nicht als ob uns letztere jemals entzückt hätte oder als ob wir meinten, die Musik könne ohne Triangel nicht bestehen; — ist er aber einmal vom höchsten Capellmeister erschaffen und vorgeschrieben, so soll er auch hell und lustig zwischen klingen. Also: Herz lebe! Ueberdem kann man ja seine Compositionen als Wörterbücher musikalischer Vortragkunsttermen benutzen, in dieser Hinsicht erschöpft er die ganze italiänische Sprache: keine Note, die nicht einen Zweck, eine Ausdrucksvorzeichnung hätte, keine Schmachtstelle, wo nicht ein Smorzando darunter stünde. Und wenn nach Jean Paul wahre Dichterwerke keines solchen Dolmetschers bedürfen, weil sie sonst Solbrig’schen Declamationsbüchern glichen, die bekanntlich mit siebenfach verschiedenen Schriftarten, je nach der sinkenden und steigenden Stimme, gedruckt, so weiß das Hr. Herz, der für gar keinen Dichter gehalten sein will, und spricht seine Empfindungen gleichsam noch einmal in Worten interlinearisch aus. Wie viel gäbe es hier noch zu sagen, guckte mir nicht der Setzer ängstlich über die Schulter herein wegen der Pfingstfeiertage. Darum von der Caprice nur noch so viel, daß ihr 83 Werke vorausgegangen, die auf sie schließen lassen. Die Folle ist eine berühmte französische Salon-Romanze, das Bravourstück der Mad. Masi,[H 25] eine folie de salon, wie sie unser Hamburger Corresp.[H 26] nannte, das Capriccio aber nicht nur eben so gut, sondern besser. Namentlich schüttelt Herz gewisse leicht elegante, beinah üppige harmonische Gänge zu Mandeln[H 27] aus dem Aermel (so S. 8) und geräth dabei in einen gewissen Schwung, dessen Zweck und Ziel von Haus aus leider zu bekannt. Kommen nun vollends seine Strettis, Allegro, Presto, Prestissimo 4/4, 2/4, 6/8, so schäumt das Publicum wie ein entzücktes Meer über und auch der eminenteste Cantor könnte dann die Octaven S. 14. Sys. 3. zu 4. überhören.




H. Dorn, Bacchanales. Rhapsodie (D-maj). Oe. 15.[H 28]


Der Titel paßt. Die Trauben möchten platzen vor Wollust sammt den Trinkern. Ein Stück, an dem sich der geistreiche Recensent der Dorn’schen „Bettlerin“ (in einer Beilage zur allg. mus. Zeitung)[H 29] neue Lorbeeren (wir verweisen nur auf die Quinten S. 3. Sys. 4. zu 5) holen kann. Wir hüten uns wohl, mit dem Componisten anzubinden. Er sticht. Ueber kurz und lang malte er uns in eine Rhapsodie unter dem Titel „Nous“, Rhapsodie sur le „Nous“ des Journalistes etc. hinein und man hätte nichts davon als eine lächerliche Unsterblichkeit. Wir meinen, die Rhapsodie gefällt uns besser als ihr zukünftiger Recensent, Bacchanalien besser als Litaneien. Mit gelehrten Fragen, „ob denn in dem Stück ordentliche Logik zu finden sei, Plan, Einheit, Wohlhäbigkeit,“ dringt man hier nicht durch und hat sich nur in Acht zu nehmen, daß Einem nicht ein goldner Pokal an den gelehrten Kopf fliegt. Unter den vielen herkulischen und den anderen Gottheiten, die an den Tafeln schwelgen mögen, vermiss’ ich aber Harmonias oberste Tochter, von der oft ein Blick genügt hätte, den Späßen der wilden Gesellen eine Grenze zu setzen; man merkt gewiß, daß ich die Melodie meine. Sodann fällt mir aus der Mythologie ein, daß es beim berühmten alljährlichen Bacchantenumzug allerdings toll genug hergegangen, daß aber mitten durch die trunkenen Satyrs und Mänaden sich eine Reihe vornehmer sittiger Mädchen gezogen, mit hoch gehobenen Körben und Früchten des Frühlings darin... Sollte dies der Componist nicht gewußt haben?... - Eben fliegt ein Pokal auf mich zu ...




W. Taubert, Miniatures. Oe. 23.
Derselbe, Tutti Frutti. Oe. 24.
Derselbe, 6 Impromptus caracteristiques. Oe. 14.[H 30]


Wir stellen sie nach ihren Ansprüchen in aufsteigender Linie hintereinander, nicht nach der Opuszahl. Die Miniatures sind Guckkastenbilder für Kinder, hier ein Schäfer mit einem Hunde, dort eine Festung u. s. w., eins netter als das andere; ja ordentliche Hebelsche allemannische Volkslieder vom „Brünneli“ und „Vögeli“.[H 31] Man hört oft von Lehrern, daß es an faßlichen Handstücken deutscher Composition fehle und daß sie deshalb zu Herz und Hünten ihre Zuflucht nehmen müßten. Möchten sie jetzt nach diesen Miniaturen greifen, die wirklich musterhaft für ihren Zweck gearbeitet sind, dabei naiv, putzig, Kindes Hand, Herz und Geist bildend und jedes charakteristisch für sich.

Die Tutti Frutti versteigen sich in der Erfindung schon höher und schicken sich mehr für dreizehnjährige Buben, ja für ältere und Dilettanten, wenn sie nur auf der Claviatur fein zu Haus. Der Vermischung verschiedener Schwierigkeiten halber, wie der oft wechselnden Handlagen gebe man sie nur Applicaturfesten; sonst entstehen Unordnungen. Als Composition behagt mir am meisten der Marsch, der mehr eine Art davon, so nämlich, daß man die Soldaten wie hinter dem Berge traben hört. Gar hübsch Alles! Den polnischen Tanz möchte ich weniger harmonisch bunt und mehr rhythmisch klar; auch die altmodischen Doppelschläge vermißte ich gern, obgleich sie hier nicht uncharakteristisch.

Wir kommen zu den sechs Impromptu’s, die eben so viel kleine lyrische Gedichte sind,[H 32] sehr ansprechend, bilderreich, deutsch durch und durch. Nr. 1. Zu Weihnachten. Ein Kaminstück: im Vordergrunde spielende Kinder mit Schnarre, Schaukelpferd etc.; zu Zeiten klingt’s wie aus der Christmetten herein; der Schnee knistert unter den Wägen. Wir wüßten nichts hinzuzusetzen, eher wegzunehmen. Die Cantilene erinnert öfters an Mendelssohnsche. — Nr. 2. Maskenball. Auch ihn wünschten wir nicht so im Kleinen ausgeführt. Das Hauptthema ist ein wohlbekanntes. Die Scene wechselt oft, wie natürlich; in der Mitte fallen ernsthaftere Dinge vor. Im Alla polacca durchkreuzen sich Walzer-und Polonaisentempo, eine alte, immer artige Idee. Auf den letzten Seiten werden noch einmal alle früheren Gedanken berührt, aber mehr gesucht, als von selbst kommend. — Nr. 3, Frühlingsempfindung, scheint der leichteste musikalische Vorwurf, und ist darum der schwerste. Die Einleitung trifft; die Hauptsache mißfällt mir. Man merkt die Absicht u. s. w. –[H 33] Am Ganzen bleibt die Kürze zu loben. — In der Walpurgisnacht gibt es mehr musikalischen Anhalt; doch hat die neue Zeit so viel Geisterartiges der Art geliefert, daß man alles schon einmal gehört zu haben meint. Deutlicher kann’s aber noch nicht geschehen sein, als hier, wo man die Hexen auf Böcken und Ofengabeln durch die Wolken reiten sieht. Nebenbei enthält das Bild gute Gedanken und ist mit sichtlicher Vorliebe ausgearbeitet. — Der Componist schließt mit einem Traum, dem poetischsten Stück der Sammlung; das Leben möge ihm und uns ähnliche Träume zu Gestalten crystallisiren. Was sonst darüber zu sagen wäre, steht lieblicher und fester in der Musik, die wir denen empfehlen, die in den Täuschungen der Kunst Ersatz suchen für die mancherlei der Wirklichkeit.




Felix Mendelssohn-Bartholdy, drei Capricen. Werk 33.[H 34]


Oft ist’s, als breche dieser Künstler, den der Zufall schon bei seiner Taufe beim rechten Beinamen genannt, einzelne Tacte, ja Accorde aus seinem Sommernachtstraum und erweitere und verarbeite diese wiederum zu einzelnen Werken, wie etwa ein Maler seine Madonna zu allerhand Engelsköpfen. In jenem „Traum“ liefen nun einmal des Künstlers liebste Wünsche in’s Ziel zusammen: es ist das Resultat seines Daseins — und wie es schön und bedeutend, wissen wir Alle. — Zwei der obigen Capricen mögen einer frühern Zeit angehören, die mittlere nur der jüngsten;[H 35] jene könnten auch von andern Meistern geschrieben sein, in der mittleren steht aber auf jeder Seite wie mit großen Buchstaben: F. M. B.; — vor Allem liebe ich diese und halte sie für eine Genie, die sich heimlich auf die Erde gestohlen. Da spannt und tobt nichts, spukt kein Gespenst, neckt nicht einmal eine Fee; überall tritt man auf festen Boden, auf blumigen, deutschen; ein Walt’scher Sommerflug über’s Land aus Jean Paul[H 36] ist es. Bin ich auch beinah überzeugt, daß dies Stück Niemand mit so unnachahmlicher Anmuth spielen könne als der Componist, und gebe ich Eusebius Recht, der meint, „er (der Comp.) könne damit das liebendste Mädchen auf einige Augenblicke untreu machen,“ so mag sich dies durchsichtig schimmernde Geäder, dieses wallende Colorit, diese feinste Mienenbeweglichkeit doch von Keinem gänzlich unterdrücken lassen. Wie verschieden davon sind die anderen Capriccio’s und fast in gar keiner Beziehung zur mittleren! In der letzten nämlich steckt so etwas von einem verhaltenen sprachlosen Ingrimm, der sich auch ganz leidlich bis zum Schluß beschwichtigt, aber dann aus voller Herzenslust losbricht. Warum? — wer weiß es! man ist eben zu Zeiten wild, nicht etwa über dies oder das, sondern möchte „mit sanftester Faust“ im Allgemeinen rechts und links ausschlagen und sich selbst aus der Erde hinaus, wenn’s nicht gerade noch zu ertragen wäre. Auf Andere wird die Caprice anders wirken, auf mich so; stehe es da. Dagegen werden wir sämmtlich bei der ersten übereinstimmen, wenn wir mit ihr ein leichteres Weh durchleben, das von der Musik, worein es sich gestürzt, Linderung verlangt und empfängt. Mehr verrathen wir nicht. Der nächste Blick des Lesers aber fliege in das Heft selbst.




Ludwig Schunke, 1stes Capriccio. Werk 9. [H 37]
2stes Capriccio. Werk 10.


Einmal im Frühling 1834 trat Schunke mit seiner gewöhnlichen Hast in meine Stube (es trennte uns nur eine offene Thür) und warf hin: „er wolle in einem Concert spielen und wie er das Stück nennen solle, denn ‚Caprice‘ sage ihm zu wenig.“ Dabei saß er längst am Flügel und im Feuer der zweiten in C moll. Leidlich entzückt antwortete ich im Spaß: nenn’ es „Beethoven, scène dramatique“ — und also kam es auf den Concertzeddel; in Wahrheit schattet das Stück aber nur ein Tausendtheil Beethovenschen Seelenlebens ab, nur eine kleine dunkle Linie in der Stirn. — Zwei Jahre sind seit jenem Frühling hinüber. Wenn ein Virtuose stirbt, sagen die Leute gewöhnlich: „hätt’ er doch seine Finger zurückgelassen;“ Diese machten’s bei Ludwig S. nicht: ihm wuchs Alles aus dem Geist zu und von da in’s Leben; ihn eine Stunde studiren, ja die Tasten C D E F G hin und her üben zu hören, war mir ein Genuß und mehr als manches Künstlerconcert. Hat er nun auch, nach dem jetzt möglichen Ueberblick, als Componist nicht die Höhe erreicht, wie als Virtuos (die Sicherheit und Kühnheit seines Spiels, namentlich in den letzten Monden vor seinem Tod, stieg in’s Unglaubliche und hatte etwas Krankhaftes), so war ihm nach dieser einzigen zweiten Caprice eine fruchtbare und ruhmesvolle Zukunft zuzusichern. Sie hat vieles von ihm selbst, die Excentricität, das vornehme Wesen, etwas Still-Glänzendes; dagegen wollte mir die erste von jeher kälter, der Kern sogar prosaisch vorkommen und gewann nur durch seinen Vortrag. Ja, ihn spielen zu hören! Wie ein Adler flog er und mit Jupiterblitzen, das Auge sprühend aber ruhig, jede Nerve voll Musik, — und war ein Maler zur Hand, so stand er gewiß als Musengott auf dem Papier fertig. Bei seinem Eingenommensein gegen Publicum und öffentliches Auftreten, was sich in etwas aus dem Verdachte, nicht genug anerkannt zu werden, herleitete und sich nach und nach bis zum Widerwillen gesteigert hatte, was natürlich auf die Leistung zurückwirken mußte, kann man nicht verlangen, daß die, die ihn mir einmal obenhin gehört, in ein Urtheil einstimmen können, das sich auf dem Grund eines tagtäglichen Verkehrs zu so großer Erhebung herausstellte. Doch stehe hier, einen Begriff seiner weitgediehenen Meisterschaft zu geben, ein klein Beispiel, das mir eben einfällt. Wenn man Jemandem etwas dedicirt, so wünscht man, daß er’s vorzugsweise spiele; aus vielen Gründen hatte ich ihm vielleicht eines der schwierigsten Clavierstücke, eine Toccata,[H 38] zugeeignet. Da mir kein Ton entging, den er anschlug, so hatte ich meinen leisen Aerger, daß er sich nicht darüber machte, und spielte sie ihm, vielleicht um ihn zum Studiren zu reizen, zu Zeiten aus meiner Stube in seine hinüber. Wie vorher blieb alles mäuschenstill. Da, nach langer Zeit besucht uns ein Fremder, Schunke zu hören. Wie aber staunte ich, als er jenem die Toccata in ganzer Vollendung vorspielte und mir bekannte, daß er mich einigemal belauscht und sie sich im Stillen ohne Clavier herausstudirt, im Kopfe geübt habe. [H 39] — Leider brachte ihn aber jener Verdacht des Nicht-Anerkanntwerdens zuweilen auf unrechte Ideen; einmal hielt er seine Leistungen für noch zu gering und sprach begeistert von neuen Paganini-Idealen, die er in sich spüre, und „daß er sich ein halbes Jahr einschließen und Mechanik studiren werde“; einmal wollte er wieder die ganze Musik bei Seite legen u. s. w. – Doch zogen solche Gedanken nur wie ein Schmerz um ein erhaben Gesicht und er blieb seiner Kunst mit allem Feuer bis zu seinen letzten Stunden zugethan, wo er im Fieber die Umstehenden bat, ihm eine Flöte zu bringen. –




Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.


  1. 2 Nocturnes. Oe. 27.

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Julie Baroni von Cavalcabò verh. von Webenau (1813–1887), Allegro di bravura e-moll op. 8.
  2. [WS] Wolfgang Amadeus Mozart junior (eigentlich Franz Xaver Wolfgang) (1791–1844), österreichischer Komponist und Pianist.
  3. [WS] Johann Georg Anton Mederitsch, genannt Gallus (1752 getauft – 1835), österreichischer Komponist und Dirigent.
  4. [GJ] Julie Baroni-Cavalcabo war den 16. October 1813 in Lemberg geboren. Ihr Vater bekleidete dort das Amt eines Gubernialraths bis 1838, wo er nach Wien übersiedelte. Zu dem auserlesenen Künstlerkreise des Hauses, dessen Mittelpunkt seine Frau Josephine, geb. Gräfin Castiglione, bildete, gehörte in dem Winter 1838/39 auch Schumann. In Erinnerung daran widmete er dieser im Jahre 1841 sein Liederheft Werk 30. Julie wurde bis zu ihrem 14. Jahre von Mozarts Sohn[H 2] unterrichtet, später setzte sie ihre theoretischen Studien bei dem Componisten Joh. Mederitsch, gen. Gallus (geb. 1765 in Böhmen)[H 3] fort. Sie hat 28 Compositionen — in Clavierstücken und Liedern bestehend — veröffentlicht, von denen die ersten 1830, die letzten 1844 erschienen. Ein Lied von ihr („Eigne Bahn“) ist in den musikal. Beilagen zur Zeitschrift (1840) enthalten. Schumann lernte die junge Künstlerin persönlich kennen, als sie im Juni 1835 mit Mozart zusammen Leipzig besuchte. Sie verheirathete sich 1839 mit dem Appellationsrath v. Webenau in Wien, der aber schon 1841 starb. Im folgenden Jahre schloß sie eine zweite Ehe mit dem Secretair der brasilianischen Gesandtschaft in Wien, Hrn. v. Britto, einem eigenartigen Manne, der für ernstere Musik keinen Sinn hatte und sich fast ganz auf den Verkehr mit seinen Landsleuten (Portugiesen und Brasilianer) beschränkte. Er lebte von 1855 an auf einer Besitzung bei Cilli (Steiermark) in beinah völliger Abgeschiedenheit von der Welt; 1867 zog er nach Marburg (Steiermark), zwei Jahre später nach Graz, wo er 1877 starb. Erst in Graz fand Frau v. Britto, die der Musik und dem Verkehr mit Künstlern fast ganz hatte entsagen müssen, endlich wieder Gelegenheit, neuere musikalische Erscheinungen in Theater und Concert kennen zu lernen. Sie schloß (wie Herr Professor Gaston v. Britto in den biographischen Mittheilungen über seine Mutter sagt) „ihr an Bitterkeiten und Enttäuschungen reiches Leben“ am 3. Juli 1887. — Für Schumann (mit dem sie auch eine zeitlang correspondirte) hat sie immer eine große Verehrung gehegt. Eine vorzügliche Pianistin, war sie auch eine der ersten, die seine Musik (Carnaval, Davidsbündlertänze, Phantasiestücke u. a.) in Wien zur Anerkennung zu bringen suchte. Schumann bezeugte der begabten Künstlerin seine hohe Achtung bald nach ihrer ersten Verheirathung (1839) durch die Widmung seiner in Wien entstandenen Humoreske, was die Componistin im folgenden Jahre durch die Zueignung ihrer Phantasiestücke (Werk 25) an Schumann erwiderte. FN 59. I.341–342.
  5. [WS] Georg Carl Kulenkamp (* 19. September 1799 in Witzenhausen, † 15. Februar 1843 in Göttingen), deutscher Musikwissenschaftler und Komponist, Caprice d-moll für Klavier.
  6. [GJ] ergänzt zu: „kleinen Städten“. [MK] Schumann meint hier kleine Städte. Kulenkamp wohnte in Göttingen. II.394.
  7. [WS] Franz Pollini (1762–1846), italienischer Komponist und Pianist. Eine Toccata c-moll op. 56 für Klavier ist nicht belegbar; stattdessen wird ein Scherzo, Variatione e Fantasia sopra un Tema originale per Pianoforte op. 56 von Pollini bei Breitkopf & Härtel in Leipzig für 1830 angezeigt (Hofmeister), was durchaus mit der Gattungsbezeichnung Toccata verträglich ist.
  8. [WS] Heinrich Ludwig Egmont Dorn (1804–1892), deutscher Komponist, Dirigent, Musikdirektor und Musikkritiker. Er war 1831–32 Schumanns Kompositionslehrer. Das Divertissement „L’aimable roué“ C-Dur op. 17 wurde 1836 bei Wunder in Leipzig herausgegeben. Die Komposition könnte sich auf die Karikatur „L’aimable roué“ von 1813 beziehen, zu der es die ungesicherte Auskunft gibt: „the subject is Prince Pierre Kozlovsky who called himself ‚l'aimable roué‘“.
  9. [WS] Decimus Iunius Iuvenalis, kurz Juvenal, war ein römischer Satirendichter des 1. und 2. Jahrhunderts. Das Pfennigmagazin war die erste deutsche Illustrierte. Heinismus, sich auf den Humor Heinrich Heines beziehend.
  10. [WS] Johann Wenzel Kalliwoda (1801–1866), deutscher Komponist, Kapellmeister und Violinist. Die Trois Solos per Pianoforte op. 68 wurden im Mai 1836 in Leipzig bei Peters publiziert und enthielten: 1. Menuetto A-Dur, 2. Marcia Es-Dur und 3. Valse H-Dur.
  11. [WS] Sinfonie Nr. 3 d-moll (F-Dur) op. 32 im Februar 1832 bei Peters in Leipzig gedruckt.
  12. [WS] Franz Otto (* Königstein 3. Juni 1809, † Mannheim 30. April 1842), ein deutscher Sänger; Mitglied der Davidsbündler und ein Freund Schumanns. Die Phalènes (Nachtfalter) op. 15 im November 1835 bei Thieme in Dresden gedruckt.
  13. [WS] Schumanns Papillons op. 2 (1829-31) wurden zuerst als Komposition von Florestan und Eusebius annonciert.
  14. [WS] Sigismund Thalberg (1812–1871), österreichischer Pianist und Komponist. Caprice e-moll op. 15 – „E-maj“, also E-Dur, ist ein Irrtum – in Wien bei Haslinger im Februar 1836 veröffentlicht IMSLP. Deux Nocturnes op. 16, Fis-Dur und H-Dur, in Wien bei Haslinger im Mai 1836 veröffentlicht IMSLP.
  15. [WS] Johann Wolfgang von Goethe: Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich, aus: Wilhelm Meisters Wanderjahre III, Aus Makariens Archiv (1795).
  16. [WS] Evivas: Zugaben.
  17. [GJ] Meyerbeer.
  18. [WS] Hier eine größere Auslassung gegenüber dem Zeitschriftenartikel: „Lernen läßt es sich wohl nicht, wie man in so kleinem Raum so Unendliches sammeln könne; aber übe man sich in Bescheidenheit bei Betrachtung solch hoher dichterischer Vollendung; denn wie es hier vom Herzen quillt, unmittelbar, wie Goethe jenes Urausfließende nennt, übervoll, selig im Schmerz, unnachahmlich, laßt es uns bekennen und stolz sein auf den Mann unserer Kunst.“
  19. [WS] John Field (1782–1837), irischer Komponist und Pianist. IMSLP
    Nocturne Nr. 14 C-Dur H.60, Molto Moderato
    Nocturne Nr. 15 C-Dur H.61, Molto Moderato
    Nocturne Nr. 16 F-Dur H.62, Molto Moderato; die drei Nocturnes wurden 1836 geschrieben.
  20. [WS] Vorlage: Violine.
  21. [WS] David Garrick (1717–1779), englischer Schauspieler und Dirigent.
  22. [WS] Henri Herz (1806–1888), ein österreichischer Klaviervirtuose und Komponist. Deuxième Caprice sur la Romance favori „La Folle“ d’ A. Grisar D-Dur op. 84, im Februar 1836 bei Peters in Leipzig publiziert. Albert Grisar (1808–1869), belgischer Komponist.
  23. [GJ] Erinnerung an Gottschalk Wedels, S. 265 erwähntes Phantasiestück „die große Partitur“.
  24. [WS] Janitscharenmusik, historische türkische Militärmusik, schlagzeugdominiert und auf großen Effekt hin optimiert.
  25. [MK] Mad. Masi, italienische Sängerin, in Paris im 18. Jahrhundert.
  26. [WS] Der „Hamburger Correspondent“ zeichnet als „Beatus“, siehe Neue Zeitschrift für Musik 1836 Jg.3 Bd.4 S.81 Internet Archive.
  27. [WS] Mandel: Ein altes metrisches Maß, entspricht 15, manchmal 16 Stück.
  28. [WS] Rhapsodie: Bacchanales D-Dur op. 15. Ein Bacchanal ist ein ungezŸügeltes, ausschweifendes Trinkgelage.
  29. [WS] Dorns Singspiel in vier Akten Die Bettlerin (Text: Karl von Holtei) wurde 1829 in Königsberg uraufgeführt. Die kurze kritische „Correspondenz aus Königsberg“ in: Allgemeine musikalische Zeitung 1829, Sp. 485–486 Google ist offensichtlich nicht gemeint, eine Beilage zu Dorn zwischen 1828 und 1836 ist in der AMZ nicht nachweisbar.
  30. [WS] Vorlage: Impromtus. In jungen Jahren schrieb Schumann durchgängig „Impromtus“, auch bei eigenen Titeln. Spätestens ab 1849 betrachtet er dies als Fehler (siehe Erler Robert Schumann’s Leben Bd. 2, S. 80 Internet Archive).
    Karl Gottfried Wilhelm Taubert (1811–1891), deutscher Pianist und Komponist.
    Miniatures op. 23, zwei Hefte, Berlin: Westphal 1834–35.
    Tutti Frutti (Collection de morceaux brillants et non difficiles) op. 24, Berlin: Trautwein 1835–36.
    6 Impromptus caractéristiques op. 14, Berlin: Trautwein 1834–35.
  31. [WS] Johann Peter Hebel (1760–1826), deutscher Schriftsteller; seine Alemannische Gedichte erschienen 1803.
  32. [WS] „sind“ fehlt in der Vorlage.
  33. [WS] „Man merkt die Absicht, und ist verstimmt“ entlehnt aus Johann Wolfgang von Goethe Torquato Tasso (1790), II. Aufzug, 1. Auftritt – dort: „So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.“
  34. [WS] Felix Mendelssohn Bartholdy, Trois Caprices op. 33, Leipzig: Breitkopf & Härtel 1836 IMSLP:
    1. Adagio quasi fantasia. Presto agitato, a-moll. 1834
    2. Allegro grazioso, E-Dur. 1835
    3. Adagio. Presto con fuoco, b-moll. 1833
  35. [GJ] Die erste ist 1834, die zweite 1835, die dritte 1833 entstanden.
  36. [WS] Walt ist eine der Hauptfiguren in Jean Pauls Roman Flegeljahre (1804–05).
  37. [WS] Ludwig Schuncke (1810–1834), deutscher Pianist und Komponist, dem Schumann besonders nahestand. Siehe dazu Jansen Die Davidsbündler, S. 123–125 Internet Archive und Schumanns Bericht über Ludwig Schunke’s Begräbnißfeier in: Neue Zeitschrift für Musik 1834, Nr. 73 (11. December 1834), S. 289–290 Internet Archive.
    Capriccio Nr. 1 C-Dur op. 9, Leipzig: Wunder 1834 IMSLP
    Capriccio Nr. 2 c-moll op. 10, Leipzig: Wunder 1836 IMSLP
  38. [WS] Schumanns Toccata C-Dur op. 7, 1832 geschrieben, 1834 publiziert, „Ludwig Schunke gewidmet“ IMSLP.
  39. [GJ] Ueber Schunkes Vortrag der Toccata, im Vergleich mit dem Clara Wiecks, sagt der ungenannte Berichterstatter des Kometen über Claras Concert vom 11. Sept. 1834: „Einen wunderbaren Eindruck machte das letzte Stück, eine Toccata von Schumann. Das Werk ist ein Guß von Originalität und Neuheit und wirkte trotz seinem strengen Stil auf alle Zuhörer mit einem tiefergreifenden Zauber. Wir sind überzeugt, was ein Seb. Bach, was ein Beethoven, was ein Paganini in sich getragen, das ruht auch in Schumann; ja er besitzt vielleicht noch mehr als Chopin die Kraft, die moderne musikalische Schule durch die eigenthümlichen Productionen zu ihrem höchsten Glanze zu erheben. Dem Geschmack des Publicums fröhnt er nicht und wird ihm trotz allen oft an ihn gemachten Anforderungen nicht fröhnen; aber gewiß wird er auf seinem Wege ein ganz anderes Ziel erreichen als die Modecomponisten, die keinen höhern Gedanken fassen, als den Leuten jeden Bissen mundgerecht zu machen. Schumanns Toccata ist so schwer, daß sie außer Schunke und der Clara Wieck hier wohl Niemand gut spielen kann. Beide spielen sie verschieden. Ersterer trägt sie als Etüde vor mit höchster Meisterschaft; Letztere weiß sie zugleich poetisch aufzufassen und ihr durch und durch eine Seele einzuhauchen. Auch diesmal belebte sie sie mit so zarten und tiefgefühlten Schattirungen, daß das originelle Tonstück, mit dem das Concert frappant abschloß, in seinem höchsten Glanze erschien“. FN 60. I.342.
Kritische Umschau (2): IV. Duo’s Nach oben 1836 (Schluss)
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