Jubiläenbuch oder Kleine Genesis

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Titel: Jubiläenbuch oder Kleine Genesis
Untertitel:
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 539–666, S. 1304–1311
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 2. Jahrhundert v. Chr.
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
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Inhaltsverzeichnis

[539]
36. Jubiläenbuch
oder
Kleine Genesis


Dies ist die Geschichte, bei der die Tage des Gesetzes und Zeugnisses,
nach den Jahresereignissen,
in Jahrwochen und Jubiläen bei allen Weltjahren eingeteilt sind,
von da an, wo der Herr zu Moses auf dem Sinaiberg redete,
nachdem er zum Empfang der Steintafeln des Gesetzes hinaufgestiegen,
gemäß dem Befehle Gottes, der zu ihm sagte:
Steig auf den Gipfel des Berges herauf!


1. Kapitel: Moses auf dem Sinai (Ex 24, 15 ff)
1
Es geschah im ersten Jahr des Auszugs der Israeliten aus Ägypten,

am sechzehnten Tag des dritten Monats;
Da redete Gott zu Moses und sprach:
Steig zu mir auf den Berg herauf!
Dann gebe ich dir die Gesetzessteintafeln.
Gemäß dem, was ich geschrieben habe, sollst du sie lehren.

2
Da stieg Moses auf den Berg Gottes;

die Herrlichkeit des Herrn aber wohnte auf dem Berge Sinai.
Da beschattete ihn eine Wolke sechs Tage.

3
Dann rief er am siebten Tag inmitten der Wolke den Moses an

und dieser sah die Herrlichkeit des Herrn wie ein brennendes Feuer.

4
Moses blieb auf dem Berg vierzig Tage und vierzig Nächte

und Gott zeigte ihm die vergangene und die künftige Geschichte
von der Einteilung aller Tage des Gesetzes und Zeugnisses.

5
Er sprach:

Richt deinen Sinn auf jedes Wort,
das ich dir auf dem Berge sage,
und schreib es in ein Buch,
damit ihre Nachkommen ersehen,
daß ich sie trotz all des von ihnen verübten Bösen nicht verlassen habe!
Sie lösen ja die Ordnungen auf,
die ich heute auf dem Sinaiberg zwischen mir und dir für ihre Nachkommen anordne.

6
Und so wird es geschehen:

Wenn all das über sie kommt,

[540]

dann erkennen sie,
daß ich gerechter bin
als sie mit all ihrem Recht und all ihren Werken.
Dann erkennen sie, daß ich dauernd mit ihnen war.

7
Du aber schreib all diese Worte auf,

die ich dir heute kundtue!
Denn ich kenne ihre Widerspenstigkeit und Halsstarrigkeit,
schon bevor ich sie in das Land bringe,
das ich ihren Vätern Abraham, Isaak und Jakob eidlich versprach
mit den Worten: „Euren Nachkommen gebe ich ein Land, das von Milch und Honig fließt.“
Sie werden auch essen und satt werden.

8
Aber sie wenden sich dann fremden Göttern zu,

die sie aus keiner ihrer Nöten retten können,
und dies Zeugnis wird zum Zeugnis für sie vernommen werden.

9
Denn sie vergessen alle meine Gebote, die ich ihnen gebe,

und laufen den Heiden, ihrem Schmutz und ihrer Schmach nach
und dienen ihren Göttern.
Diese aber sind ihnen ein Anstoß zur Bedrängnis und Qual
und dienen zum Fallstrick.

10
Viele kommen um; sie werden ergriffen

und fallen in des Feindes Hand;
denn sie verlassen meine Ordnung, mein Gebot, meines Bundes Feste,
meine Sabbate
und das mir Heilige, das ich mir bei ihnen weihte,
ebenso mein Zelt
und mein Heiligtum, das ich mir inmitten des Landes weihte,
um darin meinen Namen wohnen zu lassen.

11
Sie machen sich Höhen, Haine und Schnitzwerke

und beten in ihrem Irrwahn jedes sein eigenes Bild an;
sie opfern ihre Kinder den Dämonen
und allen andern Werken ihres verirrten Herzens.

12
Ich sende dann Zeugen zu ihnen,

damit ich es ihnen bezeuge:
sie aber hören nicht darauf.
Sie töten vielmehr die Zeugen
und vertreiben die, die das Gesetz suchen.
So schaffen sie alles ab
und beginnen, vor meinen Augen dies zu tun.

13
Ich verberge dann mein Antlitz vor ihnen

und gebe sie in die Hand der Heiden
zur Gefangenschaft, Beute und Vernichtung;
ich vertreibe sie aus dem Land
und zerstreue sie unter die Heiden.

14
Sie vergessen mein ganzes Gesetz,

alle meine Gebote und mein ganzes Recht.
sie lösen Neumond, Sabbat, Feste, Jubiläen und die Ordnung auf.

15
Darnach wenden sie sich aus der Heiden Mitte mir zu

mit ihrem ganzen Herzen, ihrer ganzen Seele und Kraft;

[541]

dann sammle ich sie aus allen Heiden.
Sie suchen mich dann,
damit ich mich von ihnen finden lasse,
und haben sie mich mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele gesucht,
dann eröffne ich ihnen viel Heil in Gerechtigkeit.

16
Ich will sie mit meinem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele

in eine Pflanze der Gerechtigkeit umändern;
sie werden dann zum Segen und nicht zum Fluche sein;
sie werden Haupt und nicht Schweif sein.

17
Dann erbaue ich mein Heiligtum in ihrer Mitte

und wohne bei ihnen;
ich werde ihnen ihr Gott sein
und sie mein Volk in Wahrheit und Gerechtigkeit.

18
Ich verlasse sie nicht mehr

und entfremde mich ihnen nimmer;
denn ich, der Herr, bin ihr Gott.

19
Da fiel Moses auf sein Antlitz, betete und sprach:

O Herr, mein Gott!
Verlaß dein Volk, dein Erbe, nicht,
daß es in seines Herzens Irrtum wandle!
Gib sie nicht in der Heiden Hand,
daß sie sie nicht beherrschen
und sie nicht nötigen, vor dir zu sündigen!

20
Hoch sei, Herr, dein Erbarmen über deinem Volk!

Schaff ihnen einen rechten Sinn!
Des Beliar Geist beherrsch sie nicht,
um sie vor dir dann zu verklagen
und sie von allen Wegen der Gerechtigkeit zu locken,
damit sie fern von deinem Angesicht verderben!

21
Sie sind ja doch dein Volk und Erbe,

das du mit deiner großen Macht aus der Ägypter Hand gerettet.
Schaff ihnen jetzt ein reines Herz
und einen heiligen Geist!
Laß sie doch nicht von jetzt an bis in Ewigkeit
in ihre Sünde verstrickt werden!

22
Da sprach der Herr zu Moses:

Ich kenne ihren Widerspruch und bösen Sinn,
wie auch ihre Halsstarrigkeit.
Sie hören auch nicht,
bis sie ihre Sünden und die ihrer Väter erkennen.

23
Dann kehren sie zu mir um

in aller Aufrichtigkeit, mit ganzem Herzen und ganzer Seele;
ich beschneide dann ihre Herzensvorhaut
und die ihrer Nachkommen;
ich schaffe ihnen einen heiligen Geist
und mache sie rein,
daß sie sich nicht mehr von diesem Tag an bis in Ewigkeit von mir wenden.

24
Und ihre Seelen folgen mir und allen meinen Geboten
[542]

und sie erfüllen meine Gebote;
ich werde dann ihr Vater sein und sie meine Kinder.

25
Und sie alle heißen Kinder des lebendigen Gottes

und alle Engel und Geister wissen,
ja sie wissen dann,
daß sie meine Kinder sind
und ich ihr Vater in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit
und daß ich sie liebe.

26
Du aber schreib dir all diese Worte auf,

die ich dir auf diesem Berg kund tue,
die früheren und die späteren, die noch kommen,
ganz in Einteilungen der Tage im Gesetz und Zeugnis
nach Jahrwochen und Jubiläen bis in Ewigkeit,
bis ich hinabsteige
und bei ihnen in alle Ewigkeit wohne!

27
Dann sprach er zum Engel des Angesichtes:

Schreib für Moses vom Schöpfungsbeginn auf
bis zur Zeit,
wo mein Heiligtum bei ihnen für alle Ewigkeit gebaut wird!

28
Denn der Herr wird allen Augen erscheinen,

und alle erkennen dann, daß ich Israels Gott bin,
der Vater aller Jakobskinder
und König auf dem Sionsberg in alle Ewigkeit.
Dann wird Sion und Jerusalem heilig sein.

29
Da nahm der Angesichtsengel, der vor den Heerscharen Israels einherzog,

die Tafeln der Jahreseinteilung von der Schöpfung, dem Gesetz und dem Zeugnis,
nach den Jahreswochen der Jubiläen
und nach den einzelnen Jahren,
bis zum Tag der Neuschöpfung,
wo Himmel und Erde und alle ihre Geschöpfe erneuert werden,
wie die Mächte des Himmels und alle Erdenschöpfung,
bis das Heiligtum des Herrn in Jerusalem
auf dem Sionsberg geschaffen wird
und alle Leuchten erneuert werden zum Heil,
Frieden und Segen für alle Erwählten Israels,
damit es so von diesem Tag an bis zu allen Erdentagen bleibe.


2. Kapitel: Weltschöpfung und Sabbat
1
Dann sprach der Angesichtsengel zu Moses nach dem Wort des Herrn:

„Schreib die ganze Schöpfungsgeschichte auf,
wie Gott, der Herr, am sechsten Tag alle seine Werke und seine Schöpfungen vollendete
und wie er am siebten Tage Sabbat hielt
und ihn für alle Ewigkeit heiligte
und ihn zu einem Zeichen für alle seine Werke machte!“

2
Am ersten Tag schuf er die Himmel droben, die Erde und die Gewässer,

ebenso alle Geister, die vor ihm dienen.

[543]

die Engel des Angesichts und die Engel der Heiligung,
ferner die Engel (des Feuergeistes und die Engel) des Windgeistes,
die Engel des Wolkengeistes, des Geistes der Finsternis, des Schnees und des Reifes,
die Engel der Stimmen, des Donners und des Blitzes,
die Engel der Geister der Kälte und der Hitze,
des Winters, des Frühlings, der Ernte und des Sommers
und aller Geister seiner Werke in den Himmeln und auf Erden,
in den Abgründen und in der Finsternis,
des Abends, des Lichts, der Morgenröte und des Morgens,
alles dessen, was er mit seines Herzens Wissen bereitet hat.

3
Damals sahen wir seine Werke, priesen ihn

und lobsangen vor ihm ob all seiner Taten;
denn sieben große Werke schuf Er am ersten Tag.

4
Am zweiten Tag schuf Er das Firmament zwischen den Gewässern,

und die Gewässer teilten sich an diesem Tag;
ihre eine Hälfte stieg nach oben
und ihre andere stieg unter das Firmament hinab,
das in der Mitte über der Oberfläche der ganzen Erde war.
Dies war das einzige Werk, das Er am zweiten Tage schuf.

5
Am dritten Tag befahl Er,

die Gewässer sollen von der Oberfläche der ganzen Erde an Einen Ort fließen
und das trockene Land erscheinen.

6
Und die Gewässer taten so, wie Er sie hieß,

und sie wichen von der Oberfläche der ganzen Erde
an Einen Ort außerhalb dieses Firmaments;
so erschien das trockene Land.

7
An diesem Tag schuf Er für sie all die Meere je nach ihren Sammelorten,

ferner alle Flüsse und die Wassersammlungen auf den Bergen,
ebenso alle Teiche und allen Tau der Erde,
ferner den Samen, der gesät wird,
alle Gewächse, die Fruchtbäume,
die Waldbäume und den Garten Eden in Eden
und alle Pflanzen nach ihrer Art.
Diese vier großen Werke schuf Gott am dritten Tag.

8
Am vierten Tag schuf Er die Sonne, den Mond und die Sterne

und setzte sie an das Himmelsfirmament,
daß sie über die ganze Erde leuchteten,
über Tag und Nacht herrschten
und zwischen Licht und Finsternis schieden.

9
Und Gott machte die Sonne zu einem großen Zeichen auf Erden

für Tage, Sabbate, Monate, Feste,
Jahre, Jahrwochen, Jubiläen,
überhaupt für alle Jahreszeiten.

10
Sie schied nun so zwischen Licht und Finsternis,

daß alles, was auf Erden sproßt und wächst, gedeiht.
Diese drei Arten machte Er am vierten Tag.

11
Am fünften Tag schuf Er die großen Seeungeheuer in der Gewässer Tiefen;
[544]

diese wurden als die ersten Fleischwesen durch seine Hände erschaffen,
die Fische und alles andere, was sich in den Gewässern bewegt,
ebenso alles, was fliegt, die Vögel und all ihre Arten.

12
Und die Sonne ging über sie zum Gedeihen auf,

überhaupt über alles, was auf Erden ist und aus der Erde sproßt,
über alle Fruchtbäume und alles Fleisch.
Diese drei Arten schuf Er am fünften Tag.

13
Am sechsten Tag schuf Er alle Tiere des Festlandes,

alles Vieh und was immer sich auf Erden bewegt.

14
Nach all dem schuf Er den Menschen.

Er schuf sie als Mann und Weib
und gab ihnen die Herrschaft über alles auf Erden und in den Meeren,
über alles, was fliegt, über die wilden Tiere, das Vieh,
ja über alles, was sich auf Erden bewegt,
und über die ganze Erde.
Diese vier Werke schuf Er am sechsten Tag.

15
Es waren im ganzen zweiundzwanzig Arten,
16
Er beendete alle seine Werke am sechsten Tag,

alles, was in den Himmeln, auf Erden, in den Meeren, den Abgründen,
im Licht und in der Finsternis, ja überall ist.

17
Und Er gab uns als großes Zeichen den Sabbattag,

auf daß wir sechs Tage arbeiteten,
aber am siebten Tag von aller Arbeit Sabbatruhe hielten.

18
Uns alle, die Engel des Angesichts und der Heiligung,

die beiden großen Klassen,
hieß Er mit ihm im Himmel und auf Erden Sabbat halten.

19
Er sprach zu uns:

Ich will mir ein Volk aus allen Völkern aussondern;
sie werden den Sabbat halten,
und ich werde sie mir zu meinem Volke weihen und sie segnen.
Wie ich den Sabbat geheiligt habe und ihn mir heilige,
so werde ich sie segnen;
sie werden mir mein Volk sein und ich ihnen Gott.

20
Ich erwählte Jakobs Stamm aus all dem, was ich sah,

und schrieb ihn mir als erstgeborenen Sohn auf
und weihte ihn mir für alle Ewigkeit;
ich lehre sie den Sabbat,
damit sie an ihm Sabbatruhe von aller Arbeit halten.

21
Und Er machte an ihm ein Zeichen,

demgemäß sie mit uns am siebten Tag Sabbat halten sollten,
indem sie essen und trinken und den Allschöpfer segnen,
wie er ein besonderes Volk aus allen den Völkern segnete und sich weihte;
sie sollten also mit uns zusammen Sabbat halten.

22
Und Er ließ seine Gebote als einen süßen Duft aufsteigen,

der alle Tage vor Ihm angenehm wäre.

23
Zweiundzwanzig Häupter der Menschheit gibt es von Adam bis auf Jakob,

und zweiundzwanzig Arten von Werken wurden bis zum siebten Tag gemacht;
dieser ist gesegnet und heilig;

[545]

auch jener ist gesegnet und heilig
und dieser dient mit jenem zum Weihen und Segnen.

24
Es ward jenem gegeben,

daß sie immerfort Gesegnete und Heilige des ersten Gesetzes und Zeugnisses seien,
wie der siebte Tag gesegnet und geheiligt war.

25
Er schuf Himmel und Erde und alle anderen Geschöpfe in sechs Tagen,

und Gott machte den siebten Tag für all seine Werke heilig.
Deshalb gebot er seinetwegen,
daß jeder, der an ihm eine Arbeit täte, sterben sollte,
ebenso wer ihn verunreinigte.

26
Darum gebiete du den Israeliten, sie sollen diesen Tag beobachten,

daß sie ihn heilig halten,
an ihm keine Arbeit verrichten noch ihn verunreinigen:
denn er ist heiliger als alle andern Tage!

27
Jeder, der ihn entweiht, soll des Todes sterben.

Ebenso soll jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet,
in Ewigkeit des Todes sterben,
damit die Israeliten diesen Tag in ihren Geschlechtern beobachten
und nicht aus dem Land ausgerottet werden;
denn es ist ein heiliger und gesegneter Tag.

28
Jeder Mensch, der ihn beobachtet

und an ihm von all seiner Arbeit Sabbatruhe hält,
wird gleich uns in allen Tagen heilig und gesegnet sein.

29
Vermeld den Israeliten das Gesetz dieses Tages,

sie sollen an ihm Sabbat halten
und ihn nie in Herzensverirrung aufgeben;
denn er ist nicht dazu da,
daß an ihm ungeziemende Arbeit verrichtet werde,
indem man an ihm den eigenen Willen tut.
Sie sollen an ihm nichts zubereiten,
was gegessen und getrunken wird,
noch Wasser schöpfen,
noch irgend etwas Tragbares an ihm
zu ihren Türen herein- oder hinaustragen,
wenn sie es nicht für sich an den sechs Tagen
in ihren Wohnungen zubereitet haben!

30
Sie sollen an diesem Tag von Haus zu Haus nichts herein- noch hinausbringen

denn er ist heiliger und gesegneter
als alle Jubeltage der Jubeljahre.
An ihm hielten wir im Himmel Sabbat,
bevor es dem Fleisch bekannt gemacht war,
an ihm auf Erden Sabbat zu halten.

31
Und der Allmächtige segnete ihn;

er weihte aber kein Volk und keine Nation zur Sabbatfeier,
außer Israel allein:
ihm allein gestattete er,
zu essen und zu trinken und auf Erden Sabbat zu halten.

[546]
32
Und der Allschöpfer segnete diesen Tag, den er schuf,

zum Segnen, Weihen und zur Herrlichkeit vor allen andern Tagen.

33
Dieses Zeugnis und Gesetz ward den Israeliten

als ein ewiges Gesetz für ihre Nachkommen gegeben.


3. Kapitel: Paradies und Sündenfall
1
In den sechs Tagen der zweiten Woche brachten wir nach Gottes Wort zu Adam

alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel
und alles, was sich auf Erden und im Wasser bewegt,
je nach ihrer Art und Ähnlichkeit,
und zwar die wilden Tiere am ersten Tag, das Vieh am zweiten,
die Vögel am dritten, alles sich auf Erden Bewegende am vierten
und alles sich im Wasser Bewegende am fünften Tag.

2
Und Adam benannte sie alle je mit ihren Namen

und wie er sie benannte, so ward ihr Name.

3
In diesen fünf Tagen sah Adam diese alle, Männchen und Weibchen,

nach jeder Art auf Erden;
er aber war allein und fand für sich keine Gehilfin.

4
Da sprach der Herr zu uns:

Es ist nicht gut, daß der Mann allein sei.
Lasset uns ihm eine Gehilfin machen!

5
Da ließ der Herr, unser Gott, einen tiefen Schlaf auf ihn fallen

und er schlief.
Da nahm Er für das Weib eine Rippe mitten aus seinen Rippen,
und diese Rippe war der Ursprung des Weibes mitten aus seinen Rippen,
und Er baute Fleisch statt ihrer hinein.
So baute Er das Weib.

6
Dann weckte Er den Adam aus dem Schlafe.

Als er aufgewacht war,
stand er am sechsten Tage auf.
Da brachte Er sie zu ihm,
und er erkannte sie und sprach zu ihr:
„Dies ist jetzt Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch;
sie wird mein Weib heißen;
denn sie ist von ihrem Mann genommen.“

7
Deshalb sollen Mann und Weib eins sein,

und deshalb soll der Mann Vater und Mutter verlassen
und mit seinem Weib vereint werden,
und sie werden Ein Fleisch sein.

8
In der ersten Woche ward Adam geschaffen,

ebenso die Rippe, sein Weib.
In der zweiten Woche zeigte er sie ihm.
Und deshalb ward das Gebot gegeben,
in ihrer Unreinheit für das Knäblein sieben Tage
und für das Mädchen zweimal sieben Tage zu verbleiben.

9
Nachdem Adam vierzig Tage

in dem Land, wo er erschaffen ward, zugebracht hatte,

[547]

brachten wir ihn in den Garten Eden,
damit er ihn hüte und pflege;
aber sein Weib brachten sie am achzigsten Tag,
und hernach kam sie in den Garten Eden.

10
Deshalb ist auf die himmlischen Tafeln das Gebot für die Gebärenden geschrieben:

Wenn sie ein Knäblein gebiert,
dann soll sie sieben Tage in ihrer Unreinheit bleiben,
entsprechend den ersten sieben Tagen,
und dreiunddreißig Tage soll sie im Blut ihrer Reinigung bleiben;
sie darf nichts Heiliges anrühren,
noch das Heiligtum betreten,
bis sie diese Tage, die bei einem Knäblein geboten sind, hinter sich hat.

11
Bei einem Mädchen soll sie zwei Wochen,

entsprechend den ersten zwei Wochen, in ihrer Unreinheit
und sechsundsechzig Tage im Blut ihrer Reinigung verbleiben;
im Ganzen sollen es achtzig Tage sein.

12
Nach Ablauf der achtzig Tage brachten wir sie in den Garten Eden;

denn er ist heiliger als die ganze Erde,
und jeder darin gepflanzte Baum ist heilig.

13
Deshalb sind für die Mutter eines Knäbleins und eines Mädchens

die Satzungen für diese Tage angeordnet:
Sie darf nichts Heiliges berühren noch das Heiligtum betreten,
bis jene Tage für einen Knaben und ein Mädchen zu Ende sind.

14
Sie sollen dies für Israel geschriebene Gesetz und Zeugnis

alle Tage beobachten.

15
In der ersten Jahrwoche des ersten Jubiläum

waren Adam und sein Weib sieben Jahre im Garten Eden, ihn pflegend und ihn hütend.
Wir gaben ihm Arbeit und lehrten ihn die richtige Pflege.

16
Und er pflegte den Garten;

dabei war er nackt, ohne es zu wissen und sich zu schämen;
er hütete den Garten vor Vögeln,
wilden Tieren und vor dem Vieh.
Er sammelte seine Früchte und aß;
den Rest davon legte er für sich und sein Weib beiseite
und legte so einen Vorrat an.

17
Nach Ablauf von sieben Jahren dort, von genau sieben Jahren,

am siebzehnten Tag des zweiten Monats,
kam die Schlange und näherte sich dem Weib.
Da sprach die Schlange zum Weib:
Hat Gott euch ein Verbot gegeben?
Ihr dürfet von keinem Baum im Garten essen?

18
Sie sprach zu ihr:

Gott sagte: Esset von allen Früchten der Bäume im Garten!
Dann sagte aber Gott:
Esset nicht von den Früchten des Baumes mitten im Garten
und rührt ihn nicht an,
sonst müßt ihr sterben!

[548]
19
Da sprach die Schlange zum Weib:

Ihr werdet keineswegs sterben;
vielmehr weiß Gott, daß an dem Tag, wo ihr davon esset,
euch die Augen geöffnet werden
und ihr wie die Götter seid
und Gutes und Böses erkennen werdet.

20
Da sah das Weib,

daß der Baum lieblich sei und dem Auge gefalle
und daß seine Frucht gut zum Essen sei;
so nahm sie davon und aß.

21
Da bedeckte sie zuerst ihre Scham mit Feigenblättern;

dann gab sie dem Adam und er aß.
Da wurden ihm die Augen geöffnet,
und er sah, daß er nackt war.

22
Da nahm er Feigenblätter, flocht sie zusammen,

machte sich einen Schurz und bedeckte so seine Scham.

23
Gott verfluchte nun die Schlange und grollte ihr für immer.
24
Er zürnte aber auch dem Weib,

weil es auf der Schlange Stimme gehört und gegessen hatte;
er sprach zu ihm:
Ich vermehre deine Betrübnis und Qual;
in Betrübnis sollst du Kinder gebären,
und doch mußt du zum Mann immer wieder zurückkehren,
und er wird dich beherrschen.

25
Auch zu Adam sprach Er:

Weil du auf deines Weibes Stimme hörtest
und von jenem dir für den Genuß verbotenen Baum aßest,
so sei die Erde deinetwegen verflucht!
Dornen und Disteln sollen dir sprossen,
und du sollst dein Brot im Schweiße deines Angesichts essen,
bis du zur Erde zurückkehrst, wovon du genommen bist!
Denn du bist Erde und kehrst wieder zur Erde zurück.

26
Dann machte er ihnen Fellkleider, bekleidete sie damit

und schickte sie aus dem Garten Eden.

27
Am Tag, wo Adam aus dem Garten ging,

opferte er ein Rauchwerk von lieblichem Wohlgeruch,
Weihrauch, Galbanum, Styrax und Narden
am Morgen bei Sonnenaufgang, von dem Tag an, wo er seine Scham bedeckte.

28
An diesem Tag verstummten alle wilden Tiere, das Vieh, die Vögel

und alles, was geht und sich bewegt;
denn sie hatten miteinander alle mit Einer Lippe und Einer Sprache gesprochen.

29
So schickte Er aus Edens Garten alles Fleisch,

das im Garten Eden war.
Da zerstreute sich alles Fleisch
nach seinen Arten und Naturen an die dafür geschaffenen Plätze.

30
Er veranlaßte den Adam allein

von allen wilden Tieren und allem Vieh,
seine Scham zu bedecken.

[549]
31
Deshalb ist in den himmlischen Tafeln für alle,

die des Gesetzes Urteil kennen, vorgeschrieben,
sie sollen ihre Scham bedecken
und sich nicht wie die Heiden entblößen.

32
Am Neumond des vierten Monats verließen Adam und sein Weib

den Garten Eden
und wohnten im Lande Elda, dem Land ihrer Erschaffung.

33
Und Adam hieß sein Weib Eva.
34
Sie blieben kinderlos bis zum Ende des ersten Jubiläum;

darnach erkannte er sie.

35
Er bearbeitete jetzt das Land, wie er es im Garten Eden gelernt hatte[.]


4. Kapitel: Kain und Abel
1
In der dritten Jahrwoche des zweiten Jubiläum gebar sie den Kain,

in der vierten den Abel und in der fünften ihre Tochter Awan.

2
Im ersten Jahr des dritten Jubiläum

tötete Kain den Abel, weil Gott wohl Abels Opfer,
aber nicht das des Kain angenommen hatte.

3
Er tötete ihn auf dem Feld;

da schrie sein Blut von der Erde zum Himmel,
indem es über seinen Mörder Klage erhob.

4
Gott schalt den Kain Abels wegen,

weil er ihn getötet hatte.
Er machte ihn wegen des Bruderblutes zu einem Flüchtling auf Erden
und verfluchte ihn auf der Erde.

5
Deshalb steht in den himmlischen Tafeln geschrieben:

Verflucht ist, wer seinen Nächsten hinterlistig erschlägt,
und alle, die es sehen und hören, sollen sagen: So sei es!
Wer es aber sieht und nicht anzeigt, sei verflucht wie der andere!

6
Deswegen erscheinen wir vor dem Herrn, unserm Gott,

und melden alle Sünden, die im Himmel und auf Erden,
in Licht und in der Finsternis und sonstwo geschehen.

7
Adam und sein Weib trauerten um Abel vier Jahrwochen;

im vierten Jahr der fünften Jahrwoche wurden sie wieder froh,
und Adam erkannte wiederum sein Weib.
Da gebar sie ihm einen Sohn,
und er hieß ihn Seth; denn er sprach:
Gott hat uns auf Erden an Stelle Abels, den Kain getötet hatte,
einen zweiten Nachkommen gegeben.

8
In der sechsten Jahrwoche zeugte er seine Tochter Asura.
9
Kain aber nahm seine Schwester Awan zum Weib,

und sie gebar ihm am Ende der vierten Jubiläum den Henoch.
Im ersten Jahr des ersten Jahrwoche des fünften Jubiläum
wurden auf Erden Häuser gebaut,
und Kain baute eine Stadt, die er nach seinem Sohn Henoch benannte.

10
Adam erkannte fernerhin sein Weib Eva,

und sie gebar ihm noch neun Kinder.

[550]
11
In der fünften Jahrwoche des fünften Jubiläum

heiratete Seth seine Schwester Asura,
und sie gebar ihm den Enos im vierten Jahr.

12
Er begann, den Namen Gottes auf Erden anzurufen.
13
In der dritten Jahrwoche des siebten Jubiläum

heiratete Enos seine Schwester Noam,
und sie gebar im dritten Jahr der fünften Jahrwoche ihm einen Sohn,
und er hieß ihn Kenan.

14
Am Ende des achten Jubiläum

heiratete Kenan seine Schwester Mualelet,
und sie gebar ihm im dritten Jahr der ersten Jahrwoche des neunten Jubiläum einen Sohn,
und er hieß ihn Mahalalel.

15
In der zweiten Jahrwoche des zehnten Jubiläum

heiratete Mahalalel
die Dina, die Tochter Barakiels und seiner Vaterschwester;
sie gebar ihm einen Sohn im sechsten Jahr der dritten Jahrwoche,
und er hieß ihn Jared;
denn in seinen Tagen stiegen des Herrn Engel, die Wächter hießen, auf die Erde herab;
sie sollten die Menschenkinder lehren,
Recht und Gerechtigkeit zu üben.

16
In der vierten Jahrwoche des elften Jubiläum heiratete Jared die Baraka,

die Tochter Rasujaels und seiner Vaterschwester,
und sie gebar ihm im vierten Jahr der fünften Jahrwoche einen Sohn,
und er nannte ihn Henoch.

17
Dieser ist von den erdgeborenen Menschenkindern der erste,

der Schrift, Wissenschaft und Weisheit lernte
und die Himmelszeichen nach der Ordnung ihrer Monate
in ein Buch schrieb,
damit die Menschenkinder die Jahreszeiten nach der Ordnung ihrer einzelnen Monate wüßten.

18
Er schrieb auch zuerst ein Zeugnis auf

und gab den Menschenkindern unter den Erdengeschlechtern ein Zeugnis;
er verkündete die Jahrwochen der Jubiläen,
machte die Zahl der Jahre kund,
ordnete die Monate
und bekundete die Sabbate der Jahre, wie wir ihm kundgetan.

19
Er sah in einem Traumgesicht die Vergangenheit und Zukunft,

wie es den Menschenkindern in ihren Geschlechtern bis zum Gerichtstag ergeht;
er sah und verstand alles, schrieb sein Zeugnis nieder
und legte es zum Zeugnis für alle Menschen und ihre Nachkommen auf Erden nieder.

20
In der siebten Jahrwoche des zweiten Jubiläum

heiratete er die Edni, die Tochter Danels und seiner Vaterschwester,
und im sechsten Jahr dieser Jahrwoche gebar sie ihm einen Sohn,
und er hieß ihn Metusala.

21
Er war bei den Engeln Gottes sechs Jahrjubiläen,

und sie zeigten ihm alles auf Erden und im Himmel,
die Herrschaft der Sonne,
und er schrieb alles auf.

[551]
22
Er zeugte gegen die Wächter, die mit den Menschentöchtern sündigten.

Denn jene begannen, den Menschentöchtern beizuwohnen,
so daß sie befleckt wurden,
und Henoch zeugte gegen sie alle.

23
Dann ward er von den Menschenkindern hinweggenommen,

und wir führten ihn in Edens Garten zu Hoheit und Ehre,
und nun schrieb er dort das Gericht und das Urteil über die Welt
und alle Bosheiten der Menschen nieder.

24
Und deshalb brachte Gott die Sintflut über das ganze Lande Eden;

denn er ward dort zum Zeichen gegeben
und sollte gegen alle Menschenkinder zeugen,
damit er alles Tun der Geschlechter bis auf den Gerichtstag vermelde.

25
Er brachte auch im Heiligtum ein wohlriechendes Rauchopfer dar,

das vor dem Herrn auf dem Berg des Südens angenommen ward.

26
Denn dem Herrn gehören vier Orte auf Erden:

Edens Garten, der Berg des Ostens,
dieser Berg, worauf du heute bist, der Berg Sinai
und der Berg von Sion, der in der Neuschöpfung zur Heiligung der Erde
geheiligt wird;
deshalb wird die Erde von aller Sünde
und allem Schmutz der Geschlechter der Welt geheiligt werden.

27
Im vierzehnten Jubiläum heiratete Metusala die Edna,

die Tochter Azrials und seiner Vaterschwester,
im ersten Jahr der dritten Jahrwoche,
und er zeugte einen Sohn und hieß ihn Lamech.

28
In der dritten Jahrwoche des fünfzehnten Jubiläum

heiratete Lamech die Betenos, die Tochter Barakiels und seiner Vaterschwester,
und sie gebar ihm in dieser Jahrwoche einen Sohn,
und er heiß ihn Noe, indem er sprach:
Dieser wird mich trösten über meine Trauer und all mein Tun
und über die Erde, die Gott verflucht hat.

29
Am Ende des neunzehnten Jubiläum

im sechsten Jahr der siebten Jahrwoche
starb Adam, und all seine Kinder begruben ihn im Land seiner Erschaffung;
er ist der erste, der in der Erde begraben ist.

30
Siebzig Jahre fehlten an tausend Jahren.

Denn tausend Jahre sind wie Ein Tag nach dem Zeugnis der Himmel;
deshalb steht auch vom Baum der Erkenntnis geschrieben:
„An dem Tag, wo ihr davon esset, werdet ihr sterben.“
Deshalb vollendete er nicht die Jahre dieses Tages,
sondern starb an ihm.

31
Am Ende dieses Jubiläum, ein Jahr nach ihm, ward Kain getötet;

sein Haus fiel auf ihn
und er starb mitten in seinem Haus
und ward durch dessen Steine getötet.
Denn mit einem Stein tötete er den Abel,
und mit einem Stein ward er nach gerechtem Gericht getötet.

32
Deshalb ist in den himmlischen Tafeln angeordnet:
[552]

„Mit dem Gerät, womit ein Mann seinen Nächsten tötet,
soll er getötet werden;
wie er einen verwundet, so soll man ihm tun!

33
Im fünfundzwanzigsten Jubiläum heiratete Noe die Emzara,

die Tochter Rakeels und seiner Vaterschwester,
im ersten Jahr der fünften Jahrwoche.
Im dritten Jahr gebar sie ihm den Sem
und im fünften den Ham
und im ersten Jahr der sechsten Jahrwoche den Japhet.


5. Kapitel: Sintflut
1
Als die Menschenkinder begannen,

sich auf Erden zu mehren,
und ihnen Töchter geboren wurden,
da sahen Gottes Engel in einem Jahr dieses Jubiläum,
daß sie schön anzuschauen waren.
Da nahmen sie sich aus ihnen allen zu Weibern nach ihrer Wahl,
und sie gebaren ihnen Kinder,
und dies sind die Riesen.

2
Da wuchs die Zügellosigkeit auf Erden

und alles Fleisch verderbte seinen Wandel,
Mensch und Vieh, wilde Tiere und Vögel,
überhaupt alles, was auf Erden wandelte.
Sie alle verderbten ihre Wege und ihre Sitten,
und sie begannen, sich gegenseitig aufzufressen.
So wuchs die Zügellosigkeit auf Erden,
und alles Sinnen und Planen der Menschen war fortwährend böse.

3
Als Gott die Erde betrachtete, war sie verderbt;

alles Fleisch hatte seine Sitten verderbt,
und alles, was auf Erden war, handelte böse vor Seinen Augen.

4
Da sprach Er:

Ich will die Menschen vertilgen
und alles andere Fleisch auf der Erde, die ich geschaffen habe.

5
Nur Noe fand Gnade vor des Herrn Augen.
6
Aber auf die Engel, die er auf die Erde gesandt, zürnte er heftig.

Er gebot, sie aus ihrem ganzen Machtbereich auszurotten,
und er befahl uns, sie in die Tiefen der Erde zu sperren.
Nun liegen sie mitten darin gebunden
und sind abgesondert.

7
Auch gegen ihre Kinder erging von Seinem Angesicht der Befehl,

sie mit dem Schwerte zu durchbohren
und unterm Himmel zu vertreiben.

8
Er sprach:

Mein Geist wird nicht für immer im Menschen bleiben;
denn sie sind Fleisch,
und ihre Tage sollen sich auf 120 Jahre belaufen.

9
Dann sandte Er sein Schwert unter sie,
[553]

damit einer den andern töte,
und sie begannen, einer den andern zu töten,
bis alle durchs Schwert fielen und so von der Erde vertilgt wurden.

10
Ihre Väter aber sahen zu;

hernach wurden sie in die Tiefen der Erde eingeschlossen
bis in Ewigkeit, bis zu dem großen Gerichtstag,
wann ein Gericht über alle stattfindet,
die ihren Wandel und ihre Werke vor Gott verderben.

11
So vertilgt Er sie alle an ihren Plätzen,

und nicht einer davon bleibt übrig,
den er nicht wegen all der Bosheit richten würde.

12
Dann macht Er für alle seine Werke eine neue und gerechte Natur,

so daß sie nach ihrer ganzen Natur nie mehr sündigen,
sondern gerecht seien, jeder in seiner Art allezeit.

13
Das Gericht über sie alle ist festgesetzt;

es ist richtig auf die himmlischen Tafeln geschrieben,
und zwar für alle, die von dem vorgeschriebenen Wege abweichen.
Wandeln sie aber nicht darauf,
dann ist das Urteil für jedes Geschöpf und jedes Geschlecht schon geschrieben.

14
Dem Gericht entgeht nichts im Himmel und auf Erden,

im Licht und in der Finsternis, in der Unterwelt,
in der Tiefe und am düstern Ort;
all ihre Strafen sind festgesetzt, aufgeschrieben und eingegraben.

15
Er richtet dann den Großen nach seiner Größe, den Kleinen nach seiner Kleinheit,

und zwar jeden einzelnen nach seinem Wandel.

16
Er ist nicht wie einer, der auf die Person Rücksicht nimmt,

auch nicht wie einer, der Geschenke annimmt,
wenn Er sagt, er wolle jeden einzelnen richten.
Böte einer auch alles, was es auf Erden gibt, an,
so nimmt Er trotzdem keinerlei Rücksicht auf Geschenk oder Person.
Er nimmt nichts aus seinen Händen an;
denn Er ist ein gerechter Richter.

17
Über die Israeliten ist geschrieben und bestimmt:

Wenn sie sich zu Ihm aufrichtig bekehren,
dann vergißt er alle ihre Vergehen
und verzeiht alle ihre Sünden.

18
Es ist geschrieben und bestimmt:

Er wird barmherzig gegen alle sein,
die sich von all ihrer Verschuldung einmal im Jahr abwenden.

19
Bei allen, die ihren Wandel und Sinn vor der Sintflut verderbten

ward ihre Person nicht berücksichtigt,
außer allein bei Noe;
denn seine Person fand Berücksichtigung zugunsten seiner Söhne,
die Er seinetwegen aus der Sintflut rettete.
Denn sein Herz war auf all seinen Wegen gerecht, wie ihm geboten war,
und er übertrat nichts von dem, was ihm befohlen ward.

20
Und der Herr sagte, er werde alles auf dem Festland vertilgen.

Mensch und Vieh, wilde Tiere und des Himmels Vögel,

[554]

und alles andere, was sich auf Erden regt.

21
Dann hieß Er den Noe sich einen Kasten machen,

damit Er ihn aus den Gewässern der Flut rette.

22
So machte sich Noe eine Arche, genau so, wie Er ihm befohlen hatte,

im fünften Jahre der fünften Jahrwoche des 26. Jahresjubiläum.

23
Und sein Einzug dauert vom Neumond des zweiten Monats des sechsten Jahres

bis zum sechzehnten Tag;
so ging er selbst hinein und mit ihm alles, was wir ihm in die Arche brachten.
Dann schloß der Herr sie außen am Abend des siebenundzwanzigsten Tages ab.

24
Nun öffnete der Herr die sieben Himmelsschleusen,

sowie die Öffnungen der Quellen in der großen Tiefe.

25
Da begannen die Schleusen, vom Himmel Wasser herabströmen zu lassen,

vierzig Tag und vierzig Nächte;
auch die Quellen der Tiefe ließen Gewässer emporsteigen,
bis die ganze Welt voller Wasser ward.

26
Und die Gewässer wuchsen auf Erden;

fünfzehn Ellen stiegen die Wasser über alle hohen Berge;
die Arche aber hob sich von der Erde und fuhr auf den Gewässern dahin.

27
Auf der Erde standen nun die Gewässer fünf Monate lang, 150 Tage.
28
Die Arche fuhr nun dahin

und landete auf dem Gipfel des Lubar, eines der Berge von Ararat.

29
Im vierten Monat schlossen sich nun die Quellen der großen Tiefe;

auch die Himmelsschleusen taten sich zu;
am Neumond des siebten Monats wurden alle Öffnungen in den Tiefen der Erde aufgemacht,
und die Gewässer begannen, in die Tiefe wieder hinabzufließen.

30
Am Neumond des zehnten Monats zeigten sich die Gipfel der Berge,

und am Neumond des ersten Monats erschien die Erde.

31
So verschwanden die Wasser von der Erde

im siebten Jahr der fünften Jahrwoche,
und am siebzehnten Tag des zweiten Monats war die Erde trocken.

32
Am siebenundzwanzigsten Tag öffnete er die Arche

und entließ die wilden Tiere,
das Vieh, die Vögel und die Reptilien daraus.


6. Kapitel: Bund mit Noe
1
Am Neumond des dritten Monats ging er aus der Arche;

dann baute er auf jenem Berg einen Altar.

2
Er wollte die Erde sühnen,

und so nahm er einen Ziegenbock
und sühnte mit seinem Blut alle Schuld der Erde;
denn alles, was darauf gewesen, war vernichtet,
außer denen, die mit Noe in der Arche waren.

3
Er brachte sein Fett auf den Altar,

nahm ein Rind, einen Widder, ein Lamm,
ferner Ziegen, Salz, eine Turteltaube
und eine andere junge Taube.
So brachte er ein Ganzopfer auf den Altar.

[555]

Dann goß er darüber eine mit Öl vermischte Spende,
sprengte Wein, streute über alles Weihrauch
und ließ so einen herrlichen, dem Herrn angenehmen Duft aufsteigen.

4
Und der Herr roch den herrlichen Duft

und schloß mit ihm einen Bund,
daß es keine, die Erde verderbende Sintflut mehr geben sollte,
daß Aussaat und Ernte an keinem Tag der Erde aufhören,
Kälte und Hitze, Sommer und Winter,
Tag und Nacht ihre Ordnung nicht ändern
und in Ewigkeit nicht aufhören sollten.

5
„Ihr aber wachset und mehret euch auf Erden!

Seid zahlreich darauf und seid zum Segen auf ihr!
Ich will über alles auf Erden und im Meer
Furcht und Schrecken vor euch verbreiten.

6
Ich gebe euch auch alle Tiere, alles, was fliegt,

und alles, was sonst auf Erden kriecht,
sowie in den Gewässern die Fische, überhaupt alles euch zur Nahrung:
gleich dem grünen Kraut gebe ich euch alles zum Essen.

7
Nur Fleisch mit dem Leben darin, mit dem Blut sollt ihr nicht essen,

– denn das Leben alles Fleisches ist im Blut –
damit nicht euer Lebensblut gefordert werde!
Von der Hand eines jeden Menschen,
sowie eines jeden Tieres werde ich Menschenblut fordern.

8
Wer Menschenblut vergießt,

dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden;
denn nach göttlichem Bilde hat Er den Menschen gemacht.

9
Ihr aber sollt wachsen und euch auf Erden vermehren!“
10
Da schwuren Noe und seine Söhne,

daß sie kein Blut, das in irgendeinem Fleische wäre, genießen wollten.
Und er schloß einen Bund vor Gott dem Herrn für ewig
durch alle Geschlechter der Erde in diesem Monat ab.

11
Deshalb sagte Er zu dir,

du sollst einen eidlichen Bund
samt den Israeliten in diesem Monat auf dem Berg schließen
und über sie Blut sprengen wegen all der Worte des Bundes,
den Gott mit ihnen für immer geschlossen hat.

12
Und dies Zeugnis ist für euch geschrieben,

damit ihr es immer beobachtet
insofern ihr an keinem Tag
irgend welches Blut vom Wild, von Vögeln und vom Vieh
je auf Erden genießet;
der Mensch aber, der das Blut vom Wild, vom Vieh und von den Vögeln
je auf Erden genießt,
soll samt seiner Nachkommenschaft von der Erde vertilgt werden.

13
Auch du gebiete den Israeliten,

sie sollen kein Blut genießen,
auf daß ihr Name und ihr Same
vor dem Herrn, unserm Gott, fortdauernd bestehe!

[556]
14
Für dies Gesetz gibt es keine Zeitgrenze;

denn es gilt für immer.
Sie sollen es durch ihre Geschlechter hindurch befolgen,
so daß sie für euch mit Blut vor dem Altar Bitten darbringen;
an jedem Tag, morgens und abends
sollen sie für euch stets vor Gott Verzeihung erflehen,
damit sie es halten können und nicht ausgerottet werden. –

15
Dann gab Er dem Noe und seinen Kindern ein Zeichen,

daß es auf Erden keine Sintflut mehr geben werde.

16
Er setzte nämlich seinen Bogen in das Gewölk

zum Zeichen des ewigen Bundes,
daß es auf Erden keine verheerende Sintflut jemals mehr gäbe.

17
Deshalb ist in den himmlischen Tafeln festgesetzt und niedergeschrieben,

sie sollen in diesem Monat das Wochenfest einmal im Jahr feiern,
zur Bundeserneuerung in jedem einzelnen Jahr.

18
Dies ganze Fest wird auch im Himmel gefeiert

vom Schöpfungstag an bis zu Noes Tagen, 26 Jubiläen und fünf Jahrwochen,
und Noe und seine Kinder feierten es
sieben Jubiläen und eine Jahrwoche, bis zu Noes Todestag;
vom Todestag des Noe aber handelten seine Kinder unrecht
bis zu Abrahams Tagen;
sie genossen nämlich Blut.

19
Abraham allein befolgte es,

ebenso Isaak, Jakob und seine Söhne bis zu deinen Tagen;
in deinen Tagen aber vergaßen es die Israeliten,
bis ich es für sie auf diesem Berg erneuerte.

20
Gebiete da nun den Israeliten,

sie sollen dieses Fest in all ihren Geschlechtern als ein gebotenes feiern!
Am ersten Tag in diesem Monat sollen sie jährlich das Fest feiern!

21
Denn es ist das Fest der Wochen,

ebenso das Fest der Erstlingsfrucht.
Zwiefach und von zweierlei Art ist dieses Fest,
entsprechend dem,
was über seine Feier aufgeschrieben und eingegraben ist.

22
Denn ich schrieb in dem Buch des ersten Gesetzes,

in dem, was ich für dich niederschrieb,
du sollst es je zu seiner Zeit jährlich am ersten Tag feiern;
auch seine Opfer erklärte ich dir,
damit die Israeliten eingedenk wären
und es durch ihre Geschlechter in diesem Monat feiern,
einen Tag in jedem Jahr.

23
An den Neumonden des ersten, vierten, siebten und zehnten Monats

sind die Gedenktage und die Tage der Jahreszeiten in den vier Teilen des Jahres;
sie sind zu ewigem Zeugnis niedergeschrieben und festbestimmt.

24
Schon Noe bestimmte sie zu Festtagen für die Nachkommen auf immer;

so daß sie zu Gedächtnisfeiern für sie wurden.

25
Am Neumond des ersten Monats ward ihm gesagt,

er solle eine Arche machen,

[557]

und an ihm ward die Erde trocken
und an ihm öffnete er die Arche
und schaute auf die Erde.

26
Am Neumond des vierten Monats wurden die Öffnungen der Tiefe

des Abgrunds geschlossen.
Am Neumond des siebten Monats wurden alle Öffnungen der Erdentiefen geöffnet
und begannen die Gewässer darin hinabzufließen.

27
Am Neumond des zehnten Monats erschienen die Gipfel der Berge,

und Noe freute sich.

28
Deshalb bestimmte er sie sich zu Festen ewigen Gedenkens,

und also sind sie eingesetzt.

29
Man brachte sie auch auf die himmlischen Tafeln;

jedes hat dreizehn Wochen;
von einem zum andern reicht ihre Gedächtnisfeier,
vom ersten bis zum zweiten,
vom zweiten zum dritten,
vom dritten zum vierten.

30
Und alle festgesetzten Tage belaufen sich auf 52 Tagwochen;

sie alle geben ein volles Jahr.

31
So ist es auf die himmlischen Tafeln eingegraben und bestimmt;

es gibt keine Ausnahme,
weder für ein einzelnes Jahr noch für alle zusammen.

32
Gebiete nun den Israeliten,

die Jahre nach dieser Zahl, 364 Tage, zu halten;
dies ist ein volles Jahr!
Sie sollen nicht seine Zeit bei seinen Tagen und Festen verwirren;
denn alles wird nach ihrem Zeugnis ausfallen.
Sie sollen keinen Tag auslassen und kein Fest verrücken.

33
Beachten sie aber dies nicht,

und halten sie jene nicht nach Seinem Geheiß,
dann verwirren sie alle ihre Jahreszeiten,
und die Jahre werden aus ihrer Ordnung gebracht
(und sie werden ihre Jahreszeiten verwirren
und die Jahre werden in Unordnung gebracht),
und sie werden ihre Ordnungen mißachten.

34
Und alle Israeliten werden den Lauf der Jahre vergessen

und ihn nicht mehr finden;
ebenso vergessen sie Neumond, Jahreszeiten und Sabbat
und irren in aller Jahresordnung.

35
Denn ich weiß es

und von jetzt ab will ich es dir kundtun,
und zwar nicht aus meinem eigenen Sinn,
vielmehr liegt ein Buch vor mir,
und auf den himmlischen Tafeln ist die Tageseinteilung festgesetzt,
damit sie nicht die Bundesfeste vergessen
und sich nicht nach den heidnischen Festen in ihrer Verirrung und Unkenntnis richten.

38
Es wird ja Leute geben,

die den Mond genau beobachten;

[558]

dieser aber verwirrt die Jahreszeiten
und geht von Jahr zu Jahr um zehn Tage vor.

37
Deshalb gibt es für sie dann Jahre,

wo sie die Ordnung stören,
den Tag des Zeugnisses zu einem verachteten Tag machen
und einen unreinen Tag zu einem Feste;
sie werden alle Tage vermengen,
den heiligen mit dem unreinen Tag und den unreinen mit dem heiligen;
denn sie lösen die Monate, Sabbate, Feste und Jubiläen auf.

38
Deshalb gebiete und bezeuge ich es dir,

damit du es ihnen auch bezeugest;
denn nach deinem Tod werden deine Kinder Verwirrung anrichten,
so daß sie das Jahr nicht zu 364 Tagen halten.
Deshalb werden sie die Neumonde, Jahreszeiten,
Sabbate und Feste auflösen
und alle Arten Blut mit allen Arten Fleisch genießen.


7. Kapitel: Noes Söhne
1
Im ersten Jahre der siebten Jahrwoche in diesem Jubiläum

pflanzte Noe Weinstöcke auf dem Berg, wo die Arche gelandet hatte,
auf dem Lubar, einem der Araratberge;
sie trugen im vierten Jahre Frucht.
Er hütete nun ihre Frucht
und pflückte sie in diesem Jahr im siebten Monat ab.

2
Er machte Wein daraus und verwahrte ihn in einem Gefäß;

so bewahrte er ihn bis zum fünften Jahr,
und zwar bis zum ersten Tag am Neumond des ersten Monats.

3
Er feierte in Freuden den Tag dieses Festes

und bereitete ein Brandopfer für den Herrn,
ein junges Rind, einen Widder und sieben Schafe, jedes ein Jahr alt,
sowie einen Ziegenbock,

4
Zuerst bereitete er den Bock:

von seinem Blut tat er etwas an das Fleisch,
das auf dem Altar lag, den er gemacht hatte;
ebenso brachte er alles Fett auf den Altar,
wo er das Brandopfer,
das Rind, den Widder und die Schafe, zubereitete;
alles ihr Fleisch legte er auf den Altar.

5
Dann legte er all ihre mit Öl bereiteten Gaben darauf:

danach sprengte er Wein in das Feuer,
das er zuvor auf dem Altar gemacht hatte,
legte Weihrauch auf den Altar
und ließ einen süßen, dem Herrn, seinem Gott, wohlgefälligen Rauch aufsteigen.

6
Er ward dann vergnügt und trank von diesem Wein,

er und seine Kinder in Fröhlichkeit.

7
Als es Abend ward, ging er in sein Zelt
[559]

und legte sich berauscht schlafen.
So schlief er;
da entblößte er sich in seinem Zelt während des Schlafes.

8
Als Ham seinen Vater Noe nackt sah,

ging er hinaus
und sagte es draußen seinen beiden Brüdern.

9
Da nahm Sem sein Gewand;

dann standen er und Japhet auf,
legten das Gewand auf ihre Schultern
und rückwärtsgehend bedeckten sie ihres Vaters Blöße,
während ihr Antlitz abgewendet war.

10
Als Noe aus seinem Schlaf erwachte,

erfuhr er alles, was ihm sein jüngster Sohn angetan hatte;
da verfluchte er seinen Sohn und sprach:
Verflucht sei Kanaan!
Er sei ein geknechteter Diener seinen Brüdern!

11
Den Sem aber segnete er und sprach:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems,
und Kanaan sei sein Knecht!

12
Gott lasse Japhet sich ausbreiten,

und Gott wohne in Sems Wohnung,
und Kanaan sei sein Knecht!

13
Und Ham erfuhr,

daß sein Vater seinen jüngsten Sohn verflucht habe,
und es ärgerte ihn,
daß er seinen Sohn verflucht hatte.
So trennte er sich von seinem Vater,
er und seine Söhne mit ihm,
Kusch, Misraim, Put und Kanaan.

14
Dann baute er sich eine Stadt

und hieß sie nach seinem Weibe Neelatamauk.

15
Als Japhet es sah, ward er auf seinen Bruder eifersüchtig;

so baute auch er sich eine Stadt
und hieß sie nach seinem Weibe Adataneses.

16
Sem aber wohnte bei seinem Vater Noe;

auch er baute eine Stadt neben seinem Vater am Berge
und hieß sie nach seinem Weibe Sedeketelebab.

17
Diese drei Städte liegen nahe beim Berge Lubar; Sedeketelebab vor dem Berg im Osten davon,

Neelatamauk im Süden
und Adataneses gegen Westen.

18
Die sind die Söhne Sems:

Elam, Assur, Arpachsad,
der zwei Jahre nach der Flut geboren wurde,
Lud und Aram.

19
Japhets Söhne sind: Gomer, Magog, Madai,

Javan, Tubal, Mesech und Tiras.
Dies sind die Söhne Noes.

[560]
20
Im 28. Jubiläum begann Noe,

seinen Kindern die Ordnungen, Gebote
und alle Satzungen, die er kannte, einzuschärfen;
er ermahnte seine Kinder,
Gerechtigkeit zu üben, die Fleischesblöße zu bedecken,
ihren Schöpfer zu segnen, Vater und Mutter zu ehren,
den Nächsten zu lieben
und sich vor Unzucht, Unreinheit und aller Ungerechtigkeit zu hüten.

21
Denn aus diesen drei Gründen kam die Sintflut über die Erde,

nämlich wegen der Unzucht,
wobei die Wächter gegen das Gesetz ihrer Verordnungen mit den Menschentöchtern gehurt
und sich nach ihrem Gelüste Weiber genommen hatten;
so machten sie den Anfang der Unreinheit.

22
Sie zeugten Söhne, die Nephilim;

diese aber waren alle ungleich,
und sie fraßen einander auf.
So erschlugen die Riesen den Naphil,
und der Naphil erschlug den Eljo,
und der Eljo die Menschenkinder
und endlich ein Mensch den andern.

23
Ein jeder gab sich dazu her,

Ungerechtigkeit zu tun und viel Blut zu vergießen;
so ward die Erde voll von Ungerechtigkeit.

24
Danach sündigten sie an den Tieren, Vögeln,

überhaupt an allem, was sich auf Erden regt und geht.
So ward viel Blut auf Erden vergossen
und alles Sinnen und Wünschen der Menschen ging allzeit nur auf Eitles, und Böses.

25
Da vertilgte Gott alles von der Erde;

er vertilgte alles wegen der Bosheit ihres Tuns
und wegen des Blutes, das sie auf Erden vergossen hatten.

26
Nur wir blieben übrig, ich und ihr, meine Kinder,

sowie alles, was mit mir in die Arche kam.
Nun sehe ich eure Werke vor mir,
daß ihr nicht in Gerechtigkeit wandelt,
sondern beginnet, auf dem Weg der Verderbnis zu wandeln,
euch voneinander zu trennen
und aufeinander eifersüchtig zu sein.
So kommt es dann,
daß ihr, meine Kinder, nicht mehr miteinander in Eintracht lebet.

27
Denn ich sehe, wie die Dämonen beginnen,

euch und eure Kinder zu verführen,
und nun fürchte ich für euch,
daß ihr nach meinem Tod auf Erden Menschenblut vergießet,
und daß ihr dann von der Erde vertilgt werdet.

28
Denn jeder, der Menschenblut vergießt,

sowie jeder, der das Blut von irgendeinem Fleisch genießt,
wird von der Erde vertilgt.

[561]
29
Kein Mensch bleibt übrig, der Blut genießt

und auf Erden Menschenblut vergießt;
noch verbleibt ihm unterm Himmel Stamm und Nachkommenschaft;
vielmehr werden solche in die Unterwelt kommen
und an den Ort des Gerichts hinabsteigen.
In die Finsternis der Tiefe werden sie alle
durch einen gewaltsamen Tod geführt.

30
An euch werde kein Blut von irgendwelchem Blut gesehen,

wenn ihr irgendwelches Vieh, Getier und Geflügel auf Erden schlachtet!
Tut für euch ein gutes Werk,
daß ihr das auf der Erde Vergossene bedecket!

31
Gleichet nicht einem, der Blut mitgenießt!

Gebet acht, daß niemand von euch Blut genießt!
Bedecket das Blut!
Denn so ward mir geboten, daß ich es euch bezeuge,
sowie euren Kindern und überhaupt allem Fleisch!

32
Und duldet es nicht, daß die Seele mit dem Fleisch genossen werde,

damit nicht auch euer eigenes Blut gefordert werden müsse
von der Hand irgendwelchen Fleischeswesens, das es auf Erden vergießt!

33
Denn die Erde wird nicht rein von dem Blut, das auf ihr vergossen ist,

sondern nur durch das Blut dessen, der es vergossen hat,
wird die Erde in all ihren Geschlechtern rein!

34
Jetzt aber, meine Kinder, hört!

Übet Recht und Gerechtigkeit,
auf daß ihr in Gerechtigkeit auf der ganzen Erde eingepflanzt werdet
und euer Ruhm wachse vor meinem Gott,
der mich aus der Flut gerettet hat!

35
Ihr geht jetzt hin und baut euch Städte

und pflanzt darin alle Pflanzen an, die es auf Erden gibt,
und alle Fruchtbäume.

36
Drei Jahre soll man keine eßbare Frucht pflücken;

im vierten Jahr dagegen soll man die Früchte abpflücken,
und zwar soll man die Erstlingsfrüchte darbringen,
damit sie vor Gott dem Höchsten, dem Schöpfer Himmels und der Erde
und alles andern, angenehm seien.
Bringet in Überfluß das Erste des Weines und Öles
als Erstlingsfrucht auf Gottes Altar dar,
der sie aufnimmt!
Was übrigbleibt,
sollen die Diener des Hauses des Herrn vor dem Altar, der es sonst aufnimmt, verzehren!

37
Im fünften Jahr machet einen Erlaß,

indem ihr in Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit den Erlaß vollziehet!
Dann werdet ihr gerecht sein,
und all eure Pflanzung wird gedeihen.

38
Denn so gebot euer Großvater Henoch seinem Sohn Metusala

und Metusala seinem Sohn Lamech
und Lamech gebot mir alles,
was ihm seine Väter auftrugen.

[562]
30
Nun gebiete auch ich euch, meine Kinder,

wie Henoch seinem Sohn gebot, im ersten Jubiläum.
Als er lebte, der siebte in seinem Geschlecht,
gebot und bezeugte er seinen Kindern und Enkeln
bis zu seinem Todestag.


8. Kapitel: Sems Nachkommen
1
Im Anfang der ersten Jahrwoche des 29. Jubiläum

heiratete Arpachsad ein Weib namens Rasueja,
die Tochter Susans, die Tochter Elams,
und sie gebar ihm einen Sohn im dritten Jahr dieser Jahrwoche,
und er nannte ihn Kainam.

2
Als der Sohn groß ward,

lehrte ihn sein Vater die Schrift;
dann ging er hin, sich einen Ort zu suchen,
wo er sich eine Stadt gewinnen könnte.

3
Da fand er eine Schrift,

die die Vorväter in den Felsen eingegraben hatten,
und er las, was darin stand, schrieb es ab und erwog es;
denn es enthielt der Wächter Lehre,
der sie folgten bei der Betrachtung der Vorbedeutungen der Sonne,
des Mondes und der Sterne und allen Himmelszeichen.

4
Er schrieb sie auf,

sagte aber nichts darüber;
denn er fürchtete sich, mit Noe darüber zu sprechen,
daß er ihm nicht deshalb zürne.

5
Im ersten Jahr der zweiten Jahrwoche des 30. Jubiläum

heiratete er ein Weib namens Melka,
die Tochter des Madai und Enkelin des Japhet;
im vierten Jahr gebar sie ihm einen Sohn,
und er hieß ihn Sela;
denn er sagte: Ich bin wirklich gesandt worden.

6
(Im vierten Jahr ward er geboren)

und Sela wuchs heran;
da heiratete er ein Weib namens Muak,
die Tochter seines Oheims Kesed,
im ersten Jahr der fünften Jahrwoche des 31. Jubiläum.

7
Sie gebar ihm einen Sohn im fünften Jahr der gleichen Jahrwoche,

und er hieß ihn Eber.
Dieser heiratete Azura, des Nebrod Tochter,
im dritten Jahr der siebten Jahrwoche des 32. Jubiläum.

8
In ihrem sechsten Jahr gebar sie ihm einen Sohn,

und er hieß ihn Peleg.
Denn in den Tagen seiner Geburt begannen Noes Söhne,
die Erde unter sich zu verteilen;
deshalb hieß er ihn Peleg.

9
Sie verteilten sie insgeheim

und sagten es dann dem Noe.

[563]
10
Im Anfang des 33. Jubiläum teilten sie die Erde in drei Teile

für Sem, Ham und Japhet, je nach seinem Erbteil,
im ersten Jahr der ersten Jahrwoche,
wobei einer von uns, die wir zu ihnen gesandt waren,
bei ihnen blieb.

11
Da rief er seine Kinder,

und sie kamen zu ihm heran, sie und ihre Kinder;
da teilte er die Erde in Lose,
die seine drei Söhne erhalten sollten.
Sie streckten ihre Hände aus
und empfingen je einen Zettel aus ihres Vaters Noe Busen.

12
Da erschien auf dem Zettel als Sems Los die Erdmitte;

diese erhielt er als Erbteil für sich und seine Kinder auf ewige Zeiten,
von der Mitte des Berges Rapha an,
von der Mündung des Tinaflusses,
(sein Anteil geht gen Westen mitten durch diesen Fluß
und dehnt sich bis dahin aus,
wo man zu dem Gewässer der Abgründe kommt,
bis zu dem Ort, wo dieser Fluß entspringt)
und dieser ergießt sein Wasser in das Meer Meat
(dieser Fluß aber fließt in das große Meer).
Alles, was gegen Norden liegt, gehört dem Japhet
und alles gegen Süden dem Sem.

13
Und er erstreckt sich bis in die Nähe von Karaso;

dies liegt an dem Busen der Landzunge, die gegen Süden schaut.

14
Und sein Anteil läuft an dem großen Meer hin

und geht gerade aus,
bis er sich dem Westen der Zunge, die gegen Süden schaut, nähert.
Denn dieses Meer heißt die Zunge des ägyptischen Meeres.

15
Dann wendete er sich von hier gen Süden

nach der Mündung des großen Meeres an der Küste seiner Gewässer
und erstreckt sich nach dem Westen gegen Afra zu,
und nähert sich schließlich dem Flusse Gihon
und verläuft dann südlich vom Gihon an seinem Ufer entlang.

16
Dann erstreckt er sich gen Morgen,

bis er sich dem Garten von Eden nähert,
und dann geht er südlich davon nach Süden
(sowohl vom Osten des ganzen Landes von Eden,
als des ganzen Ostens);
hierauf wendet er sich nach Osten
und nähert sich schließlich dem Osten des Berges Rapha;
dann steigt er zu dem Ufer der Tinamündung hinab.

17
Dieser Teil kam auf das Los Sems und seiner Kinder,

daß sie ihn für die Nachkommen ewiglich besäßen. –

18
Und Noe freute sich,

daß dieser Teil für Sem und seine Nachkommen herausgekommen war,
und er erinnerte sich alles dessen,
was er prophezeiend mit seinem Mund gesprochen hatte;

[564]

denn er sprach:
Gepriesen sei der Herr, Sems Gott,
und in der Wohnung Sems wohne Gott!

19
Er erkannte auch, daß Edens Garten das heiligste der Heiligtümer

und des Herrn Wohnung war,
der Berg Sinai der Mittelpunkt der Wüste
und der Sionsberg der Mittelpunkt des Nabels der Erde.
Diese drei sind als heilige Orte einander gegenüber geschaffen.

20
Und er pries den Gott der Götter,

der in seinen Mund göttliche Rede gelegt hatte,
und den Herrn bis in Ewigkeit.

21
Er erkannte auch,

daß für alle Zeiten ein gesegnetes Erbteil und ein Segen
dem Sem und seinen Kindern zuteil wurde:
das ganze Land des Erythräischen Meeres
und das ganze Land des Ostens sowie Indien
(und im Erythräischen Meer) und seine Berge
(und das ganze Land Basan, das ganze Libanonland,
die Inseln von Kaphtor, das ganze Gebirge von Sanir und Amana,
sowie das Gebirge von Assur im Norden),
das ganze Land Elam, Assur, Babel, Susa und Madai,
das ganze Gebirge Ararat und das ganze Land jenseits am Meer,
das jenseits des Gebirges von Assur gegen Norden liegt,
ein gesegnetes und weites Land, worin alles sehr schön war. –

22
Auf Ham fiel der zweite Teil jenseits des Gihon gen Süden,

zur rechten Seite vom Garten;
er läuft gen Süden und dann zum Feuergebirge;
hierauf läuft er gen Westen zum Meere Atel;
(dann läuft er westlich, bis er sich dem Meere Mauk nähert,
worin alles, was darauf fährt, umkommt).

23
Dann läuft er im Norden an die Grenze von Gadir

und kommt (zur Küste der Gewässer des Meeres)
zu den Gewässern des großen Meeres,
bis er sich dem Gihonflusse nähert
(und der Gihonfluß fließt,
bis er sich der rechten Seite des Edengartens nähert).

24
Das ist das Land, das für Ham bei der Teilung herauskam

und das er in Ewigkeit für sich und seine Kinder besitzen sollte,
für ihre Geschlechter bis in Ewigkeit.

25
Für Japhet kam als dritter Teil heraus

das jenseitige Ufer des Tinaflusses
gegen Norden des Ausflusses seiner Gewässer
(und es fließt nach Nordosten zum ganzen Gebiet von Gog und all seinen östlichen Landen).

26
Er erstreckt sich nördlich gen Norden,

läuft zu den Bergen von Kelt gen Norden und zum Meere Mauk;
dann läuft er nach dem Osten von Gadir bis zur Gegend der Gewässer des Meeres.

27
Dann nähert er sich dem Westen von Freg;
[565]

hierauf kehrt er nach Aferag um
und läuft qen Osten zum Wasser des Meeres Meat.

28
Dann erstreckt er sich bis zu der Gegend am Tinaflusse in nordöstlicher Richtung,

bis er sich der Grenze seiner Gewässer nähert
gegen das Gebirge Rapha hin;
dann wendet er sich herum nach Norden.

29
Dies ist das Land,

das für Japhet und seine Kinder bei der Verteilung seines Erbes herauskam
und das er für sich und seine Kinder für ihre Geschlechter
bis in Ewigkeit einnehmen sollte;
fünf große Inseln und ein großes Land im Norden.

30
Es ist aber kalt;

dagegen ist das Land des Ham heiß,
während Sems Land weder Hitze noch Kälte aufweist,
sondern aus Kälte und Wärme gemischt ist.


9. Kapitel: Hams, Sems und Japhets Gebiete
1
Ham nahm eine Teilung für seine Söhne vor;

da kam der erste Teil für Kusch gegen Osten heraus,
der Westen davon für Misraim, der Westen davon für Put
und der Westen davon für Kanaan, und zwar westlich davon am Meer.

2
Sem teilte gleichfalls unter seinen Söhnen;

da kam der erste Teil für Elam und seine Söhne heraus
gegen den Osten des Tigrisflusses, bis er sich dem Osten,
dem ganzen Land Indien, nähert,
(und am Erythräischen Meer an seiner Küste und die Wasser von Dedan),
sowohl das ganze Gebirge von Mebri und Elam, als das ganze Land Susa
(und alles, was an der Seite von Pharnak bis zum Erythräischen Meer)
(und bis zum Tinaflusse liegt).

3
Als zweiter Teil kam für Assur

das ganze Land Assur, Nineve und Sinear heraus,
sowie das Land bis in die Nähe Indiens;
dann reicht es bis zum Flusse Wadafa hinauf.

4
Als dritter Teil kam für Arpachsad

das ganze Land des Chaldäergebiets
östlich vom Euphrat, nahe dem Erythräischen Meere, heraus,
sowie alle Gewässer der Wüste bis nahe der Meereszunge,
die nach Ägypten schaut
(das ganze Libanonland, Sanir und Amana bis in die Nähe des Euphrat).

5
Als vierter Teil kam für Aram

das ganze Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris heraus,
nördlich von den Chaldäern
bis nahe an das Gebirge Assur und das Land Ararat.

6
Als fünfter Teil kam für Lud

das Gebirge Assur heraus, sowie alles, was dazu gehört,
bis er sich dem großen Meer und gen Osten seinem Bruder Assur nähert.

7
Japhet teilte gleichfalls sein Erbland unter seine Söhne.
8
So kam der erste Teil für Gomer gegen Osten heraus,
[566]

von der Nordseite her bis zum Tinafluß.
Im Norden kamen für Magog
die gesamten inneren Gebiete des Nordens heraus,
bis man sich dem Meere Meat nähert.

9
Für Madai kam als sein Teil heraus,

daß er das Land vom Westen seiner Brüder
bis zu den Inseln und ihren Küsten einnehme.

10
Als vierter Teil kamen für Javan alle Inseln heraus,

und zwar die Inseln an der Küste Luds.

11
Als fünfter Teil kam für Tubal heraus

die Mitte der Zunge, die sich der Küste Luds nähert,
bis zur zweiten Zunge
und an das jenseitige Ufer der zweiten Zunge,
bis hinein in die dritte Zunge.

12
Als sechster Teil kam für Mesech

das ganze jenseitige Ufer der dritten Zunge heraus,
bis man gen Osten von Gadir kommt.

13
Als siebter Teil kamen für Tiras

vier große Inseln mitten im Meer heraus,
das sich dem Teile Hams nähert
(und die Inseln von Kamaturi kamen für des Arpachsad Kinder
durch Verlosung als sein Erbteil heraus).

14
So nahmen Noes Söhne eine Teilung unter ihre Kinder

in Noes Gegenwart vor;
da ließ er sie alle schwören,
wobei er jeden einzelnen mit einem Fluch belegte,
wenn er einen Teil nehmen wollte,
der nicht durch sein Los herausgekommen war.

15
Sie sprachen alle:

„So sei es! So sei es!“
für sich und ihre Kinder bis in Ewigkeit in ihren Geschlechtern,
bis zum Gerichtstag,
wo sie Gott der Herr mit Feuer und Schwert richtet
wegen all der unreinen Bosheit ihrer Vergehen,
womit sie die Erde mit Verbrechen,
Unreinheit, Hurerei und Sünde angefüllt haben.


10. Kapitel: Noes Kinder und Turmbau zu Babel
1
In der dritten Jahrwoche dieses Jubiläum

begannen unreine Dämonen die Kinder der Noesöhne zu verführen,
sie zu betören und zu verderben.

2
Da kamen die Söhne Noes zu ihrem Vater Noe

und erzählten ihm von den Dämonen,
die seine Kindeskinder verführten, blendeten und töteten.

3
Da betete er vor Gott, seinem Herrn, und sprach:

„O Gott der Geister und alles Fleisches,
der du an mir Barmherzigkeit geübt
und mich und meine Kinder aus der Sintflut hast gerettet

[567]

und mich nicht dem Verderben überliefert,
wie du’s den Kindern des Verderbens tatest!
Denn groß war deine Güte gegen mich,
und groß war dein Erbarmen über meine Seele.
Erheben mög sich deine Güte über meine Kindeskinder!
Die bösen Geister mögen sie doch nicht beherrschen,
damit sie von der Erde nicht verschwinden!

4
Du, segne mich und meine Kinder,

auf daß wir wachsen, zahlreich seien und die Erde füllen!

5
Du weißt, wie deine Wächter, dieser Geister Väter,

in meinen Tagen handelten.
Sperr diese Geister, die am Leben sind, jetzt ein
und halt sie fest am Orte der Verdammnis,
damit sie nicht, mein Gott, die Enkel deines Knechts verderben!
Sie sind ja boshaft und geschaffen fürs Verderben.

6
Laß sie doch nicht die Geister der Lebendigen beherrschen;

denn du allein kennst ihr Gericht!
Und laß sie nicht Gewalt ausüben an der Frommen Kindern
von jetzt an bis in Ewigkeit!“

7
Da befahl der Herr, unser Gott, daß wir sie alle fesseln sollten.
8
Da kam der Fürst der Geister, Mastema, und sprach:

O Herr, Schöpfer! Laß einige von ihnen vor mir übrig,
daß sie auf meine Stimme hören und alles tun, was ich ihnen sage!
Denn bleiben nicht für mich einige von ihnen übrig,
dann kann ich nicht die Macht meines Willens an den Menschenkindern zeigen.
Denn diese sind zum Verderben und Verführen vor meinem Gericht;
groß ist die Bosheit der Menschenkinder.

9
Da sprach Er:

Es soll vor ihm der zehnte Teil davon übrigbleiben;
neun Teile aber soll man an den Ort der Verdammnis hinabbringen.

10
Und zu einem von uns sagte er:

Wir wollen Noe alle ihre Arzneien lehren;
denn er wußte, daß sie nicht in Geradheit wandeln und nicht in Gerechtigkeit streiten würden.

11
Wir taten nun gemäß all seinen Worten;

wir fesselten alle bösen Übeltäter an den Ort der Verdammnis;
nur den zehnten Teil davon ließen wir übrig,
damit sie dem Satan auf Erden dienten.

12
Und wir erklärten dem Noe alle ihre krankmachenden Arzneien

samt ihren Verführungskünsten,
und wie er sie mit den Kräutern der Erde heilen könnte.

13
Da schrieb Noe alles in ein Buch,

wie wir es ihm lehrten, alle Arten von Arzneien;
so wurden die bösen Geister von den Söhnen Noes abgeschlossen.

14
Er gab dann alles, was er geschrieben hatte,

seinem ältesten Sohne Sem;
denn er liebte ihn am meisten von all seinen Söhnen.

15
Dann legte sich Noe zum Schlafe bei seinen Vätern nieder

und ward auf dem Berge Lubar im Lande Ararat begraben.

[568]
16
Er hatte 950 Jahre in seinem Leben erreicht,

neunzehn Jubiläen, zwei Jahrwochen und fünf Jahre,

17
er, der in seinem Leben auf Erden

die Menschenkinder an Gerechtigkeit, worin er vollkommen war, übertraf,
ausgenommen Henoch.
Denn Henochs Werk war geschaffen
zum Zeugnis für die Geschlechter der Welt,
auf daß er all den Geschlechtern ihre Taten bis zum Gerichtstag aufzähle.

18
Im ersten Jahr der zweiten Jahrwoche des 33. Jubiläum

heiratete Peleg die Lomna, Sinears Tochter,
und sie gebar ihm einen Sohn im vierten Jahr dieser Jahrwoche.
Er nannte ihn Reu; denn er sagte:
„Die Menschenkinder wurden böse durch den gottlosen Plan,
sich im Lande Sinear eine Stadt und einen Turm zu bauen.

19
Denn sie wanderten aus dem Land Ararat gen Osten in das Land Sinear.“

In seinen Tagen nämlich bauten sie die Stadt und den Turm, indem sie sprachen:
Kommt! Wir wollen darauf in den Himmel steigen.

20
So begannen sie zu bauen,

und in der vierten Jahrwoche brannten sie Ziegel im Feuer;
die Ziegel dienten ihnen dann als Steine,
als Lehm aber, womit sie mauerten, Asphalt,
der aus dem Meer und den Wasserquellen im Lande kommt.

21
So bauten sie ihn;

dreiundvierzig Jahre bauten sie an ihm.
Seine Breite bestand aus 203 Ziegeln;
die Höhe eines Ziegels aber betrug ein Drittel seiner Länge.
Seine Höhe betrug 5433 Ellen und zwei Handbreiten
und dreizehn Stadien (betrug die Länge der einen Wand und dreißig die der andern).

22
Da sprach der Herr, unser Gott, zu uns:

„Fürwahr, sie sind Ein Volk
und sie fangen an, zu handeln;
jetzt ist ihnen nichts mehr unerreichbar.
Kommt! Lasset uns hinabsteigen
und ihre Sprachen vermengen, daß keiner des andern Rede verstehen soll!
So werden sie in Städte und Völker zerstreut;
Ein Sinn aber wird nicht mehr
bis zum Gerichtstag unter ihnen herrschen.“

23
Dann stieg der Herr hinab und wir mit ihm,

die Stadt und den Turm, den die Menschenkinder gebaut, zu beschauen.

24
Und Er vermengte ihre Sprachen,

daß keiner mehr des andern Rede verstand;
da hörten sie mit dem Bau von Stadt und Türmen auf.

25
Deshalb wird das ganze Land Sinear Babel genannt;

denn hier vermengte der Herr alle Sprachen der Menschenkinder
und von hier aus zerstreuten sie sich in ihre Städte,
je nach ihren Sprachen und Nationen.

26
Dann schickte der Herr einen starken Wind wider den Turm
[569]

und zerstörte ihn in dem Lande;
er befand sich zwischen Assur und Babylon im Lande Sinear;
man nannte seinen Namen „Trümmer“.

27
Im Anfang des ersten Jahres der vierten Jahrwoche, im 34. Jubiläum,

wurden sie aus dem Lande Sinear zerstreut.

28
Nun zogen Ham und seine Kinder in das Land,

das er in Besitz nehmen sollte
und das er als seinen Anteil erhalten hatte, in das Südland.

29
Kanaan aber sah,

daß das Libanonland bis zum Fluß Ägyptens schön war:
deshalb zog er nicht in sein Erbland westlich vom Meer,
sondern ließ sich im Libanonland nieder,
östlich und westlich vom Jordan und dem Meeresufer.

30
Da sprachen sein Vater Ham und seine Brüder Kusch und Misraim zu ihm:

Du wohnst in einem Land, das nicht dein
und das nicht durch die Lose für uns herausgekommen ist.
Tue nicht also!
Denn, wenn du also tust,
dann fallet ihr, du und deine Kinder, in dem Lande,
und zwar als Verfluchte, durch Empörung;
denn durch Empörung habt ihr euch angesiedelt,
und so werden auch deine Kinder durch Empörung fallen,
und du wirst für ewig ausgerottet.

31
Bleib nicht in Sems Lande wohnen!

Denn es ist für Sem und seine Kinder durch ihr Los herausgekommen.

32
Du bist verflucht

und verflucht von allen Noekindern wirst du bleiben durch den Fluch,
wozu wir uns vor dem heiligen Richter
und vor unserm Vater Noe eidlich verpflichteten.

33
Aber er hörte nicht auf sie,

sondern blieb im Libanonland
von Hamat bis zu Ägyptens Eingang wohnen,
er und seine Söhne bis auf diesen Tag.

34
Deshalb wird dies Land Kanaan genannt.
35
Japhet aber und seine Kinder zogen dem Meere zu

und ließen sich im Lande ihres Anteils nieder.
Als aber Madai das Land am Meere sah,
gefiel es ihm nicht;
so erbat er sich von seines Weibes Bruder
einen Teil von Elam, Assur und Arpachsad
und wohnte dann im Lande Medien
nahe bei seines Weibes Bruder bis auf diesen Tag.
Er hieß seinen und seiner Söhne Wohnplatz Medien
nach dem Namen ihres Vaters Madai.


11. Kapitel: Abraham
1
Im ersten Jahr der dritten Jahrwoche des 35. Jubiläum

heiratete Reu die Ora, die Tochter des Kesedsohnes Ur,

[570]

und sie gebar ihm einen Sohn;
er hieß ihn Seroch im siebten Jahr dieser Jahrwoche in diesem Jubiläum.

2
Da begannen die Söhne Noes einander zu bekämpfen,

gefangenzunehmen und zu töten,
Menschenblut auf die Erde zu gießen, Blut zu genießen,
feste Städte, Mauern und Türme zu bauen,
einen Menschen über das Volk zu setzen
und damit den Anfang des Königtums zu machen,
in den Krieg zu ziehen,
Volk gegen Volk, Nation gegen Nation, Stadt gegen Stadt,
alles Schlimme zu tun, Waffen zu erwerben
und ihre Söhne den Krieg zu lehren.
Sie begannen, Städte einzunehmen
und Sklaven und Sklavinnen zu verkaufen.

3
Und Ur, des Kesed Sohn, baute die Stadt Ur der Chaldäer

und hieß sie nach seinem und seines Vaters Namen.

4
Sie machten sich auch Gußbilder und beteten an,

jeder den Götzen, den er für sich als Gußbild gemacht hatte.
Sie begannen auch,
Schnitzbilder und unreine Bildwerke zu machen,
und die bösen Geister halfen mit und verführten sie,
so daß sie Sündhaftes und Unreines begingen.

5
Der Fürst Mastema bemühte sich ja, all dies zu tun,

und er sandte andere Geister, die seiner Macht unterstellt waren,
um allerlei Schlechtigkeit, Sünde und Vergehen auszuführen,
um zu verderben und zu vernichten
und auf Erden Blut zu vergießen.

6
Deshalb wandelte er Serochs Namen in Serug,

weil sich alles abwandte, um lauter Sünde und Verbrechen zu verüben.

7
Er ward groß und wohnte in Ur der Chaldäer,

nahe bei dem Vater der Mutter seines Weibes,
und er betete die Götzen an.
Dann heiratete er im ersten Jahr der fünften Jahrwoche im 36. Jubiläum
Milka, die Tochter Kabers, seines Vaterbruders.

8
Sie gebar ihm den Nachor im ersten Jahr dieser Jahrwoche;

er ward dann groß und wohnte in Ur der Chaldäer,
und sein Vater lehrte ihn die Lehre der Chaldäer,
nach den Himmelszeichen zu weissagen und zu deuten.

9
Im ersten Jahr der sechsten Jahrwoche im 37. Jubiläum

heiratete er die Iska, die Tochter des Chaldäers Nestag.

10
Sie gebar ihm den Thera im siebten Jahr dieser Jahrwoche.
11
Da schickte der Fürst Mastema Raben und andere Vögel,

damit sie die auf dem Boden gesäte Saat fräßen,
zum Zweck, die Erde zu verderben
und so die Menschen ihres Arbeitsertrags zu berauben.
Bevor sie den Samen einpflügten,
pickten ihn die Raben vom Boden auf.

12
Deshalb nannte er ihn Thera,
[571]

weil die Raben und die andern Vögel sie arm machten,
indem sie ihnen ihren Samen wegfraßen.

13
Da begannen die Jahre,

wegen der Vögel unfruchtbar zu werden;
sie fraßen auch von den Bäumen alle Früchte;
mit großer Mühe konnten sie ein wenig von aller Frucht
auf Erden in ihren Tagen retten.

14
Im ersten Jahr der zweiten Jahrwoche im 39. Jubiläum

heiratete Thera die Edna, die Tochter des Abram und seiner Vaterschwester.

15
Im siebten Jahr dieser Jahrwoche gebar sie ihm einen Sohn

und er hieß ihn Abram nach dem Namen seines mütterlichen Großvaters;
denn dieser war gestorben, bevor seine Tochter einen Sohn trug.

16
Der Knabe aber fing an,

die Irrtümer auf Erden zu erkennen,
wie alles hinter Schnitzbildern und hinter Unreinigkeit her irrte.
Sein Vater lehrte ihn die Schrift, als er zwei Jahrwochen alt war;
dann trennte er sich von seinem Vater,
um nicht mit ihm die Götzen anbeten zu müssen.

17
Denn er begann, zum Schöpfer aller Dinge zu beten,

er möge ihn von den Verirrungen der Menschenkinder erretten
und sein Los nicht in die Verirrung
hinter Unreinigkeit und Greuel fallen lassen.

18
Nun kam die Zeit der Aussaat auf das Land;

da zogen sie alle zusammen hinaus, ihre Saat vor den Raben zu schützen.
Auch Abram zog mit den andern hinaus,
und der Knabe war vierzehn Jahre alt.

19
Da kam eine Wolke von Raben, den Samen zu fressen;

Abram aber lief ihnen entgegen,
bevor sie sich auf den Boden setzten.
Er schrie sie an,
bevor sie sich auf den Boden niederließen, den Samen aufzufressen,
und sagte: Kommt nicht herab!
Kehrt vielmehr an euren Ausgangsort zurück!
Da kehrten sie um.

20
An diesem Tag kehrten die Wolken von Raben siebzig Mal zurück;

aber von all den Raben blieb auch kein einziger
auf irgendeinem Feld, wo Abram war.

21
Alle aber, die bei ihm auf all den Feldern waren, vernahmen, wie er schrie

und alle Raben umkehrten;
da ward sein Name groß im ganzen Lande der Chaldäer.

22
Da kamen in diesem Jahr alle, die säen wollten, zu ihm,

und er ging mit ihnen, bis die Saatzeit zu Ende war;
so konnten sie ihr Land besäen
und ernteten in diesem Jahr genügend Korn,
daß sie essen und satt werden konnten.

23
Im ersten Jahr der fünften Jahrwoche belehrte Abram die Leute,

die Geräte für die Rinder machten, die Holzarbeiter;
dann machten sie ein Gefäß über dem Boden gegenüber dem Pfluggestell,

[572]

um den Samen hineinzutun;
so fiel daraus der Same auf die Pflugschar
und wurde in der Erde geborgen,
und sie brauchten nicht mehr die Raben zu fürchten.

24
So machten sie an allen Pfluggestellen ein Gefäß über dem Boden,

säten und bearbeiteten alles Land,
wie sie Abram geheißen hatte,
und brauchten nicht mehr die Vögel zu fürchten.


12. Kapitel: Abrahams Auszug
1
Im siebten Jahr der sechsten Jahrwoche sprach Abram zu seinem Vater Thera:

Vater! Er sagte: Hier bin ich, mein Sohn.

2
Er sprach:

Welche Hilfe und welcher Nutzen kommt uns von diesen Götzen zu,
die du verehrst und wovor du niederfällst?

3
Es ist ja in ihnen kein Geist;

sie sind ja stumm und nur eine Herzensverirrung.
Verehre sie nicht!

4
Verehre dagegen den Himmelsgott,

der Regen und Tau auf die Erde fallen läßt
und alles auf Erden macht
und alles durch sein Wort erschuf,
und von dessen Antlitz alles Leben stammt!

5
Weshalb verehret ihr Dinge, die keinen Geist in sich haben?

Sie sind ja Menschenwerk.
Ihr traget sie auf euren Schultern,
aber habt keine Hilfe von ihnen.
Sie gereichen vielmehr ihren Anfertigern zur großen Schmach,
und eine Herzensverirrung ist es bei denen, die sie verehren.
Verehr sie nicht!

6
Da sprach sein Vater zu ihm:

Auch ich weiß es, mein Sohn.
Aber was soll ich mit dem Volke machen,
das mich zu ihrem Dienste zwang?

7
Sage ich ihnen die Wahrheit, dann töten sie mich.

Denn ihre Seele hängt an ihrer Verehrung und Lobpreisung.
Schweig, mein Sohn, daß sie dich nicht töten!

8
Diese Worte sprach er auch zu seinen beiden Brüdern;

sie aber zürnten auf ihn, und so schwieg er.

9
Im siebten Jahr der zweiten Jahrwoche im 40. Jubiläum

heiratete Abram die Sarai, seines Vaters Tochter,
und sie ward sein Weib.

10
Auch sein Bruder Haran heiratete im dritten Jahr der dritten Jahrwoche,

und sie gebar ihm einen Sohn im siebten Jahr dieser Jahrwoche,
und er hieß ihn Lot.

11
Ebenso heiratete sein Bruder Nachor.
12
Im sechzigsten Lebensjahr Abrams d. i. im vierten Jahr der vierten Jahrwoche

erhob sich Abram bei Nacht und verbrannte das Götzenhaus;

[573]

er verbrannte alles, was im Hause war,
und niemand wußte darum.

13
Da erhoben sie sich in der Nacht

und wollten ihre Götzen mitten aus dem Feuer treten.

14
So eilte auch Haran zu ihrer Rettung herbei;

aber das Feuer brannte über ihm,
und er verbrannte im Feuer
und starb in Ur der Chaldäer vor seinem Vater Thera.
Da begruben sie ihn in Ur der Chaldäer.

15
Darauf zog Thera aus dem Ur der Chaldäer fort, er und seine Söhne,

in das Libanonland und das Land Kanaan zu kommen;
da ließ er sich im Lande Charan nieder;
auch Abram wohnte mit seinem Vater Thera zwei Jahrwochen in Charan.

16
Im fünften Jahr der sechsten Jahrwoche stand Abram bei Nacht auf,

am Neumond des siebten Monats,
um die Sterne vom Abend bis zum Morgen zu beobachten
und um zu sehen, wie es sich in diesem Jahre mit den Regengüssen verhalten würde;
er war allein, als er dasaß und beobachtete.

17
Da kam ein Wort in sein Herz, und er sagte:

Alle Zeichen der Sterne, der Sonne und des Mondes sind in Gottes Hand.
Wozu erforsche ich sie?

18
Wenn Er will, dann läßt er regnen, morgens und abends.

Und wenn Er will, hält er den Regen zurück.
Alles ist ja in seiner Hand.

19
Da betete er in dieser Nacht und sprach:

„Mein Gott, du höchster Gott!
Du bist allein mir Gott.
Du schufest alles,
und deiner Hände Werk ist alles, was da ist.
Dich und dem Reich hab ich erwählt.

20
Errett mich aus der Hand der bösen Geister,

die da der Menschenherzen Denken ganz beherrschen!
Laß sie mich nicht, mein Gott, von dir weg in die Irre führen!
Mach, daß in Ewigkeit nicht ich, noch meine Nachkommen, je in die Irre gehen,
von jetzt an bis in Ewigkeit!“

21
Er sprach noch weiter:

Soll ich zurückkehren nach dem Ur der Chaläer,
die mein Antlitz suchen, daß ich zu ihnen zurückkehrte,
oder soll ich hier an diesem Orte bleiben?
Der rechte Pfad vor dir bringe deinem Knechte Glück, daß er danach tue,
und daß ich nicht, mein Gott, in meines Herzens Irrtum wandle!

22
Als er seine Rede und sein Gebet beendet hatte,

ward Gottes Wort durch mich zu ihm gesandt; es lautete:
Zieh aus deinem Land, deiner Verwandtschaft und deinem Vaterhaus
in ein Land, das ich dir zeigen werde!
Ich mache dich dann zu einem großen und zahlreichen Volk.

23
Ich werde dich segnen

und deinen Namen groß machen,

[574]

und du wirst auf Erden gesegnet sein,
und in dir werden alle Völker der Erde gesegnet sein.
Die dich segnen, die werde ich segnen,
und die dich verfluchen, die werde auch ich verfluchen.

24
Ich werde dir, deinem Sohn und deinem Enkel,

überhaupt deiner Nachkommenschaft Gott sein.
Fürchte dich nicht!
Von jetzt an bis in alle Erdengeschlechter hinein bin ich dein Gott.

25
Da sprach Gott, der Herr:

„Öffne seinen Mund und seine Ohren,
daß er höre und mit seinem Mund in der ihm geoffenbarten Sprache rede!“
Denn sie verschwand aus dem Mund all der Menschenkinder
seit dem Tage des Umsturzes.

26
Da öffnete ich seinen Mund und seine Lippen

und begann mit ihm Hebräisch, in der Sprache der Schöpfung, zu reden.

27
Er nahm nun die Bücher seiner Väter,

und sie waren hebräisch geschrieben.
Da schrieb er sie ab und begann von da an, sie zu studieren,
und ich lehrte ihn alles, was er nicht verstand,
und er studierte sie in den sechs Regenmonaten.

28
Im siebten Jahr der sechsten Jahrwoche sprach er mit seinem Vater

und erklärte ihm,
daß er Charan verlasse,
um ins Land Kanaan zu ziehen und es zu besichtigen:
hernach wolle er wieder umkehren.

29
Da sprach sein Vater Thera zu ihm:

Zieh hin im Frieden!
Der ewige Gott leite deinen Weg,
und der Herr sei mit dir!
Er schütze dich vor allem Bösen
und verleihe dir Güte, Erbarmen und Gnade
vor denen, die dich sehen!
Kein Menschenkind möge über dich Macht erhalten,
dir Böses zu tun!
Zieh hin im Frieden!

30
Und siehst du ein Land, das dir als Wohnsitz gefällt,

dann komm und nimm mich mit,
ebenso Lot, den Sohn deines Bruders Haran,
als ob er dein eigener Sohn wäre!
Gott sei mit dir!

31
Deinen Bruder Nachor aber laß bei mir,

bis du heil zurückkehrst!
Dann ziehen wir alle zusammen mit dir.


13. Kapitel: Abraham und Lot
1
Da zog Abram aus Charan weg;

dabei nahm er sein Weib Sarai

[575]

ebenso Lot, seines Bruders Haran Sohn, mit nach dem Lande Kanaan.
So kam er bis Assur und zog weiter bis nach Sichem
und ließ sich hier bei einer hohen Eiche nieder.

3
Da sprach Gott zu ihm:

Ich will dir und deinen Nachkommen dieses Land geben.

4
Da erbaute er hier einen Altar

und brachte darauf dem ihm erschienenen Herrn ein Brandopfer dar.

5
Von hier zog er nach dem Gebirge von Betel,

das er gegen Westen hatte und Aj gegen Osten,
und schlug hier sein Zelt auf.

6
Da sah er, wie das Land sehr ausgedehnt und gut war

und wie darin alles wuchs:
Weinstöcke, Feigen, Granatäpfel,
Eichen und Steineichen, Terebinthen und Ölbäume,
Zedern, Zypressen und Weihrauchbäume,
überhaupt alle Bäume des Feldes,
und auf den Bergen war Wasser.

7
Da pries er den Herrn, der ihn aus dem Ur der Chaldäer herausgeführt

und in dieses Land gebracht hatte.

8
Am Neumond des ersten Monats im ersten Jahr der siebten Jahrwoche

baute er auf diesem Gebirge einen Altar
und rief dabei des Herrn Namen an:
„Du, der ewige Gott, bist mein Gott.“

9
Dann brachte er auf dem Altar dem Herrn ein Brandopfer dar,

daß er mit ihm wäre
und ihn an keinem Tag seines Lebens verlassen möge.

10
Von hier zog er nach Süden und kam nach Hebron.

Damals war Hebron eben erbaut worden.
Hier wohnte er zwei Jahre;
dann zog er nach dem Südland bis Bealot;
damals herrschte eine Hungersnot im Land.

11
So zog Abram nach Ägypten im dritten Jahr der Jahrwoche

und wohnte in Ägypten fünf Jahre,
bevor ihm sein Weib weggenommen wurde.

12
Damals wurde Tanis in Ägypten erbaut,

im siebten Winter nach Hebron.

13
Als Pharao Abrams Weib Sarai wegnahm,

züchtigte Gott den Pharao und sein Haus
wegen Abrams Weib Sarai gar schwer.

14
Abram aber war sehr begütert

an Schafen, Rindern, Eseln, Pferden und Kamelen,
sowie an Knechten und Mägden und an Silber und Gold;
auch seines Bruders Sohn Lot war begütert.

15
Da sandte Pharao Abrams Weib Sarai zurück

und ließ ihn aus Ägyptenlande fortziehen;
da zog er an den Ort,
wo er zuerst sein Zelt aufgeschlagen hatte,
an den Ort des Altars,

[576]

der Aj im Osten und Betel im Westen hatte,
und er pries den Herrn, seinen Gott,
der ihn heil zurückgebracht hatte.

16
Am dritten Jahr der ersten Jahrwoche im 41. Jubiläum

kehrte er an diesen Ort zurück
und brachte darauf ein Brandopfer dar;
dann pries er Gottes Namen und sprach:
Du, der höchste Gott, bist mein Gott in Ewigkeit.

17
Im vierten Jahr dieser Jahrwoche trennte sich Lot von ihm,

und Lot ließ sich in Sodom nieder.
Die Leute von Sodom aber waren überaus große Sünder.

18
Er aber betrübte sich darüber,

daß sich sein Brudersohn von ihm getrennt hatte;
denn er selbst hatte keine Kinder.

19
Da sprach in dem Jahr,

wo Lot gefangen weggeführt wurde, Gott zu Abram,
nachdem sich Lot von ihm im vierten Jahr dieser Jahrwoche getrennt hatte,
und sprach zu ihm:
Heb deine Augen von dem Ort, wo du bist,
gen Norden, Süden, Westen und Osten!

20
Alles Land, das du schaust,

will ich dir und deinen Nachkommen für ewig geben,
und ich mache deinen Stamm gleich dem Sand am Meere
und könnte selbst ein Mensch den Sand auf Erden zählen,
dann soll trotzdem dein Stamm nicht gezählt werden können.

21
Erhebe dich!

Umwandle es nach seiner Länge und Breite
und schaue alles an!
Denn deinem Stamme gebe ich es.
Da zog Abram nach Hebron und blieb daselbst.

22
In diesem Jahr kam Elams König Kedorlaomer,

Sinears König Amraphel,
Arioch, der König von Sellasar, und der Völkerkönig Tergal,
und sie töteten den König von Gomorrha;
der König von Sodom jedoch entfloh;
viele aber starben an Wunden im Siddimtal am Salzmeer.

23
Dann eroberten sie Sodom, Adma und Seboim

und nahmen auch Abrams Brudersohn Lot samt seinem Besitz gefangen
und zogen bis Dan.

24
Da kam ein Flüchtling

und meldete dem Abram, daß sein Brudersohn gefangen sei.
Da bewaffnete Abram seine Haussklaven.

25
.....für Abram und seine Nachkommen den Zehnten der Erstlinge des Herrn,

und der Herr machte es zu einer ewigen Satzung,
daß sie ihn den vor ihm dienenden Priestern geben sollten,
damit sie ihn für immer besäßen.

26
Und dies Gesetz hat keine zeitliche Beschränkung;

vielmehr hat Er für die Geschlechter auf immer angeordnet,

[577]

daß sie dem Herrn den Zehnten von allem gäben,
von der Saat, dem Wein, dem Öl, den Rindern und Schafen.

27
Und so gab er seinen Priestern,

in Freuden vor Ihm zu essen und zu trinken.

28
Da kam der König von Sodom zu ihm, fiel vor ihm nieder und sprach:

Unser Herr Abram!
Schenk uns die Seelen, die du gerettet hast!
Die Beute aber sei dein!

29
Da sprach Abram zu ihm:

Ich erhebe meine Hände zum höchsten Gott.
Ich nehme von allem, was dein ist,
weder einen Faden noch einen Schuhriemen,
damit du nicht sagen kannst:
Ich habe Abram reich gemacht.
Nur was die jungen Leute verzehrt haben,
und den Anteil der mit mir gezogenen Männer,
Aner, Eskol und Mamre.
Diese sollen ihren Anteil erhalten!


14. Kapitel: Abrahams Bund
1
Hernach am Neumond des dritten Monats im vierten Jahr dieser Jahrwoche

erging das Wort des Herrn im Traum an Abram:
Fürchte dich nicht, Abram!
Ich bin dein Schützer und dein Lohn wird recht reichlich sein.

2
Da sprach er: Herr! Herr! Was willst du mir geben?

Ich bin doch kinderlos
und der Sohn meiner Sklavin Masek d. i. Damaskus,
Eliezer, wird mich beerben.
Du gabst mir ja keinen Nachkommen.

3
Da sprach er zu ihm: Dieser wird dich auch nicht beerben,

sondern dein leiblicher Sohn.

4
Und er führte ihn hinaus und sprach zu ihm:

Blick zum Himmel
und zähl die Sterne, ob du sie zu zählen vermagst!

5
Da schaute er den Himmel an

und sah die Sterne;
da sprach Er zu ihm:
So soll deine Nachkommenschaft sein!

6
Und er glaubte dem Herrn

und dies ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.

7
Und Er sprach zu ihm:

Ich bin der Herr, der dich aus dem Ur der Chaldäer herausführte,
dir das Kanaaniterland zum ewigen Besitz zu geben;
ich will dir und deinen Nachkommen Gott sein.

8
Er sprach: Herr! Herr!

Woran erkenne ich es, daß ich jenes erben werde?

[578]
9
Da sprach Er zu ihm:

Nimm dir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege,
ein dreijähriges Schaf, eine Turteltaube und eine andere Taube!

10
Da nahm er diese alle in der Mitte des Monats,

während er bei der Eiche von Mamre nahe bei Hebron wohnte.

11
Er erbaute hier einen Altar,

schlachtete diese alle,
goß ihr Blut auf den Altar,
teilte sie mitten durch
und legte sie einander gegenüber;
die Vögel aber zerteilte er nicht.

12
Da stießen Vögel auf die Stücke herab;

Abram aber verscheuchte sie
und ließ die Vögel diese nicht berühren.

13
Da befiel bei Sonnenuntergang den Abram Angst;

dann kam über ihn Schrecken und dichte Finsternis,
und es ward zu Abram gesagt:
Wisse wohl, daß deine Nachkommen in einem fremden Lande
als Fremdlinge verweilen,
und daß sie 400 Jahre geknechtet und bedrückt werden.

14
Ich werde aber ihre Herren richten,

und danach ziehen sie von dort mit großem Besitze aus.

15
Du aber gehst in Frieden zu deinen Vätern

und wirst in schönem Alter begraben werden.

16
Im vierten Geschlecht kehren sie hieher zurück;

denn die Schuld der Amoriter ist bis jetzt noch nicht voll.

17
Da erwachte er aus seinem Schlaf und stand auf;

soeben war die Sonne untergegangen.
Da entstand eine Flamme;
ein Ofen rauchte,
und eine Feuerflamme zog mitten durch die Stücke.

18
An diesem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abram:

Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land
vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Euphrat,
die Keniter, Kenizziter, Kadmoniter, Perezziter, Rephaiter,
Pakoriter, Hiwiter, Amoriter,
Kanaaniter, Girgasiter und Jebusiter.

19
Im Verlauf des Tages brachte Abram die Stücke,

die Vögel und das dazu gehörende Frucht- und Trankopfer dar,
und das Feuer verzehrte sie.

20
An diesem Tag schlossen wir einen Bund mit Abram,

wie wir ihn mit Noe in diesem Monat geschlossen hatten,
und Abram erneuerte das Fest und die Satzung für sich auf immer.

21
Und Abram war erfreut und erzählte dies alles seinem Weibe Sarai;

er glaubte auch, daß ihm Nachkommen zuteil würden;
sie aber gebar nicht.

22
Da riet Sarai ihrem Manne Abram

und sprach zu ihm:

[579]

Geh zu meiner ägyptischen Magd Hagar ein!
Vielleicht erwecke ich dir Nachkommen aus ihr.

23
Da hörte Abram auf seines Weibes Sarai Wort

und sprach zu ihr:
Tue also!
Da nahm Sarai ihre ägyptische Magd
und gab sie ihrem Manne Abram zum Weib.

24
Da ging er zu ihr ein,

und sie empfing und gebar einen Sohn;
da nannte er seinen Namen Ismael,
im fünften Jahr dieser Jahrwoche,
und das war das 86. Lebensjahr Abrams.


15. Kapitel: Beschneidungsgebot
1
In der Mitte des dritten Monats

im fünften Jahr der vierten Jahrwoche in diesem Jubiläum
feierte Abram das Fest der Erstlinge der Getreideernte.

2
Er brachte als neue Opfer auf den Altar dem Herrn die Erstlingsfrüchte dar:

ein Rind, einen Widder und ein Schaf
auf dem Altar als Brandopfer für Gott;
das dazu gehörende Frucht- und Trankopfer
brachte er mit Weihrauch auf dem Altare dar.

3
Da erschien der Herr dem Abram

und sprach zu ihm:
Ich bin Gott, der Allmächtige.
Bewähre dich vor mir und sei vollkommen!

4
Dann schließe ich meinen Bund zwischen mir und dir

und mache dich überaus groß.

5
Da fiel Abram auf sein Antlitz nieder,

und Gott redete mit ihm und sprach:

6
Meine Verfügung ist fürwahr bei dir,

und du wirst der Vater vieler Völker werden.

7
Dein Name soll nicht mehr Abram sein,

sondern von jetzt an bis in Ewigkeit Abraham;
denn zum Vater vieler Völker habe ich dich gemacht.

8
Und ich werde dich recht groß machen

und dich zu Völkern heranwachsen lassen,
und Könige werden dir entstammen.

9
Und ich richte meinen Bund zwischen mir und dir auf,

sowie deinen Nachkommen in ihren Geschlechtern,
als einen ewigen Bund,
daß ich dir in deiner Nachkommenschaft Gott sei.

10
Und ich verleihe dir und deinen Nachkommen das Land,

wo du als Fremdling weilst, das Land Kanaan,
und du sollst es für immer besitzen
und ich will ihr Gott sein.

11
Da sprach der Herr zu Abraham:
[580]

Was dich betrifft, so halte meinen Bund samt deinen Nachkommen
und beschneidet euch alles Männliche unter euch,
und zwar beschneidet euch eure Vorhaut!
Dies wird ein Zeichen des ewigen Bundes zwischen mir und euch sein.

12
Die Kinder sollt ihr am achten Tag beschneiden,

alles Männliche in euren Geschlechtern,
sowohl den Sohn des Hauses, als die um Geld gekauften Fremdlinge,
die ihr erworben habt und die nicht aus eurem Stamme sind.

13
Es soll der Sohn des Hauses ebenso beschnitten werden,

wie der um Geld gekaufte Sklave
und mein Bund soll an eurem Fleisch in ewiger Bestimmung sein.

14
Ein unbeschnittener Mann,

der nicht am achten Tag am Fleisch seiner Vorhaut beschnitten wird,
soll aus seinem Volk ausgerottet werden;
denn er hat meinen Bund gebrochen.

15
Und Gott sprach zu Abraham:

Dein Weib Sarai soll nicht mehr Sarai heißen,
sondern Sara.

16
Ich werde sie segnen

und dir aus ihr einen Sohn schenken,
und ich werde ihn segnen,
und er wird zu einem Volke werden,
und Könige und Völker werden von ihm abstammen.

17
Da fiel Abraham auf sein Angesicht,

freute sich und sprach in seinem Herzen:
Kann einem Hundertjährigen noch ein Sohn geboren werden,
oder sollte auch die neunzigjährige Sara noch gebären können?

18
Und Abraham sprach zu Gott:

Möchte nur Ismael vor dir am Leben bleiben!

19
Und Gott sprach: Ja;

aber auch Sara wird dir einen Sohn schenken
und du sollst ihn Isaak heißen,
und ich werde meinen Bund
mit ihm und seinen Nachkommen für immer schließen.

20
Und auch wegen Ismaels habe ich dich erhört;

fürwahr, ich werde ihn segnen
und ihn groß und sehr zahlreich machen,
und zwölf Fürsten wird er erzeugen,
und so lasse ich ihn zu einem großen Volk auswachsen.

21
Aber meinen Bund schließe ich mit Isaak,

den die Sara im folgenden Jahr und diesen Tagen gebären wird.

22
Nachdem Gott seine Unterredung mit ihm beendet hatte,

fuhr er vor Abraham auf.

23
Abraham tat nun, wie ihm Gott befohlen.

Er nahm seinen Sohn Ismael
und alle in seinem Haus Geborenen
sowie alle um Geld Gekauften,
alles Männliche in seinem Haus

[581]

und beschnitt das Fleisch ihrer Vorhaut.

24
So ward Abraham am gleichen Tage beschnitten

wie alle Männer seines Hauses
und alle um Geld gekauften Fremden.

25
Dies Gesetz gilt für alle Geschlechter auf immer;

es gibt keine Beschneidung bei einigen Tagen,
noch eine Weglassung eines Tages von den acht Tagen;
denn dies ist eine ewige Ordnung,
auf den himmlischen Tafeln festgesetzt und aufgezeichnet.

26
Wer von den Geborenen bis zum achten Tag

nicht am Fleisch seiner Vorhaut beschnitten ist,
gehört nicht zu den Kindern des Bundes, den Gott mit Abraham schloß,
sondern zu den Kindern des Verderbens;
denn an ihm ist kein Zeichen, daß er dem Herrn gehört,
und so fällt er dem Verderben, der Vernichtung und Ausrottung auf Erden anheim,
weil er den Bund des Herrn, unseres Gottes, brach.

27
Denn alle Engel des Angesichtes und der Heiligung

sind vom Tag ihrer Schöpfung so geschaffen
und in Gegenwart der Engel des Angesichtes und der Heiligung
hat Er Israel geheiligt,
daß sie mit Ihm und seinen heiligen Engeln seien.

28
Du aber befiehl den Israeliten,

sie sollen dieses Bundeszeichen bewahren
für ihre Geschlechter als eine ewige Satzung,
damit sie nicht aus dem Lande ausgerottet werden.

29
Denn das Gebot ist für den Bund angeordnet,

auf daß sie ihn bei allen Israeliten bewahren.

30
Denn den Ismael, seine Kinder und seine Brüder,

sowie den Esau hat sich der Herr nicht näher kommen lassen
und hat sie nicht erwählt,
obgleich sie Kinder Abrahams sind und er sie kennt;
dagegen erwählte er Israel, daß es ihm zum Volk sei.

31
Und er heiligte es

und sammelte es aus allen Menschenkindern;
denn viel sind die Völker
und zahlreich die Nationen,
und sie alle gehören Ihm,
und über alle hat Er Geister gesetzt
und ihnen die Fähigkeit gegeben,
sie von Ihm abspenstig zu machen.

32
Dagegen hat Er über Israel keinen Engel und keinen Geist gesetzt;

er allein ist vielmehr ihr Herrscher,
und er behütet sie
und fordert sie aus der Hand seiner Engel und Geister
und all seiner andern Mächte,
damit er sie behüte und segne
und sie ihm gehören
und er ihnen von jetzt an bis in Ewigkeit.

[582]
33
Jetzt aber verkünde ich dir,

daß die Israeliten diese Satzung nicht halten
und ihre Kinder nach diesem ganzen Gesetz doch nicht beschneiden werden;
sie werden vielmehr die Beschneidung ihrer Söhne
an ihrem beschneidbaren Fleisch unterlassen;
ebenso werden alle Söhne Beliars ihre Söhne unbeschnitten lassen,
wie sie geboren sind.

34
Da wird ein großer Zorn vom Herrn über die Israeliten kommen,

weil sie seinen Bund verließen
und von seinem Wort abwichen
und dadurch ihn zum Zorne reizten
und ihn lästerten, indem sie diese Gesetzesvorschrift nicht hielten;
sie hielten ja ihre Glieder wie die Heiden,
so daß sie aus dem Land vertrieben und ausgerottet werden.
Sie werden keine Verzeihung noch Vergebung erhalten,
so daß ihnen die ganze Schuld dieser ewigen Verirrung erlassen würde.


16. Kapitel: Isaak
1
Am Neumond des vierten Monats

erschienen wir dem Abraham bei der Eiche Mamres:
wir redeten mit ihm und taten ihm kund,
daß ihm von seinem Weibe Sara ein Sohn geschenkt würde.

2
Da lachte Sara,

als sie hörte, wie wir dies zu Abraham sagten.
Da schalten wir sie
und sie fürchtete sich
und leugnete, darüber gelacht zu haben.

3
Wir sagten ihr auch den Namen ihres Sohnes,

wie er auf den himmlischen Tafeln festgesetzt und geschrieben steht, Isaak.

4
Wann wir zur bestimmten Zeit zu ihr zurückkehren würden,

dann hätte sie einen Sohn empfangen.

5
In diesem Monat vollzog der Herr sein Gericht

über Sodoma, Gomorrha, Seboim und das ganze Jordanland
und verbrannte sie mit Feuer und Schwefel
und vernichtete sie so bis auf diesen Tag,
eben, wie ich dir all ihr Tun vermeldete,
daß sie ungerecht und überaus sündhaft waren
und daß sie sich verunreinigten,
mit ihrem Fleische hurten und Unreines auf Erden taten.

6
Ebenso wird Gott das Gericht an den Orten vollziehen,

wo sie nach Sodoms Unreinigkeit handelten,
entsprechend dem Gerichte über Sodom.

7
Aber den Lot sollten wir retten;

denn Gott gedachte des Abraham
und führte jenen mitten aus der Zerstörung heraus.

8
Aber auch er und seine Töchter taten auf Erden eine Sünde,

wie sie von Adams Tagen bis zu jener Zeit noch nicht auf Erden geschehen,
denn der Mann schlief bei seinen Töchtern.

[583]
9
Fürwahr, es ward auf den himmlischen Tafeln befohlen und eingegraben,

all seine Nachkommen zu vertilgen und auszurotten
und an ihnen ein ähnliches Gericht, wie an Sodom, zu vollziehen
und keine Nachkommenschaft davon auf Erden
am Gerichtstag übrig zu lassen.

10
In diesem Monat zog Abraham von Hebron fort

und wohnte zwischen Kades und Sur auf den Bergen von Gerar.

11
In der Mitte des fünften Monats zog er von hier fort

und wohnte bei dem Brunnen des Schwures.

12
In der Mitte des sechsten Monats suchte der Herr die Sara heim

und tat ihr, wie er gesagt.

13
Sie wurde guter Hoffnung

und gebar einen Sohn im dritten Monat,
und zwar in der Monatsmitte,
in den Tagen, die der Herr dem Abraham genannt hatte;
am Feste der Ernteerstlinge ward Isaak geboren.

14
Und Abraham beschnitt seinen Sohn am achten Tag;

er wurde als Erster gemäß dem für ewig festgesetzten Bunde beschnitten.

15
Im sechsten Jahr der vierten Jahrwoche kamen wir zu Abraham an den Schwurbrunnen

und erschienen ihm, wie wir der Sara gesagt,
daß wir zu ihr zurückkehren würden,
während sie unterdessen einen Sohn empfangen hätte.

16
Wir kamen im siebten Monat zurück

und fanden Sara in guter Hoffnung vor.
Da segneten wir ihn und verkündeten ihm,
was über ihn beschlossen war,
daß er nämlich nicht früher sterben würde,
als bis er noch sechs Söhne gezeugt hätte,
und er werde sie vor seinem Tode noch sehen;
aber in Isaak werde sein Namen und Samen genannt werden.

17
Alle Nachkommen seiner Söhne würden heidnisch werden

und zu den Heiden gezählt werden;
dagegen werde von Isaaks Söhnen einer ein heiliger Sproß
und nicht unter die Heiden gerechnet werden.

18
Denn er werde ein Erbteil des Höchsten sein,

und alle seine Nachkommen fallen in Gottes Besitz,
so daß sie dem Herrn zu seinem Erbvolke vor allen Nationen werden
und ein priesterliches Königtum und ein heiliges Volk seien.

19
Dann gingen wir unseres Weges

und verkündeten der Sara alles, was wir ihm gesagt,
und die beiden hatten eine recht große Freude.

20
Und er baute hier einen Altar dem Herrn, der ihn gerettet hatte,

und dem, der ihn im Lande seiner Fremdlingschaft erfreute,
und er feierte in diesem Monat ein Freudenfest sieben Tage
in der Nähe des Altars,
den er beim Brunnen des Schwures erbaut hatte.

21
Er baute Hütten für sich und seine Knechte an diesem Feste

und feierte so als Erster das Hüttenfest auf Erden.

[584]
22
In diesen sieben Tagen opferte er an jedem einzelnen Tag auf dem Altar

ein Brandopfer für den Herrn,
zwei Widder, sieben Schafe und einen Ziegenbock als Sündopfer,
damit er dadurch sich und seinen Nachkommen Sühne verschaffe.

23
Und als Dankopfer sieben Widder, sieben Ziegen,

sieben Schafe und sieben Böcke,
sowie die dazugehörenden Frucht- und Trankopfer,
und er verbrannte alles Fett davon auf dem Altar,
ein auserlesenes Opfer für den Herrn zu süßem Wohlgeruch.

24
Am Morgen und Abend verbrannte er als Räucherwerk

Weihrauch, Galbanum, Styrax, Narden,
Myrrhen, Ähren und Kostwurz;
alle diese sieben opferte er zerstoßen,
gleichmäßig gemischt und rein.

25
Er feierte dieses Fest sieben Tage,

wobei er sich aus ganzem Herzen und ganzer Seele freute,
er und alle seine Hausgenossen;
es war aber kein Fremdling bei ihm,
noch sonst irgendein Unbeschnittener.

26
Und er pries seinen Schöpfer,

der ihn in diesem Geschlecht erschaffen hatte;
denn Er hatte ihn nach seinem Wohlgefallen erschaffen.
Er wußte ja und erkannte,
daß aus ihm die Pflanze der Gerechtigkeit für ewige Geschlechter
und ein heiliger Same ausgehen
und daß er Ihm, der alles gemacht, ähnlich würde.

27
So lobpries er und freute sich

und nannte das Fest „das Fest des Herrn“,
„eine dem höchsten Gott angenehme Freude“.

28
Und wir segneten ihn für immer,

ebenso seine Nachkommen in allen Geschlechtern der Erde,
weil er dieses Fest gemäß dem Zeugnis der himmlischen Tafeln
zu seiner Jahreszeit feierte.

29
Deshalb ist auf den himmlischen Tafeln für Israel angeordnet,

sie sollen im siebten Monat das Hüttenfest sieben Tage in Freude feiern,
dem Herrn zum Wohlgefallen,
als ewiges Gesetz, durch ihre Geschlechter hindurch,
in jedem einzelnen Jahr.

30
Und dafür gibt es keine zeitliche Beschränkung;

vielmehr ist es für Israel auf ewig angeordnet,
daß sie es feiern und daher in Hütten wohnen sollen;
ebenso sollen sie Kränze auf ihre Häupter legen
und Laubzweige und Weiden vom Bach holen.

31
Und Abraham nahm grüne Palmzweige und schöne Baumfrüchte

und ging jeden Tag um den Altar mit Zweigen,
siebenmal des Tages am Morgen;
dabei lobte er seinen Gott und dankte ihm in Freuden für alles.


[585]
17. Kapitel: Hagars und Ismaels Vertreibung
1
Im ersten Jahr der fünften Jahrwoche in diesem Jubiläum

ward Isaak entwöhnt,
und Abraham veranstaltete im dritten Monat
am Tag, wo sein Sohn Isaak entwöhnt wurde, ein großes Mahl.

2
Auch der Sohn der Ägypterin Hagar, Ismael,

war vor seinem Vater Abraham dabei,
und nicht kinderlos gestorben war.

3
Und er gedachte der Worte, die Er zu ihm gesprochen hatte

am Tage, wo sich Lot von ihm trennte.
Und er freute sich, daß ihm Gott Nachkommen auf Erden geschenkt,
damit er die Erde erbe,
und er pries aus vollem Mund den Schöpfer aller Dinge.

4
Da sah Sara, wie Ismael spielte und tanzte

und Abraham sich darüber freute,
und sie ward auf Ismael eifersüchtig
und sprach zu Abraham:
Jag diese Magd da und ihren Sohn fort!
Denn der Sohn dieser Magd soll nicht mit meinem Sohne erben.

5
Dies aber mißfiel Abraham

um seiner Magd und seines Sohnes willen,
daß er sie von sich treiben sollte.

6
Da sprach Gott zu Abraham:

Betrüb dich nicht wegen des Knaben und der Magd!
In allem, was Sara dir gesagt, hör auf ihre Worte und tu danach!
Denn in Isaak wird dir Name und Same genannt werden.

7
Den Sohn der Magd aber lasse ich zu einem großen Volk werden,

weil er dein Nachkomme ist.

8
Da machte sich Abraham früh morgens auf,

nahm Brot und einen Schlauch Wasser,
lud es Hagar auf die Schulter,
ebenso den Knaben
und schickte sie fort.

9
Da zog sie fort

und irrte in der Wüste von Beerseba umher;
dabei ging das Wasser aus dem Schlauch zu Ende;
den Knaben aber dürstete,
und er konnte nicht mehr gehen.
Da fiel er hin.

10
Da nahm ihn seine Mutter

und warf ihn unter einen Ölbaum;
dann ging sie weg
und setzte sich ihm gegenüber in Pfeilschußweite;
denn sie sprach:
Ich kann nicht mitansehen, wie mein Kind stirbt.
Und wie sie so dasaß, weinte sie.

[586]
11
Da sprach ein Engel Gottes, einer von den Heiligen, zu ihr:

Was weinst du, Hagar?
Steh auf! Nimm den Knaben
und faß ihn bei der Hand!
Denn Gott hat deine Stimme gehört und den Knaben gesehen.

12
Da öffnete sie ihre Augen

und erblickte einen Wasserguell;
sie ging hin, füllte ihren Schlauch mit Wasser
und gab ihrem Kind zu trinken;
dann brach sie auf
und zog in die Wüste Paran.

13
Der Knabe wuchs heran

und ward ein Bogenschütze, und Gott war mit ihm,
und seine Mutter nahm ihm ein Weib aus den Töchtern Ägyptens.

14
Sie gebar ihm einen Sohn,

und er hieß ihn Nebajot;
denn sie sprach:
Der Herr war mir nahe, als ich zu ihm rief.

15
Am zwölften Tag des ersten Monats des ersten Jahrs

der siebten Jahrwoche in diesem Jubiläum
waren Stimmen im Himmel über Abraham zu vernehmen,
daß er in allem, was Er mit ihm rede, gläubig sei,
und daß er den Herrn liebe
und in jeder Not vertrauensvoll wäre.

16
Da kam der Fürst Mastema

und sprach vor Gott:
Abraham liebt fürwahr seinen Lohn Isaak
und hat an ihm vor allem sein Gefallen.
Sag ihm,
er solle ihn als Brandopfer auf den Altar darbringen,
und du wirst sehen,
ob er diesen Befehl ausführt,
und du wirst erkennen,
ob er in allem, womit du ihn versuchst, vertrauensvoll ist!

17
Der Herr aber wußte,

daß Abraham in all seiner Not gläubig war;
denn er hatte ihn durch sein Land und mit Hungersnot versucht;
ebenso hatte er ihn durch den Reichtum der Könige versucht,
ferner durch sein Weib,
als es ihm weggenommen wurde,
und durch die Beschneidung;
endlich hatte er ihn durch Ismael und seine Magd Hagar versucht,
als er sie fortschicken mußte.

18
Aber in allem, worin Er ihn versuchte,

ward er als gläubig erfunden,
und seine Seele war nicht ungeduldig geworden,
und er hatte nicht gezaudert, es zu tun;
denn er war gläubig und liebte den Herrn.


[587]
18. Kapitel: Isaaks Opferung
1
Und Gott sprach zu ihm:

Abraham! Abraham!
Da sprach er: Hier bin ich.

2
Und Er sagte:

Nimm deinen heißgeliebten Sohn Isaak!
Zieh in das Hochland
und opfere ihn auf einem der Berge, den ich dir kundtun werde!

3
Da machte er sich des Morgens früh auf,

sattelte seinen Esel,
nahm seine beiden Diener mit, ebenso seinen Sohn Isaak
und spaltete Holz zum Brandopfer;
dann zog er nach dem Ort in drei Tagen.
Als er den Platz von ferne sah

4
und zu einem Wasserbrunnen kam,

so sprach er zu seinen Dienern:
Bleibet hier beim Esel!
Ich aber und der Knabe gehen hinüber,
und wenn wir unsere Andacht verrichtet,
kommen wir wieder zu euch.

5
Dann nahm er das Holz zum Brandopfer

und lud es seinem Sohne Isaak auf die Schulter;
dann nahm er das Feuer und das Messer in seine Hand,
und beide gingen miteinander bis zu jenem Ort.

6
Da sprach Isaak zu seinem Vater:

Vater!
Er sagte:
Hier bin ich, mein Sohn.
Er sprach zu ihm:
Siehe, hier ist das Feuer, das Schlachtmesser und das Holz.
Wo aber bleibt das Schaf zum Brandopfer, Vater?

7
Er sprach:

Gott wird sich ein Schaf zum Brandopfer ausersehen, mein Sohn.
Und so näherte er sich dem Ort auf dem Berge Gottes.

8
Dann erbaute er einen Altar,

legte das Holz auf den Altar,
band seinen Sohn Isaak
und legte ihn auf das Holz, das auf dem Altar lag;
dann streckte er seine Hand nach dem Messer aus,
um seinen Sohn Isaak zu schlachten.

9
Ich aber stand vor Ihm und dem Fürsten Mastema;

da sprach der Herr:
Sag ihm, er solle seine Hand nicht an den Knaben legen
und ihm nichts zuleide tun!
Denn ich habe gesehen, daß er den Herrn fürchtet.

10
Da rief ich ihm vom Himmel her

und sprach: Abraham! Abraham!

[588]

Da erschrak er und sagte:
Hier bin ich.

11
Da sprach ich zu ihm:

Leg deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts zuleide!
Denn jetzt habe ich gesehen, daß du den Herrn fürchtest,
und daß du mir selbst deinen erstgeborenen Sohn nicht verweigerst.

12
Da ward der Fürst, der Mastema, beschämt;

Abraham aber erhob seine Augen und schaute,
da ward ein Widder mit seinen Hörnern festgehalten.
Abraham ging hin, nahm den Widder
und brachte ihn als Brandopfer an seines Sohnes Stelle dar.

13
Abraham nannte diesen Ort „Der Herr hat gesehen“,

so daß man sagt:
„Es sah der Herr auf dem Berg“, d. i. auf dem Berg Sion.

14
Dann rief der Herr den Abraham bei seinem Namen

zum zweiten Mal vom Himmel her,
als Er uns veranlaßte, zu erscheinen
und zu ihm in des Herrn Namen zu sprechen.

15
Er sprach:

Bei mir selbst habe ich geschworen, spricht der Herr:
Weil du dies getan
und deinen erstgeborenen, heißgeliebten Sohn mir nicht verweigert hast,
will ich dich reichlich segnen
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen,
gleich den Sternen des Himmels und dem Sand der Meeresküste,
und deine Nachkommen sollen die Städte ihrer Feinde erben.

16
In deinem Namen sollen alle Völker der Erde dafür gesegnet sein,

daß du auf mein Wort hörtest.
Ich habe es allen kundgetan,
daß du mir in allem, was ich dir sagte, vertrautest.
Zieh hin in Frieden!

17
Da ging Abraham zu seinen Dienern,

und sie machten sich auf und zogen miteinander nach Beerseba;
Abraham aber wohnte beim Brunnen des Schwures.

18
Er feierte dieses Fest alle Jahre sieben Tage in Freuden

und nannte es „das Fest des Herrn“ entsprechend den sieben Tagen,
während deren er hingezogen
und in Frieden heimgekehrt war.

19
So ist es auch auf den himmlischen Tafeln

für Israel und seine Nachkommenschaft festgesetzt und aufgeschrieben,
daß es dieses Fest sieben Tage in Festesfreude feiere.


19. Kapitel: Saras Tod
1
m ersten Jahr der ersten Jahrwoche

im 42. Jubiläum kehrte Abraham zurück
und wohnte gegenüber von Hebron,
d. i. Kirjat Arba, zwei Jahrwochen.

[589]
2
Im ersten Jahr der dritten Jahrwoche in diesem Jubiläum

gingen Saras Lebenstage zu Ende,
und sie starb zu Hebron.

3
Da ging Abraham hin,

sie zu beweinen und zu begraben,
und wir versuchten ihn, ob sein Geist geduldig
und er mit seines Mundes Worten nicht unwillig sei.
Er aber war hierin geduldig erfunden
und ließ sich nicht außer Fassung bringen.

4
Denn in Geistesgeduld redete er mit den Söhnen Heths darüber,

daß sie ihm eine Stätte gäben, worin er seine Tote begrübe.

5
Und der Herr verlieh ihm Gnade bei allen, die in sahen,

und er bat in Sanftmut die Söhne Heths;
da gaben sie ihm das Land der Doppelhöhle
gegenüber von Mamre bei Hebron um vierhundert Silberlinge.

6
Und sie baten ihn, indem sie sagten:

Wir wollen es dir umsonst geben.
Aber er nahm es nicht umsonst aus ihrer Hand,
sondern gab den Preis des Platzes, das volle Geld,
verneigte sich vor ihnen zweimal
und begrub dann seine Tote in der Doppelhöhle.

7
Alle Lebenstage Saras beliefen sich auf 127 Jahre,

d. i. zwei Jubiläen, vier Jahrwochen und ein Jahr;
dies sind die Tage der Lebensjahre Saras.

8
Dies ist die zehnte Versuchung,

womit Abraham versucht wurde,
und er ward als gläubig und geduldig im Geist erfunden.

9
Er sagte kein Wort von der Verheißung betreffs des Landes,

daß Gott gesagt habe,
Er werde es ihm und seinen Nachkommen geben,
sondern erbat hier eine Stätte,
um seine Tote zu begraben.
Denn er ward als gläubig erfunden
und als Gottesfreund auf die himmlischen Tafeln geschrieben.

10
Im vierten Jahr nahm er seinem Sohn Isaak ein Weib, namens Rebekka,

(die Tochter Betuels, des Sohnes Nahors, des Bruders Abrahams,)
Labans Schwester und Betuels Tochter;
Betuel aber war der Sohn der Milka,
die das Weib des Nahor, des Bruders von Abraham, war.

11
Abraham heiratete selber ein drittes Weib Ketura,

von den Töchtern seiner Haussklaven;
denn Hagar war vor Sara gestorben.

12
Sie gebar ihm sechs Söhne in zwei Jahrwochen:

Simrim, Joksan, Medan, Midian, Isbak und Sua.

13
Im zweiten Jahr der sechsten Jahrwoche gebar Rebekka dem Isaak

zwei Kinder, Jakob und Esau.
Jakob aber war glatt und rechtschaffen;

[590]

Esau dagegen war ein rauher, wilder, haariger Mann;
und Jakob wohnte in Zelten.

14
Als die Jünglinge heranwuchsen,

lernte Jakob die Schrift.
Esau aber nicht;
denn er war ein wilder Mann und ein Jäger.
Er lernte den Krieg, und all sein Tun war wild.

15
Abraham liebte den Jakob,

Isaak aber den Esau.

16
Abraham beobachtete Esaus Tun

und erkannte, daß ihm nur in Jakob Name und Same genannt wurde.
So rief er Rebekka
und gab ihr betreffs Jakobs Befehle;
denn er wußte,
daß sie den Jakob mehr als den Esau liebte.

17
Er sprach zu ihr:

Meine Tochter!
Wach über meinen Sohn Jakob!
Denn er wird an meiner Statt auf der Erde sein
und zum Segen unter den Menschenkindern
und zum Ruhm allen Nachkommen Sems dienen.

18
Denn ich weiß, daß sich der Herr ihn zu seinem eigenen Volk erwählen wird,

unter allen Völkern, die auf Erden sind.

19
Siehe, mein Sohn Isaak liebt den Esau mehr als den Jakob;

aber ich sehe, daß du aufrichtig den Jakob liebst.

20
Erweis ihm noch mehr Gutes

und laß deine Augen in Liebe über ihm offen stehen!
Denn er wird uns zum Segen auf der Erde sein
von jetzt an bis auf alle Erdengeschlechter.

21
Deine Hände seien fest,

und dein Herz erfreue sich an deinem Sohn Jakob!
Denn ich habe ihn mehr geliebt
als alle meine Söhne.
Er wird in Ewigkeit gesegnet sein,
und seine Nachkommen werden die ganze Erde füllen.

22
Könnte je ein Mensch den Sand der Erde zählen,

dann erst könnte auch seine Nachkommenschaft gezählt werden.

23
Alle Segnungen, womit Gott mich und meinen Nachkommen gesegnet hat,

sollen für Jakob und seine Nachkommen für allezeit gelten.

24
In seinem Stamme wird mein Name

und der Name meiner Väter
Sem, Noe, Henoch, Mahalalel,
Enos, Seth und Adam gepriesen werden.

25
Sie sollen dazu dienen,

den Himmel zu gründen, die Erde zu festigen
und alle Leuchten, die an der Feste sind, zu erneuern.

26
Dann rief er Jakob vor den Augen seiner Mutter Rebekka her,

küßte ihn, segnete ihn und sprach:

[591]
27
Jakob, mein geliebter Sohn, den meine Seele liebt!

Dich segne Gott von der Feste aus
und verleihe dir alle Segnungen,
womit er Adam, Henoch, Noe und Sem gesegnet hat,
und alles, was Er zu mir geredet
und mir zu geben versprochen hat,
lasse Er an dir und deinen Nachkommen für immer haften,
entsprechend den Tagen des Himmels über der Erde!

28
Die Geister Mastemas aber sollen weder dich noch deine Nachkommen beherrschen,

um dich vom Herrn fernzuhalten,
der dein Gott ist von jetzt an bis in Ewigkeit!

29
Gott, der Herr, sei dir ein Vater

und du sei ihm der erstgeborene Sohn, der ihm zum Volk auf ewig wird!
Zieh hin im Frieden, mein Sohn!

30
Da verließen die beiden zusammen den Abraham.
31
Rebekka aber liebte den Jakob mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele

viel mehr als Esau.
Isaak aber liebte den Esau mehr
als den Jakob.


20. Kapitel: Abrahams Vermächtnis
1
Im ersten Jahr der siebten Jahrwoche im 42. Jubiläum

rief Abraham den Ismael und seine zwölf Söhne,
ferner den Isaak mit seinen beiden Söhnen,
endlich die sechs Söhne der Ketura und deren Söhne.

2
Dann gebot er ihnen,

den Weg des Herrn einzuhalten,
sie sollten Gerechtigkeit üben
und jeder seinen Nächsten lieben
und also bei allen Menschen tun;
sie sollten jeglicher also wandeln,
um Recht und Gerechtigkeit auf Erden zu üben.

3
Sie sollten auch ihre Söhne beschneiden

nach dem Bunde, den Er mit ihnen schloß;
sie sollten aber nicht nach rechts noch links abweichen
von irgendeinem Weg, den der Herr uns gebot,
wir sollten uns auch vor aller Hurerei und Unreinheit hüten
(und aus unserer Mitte alle Hurerei und Unreinheit entfernen.)

4
Wenn irgendein Weib oder ein Mädchen hurt,

so verbrennet sie
und lasset keinen mit ihr nach ihren Augen und ihrem Herzen huren!
Lasset auch keinen sich mit einer der Töchter Kanaans verheiraten!
Denn Kanaans Stamm wird aus dem Land ausgerottet werden.

5
Und er erzählte ihnen das Gericht}} über die Riesen

und das Gericht über die Sodomiten,
wie sie wegen ihrer Bosheit gerichtet wurden
und wegen ihrer Hurerei, Unreinheit
und gegenseitigen buhlerischen Verderbens starben.

[592]
6
Hütet euch doch vor aller Hurerei und Unreinheit

und vor jeglicher Befleckung durch Sünde!
Gebet euren Namen nicht dem Spotte preis
und euer ganzes Leben dem Gespötte
und alle eure Söhne dem Verderben durchs Schwert!
Werdet nicht verflucht gleich Sodom,
noch alle eure Nachkommen wie Gomorrhas Kinder!

7
Ich flehe euch an, meine Kinder:

Liebet den Gott des Himmels!
Hänget allen seinen Geboten an!
Folget nicht ihren Götzen und ihrer Unreinheit!

8
Machet euch keine gegossenen oder geschnittenen Götzen!

Denn sie sind nichtig und haben keinen Geist;
sie sind ja Menschenwerk,
und alle, die auf sie vertrauen, vertrauen auf ein Nichts.
Verehret sie nicht und betet sie nicht an,

9
sondern verehret den höchsten Gott!

Betet Ihn immerdar an und hoffet auf Seine Hilfe immerdar
und übet Recht und Gerechtigkeit vor Ihm,
damit Er an euch Gefallen habe
und euch seine Barmherzigkeit gewähre,
daß er Regen über euch des Morgens und des Abends herabsende
und all eure Arbeit segne,
die ihr auf Erden verrichtet,
daß er dein Brot und dein Wasser segne,
ebenso die Frucht deines Leibes und deines Landes,
deine Rinderherden und deine Schafhürden!

10
Dann werdet ihr zu einem Segen auf Erden werden

und alle Erdenvölker haben an euch Gefallen
und werden eure Kinder in meinem Namen segnen,
daß sie gesegnet seien, gleich wie ich.

11
Dann gab er dem Ismael und seinen Söhnen,

ebenso den Söhnen der Ketura Geschenke
und schickte sie von seinem Sohn Isaak weg;
alles andere gab er seinem Sohn Isaak.

12
Ismael und seine Söhne sowie die Söhne der Ketura und deren Söhne

zogen miteinander
und wohnten von Paran bis zum Eingang von Babylon,
in dem ganzen Land gegen Osten, der Wüste zu.

13
Und sie vermischten sich miteinander

und wurden Araber und Ismaeliter genannt.


21. Kapitel: Abrahams letzte Worte an Isaak
1
Im sechsten Jahr der siebten Jahrwoche in diesem Jubiläum

rief Abraham seinen Sohn Isaak
und gab ihm folgenden Auftrag:
Ich bin alt geworden

[593]

und weiß nicht den Tag meines Todes,
obwohl ich lebenssatt bin.

2
Ich bin 175 Jahre alt;

an allen Tagen meines Lebens war ich des Herrn eingedenk
und bemühte mich mit meinem ganzen Herzen,
seinen Willen zu tun und richtig auf all seinen Wegen zu wandeln.

3
Meine Seele hat die Götzen gehaßt

(und ich verachtete ihre Diener
und gab mein Herz und meine Seele hin),
indem ich nur darauf achtete,
den Willen meines Schöpfers zu tun.

4
Denn Er ist der lebendige Gott.

Er ist heilig und treu
und Er ist gerecht bei allen;
denn bei Ihm gibt es kein Ansehen der Person,
noch ein Annehmen von Geschenken.
Er ist ja ein gerechter Gott
und hält Gericht über alle, die seine Gebote übertreten
und seinen Bund verachten.

5
Du aber, mein Sohn, befolge seine Gebote, Satzungen und Verordnungen

und folge nicht den Unreinen, den geschnitzten und gegossenen Bildern!

6
Genießet kein Blut von wilden Tieren, von Vieh,

noch von irgendeinem Vogel, der am Himmel fliegt!

7
Wenn du ein Opfer als ein angenehmes Mahlopfer schlachten willst,

dann schlachtet es
und gießet sein Blut auf den Altar aus!
Alles Fett des Opfers bring auf dem Altar mit Feinmehl dar,
(und das Speiseopfer) mit Öl gemischt!
Bringe alles samt seinem Trankopfer auf dem Brandopferaltar dar!
Es ist ein süßer Duft vor dem Herrn.

8
Du sollst das Fett des Dankopfers in das Altarfeuer legen,

und zwar das Bauchfett, alles Eingeweide und Nierenfett,
ferner alles Lenden- und Leberfett;
die Nieren aber sollst du wegnehmen!

9
Opfere all dies zu einem süßen, vor dem Herrn angenehmen Duft auf

samt seinem Speise- und Trankopfer
zu einem lieblichen Duft, als Opferspeise für den Herrn!

10
Genieße sein Fleisch an diesem und dem zweiten Tag!

Die Sonne soll am zweiten Tag nicht untergehen, bevor es gegessen ist!
Für den dritten Tag soll nichts übrigbleiben!
Denn dann ist es nicht mehr angenehm (und wird nicht gebilligt).
Du sollst es nicht mehr genießen!
Alle, die es essen, laden eine Sünde auf sich.
Denn so fand ich es im Buch meiner Ahnen aufgeschrieben,
ebenso in den Worten Henochs und in Noes Worten.

11
Streu auf all deine Opfer Salz

und laß nicht den Salzbund bei irgendeinem deiner Opfer vor dem Herrn weg!

12
Betreffs des Opferholzes hüte dich,
[594]

für den Altar ein anderes Holz zu verwenden als folgende:
Zypressen, Fichten, Mandeln, Kiefern, Zedern, Seven, Palmen, Oliven,
Myrten, Lorbeer, Zitronen, Wachholder und Balsamholz.

13
Von diesen Bäumen lege auf den Altar unter das Opfer nur solche,

deren Aussehen geprüft ist!
Leg kein gespaltenes oder verdunkeltes Holz hin,
sondern festes und reines, fleckenloses Holz,
ein gesundes und frisches Gewächs!
Leg kein altes Holz hin!
Denn der süße Duft ist dahin.

14
Außer diesen Hölzern lege kein anderes hin!

Denn sein Duft ist fort,
und seines Wohlgeruches Duft steigt nicht mehr zum Himmel empor.

15
Befolg dieses Gebot

und erfülle es, mein Sohn,
damit du in all deinem Tun recht handelst!

16
Zu jeder Zeit sei an deinem Körper rein

und wasche dich mit Wasser,
bevor du zum Altaropfer gehst!
Wasche deine Hände und Füße,
bevor du an den Altar trittst!
Bist du mit dem Opfern fertig,
dann wasche dir abermals Hände und Füße!

17
Es zeige sich weder an euch noch an euren Kleidern Blut!

Sei vorsichtig, mein Sohn, mit dem Blut!
Sei sehr vorsichtig!
Bedeck es mit Staub!

18
Genieß kein Blut!

Denn es ist die Seele.
Genieß gar kein Blut!

19
Nimm keinerlei Geschenk für Menschenblut an,

damit es nicht ungesühnt und ungestraft vergossen werde!
Denn das vergossene Blut macht die Erde sündigen,
und die Erde kann nicht rein vom Menschenblut werden,
außer durch das Blut dessen, der es vergoß.

20
Nimm kein Geschenk und keine Gabe für Menschenblut an!

Blut für Blut!
Dann bist du vor dem Herrn, dem höchsten Gott, wohlgefällig.
Er ist ja der Hüter des Guten.
Dann bleibst du vor allem Bösen behütet,
und Er rettet dich vor jeglichem Tode.

21
Ich sehe, mein Sohn,

wie alle Werke der Menschenkinder Sünde und Bosheit sind;
alle ihre Taten sind Unreinheit, Greuel und Befleckung
und keine Gerechtigkeit findet sich bei ihnen.

22
Hüte dich, daß du nicht auf ihrem Wege gehst,

noch in ihre Spuren trittst,
und daß du nicht tödlich sündigst vor dem höchsten Gott!

[595]

Sonst verbirgt Er vor dir sein Antlitz
und überliefert dich in die Gewalt deiner Sünde;
er tilgt dich von der Erde und deine Nachkommen unterm Himmel,
und dein Name und dein Same verschwindet gänzlich von der Erde.

23
Halte dich fern von all ihrem Tun und all ihrer Unreinheit!

Befolge vielmehr das Gesetz des höchsten Gottes!
Tue seinen Willen und handle in allem recht!

24
Er wird dich in all deinem Tun segnen

und aus dir die Pflanze der Gerechtigkeit auf der ganzen Erde aufsprossen lassen
durch alle Geschlechter der Erde.
Mein Name und dein Name werden niemals unterm Himmel vergessen werden.

25
Geh, mein Sohn, im Frieden!

Der höchste Gott, mein Gott und dein Gott, gebe dir Kraft,
seinen Willen zu tun,
und er segne deinen ganzen Stamm und den Rest deines Stammes
für ewige Geschlechter mit aller rechten Segnung,
damit du auf der ganzen Erde ein Segen seiest!
Dann ging er von ihm frohlockend fort.


22. Kapitel: Abrahams Segen über Jakob
1
Im zweiten Jahr der ersten Jahrwoche im 44. Jubiläum,

im Todesjahr Abrahams, kamen Isaak und Ismael vom Schwurbrunnen,
um bei ihrem Vater Abraham das Wochenfest zu feiern,
d. i. das Fest der Ernteerstlinge,
und Abraham freute sich über die Ankunft seiner beiden Söhne.

2
Denn Isaak hatte große Besitzungen in Beerseba.

Isaak aber pflegte hinzugehen und seinen Besitz zu besichtigen
und dann zu seinem Vater zurückzukehren.

3
In diesen Tagen kam auch Ismael zum Besuche seines Vaters.

So kamen die beiden zusammen,
und Isaak bereitete ein Brandopfer
und brachte es auf seines Vaters Altar,
den er in Hebron gemacht, dar.

4
Er brachte ein Mehlopfer dar

und bereitete ein Freudenmahl vor seinem Bruder Ismael;
Rebekka aber machte frische Kuchen aus neuem Korn
und gab sie ihrem Sohne Jakob,
daß er seinem Ahnen Abraham etwas von der Erstlingsfrucht des Landes brächte,
auf daß er davon äße
und vor seinem Tode den Schöpfer aller Dinge priese.

5
Auch Isaak schickte durch Jakobs Hand

dem Abraham ein treffliches Mahlopfer zum Essen und Trinken.

6
Und er aß, trank und pries den höchsten Gott,

der Himmel und Erde erschaffen
und alles Fett der Erde gemacht
und den Menschenkindern die Macht gab,
zu essen, zu trinken und ihren Schöpfer zu preisen.

[596]
7
Jetzt aber danke ich dir, mein Gott, dafür,

daß du mich diesen Tag hast schauen lassen.
Siehe, ich bin 175 Jahre alt, ein Greis und lebenssatt.
Alle meine Lebenstage aber sind mir im Frieden verlaufen.

8
Das Schwert des Feindes hat mich nie besiegt

in irgend etwas, was du mir und meinen Söhnen verliehen hast,
an keinem meiner Lebenstage bis zur Stunde.

9
Mein Gott!

Deine Güte und dein Friede sei über deinem Knecht
und über den Nachkommen seiner Söhne,
damit sie dir ein auserwähltes Volk seien
und ein Erbteil aus allen Erdenvölkern von jetzt an
bis in alle Tage der Erdengeschlechter für immer!

10
Dann rief er Jakob und sprach zu ihm:

Mein Sohn Jakob!
Dich segne der Gott des Alls und mache dich stark,
so daß du Gerechtigkeit und Seinen Willen vor ihm tun kannst!
Er erwähle dich und deinen Stamm,
daß ihr ihm zu seinem Erbvolk gemäß seinem Willen allezeit werdet!
Du aber, mein Sohn Jakob!
Komm her und küsse mich!

11
Da kam er heran und küßte ihn;

dann sprach er:
Gesegnet sei mein Sohn Jakob und alle seine Söhne
vom höchsten Gott in alle Ewigkeiten!
Gott gebe dir einen gerechten Stamm
und heilige einige deiner Söhne mitten auf der ganzen Erde!
Völker mögen dir dienen
und alle Nationen sich vor deinem Stamm verneigen!

12
Sei stärker als alle andern Menschen,

und ein Herrscher über Seths Nachkommen!
Dann werden deine Wege und die deiner Söhne gerecht sein,
so daß sie ein heiliges Volk sind.

13
Der höchste Gott gebe dir alle Segnungen,

womit er mich gesegnet, ebenso den Noe und den Adam,
daß sie auf dem heiligen Scheitel deines Stammes
für alle Geschlechter bis in Ewigkeit ruhen!

14
Er reinige dich von aller Ungerechtigkeit und Unreinheit,

daß du Verzeihung für alle Sünden
und für die in Unkenntnis begangenen Fehler erlangest!
Er mache dich stark und segne dich!
So mögest du die ganze Erde erben.

15
Er erneuere seinen Bund mit dir,

daß du Ihm zu seinem Erbvolk für alle Ewigkeit werdest
und Er dir und deinen Nachkommen
ein Gott in Wahrheit und Gerechtigkeit in allen Erdentagen sei!“

15
Du aber, mein Sohn Jakob!

Gedenke meiner Worte und halte die Gebote deines Vaters Abraham!

[597]

Trenne dich von den Völkern!
Iß nicht mit ihnen!
Handle nicht nach ihrem Tun!
Sei nicht ihr Genosse!
Denn ihr Werk ist Unreinheit
und all ihre Wege sind Befleckung, Greuel und Unreinheit.

17
Sie opfern den Toten, beten die Dämonen an und essen auf den Gräbern,

und all ihr Werk ist eitel und richtig.

18
Sie haben kein Herz zum Nachdenken,

und ihre Augen sehen nicht, was ihre Werke sind
und wie sehr sie irren,
wenn sie zum Holzstück sagen: „Du bist mein Gott!“
und zum Stein: Du bist mein Herr und Erlöser.
(Und sie haben doch kein Herz.)

19
Es helfe dir, mein Sohn Jakob, der höchste Gott,

und der Gott des Himmels segne dich
und halte dich ferne von ihrer Unreinheit und all ihrer Verirrung!

20
Hüte dich, mein Sohn Jakob,

daß du kein Weib von irgendwelchen Nachkommen der Töchter Kanaans nehmest!
Denn der ganze Stamm ist zur Ausrottung auf Erden bestimmt.

21
Kanaan verging sich ja in Hams Sünde;

so wird sein ganzer Stamm von der Erde vertilgt werden,
alle seine Nachkommen,
und kein Abkömmling von ihm wird am Gerichtstag gerettet.

22
Für niemanden, der die Götzen anbetet,

und für keinen Gottlosen gibt es irgendeine Hoffnung im Lande der Lebendigen;
sie steigen in die Unterwelt
und gehen zum Ort des Gerichtes,
und auf Erden haben sie kein Andenken mehr.
Wie Sodoms Kinder von der Erde weggenommen sind,
so werden alle Götzenanbeter gleichfalls hinweggerafft werden.

23
Fürchte dich nicht, mein Sohn Jakob,

und erschrick nicht, Sohn Abrahams!
Der höchste Gott möge dich vor dem Verderben behüten
und aus allen Irrwegen befreien!

24
Ich habe mir dieses Haus erbaut,

daß ich auf Erden meinen Namen darin niederlege;
(es ist dir und deinen Nachkommen auf ewig verliehen)
es wird „Haus Abrahams“ heißen.
Es ist dir und deinen Nachkommen für ewig gegeben.
Denn du wirst mein Haus erbauen
und meinen Namen vor Gott aufrichten.
Bis in Ewigkeit besteht dein Stamm und dein Name
bei allen Erdengeschlechtern.

25
Dann schloß er mit seinen Aufträgen und beendete seine Segenssprüche.
26
Die beiden aber schliefen in Einem Bett zusammen.

Jakob schlief dabei am Busen seines Großvaters Abraham,

[598]

und er küßte ihn siebenmal,
und seine Liebe und sein Herz freute sich über ihn.

27
Da segnete er ihn aus ganzem Herzen und sprach:

Der höchste Gott, der Gott und Schöpfer aller,
der mich aus dem Ur der Chaldäer herausgeführt,
um mir dies Land zu geben, damit ich es für uns erbte
und einen heiligen Stamm erweckte, –
der Höchste werde in Ewigkeit gepriesen!

28
Dann segnete er Jakob und sprach:

Mein Sohn, an dem ich mich aus ganzem Herzen und in Liebe erfreue,
möge deine Güte und Barmherzigkeit
an sich und seinen Nachkommen allzeit erfahren!

29
Verlaß ihn nicht!

Mißacht ihn nicht von jetzt an bis in Ewigkeit!
Deine Augen seien über ihm und seinem Stamm geöffnet,
daß du ihn hütest und segnest
und ihn zu deinem Erbvolk heiligest!

30
Segne ihn mit all deinen Segnungen

von jetzt an bis in alle Ewigkeit,
und erneuere deinen huldvollen Bund mit ihm und seinem Stamm
nach deinem Wohlgefallen durch alle Erdengeschlechter hindurch!


23. Kapitel: Abrahams Tod
1
Dann legte er die zwei Finger Jakobs auf seine Augen

und pries den Gott der Götter;
dann bedeckte er sein Antlitz,
streckte seine Füße aus und entschlief den ewigen Schlaf
und ward zu seinen Vätern versammelt.

2
Bei alledem lag Jakob an seinem Busen,

ohne zu wissen, daß sein Großvater Abraham gestorben war.

3
Als Jakob aus seinem Schlaf erwachte,

war Abraham kalt wie Eis.
Da rief er: Vater! Vater!
Doch dieser sagte nichts;
da erkannte er, daß er tot war.

4
Darauf erhob er sich von seinem Busen,

lief und sagte es seiner Mutter Rebekka.
Und Rebekka ging noch in der Nacht zu Isaak
und sagte es ihm;
da gingen sie zusammen hin,
während Jakob dabei eine Lampe trug.
Als sie hineinkamen, fanden sie Abraham tot daliegen.

5
Da fiel Isaak auf seines Vaters Antlitz,

weinte und küßte ihn.

6
Das Geräusch hiervon ward in Abrahams Haus vernommen,

und so erhob sich sein Sohn Ismael,
ging zu seinem Vater Abraham
und weinte um seinen Vater Abraham,

[599]

er mit dem ganzen Abrahamshaus,
und sie weinten laut.

7
Dann begruben ihn seine Söhne Isaak und Ismael

in der Doppelhöhle bei seinem Weibe Sara,
und vierzig Tage beweinten ihn alle Leute seines Hauses,
Isaak und Ismael und alle ihre Söhne,
ebenso Keturas Söhne an ihrem Ort;
dann ging die Trauer um Abraham zu Ende.

8
Er hatte drei Jubiläen und vier Jahrwochen gelebt, 175 Jahre;

so hatte er seine Lebenstage vollbracht, alt und lebenssatt.

9
Die Tage der Vorväter beliefen sich auf 19 Jubiläen;

nach der Sintflut aber begannen sie,
weniger als 17 Jubiläen zu leben,
vielmehr an Jubiläen abzunehmen,
schnell zu altern und lebenssatt zu werden
wegen des vielen Leidens und durch die Bosheit ihrer Wege,
mit Ausnahme Abrahams.

10
Abraham war ja dem Herrn gegenüber in all seinen Werken vollkommen

und alle seine Lebenstage in Gerechtigkeit wohlgefällig.
Er vollendete aber wegen der Bosheit keine vier Jubiläen in seinem Leben, bis er alt ward,
und er ward lebenssatt.

11
Alle Geschlechter aber, die von jetzt an bis zum großen Gerichtstag erstehen,

werden schnell altern, bevor sie zwei Jubiläen vollenden,
und ihre Kenntnis verlässt sie wegen ihres hohen Alters
(und all ihre Kenntnis verschwindet).

12
Wenn in jenen Tagen ein Mensch ein Jubiläum und die Hälfte der Jahre lebt,

dann sagen sie von ihm: „Er hat lange gelebt.“
Der größte Teil seiner Tage ist Leid, Mühe und Betrübnis,
und kein Friede ist dabei.

13
Denn Plage folgt auf Plage,

Wunde auf Wunde, Betrübnis auf Betrübnis,
böses Gerücht auf böses Gerücht,
Krankheit auf Krankheit und sonstige schlimme Strafen,
eins nach dem andern:
Krankheit, Umsturz, Schnee, Frost, Eis,
Fieber, Kälte, Erstarrung, Dürre, Tod,
Schwert, Gefangenschaft und alle Arten von Plagen und Leiden.

14
All dies kommt über das böse Geschlecht, das auf Erden sündigt;

ihre Werke sind Unreinheit, Hurerei, Befleckung und Greuel.

15
Dann sagen sie:

„Der Voreltern Tage waren es viel,
bis zu tausend Jahren, und schön.
Aber unsere Tage!
Wenn ein Mensch lange lebt,
dann wird er siebzig Jahre alt,
wenn es viel ist, achtzig,
und alle sind schlimm.“
Es herrscht eben kein Friede in den Tagen dieses bösen Geschlechtes.

[600]
16
In diesem Geschlechte werden die Söhne ihre Väter, überhaupt ihre Eltern

wegen der Sünde, der Ungerechtigkeit,
der Reden ihres Mundes und der großen Bosheiten schelten,
ebenso daß sie den Bund verließen,
den der Herr zwischen ihnen und sich schloß;
sie sollten vielmehr all seine Gebote,
Satzungen und Gesetze befolgen und halten,
ohne nach rechts oder links abzuweichen.

17
Denn sie handelten alle böse

und jeder Mund spricht Sündhaftes;
all ihr Tun ist Unreinheit und Abscheulichkeit,
und all ihre Wege sind Befleckung, Unreinheit und Verderben.

18
Die Erde wird wegen all ihres Tuns untergehen;

dann gibt es weder Samen von Wein; noch Öl;
denn lauter Untreue ist ihr Tun,
und so kommen sie alle zusammen um,
wilde Tiere, zahmes Vieh und Vögel, ebenso alle Fische im Meer
wegen der Menschenkinder.

19
Dann streiten sie, diese mit jenen,

junge Leute mit alten, alte mit jungen,
Arme mit Reichen, Niedrige mit Großen, Bettler mit Fürsten
wegen des Gesetzes und des Bundes;
denn sie vergaßen Gebot und Bund, Feste, Monate,
Sabbate und Jubiläen, überhaupt alle Satzungen.

20
Dann stehen sie da mit Schwertern und sonstigen Kriegswaffen,

um sie auf den Weg zurückzubringen;
aber sie kehren nicht eher um,
als bis viel Blut auf Erden vergossen ist, von den einen bei den andern.

21
Die sich retten,

kehren aber nicht von ihrer Bosheit auf den Weg der Wahrheit um,
sondern erheben sich zu Betrug und Reichtum,
indem jeder all seines Nächsten Gut nimmt;
sie rufen zwar den großen Namen an,
aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit.
Das Allerheiligste beschmutzen sie
durch ihre Unreinheit und ihre befleckende Verderbtheit.

22
Dann geht vom Herrn eine große Züchtigung

wegen der Werke dieses Geschlechtes aus
und Er gibt sie dem Schwert, dem Gericht, der Gefangenschaft,
der Plünderung und Vernichtung preis.

23
Er erweckt dann gegen sie die Sünder der Heiden,

die kein Erbarmen noch Mitleid kennen
und die auf niemand Rücksicht nehmen,
weder auf alt noch jung, überhaupt auf niemand:
denn sie sind schlimmer und stärker im Bösestun,
als alle andern Menschenkinder.
Die werden an Israel Gewalt ausüben
und an Jakob Verbrechen begehen,

[601]

und viel Blut wird auf Erden vergossen;
aber niemand ist dann da,
um die Leichen zu sammeln und zu begraben.

24
In jenen Tagen schreien, rufen und beten sie,

man möge sie aus der sündigen Völker Hand erretten;
aber es gibt niemanden, der gerettet würde.

25
Dann werden die Häupter der Kinder weiß mit Greisenhaar

und ein Kind von drei Wochen sieht so alt aus
wie ein Hundertjähriger,
und ihr Aussehen wird durch Unglück und Qual vernichtet.

26
In jenen Tagen beginnen die Kinder,

die Gesetze zu studieren,
die Gebote aufzusuchen
und auf den Weg der Gerechtigkeit umzukehren.

27
Dann beginnen die Tage, wieder zuzunehmen

und unter diesen Menschenkindern zu wachsen,
bis sich ihre Tage an tausend Jahre nähern
und die Zahl ihrer Jahre größer sein wird,
als früher die Zahl der Tage.

28
Dann gibt es keinen Alten und keinen Lebenssatten mehr;

denn sie werden alle Kinder und junge Leute sein.

29
All ihre Tage verleben und vollenden sie in Frieden und Freude;

denn dann gibt es keinen Satan
und keinen Bösen mehr, der sie verdirbt;
vielmehr sind all ihre Tage dann Tage des Segens und des Heils.

30
Dann heilt der Herr seine Diener;

sie erheben sich und schauen tiefen Frieden;
dann vertreiben sie ihre Feinde.
Die Gerechten sehen es und danken
und jubeln in Freude bis in alle Ewigkeit;
denn sie schauen an ihren Feinden
all ihre Gerichte und ihren Fluch.

31
Ihre Gebeine ruhen dann in der Erde;

ihr Geist aber hat viel Freude;
denn sie erkennen, daß es der Herr ist, der Gericht hält,
aber auch Gnade übt an Hunderten und Tausenden,
und zwar an allen, die Ihn lieben.

32
Du Moses!

Schreib diese Worte auf!
Denn so steht es geschrieben
und so verzeichneten sie es auf den himmlischen Tafeln
zu einem Zeugnis für ewige Geschlechter.


24. Kapitel: Isaak
1
Nach Abrahams Tod segnete der Herr seinen Sohn Isaak;

da zog dieser von Hebron weg
und wohnte beim Brunnen des Gesichtes

[602]

seit dem ersten Jahr der dritten Jahrwoche
in diesem Jubiläum sieben Jahre lang.

2
Im ersten Jahr der vierten Jahrwoche entstand im Lande eine Dürre,

eine andere als die erste Dürre, die in Abrahams Tagen herrschte.

3
Da kochte Jakob ein Linsengericht.

Esau aber kam hungrig vom Felde heim;
da sprach er zu seinem Bruder Jakob:
Gib mir von diesem roten Gericht!
Da sagte Jakob zu ihm:
Verkauf mir dein Erstgeburtsrecht!
Dann gebe ich dir Brot und etwas von diesem Linsengericht.

4
Da sprach Esau in seinem Herzen:

Ich sterbe ja doch; was nützt mir da die Erstgeburt?
Und er sprach zu Jakob:
Ich gebe sie dir.

5
Und Jakob sprach:

Schwöre mir es heute!
Und er schwur es ihm.

6
Da gab Jakob seinem Bruder Esau Brot und das Gericht,

und er aß, bis er satt war.
Und Esau verzichtete auf seine Erstgeburt;
deshalb ward Esau auch Edom genannt,
und zwar wegen des roten Gerichtes, das ihm Jakob für die Erstgeburt gab.

7
Jakob ward so der Ältere;

Esau aber stieg von seiner Würde herab.

8
Als die Dürre weiter im Lande herrschte,

wollte Isaak im zweiten Jahr dieser Jahrwoche nach Ägypten hinabziehen.
Da ging er zuerst zum Philisterkönig Abimelech nach Gerar.

9
Da erschien ihm der Herr und sprach zu ihm:

Zieh nicht nach Ägypten hinab!
Bleib in dem Land, das ich dir zusprechen werde,
und weile als Fremdling in diesem Land,
und ich werde mit dir sein und dich segnen!

10
Denn dir und deinen Nachkommen will ich dieses ganze Land geben,

und ich werde meinen Schwur aufrechterhalten,
den ich deinem Vater Abraham zugeschworen habe,
und ich mache deine Nachkommen so zahlreich
wie des Himmels Sterne,
und ich gebe deinen Nachkommen dieses ganze Land.

11
Und in deinem Stamme sollen alle Erdenvölker gesegnet werden

dafür, daß dein Vater auf mein Wort gehört
und meine Weisung, meine Gebote und Gesetze,
meine Ordnung und meinen Bund bewahrt hat.
Jetzt aber höre auch du auf mein Wort
und bleib in diesem Land!

12
So wohnte er in Gerar drei Jahrwochen.
13
Und Abimelech gebot betreffs seines und all der Seinen also:
[603]

Jeder Mensch, der ihn oder irgend etwas seiner Habe berührt,
soll des Todes sterben!

14
Und Isaak war bei den Philistern groß

und gelangte zu großem Besitz
an Rindern, Schafen, Kamelen, Eseln und einem zahlreichen Gesinde.

15
Er säte im Philisterland

und erntete hundertfältig.
So ward Isaak außergewöhnlich groß,
und die Philister wurden auf ihn eifersüchtig.

16
Da verschütteten die Philister alle Brunnen,

die Abrahams Sklaven bei Lebzeiten Abrahams gegraben hatten,
und füllten sie nach Abrahams Tod mit Erde auf.

17
Und Abimelech sprach zu Isaak:

Zieh von uns fort!
Du bist ja viel mächtiger als wir.
Da zog Isaak im ersten Jahr der siebten Jahrwoche von dort weg
und hielt sich als Fremdling in Gerars Tälern auf.

18
Und sie gruben die Brunnen wieder auf,

die seines Vaters Abraham Sklaven gegraben
und die nach seines Vaters Abraham Tod die Philister verschüttet hatten,
und er benannte sie so,
wie sie sein Vater Abraham benannt hatte.

19
Und Isaaks Sklaven gruben auch Brunnen in dem Tal;

da fanden sie lebendiges Wasser.
Aber die Hirten Gerar gerieten mit Isaaks Hirten in Streit
und sprachen: „Dies Wasser gehört uns.“
Und Isaak hieß diesen Brunnen „Schwierigkeit“,
weil sie uns Schwierigkeiten gemacht hatten.

20
Dann gruben sie einen zweiten Brunnen;

aber auch um ihn stritten sie sich,
und so nannte er ihn „Streit“.
Und er zog von da fort.
Da gruben sie einen andern Brunnen;
um diesen stritten sie sich aber nicht,
und so hieß er ihn „Raum“;
denn Isaak sagte: Jetzt hat uns der Herr Raum geschafft,
und wir sind im Land gewachsen.

21
Von dort zog er zum Schwurbrunnen

im ersten Jahr der ersten Jahrwoche im 44. Jubiläum.

22
Da erschien ihm der Herr in dieser Nacht

am Neumond des ersten Monats und sprach:
Ich bin der Gott deines Vaters Abraham.
Fürchte dich nicht!
Ich bin ja mit dir.
Ich werde dich segnen
und deine Nachkommen so zahlreich wie den Sand auf Erden machen,
um meines Dieners Abraham willen.

23
Dann baute er dort den Altar wieder auf,
[604]

den sein Vater Abraham zuerst gebaut hatte;
hierauf rief er den Namen des Herrn an
und brachte dem Gott seines Vaters Abraham Opfer dar.

24
Sie gruben auch einen Brunnen

und fanden lebendiges Wasser.

25
Dann gruben Isaaks Sklaven einen andern Brunnen,

fanden aber kein Wasser.
Da gingen sie und sagten es Isaak, daß sie kein Wasser gefunden hätten.
Da sprach Isaak:
Ich habe an diesem Tag den Philistern geschworen,
und dies ist uns zugesprochen worden.

26
Und der nannte jenen Ort „den Brunnen des Schwures“;

denn dort hatte er dem Abimelech und seinem Genossen Ahuzzat
sowie seinem Heerführer Pikol zugeschworen.

27
Isaak aber erkannte an jenem Tag,

daß er nur gezwungen ihnen geschworen hatte,
Frieden mit ihnen zu halten.

28
Da verfluchte Isaak an diesem Tag die Philister und sprach:

Verflucht seien die Philister
bis zum Tag des Zornes und Grimmes mitten unter all den Nationen!
Gott mache sie zum Gespötte und zum Gegenstand des Fluches, Zornes und Grimmes
in der Gewalt der sündigen Heidenvölker und der Kittiter!

29
Wer sich vor des Feindes Schwert und den Kittitern rettet,

soll von dem gerechten Volk
durch ein Strafgericht unterm Himmel ausgerottet werden.
Denn sie werden meinen Kindern durch alle ihre Erdentage Feinde und Hasser sein.

30
Kein Rest soll ihnen gelassen werden,

niemand, der sich am Gerichtszorntag rettet.
Denn der ganze Philisterstamm ist zur Vernichtung,
Ausrottung und Vertreibung bestimmt;
von keinem der Kaphtorleute bleibt ein Name mehr übrig
noch ein Sprößling.

31
Stiege er auch bis zum Himmel hinauf,

so würde er doch von dort herabsteigen müssen.
Verankerte er sich in der Erde,
so würde er doch von dort herausgerissen werden.
Verbärge er sich inmitten der Völker,
so würde er auch von dort hinweggetilgt werden,
und stiege er selbst in die Unterwelt,
so würde auch dort seine Strafe groß sein,
und auch dort würde er keinen Frieden haben.

32
Und zöge er in die Gefangenschaft in die Gewalt seiner Todfeinde,

dann würden sie ihn mitten auf dem Marsche töten.
Man läßt von ihm weder Name noch Same auf der ganzen Erde übrig;
er wird vielmehr in die ewige Verfluchung einziehen.

33
So steht es über ihn auf den himmlischen Tafeln geschrieben und eingegraben,

daß ihm am Gerichtstag so geschehe,
daß er von der Erde vertilgt werde.


[605]
25. Kapitel: Rebekka und Jakob
1
Im zweiten Jahr dieser Jahrwoche in diesem Jubiläum

rief Rebekka ihren Sohn Jakob und sprach zu ihm:
Mein Sohn! Heirate keine der Töchter Kanaans,
wie dein Bruder Esau, der zwei Kanaanitertöchter geheiratet hat.
Denn sie erbitterten durch all ihr unreines Tun meinen Geist.
All ihr Tun ist ja Hurerei und Fleischeslust,
und keinerlei Gerechtigkeit ist bei ihnen,
vielmehr ist ihr Tun gar schlimm.

2
Ich aber liebe dich, mein Sohn, gar sehr,

und mein Herz und meine Liebe segnen dich zu jeder Tages- und Nachtzeit.

3
Nun höre jetzt, mein Sohn, auf mein Wort und tue deiner Mutter Willen!

Heirate keine der Töchter dieses Landes,
sondern nur solche aus meines Vaters Haus und Geschlecht!
Nimmst du dir ein Weib aus dem Hause meines Vaters,
dann segnet dich der höchste Gott,
und deine Kinder werden ein Geschlecht der Gerechtigkeit und ein heiliger Stamm.

4
Darauf redete Jakob mit seiner Mutter Rebekka und sprach zu ihr:

Siehe, meine Mutter,
ich bin neun Jahrwochen alt und kenne noch kein Weib.
Ich habe weder eines berührt noch mich verlobt,
noch denke ich daran, eine der Töchter Kanaans zu heiraten.

5
Ich denke immer, Mutter, an unsers Vaters Abraham Wort;

er verbot mir ja, eine Kanaaniterin zu heiraten.
Ich werde vielmehr aus dem Stamm meines Vaterhauses
und aus meinem Geschlecht ein Weib nehmen.

6
Ich hörte ja schon früher,

daß deinem Bruder Laban Töchter geboren wurden,
und auf sie richtete ich meinen Sinn,
um aus ihnen ein Weib zu nehmen.

7
Deshalb hütete ich mich in meinem Geist,

daß ich nicht sündigte und nicht verdürbe
auf irgendeinem meiner Wege während all meiner Lebenstage:
denn mein Vater Abraham gab mir viel Anweisungen
hinsichtlich der Fleischeslust und Hurerei.

8
Trotz dieser Mahnungen streitet mit mir mein Bruder zweiundzwanzig Jahre lang

und redet viel mit mir und sagt:
Heirate doch, mein Bruder, eine der Schwestern meiner beiden Weiber!
Ich will aber nicht so handeln, wie er getan.

9
Ich schwöre vor dir, Mutter,

daß ich mir nie im Leben ein Weib aus Kanaans Stamme nehmen
und nie so schlimm handeln werde wie mein Bruder.

10
Fürchte dich nicht, Mutter!

Sei versichert, daß ich deinen Willen tun und recht wandeln
und in Ewigkeit nicht meine Wege verderben werde!

11
Darauf erhob sie ihr Antlitz zum Himmel,

streckte die Finger ihrer Hände aus, öffnete ihren Mund,

[606]

pries den höchsten Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde,
lobte ihn und dankte ihm.

12
Sie sprach: Gepriesen sei Gott, der Herr,

und gepriesen sein heiliger Name in alle Ewigkeit!
Er, der mir Jakob verlieh,
einen reinen Sohn und heiligen Nachkommen!
Dein ist er ja,
und dir gehöre sein Stamm durch alle Tage und Geschlechter auf ewig!

13
Segne ihn, Herr,

und lege in meinen Mund wahrhaftigen Segen, daß ich ihn segne!

14
Nachdem sich nun der Geist der Wahrheit in ihren Mund herabgelassen,

legte sie zur selben Stunde ihre beiden Hände auf Jakobs Haupt
und sprach:

15
Gepriesen bist du, Herr der Wahrheit

und du Gott der Ewigkeiten.
Er segne dich vor allen Menschengeschlechtern!
Er verleihe dir, mein Sohn, den rechten Weg
und offenbare die Wahrheit deinen Nachkommen!

16
Er mache deiner Söhne viel in deinem Leben

und sie mögen nach der Zahl der Jahresmonate hervorsprossen!
Ihre Zahl sei mehr
als die der Himmelssterne und des Meeressandes!

17
Er gebe ihnen dies schöne Land,

wie er versprochen,
es dem Abraham und seinen Nachkommen für alle Tage zu geben,
so daß sie es als ewigen Besitz besitzen.

18
Möge auch ich von dir, mein Sohn,

gesegnete Kinder bei meinen Lebzeiten sehen
und ein gesegneter und heiliger Stamm sei all deine Nachkommenschaft!

19
Wie du deiner Mutter Geist in ihrem Leben erquicktest,

so segnet dich der Leib, der dich getragen;
so segnet dich meine Liebe und meine Brust,
und hoch preist dich mein Mund und meine Zunge.

20
So wachse und breite dich auf Erden aus,

und deine Nachkommen sollen sich freuen
und Frieden haben am großen Friedenstag!

21
Dein Name und dein Same bestehe bis in alle Ewigkeiten,

und der höchste Gott sei ihr Gott,
und der wahrhaftige Gott wohne bei ihnen,
und bei ihnen werde sein Heiligtum für alle Zeiten aufgebaut!

22
Wer dich segnet, sei gesegnet!

Doch jedes Fleisch, das dir in Lüge flucht,
sei verflucht!

23
Dann küßte sie ihn

und sprach zu ihm:
Es liebe dich der Herr der Welt,
wie sich in dir deiner Mutter Herz und Liebe erfreut und dich segnet!
Dann hörte sie mit ihrem Segen auf.


[607]
26. Kapitel: Jakobs Betrug
1
Im siebten Jahr dieser Jahrwoche

rief Isaak seinen ältesten Sohn Esau und sprach zu ihm:
Mein Sohn! Ich bin alt geworden und meine Augen stumpf,
und ich kenne nicht den Tag meines Todes.

2
Jetzt aber nimm dein Jagdgeräte, deinen Köcher und deinen Bogen

und geh aufs Feld hinaus!
Dort jag mir und fang mir etwas, mein Sohn!
Dann bereit mir ein schmackhaftes Essen, wie es meine Seele liebt,
und bring es mir, damit ich esse
und meine Seele dich segne, bevor ich sterbe!

3
Rebekka aber hörte, wie Isaak zu Esau redete.
4
Da ging Esau frühmorgens aufs Feld, zu jagen

und etwas zu fangen und seinem Vater zu bringen,

5
Da rief Rebekka ihren Sohn Jakob

und sprach zu ihm:
Siehe, ich hörte, wie dein Vater Isaak mit deinem Bruder Esau redete:
Jag für mich und bereite mir ein Essen
und bring es mir,
dann will ich essen
und dich vor dem Herrn segnen,
bevor ich sterbe.

6
Darum höre jetzt, mein Sohn, auf meine Stimme

in dem, das ich dir anbefehle!
Geh zu deiner Herde
und hol mir zwei schöne Ziegenböckchen!
Dann will ich sie für deinen Vater
zu einem schmackhaften Essen bereiten, wie er es liebt.
Du sollst es dann deinem Vater bringen,
daß er es esse
und dich vor dem Herrn segne, bevor er stirbt,
und daß du so gesegnet werdest.

7
Da sprach Jakob zu seiner Mutter Rebekka:

Mutter! Ich werde nichts von dem vorenthalten,
was mein Vater gerne ißt.
Nur fürchte ich, meine Mutter,
dass er meine Stimme kennt und mich betasten will.

8
Du weißt doch, dass ich glatt bin,

während mein Bruder Esau behaart ist.
Da würde ich vor seinen Augen wie ein Übeltäter dastehen
und würde etwas von ihm Verbotenes tun;
dann würde er mir zürnen
und ich würde so über mich Fluch und nicht Segen bringen.

9
Da sprach seine Mutter Rebekka zu ihm:

Deine Verfluchung komme über mich, mein Sohn!
Hör nur auf mein Wort!

10
Und Jakob hörte auf seiner Mutter Rebekka Wort.
[608]

Er ging,
nahm zwei schöne, fette Ziegenböckchen
und brachte sie seiner Mutter,
und seine Mutter bereitete sie so zu, wie er es liebte.

11
Dann nahm Rebekka die Gewänder ihres ältern Sohnes Esau,

die besten, die bei ihr im Hause waren,
und bekleidete damit ihren jüngern Sohn Jakob.
Sie legte die Ziegenböckchenfelle auf seine Hände
und seinen nackten Hals.

12
Dann legte sie das Gericht und das Brot, das sie bereitet hatte,

in ihres Sohnes Jakob Hand.

13
Und Jakob kam zu seinem Vater und sprach:

Ich bin dein Sohn;
ich tat, wie du mich geheißen.
Setz dich auf
und iß von dem, was ich fing, Vater,
damit mich deine Seele segne!

14
Und Isaak sprach zu seinem Sohn:

Wie hast du so rasch, mein Sohn, etwas finden können?

15
Da sprach Jakob:

Dein Gott ließ es mich eben finden.

16
Da sprach Isaak:

Komm heran, damit ich dich betaste, mein Sohn,
ob du mein Sohn Esau bist oder nicht!

17
Da trat Jakob zu seinem Vater Isaak hin,

und er betastete ihn und sprach:

18
Die Stimme ist Jakobs Stimme,

aber die Hände sind die Hände Esaus.
Und er erkannte ihn nicht,
weil es eine Schickung vom Himmel war,
sein Wahrnehmungsvermögen hintanzuhalten.
Und Isaak erkannte ihn nicht;
denn seine Hände waren wie die Esaus behaart,
und er segnete ihn.

19
Dann sprach er: Bist du mein Sohn Esau?

Er sagte: Ja.
Dann sprach er:
Bring es mir her,
damit ich von dem, was du fingest, mein Sohn, esse
und meine Seele dich segne!

20
So brachte er es ihm,

und er aß;
dann brachte er ihm Wein,
und er trank.

21
Dann sprach sein Vater Isaak zu ihm:

Tritt herzu und küsse mich, mein Sohn!
Da trat er heran und küßte ihn.

22
Da roch er den duftigen Geruch seiner Kleider;
[609]

darauf hin segnete er ihn und sprach:
Siehe, der Duft meines Sohnes gleicht dem Dufte eines Feldes,
das der Herr gesegnet hat.

23
Der Herr gebe dir vom Tau des Himmels und der Erde

und Überfluß an Korn und Öl!
Nationen sollen dir dienen
und Völker dir untertan sein!

24
Sei Herr über deine Brüder!

Vor dir sollen sich deiner Mutter Söhne beugen!
Alle Segnungen,
womit der Herr mich und meinen Vater Abraham segnete,
mögen dir und deinen Nachkommen bis in Ewigkeit zukommen!
Wer dir flucht, sei verflucht,
und wer dich segnet, sei gesegnet!

25
Isaak hörte nun auf, seinen Sohn zu segnen,

und Jakob ging von seinem Vater Isaak weg
und verbarg sich.
Da kam sein Bruder Esau von der Jagd.

26
Auch er bereitete ein Essen

und brachte es seinem Vater;
dann sagte er zu seinem Vater:
Es erhebe sich mein Vater
und esse von meiner Beute,
damit mich deine Seele segne!

27
Da sprach sein Vater Isaak zu ihm:

Wer bist du?
Er sagte zu ihm:
Ich bin dein Erstgeborener, dein Sohn Esau.
Ich tat, wie du mich hießest.

28
Da erstaunte Isaak über alle Maßen und sprach:

Wer ist dieser, der gejagt, gefangen
und mir es dann gebracht hat?
Ich aß von all dem, bevor du kamst,
„Gesegnet soll er sein
und alle seine Nachkommen bis in Ewigkeit!“

29
Als Esau die Worte seines Vaters Isaak hörte,

schrie er mit lautester, kläglicher Stimme auf;
dann sprach er zu seinem Vater:
Segne auch mich, Vater!

30
Er aber sprach zu ihm:

Dein Bruder kam mit List
und nahm deinen Segen mit.
Da sprach er:
Jetzt weiß ich, weshalb er Jakob heißt.
Siehe, er hat mich jetzt zum zweiten Mal betrogen:
Er nahm mir das Erstgeburtsrecht;
jetzt nahm er mir auch den Segen weg.

[610]
31
Dann sprach er:

Hast du keinen Segen mehr für mich übrig, Vater?
Darauf erwiderte Isaak:
Siehe, ich setzte ihn zum Herrn über dich
und übergab ihm alle seine Brüder, daß sie ihm Knechte seien;
auch bestimmte ich für ihn Überfluß an Korn, Wein und Öl.
Was kann ich jetzt noch für dich tun, mein Sohn?

32
Da sprach Esau zu seinem Vater Isaak:

Hast du denn bloß einen einzigen Segen, Vater?
Segne auch mich, Vater!
Und Esau weinte laut.

33
Da antwortete Isaak und sprach zu ihm:

Siehe, fern vom Tau der Erde soll dein Wohnsitz sein
und fern vom Tau des Himmels droben!

34
Von deinem Schwerte sollst du leben

und deinem Bruder untertänig sein.
Wenn du aber groß wirst
und sein Joch von deinem Nacken schüttelst,
dann begehst du eine Sünde bis zum Tod,
und dein Stamm wird unterm Himmel ausgerottet werden.

35
Da bedrohte Esau den Jakob

wegen des Segens, womit ihn sein Vater segnete,
und er sprach in seinem Herzen:
Wenn die Tage der Trauer um meinen Vater kommen,
dann werde ich meinen Bruder Jakob töten.


27. Kapitel: Jakobs Reise zu Laban
1
Der Rebekka aber wurden die Reden ihres ältern Sohnes Esau

im Traume geoffenbart;
da rief sie ihren jüngern Sohn Jakob
und sprach zu ihm:

2
Siehe, dein Bruder Esau sinnt auf Rache an dir,

um dich zu töten.

3
Höre nun, mein Sohn, auf mein Wort!

Mach dich auf,
flieh zu meinem Bruder Laban nach Charan
und bleib einige Zeit bei ihm, bis sich deines Bruders Zorn legt
und er von seinem Grimm gegen dich abläßt
und vergißt, was alles du ihm angetan!
Dann schicke ich hin
und lasse dich von dort holen.

4
Da sprach Jakob:

Ich fürchte mich nicht.
Will er mich töten,
dann töte ich ihn.

5
Sie sprach zu ihm:

Ich möchte nicht meine beiden Söhne an Einem Tag verlieren.

[611]
6
Da sprach Jakob zu seiner Mutter Rebekka:

Siehe, du weißt, daß unser Vater alt ist
und nicht mehr sehen kann,
weil seine Augen stumpf geworden sind.
Wenn ich ihn nun verlasse,
dann mißfällt ihm, daß ich ihn verlasse
und von euch gehe,
und so wird mein Vater zürnen und mich verfluchen.
Ich gehe nicht.
Nur wenn er mich fortschickt, gehe ich.

7
Da sprach Rebekka zu Jakob:

Ich will hineingehen und mit ihm reden;
dann wird er dich entlassen.

8
Und Rebekka ging hinein und sprach zu Isaak:

Ich bin meines Lebens überdrüssig
wegen der beiden Chittiterinnen, die Esau geheiratet hat.
Nimmt nun auch Jakob ein Weib von den Töchtern des Landes, die wie jene sind,
wozu lebe ich dann noch?
Schlimm sind ja Kanaans Töchter.

9
Da rief Isaak den Jakob,

segnete und ermahnte ihn;
dann sprach er zu ihm:

10
Nimm dir kein Weib aus Kanaans Töchtern!

Mach dich auf und zieh nach Mesopotamien
zum Hause Betuels, des Vaters deiner Mutter,
und hol dir dort ein Weib,
von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter!

11
Der allmächtige Gott segne dich

und mache dich groß und zahlreich,
daß du zu einem Völkerhaufen werdest,
und Er gebe dir den Segen meines Vaters Abraham,
dir und deinen Nachkommen,
damit du das Land deiner Wanderschaften zu eigen bekommest,
und zwar alles Land, das Gott dem Abraham verlieh!
Zieh hin, mein Sohn, im Frieden!

12
So entließ Isaak den Jakob

und er ging nach Mesopotamien,
zu Laban, dem Sohn des Syrers Betuel
und dem Bruder der Mutter Jakobs, Rebekka.

13
Nachdem Jakob sich auf den Weg nach Mesopotamien gemacht hatte,

ward Rebekkas Geist um ihren Sohn betrübt und sie weinte.

14
Da sprach Isaak zu Rebekka:

Meine Schwester!
Wein nicht wegen meines Sohnes Jakob!
Er wird ja im Frieden hinziehen
und im Frieden heimkehren.

15
Der höchste Gott wird ihn vor allem Bösen behüten und mit ihm sein;

denn er wird ihn in all seinen Tagen nicht verlassen.

[612]
16
Ich weiß ja,

daß Er seine Wege in allem, wohin er geht, lenkt,
bis er im Frieden zu uns zurückkehrt
und wir ihn wohlbehalten sehen.

17
Fürchte nicht seinetwegen, meine Schwester!

Sein Weg ist ja der rechte.
Er ist ein vollkommener Mann und gläubig.
Er wird nicht umkommen. Weine nicht!

18
So tröstete Isaak die Rebekka über ihren Sohn Jakob

und segnete ihn.

19
Jakob aber zog vom Schwurbrunnen gen Charan

im ersten Jahr der zweiten Jahrwoche im 44. Jubiläum.
Und er kam ins Gebirge nach Luz, das ist Bethel,
am Neumond des ersten Monats dieser Jahrwoche,
und er kam abends an den Ort;
da bog er vom Weg, westlich der Straße, in dieser Nacht ab.
Dort schlief er, weil die Sonne untergegangen war.

20
Und er nahm einen der Steine jenes Orts

und legte ihn unter jenen Baum;
– er reiste nämlich allein –
und schlief ein.

21
In dieser Nacht träumte er,

es sei auf die Erde eine Leiter gestellt,
deren Spitze den Himmel berührte,
und die Engel Gottes stiegen auf ihr auf und ab,
und Gott stand auf ihr.

22
Und Er redete mit Jakob und sprach:

Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.
Das Land, worauf du schläfst, gebe ich dir und deinen Nachkommen.

23
Und deine Nachkommen werden sein wie der Sand der Erde

und zahlreich nach West, Ost, Nord und Süd
und alle Länder der Völker werden in dir und deinen Nachkommen gesegnet werden.

24
Ich werde bei dir sein

und dich behüten überall, wohin du gehst,
und dich in Frieden in dies Land heimführen.
Denn ich verlasse dich nicht, bis ich alles getan, was ich dir verheißen.

25
Da erwachte Jakob aus seinem Schlaf und sprach:

Wahrlich, Gottes Haus ist dieser Ort
und ich wußte es nicht.
Und er fürchtete sich und sprach:
Schauerlich ist diese Stätte;
sie ist nichts anderes als Gottes Haus,
und dies ist das Tor des Himmels.

26
Da nahm Jakob frühmorgens den Stein, den er sich zu Häupten gelegt,

und stellte ihn zum Zeichen als Malstein auf
und goß Öl darüber.
Und er hieß diesen Ort Bethel;
vorher hieß er Luz nach dem Namen des Landes.

[613]
27
Dann machte Jakob Gott ein Gelübde:

Wenn Gott mit mir ist
und mich behütet auf diesem Weg, worauf ich jetzt reise,
und mir Brot zu essen und Kleider anzuziehen gibt
und ich in Frieden zu meinem Vaterhaus heimkehre,
dann soll der Herr mir mein Gott sein!
Auch dieser Stein, den ich als Malzeichen hier aufstelle,
soll ein Gotteshaus sein,
und alles, was du mir gibst, will ich dir, mein Gott, verzehnten.


28. Kapitel: Jakob heiratet Lea und Rachel
1
Und er machte sich auf den Weg

und ging nach dem Ostland zu Laban, dem Bruder Rebekkas;
er blieb bei ihm und diente ihm um seine Tochter Rachel eine Jahrwoche.

2
Im ersten Jahr der dritten Jahrwoche sprach er zu ihm:

Gib mir mein Weib, worum ich dir sieben Jahre gedient!
Da sprach Laban zu Jakob:
Ich will dir dein Weib geben.

3
Und Laban bereitete ein Festmahl,

nahm aber seine ältere Tochter Lea
und gab sie Jakob zum Weib,
und zur Leibmagd gab er ihr seine Sklavin Zilpa.
Jakob aber wusste nichts davon,
sondern glaubte, es sei Rachel.

4
So ging er zu ihr ein;

da war es Lea.
Da zürnte Jakob auf Laban und sprach zu ihm:
Warum handelst du so an mir?
Habe ich dir nicht um Rachel gedient
und nicht um Lea?
Warum handelst du an mir unrecht?
Nimm deine Tochter wieder!
Ich gehe, weil du so schlecht an mir handelst.

5
Denn Jakob liebte Rachel mehr als Lea,

weil Leas Augen schwach waren.
Nur ihre Gestalt war sehr schön,
während Rachel schöne Augen
und eine sehr schöne, hübsche Gestalt besaß.

6
Laban sprach nun zu Jakob:

Es ist in unserm Land nicht Sitte,
die jüngere Tochter vor der ältern wegzugeben.
Es ist auch nicht recht, also zu tun;
denn es ist so auf den himmlischen Tafeln angeordnet und geschrieben,
man dürfe nicht die jüngere Tochter vor der ältern weggeben.
Man gibt vielmehr zuerst die ältere her und dann die jüngere.
Wer aber solches tut, den klagen sie im Himmel an

[614]

und wer solches tut, ist nicht gerecht;
vielmehr ist solches Tun vor dem Herrn böse.

7
Du aber gebiete den Israeliten,

sie sollen solches nicht tun!
Sie sollen die jüngere weder heiraten noch weggeben,
bevor sie nicht die ältere haben vorgehen lassen;
denn jenes wäre sehr böse.

8
Und Laban sprach zu Jakob:

Laß die sieben Festtage dieser Einen vorübergehen,
dann gebe ich dir die Rachel,
damit du mir noch weitere sieben Jahre dienest
und meine Schafe weidest,
wie du es in der ersten Jahrwoche tatest.

9
Als die sieben Tage des Festes der Lea vorüber waren,

gab Laban dem Jakob die Rachel,
damit er ihm andere sieben Jahre diene,
und er gab der Rachel die Bilha,
die Schwester der Zilpa, zur Leibmagd.

10
Und er diente abermals sieben Jahre um Rachel;

denn Lea war ihm umsonst gegeben worden.

11
Der Herr aber öffnete Leas Schoß;

sie ward guter Hoffnung
und gebar dem Jakob einen Sohn,
und er hieß ihn Ruben
am vierzehnten Tag des neunten Monats
im ersten Jahr der dritten Jahrwoche.

12
Rachels Schoß aber war verschlossen;

denn der Herr sah,
daß Lea mißachtet, Rachel aber bevorzugt ward.

13
Und Jakob ging wiederum zu Lea,

und sie empfing
und gebar dem Jakob einen zweiten Sohn,
und er hieß ihn Simeon
am einundzwanzigsten des zehnten Monats
im dritten Jahr dieser Jahrwoche.

14
Jakob ging wiederum zu Lea

und sie empfing und gebar ihm einen dritten Sohn
und er hieß ihn Levi
am Neumond des ersten Monats im sechsten Jahr dieser Jahrwoche.

15
Jakob ging abermals zu ihr,

und sie empfing
und gebar ihm einen vierten Sohn
und er hieß ihn Juda
am fünfzehnten des dritten Monats im ersten Jahr der vierten Jahrwoche.

16
Wegen all dessen ward Rachel auf Lea eifersüchtig,

weil sie nicht gebar,
und sie sprach zu Jakob:

[615]

Gib mir Kinder!
Und Jakob sagte:
Habe ich dir deines Leibes Frucht vorenthalten?
Habe ich dich verlassen?

17
Als Rachel sah,

daß Lea dem Jakob vier Kinder geboren hatte,
Ruben, Simeon, Levi und Juda,
sprach sie zu ihm:
Geh zu meiner Leibmagd Bilha,
und sie wird empfangen und mir einen Sohn gebären!

18
So gab sie ihm ihre Leibmagd Bilha zum Weib.

Und er ging zu ihr,
und sie empfing und gebar ihm einen Sohn,
und er hieß ihn Dan
am neunten des sechsten Monats im sechsten Jahr der dritten Jahrwoche.

19
Dann ging Jakob wieder zu Bilha,

und sie empfing
und gebar dem Jakob einen zweiten Sohn,
und Rachel hieß ihn Naphtali
am fünften des siebten Monats im zweiten Jahr der vierten Jahrwoche.

20
Als Lea sah,

daß sie unfruchtbar geworden war und nicht mehr gebar,
wurde sie auf Rachel eifersüchtig,
und so gab sie dem Jakob gleichfalls ihre Leibmagd Zilpa zum Weib.
Sie empfing und gebar einen Sohn,
und Lea nannte ihn Gad
am zwölften des achten Monats im dritten Jahr der vierten Jahrwoche.

21
Dann ging er wieder zu ihr, und sie empfing

und gebar ihm einen zweiten Sohn,
und Lea nannte ihn Asser
am zweiten des elften Monats im fünften Jahr der vierten Jahrwoche.

22
Dann ging Jakob zu Lea,

und sie empfing und gebar einen Sohn
und hieß ihn Issachar
am vierten des fünften Monats im vierten Jahr der vierten Jahrwoche,
und sie gab ihn der Amme.

23
Da ging Jakob wieder zu ihr und sie empfing

und gebar Zwillinge, einen Sohn und eine Tochter.
Und sie hieß den Sohn Zabulon und die Tochter Dina
am siebten des siebten Monats des sechsten Jahres der vierten Jahrwoche.

24
Da ward der Herr wieder der Rachel gnädig

und öffnete ihren Schoß,
und sie empfing und gebar einen Sohn
und hieß ihn Joseph
am Neumond des vierten Monats im sechsten Jahr der vierten Jahrwoche.

25
In den Tagen, wo Joseph geboren ward,

sprach Jakob zu Laban:
Gib mir meine Weiber und Kinder!

[616]

Ich will zu meinem Vater Isaak ziehen
und mir ein Hauswesen gründen.
Ich habe die Jahre zu Ende gebracht,
die ich dir um deine beiden Töchter diente.
Nun will ich zum Hause meines Vaters ziehen.

26
Da sprach Laban zu Jakob:

Bleib bei mir um deinen Lohn
und hüte mir wieder meine Herde,
und empfang deinen Lohn!

27
Da kamen sie miteinander überein,

daß er ihm als Lohn alle Schaf- und Ziegenlämmer gäbe,
die schwarz, scheckig und gesprenkelt geworfen würden;
diese sollten sein Lohn sein.

28
Da warfen alle Schafe scheckige, gefleckte und schwarze,

und diese warfen wieder Lämmer, die ihnen glichen,
und alles mit Flecken gehörte dem Jakob
und das ohne Flecken dem Laban.

29
Jakobs Besitz aber wurde sehr groß,

und er besaß Rinder, Schafe, Esel, Kamele, Sklaven und Sklavinnen.

30
Da wurden Laban und seine Söhne auf Jakob eifersüchtig

und Laban zog seine Schafe von ihm zurück
und warf ein übles Auge auf ihn.


29. Kapitel: Jakobs Flucht
1
Nachdem Rachel den Joseph geboren hatte,

ging Laban hin, seine Schafe zu scheren;
sie waren nämlich drei Tagereisen von ihm entfernt.

2
Jakob sah es,

wie Laban hinging, seine Schafe zu scheren.
Da rief Jakob Lea und Rachel herbei
und sprach ihnen zu,
sie sollten mit ihm nach dem Lande Kanaan ziehen.

3
Er erzählte ihnen nämlich,

wie er im Traum alles erfahren habe,
ja auch alles, was Er mit ihm geredet hatte,
daß er in sein Vaterhaus zurückkehren solle.
Und sie sprachen:
Wir gehen mit dir an jeden Ort, wohin du gehst.

4
Da pries Jakob den Gott seines Vaters Isaak

und den seines Großvaters Abraham;
dann machte er sich auf,
lud seine Weiber und Kinder auf,
nahm seine ganze Habe,
zog über den Fluß und kam ins Land Gilead.
Jakob aber hatte vor Laban seinen Entschluß verborgen
und ihm nichts gesagt.

5
Am einundzwanzigsten des ersten Monats
[617]

im siebten Jahr der vierten Jahrwoche
zog Jakob nach Gilead.
Laban verfolgte ihn
und traf den Jakob im Gebirge Gilead am dreizehnten des dritten Monats.

6
Der Herr aber ließ nicht zu,

daß er dem Jakob Böses tat;
denn Er erschien ihm bei Nacht im Traum.
Und Laban redete mit Jakob.

7
Da bereitete am fünfzehnten Tag Jakob dem Laban und seinem Gefolge

ein Festmahl.
An diesem Tag schwur Jakob dem Laban, ebenso Laban dem Jakob,
es wolle keiner gegen den anderen in böser Absicht
das Gebirge Gilead überschreiten.

8
Und er errichtete hier einen Steinhaufen zum Zeugnis;

deshalb hieß diese Stätte „Steinhaufen des Zeugnisses“ nach diesem Hügel.

9
Früher aber hieß das Land Gilead „das Land der Rephaiter“;

denn es war das Rephaiterland,
und die Rephaiter wurden dort geboren,
Riesen, die zehn, neun und acht Ellen
bis herunter zu sieben Ellen lang waren.

10
Ihr Wohnsitz reichte vom Land der Kinder Ammons bis zum Hermonsberg,

und die Sitze ihres Königreiches waren Karnaim,
Astarot, Edrei, Misur und Beon.

11
Der Herr aber vernichtete sie wegen der Bosheit ihrer Werke;

denn sie waren sehr boshaft.
Dann wohnten die Amoriter an ihrer Statt, bös und sündhaft;
es gibt ja heute kein Volk,
das all seine Sünden so aufs äußerste trieb;
sie haben auch kein langes Leben mehr auf Erden.

12
Jakob entließ nun den Laban,

und er zog nach Mesopotamien ins Ostland.
Auch Jakob kehrte nach dem Lande Gilead zurück.

13
Er überschritt den Jabbok am elften des neunten Monats.

An diesem Tag kam sein Bruder Esau zu ihm;
da versöhnte er sich mit ihm
und dieser zog von ihm weg ins Land Seir;
Jakob aber wohnte in Zelten.

14
Im ersten Jahr der fünften Jahrwoche in diesem Jubiläum

überschritt er den Jordan und ließ sich jenseits des Jordans nieder;
er weidete seine Schafe vom Salzmeer bis Betsean und Dotain
und bis zum Wald von Akrabbim.

15
Und er sandte seinem Vater Isaak von all seinem Besitz,

Kleider, Nahrung, Fleisch,
Getränke, Milch, Öl, Käse und Datteln des Tales.

16
Ebenso seiner Mutter Rebekka viermal des Jahres

zwischen den Monatszeiten, zwischen Pflügezeit und Ernte,
zwischen Herbst und Regenzeit
und zwischen Winter und Frühling zum Turm des Abraham.

[618]
17
Denn Isaak war vom Schwurbrunnen umgekehrt

und zum Turm seines Vaters Abraham hinaufgezogen;
dort wohnte er ferne von seinem Sohn Esau.

18
Denn damals, als Jakob nach Mesopotamien gezogen war,

hatte Esau die Mahalat, Ismaels Tochter, geheiratet;
dann sammelte er alle Herden seines Vaters und seine Weiber um sich,
zog hinauf und ließ sich auf dem Gebirge Seir nieder;
so hatte er seinen Vater Isaak beim Schwurbrunnen alleingelassen.

19
Auch Isaak war vom Schwurbrunnen weggezogen

und wohnte nun im Turm seines Vaters Abraham
auf dem Gebirge von Hebron.

20
Dorthin schickte nun Jakob alles,

was er seinem Vater und seiner Mutter je von Zeit zu Zeit schickte,
all ihren Bedarf,
und sie segneten Jakob aus ganzem Herzen und ganzer Seele.


30. Kapitel: Blutbad zu Sichem. Levis Erwählung
1
Im ersten Monat des ersten Jahres der sechsten Jahrwoche

zog er im Frieden nach Salem hinauf, das östlich von Sichem liegt.

2
Dort aber raubten sie Jakobs Tochter Dina

und verschleppten sie ins Haus Sichems,
des Sohnes des hiwitischen Landesfürsten Hemor,
und dieser schlief mit ihr und befleckte sie;
sie aber war ein kleines Mädchen, ein Kind von zwölf Jahren.

3
Da bat er ihren Vater und ihre Brüder,

man möge sie ihm zum Weibe geben.
Jakob aber und seine Söhne zürnten auf Sichems Männer,
weil sie ihre Schwester befleckt hatten,
und sie redeten mit ihnen in böser Absicht,
überlisteten und betrogen sie.

4
Und Simeon und Levi zogen plötzlich nach Sichem

und hielten Gericht über alle Männer Sichems
und töteten jeden Mann, den sie darin fanden,
und ließen auch nicht einen darin übrig;
sie töteten alle unter Qualen,
weil sie ihre Schwester verunreinigt hatten.

5
Es soll auch fortan nicht mehr geschehen,

daß eine Tochter Israels befleckt werde;
denn im Himmel ward über jene die Strafe verhängt,
daß diese mit dem Schwert alle Männer Sichems erschlugen,
weil sie eine Schandtat an Israel verübten.

6
Und der Herr überlieferte sie in die Hände der Jakobssöhne,

damit sie sie mit dem Schwert ausrotteten
und Gericht über sie hielten
und daß es nicht mehr in Israel geschehe,
daß eine israelitische Jungfrau befleckt werde.

[619]
7
Gibt es aber in Israel einen Mann,

der seine Tochter oder Schwester irgendeinem Heiden geben will,
der soll sicherlich des Todes sterben,
und man soll ihn steinigen;
denn er verübt an Israel eine Schandtat.
Das Weib aber sollen sie verbrennen,
weil es den Namen seines Vaterhauses verunreinigt,
und es soll aus Israel getilgt werden.

8
Auch keine Ehebrecherin, noch irgendwelche Unreinheit

soll sich in Israel während irgendeiner Zeit der Erdengeschlechter finden;
denn Israel ist dem Herrn heilig,
und jeder, der es verunreinigt, soll sicherlich des Todes sterben;
man soll ihn nämlich steinigen.

9
Denn so steht es auf den himmlischen Tafeln

über Israels ganzen Stamm angeordnet und geschrieben:
Wer es verunreinigt, soll sterben, und zwar soll er gesteinigt werden.

10
Für dies Gesetz gibt es keine zeitliche Einschränkung,

noch Vergebung, noch Verzeihung;
vielmehr soll der Mann, der seine Tochter verunreinigt,
aus Israel ausgerottet werden,
weil er von seiner Nachkommenschaft dem Moloch gibt
und so die Sünde begeht, es zu beflecken.

11
Du aber, Moses, gebiete den Israeliten und ermahne sie,

ihre Töchter nicht den Heiden zu geben
und für ihre Söhne keine Heidentöchter zu nehmen;
denn dies ist vor dem Herrn abscheulich!

12
Deshalb schrieb ich für dich in den Gesetzesworten alle Taten der Sichemiten auf,

alles, was sie an Dina verübten,
und wie Jakobs Söhne sprachen, indem sie sagten:
Wir geben unsere Tochter keinem Mann, der eine Vorhaut hat;
denn das wäre für uns eine Schmach.

13
Es ist eine Schmach für Israel,

für die, die Töchter geben,
wie für die, die Heidentöchter nehmen;
denn dies ist für Israel unrein und verabscheuungswürdig.

14
Israel wird von dieser Unreinheit nicht frei,

wenn es von den Heidentöchtern ein Weib hat
oder wenn es eine seiner Töchter einem Heiden gegeben hat.

15
Denn Plage über Plage, Fluch über Fluch kommt,

ja allerlei Strafe, Plage und Fluch,
wenn es dies tut
oder wenn es seine Augen zudrückt vor denen, die Unreinheit begehen,
und vor denen, die des Herrn Heiligtum entweihen
und vor denen, die seinen heiligen Namen beflecken;
es wird das ganze Volk gemeinsam
wegen all dieser Unreinheit und Befleckung gerichtet werden.

16
Dabei gibt es dann kein Ansehen der Person

(noch eine Rücksichtnahme auf Personen),

[620]

und dann werden weder Früchte noch Opfer noch Brandopfer noch Fett
noch wohlriechendes Räucherwerk aus seinen Händen
zum Wohlgefallen angenommen;
und so geht es jedem Mann und jedem Weib, die das Heiligtum entweihen.

17
Deshalb befahl ich dir:

Bezeuge dies Zeugnis für Israel!
Siehe, wie es den Sichemiten und ihren Söhnen ging,
wie sie den Händen der beiden Jakobssöhne ausgeliefert wurden,
und wie diese sie unter Qualen töteten,
und wie es ihnen zur Gerechtigkeit angerechnet und angeschrieben wurde.

18
Levis Nachkommenschaft ward zum Priestertum erwählt,

ebenso zu Leviten, daß sie vor dem Herrn dienten, wie wir, beständig;
auch sind Levi und seine Söhne in Ewigkeit gesegnet.
Denn er eiferte, Gerechtigkeit, Gericht und Rache an allen auszuüben,
die sich gegen Israel erheben.

19
Und so schreiben sie, als ein Zeugnis zu seinen Gunsten,

auf den himmlischen Tafeln von seinem Segen und seiner Gerechtigkeit vor dem Gott aller,

20
Wir aber gedenken der Gerechtigkeit,

die der Mann in seinem Leben durch alle Jahreszeiten übte.
Bis zu tausend Geschlechtern berichten sie es,
und so wird ihm in seinen Nachkommen geschehen.
Er ist auch als Freund und Gerechter auf den himmlischen Tafeln aufgeschrieben,

21
Ich schrieb dir all dies auf und gebot dir,

den Israeliten zu sagen,
sie sollten keine Sünde tun, noch die Satzungen übertreten,
noch den für sie angeordneten Bund brechen,
sondern ihn halten, damit sie als Freunde aufgezeichnet würden.

22
Übertreten sie ihn aber

und wandeln sie auf lauter Wegen der Unreinheit,
dann werden sie auf den himmlischen Tafeln als Feinde aufgeschrieben
und aus dem Buch des Lebens getilgt werden.
Dann werden sie in das Buch derer, die umkommen, geschrieben,
und zwar zusammen mit denen, die von der Erde vertilgt werden.

23
An dem Tag, wo die Jakobssöhne die Sichemiten töteten,

ward im Himmel zu ihren Gunsten eine Schrift aufgezeichnet,
daß sie Gerechtigkeit, Recht und Rache an den Sündern geübt hätten,
und dies ward zum Segen aufgeschrieben.

24
Sie führten nun ihre Schwester aus Sichems Haus heraus

und nahmen alles in Sichem als Beute mit,
ihre Schafe, Rinder, Esel, all ihre Herden und all ihren Besitz
und brachten alles zu ihrem Vater Jakob.

25
Er aber tadelte sie,

daß sie die Stadt mit dem Schwerte geschlagen hätten.
Denn er fürchtete sich vor den Bewohnern des Landes,
den Kanaanitern und Perizzitern.

26
Und der Schrecken des Herrn lag auf allen Städten rings um Sichem,

und sie erhoben sich nicht, die Jakobssöhne zu verjagen;
denn Schrecken hatte sie befallen.


[621]
31. Kapitel: Isaaks Segen über Levi und Juda
1
Am Neumond des Monats sagte Jakob zu allen Leuten seines Hauses:

Reinigt euch und wechselt eure Kleider!
Wir wollen uns aufmachen und nach Bethel ziehen,
wo ich am Tag meiner Flucht vor meinem Bruder Esau
ein Gelübde machte
dem, der mit mir war und mich in dieses Land heil heimkehren ließ.
Schaffet die fremden Götter, die unter euch sind, weg!

2
Da nahmen sie die fremden Götter weg,

ebenso was an ihren Ohren und ihrem Halse war;
auch die Götzen, die Rachel ihrem Vater Laban gestohlen hatte,
gab sie alle dem Jakob.
Da verbrannte und zerstieß er sie;
so vernichtete er sie
und verbarg sie unter der Eiche im Lande Sichems.

3
Dann zog er am Neumond des siebten Monats nach Bethel hinauf.

Er erbaute an der Stätte, wo er geschlafen hatte, einen Altar
und errichtete dort einen Malstein;
dann sandte er zu seinem Vater Isaak,
er möchte zu ihm an seinen Altar kommen;
ebenso schickte er zu seiner Mutter Rebekka.

4
Da sprach Isaak:

Laßt meinen Sohn Jakob kommen!
Ich möchte ihn sehen, bevor ich sterbe.

5
Da ging Jakob zu seinem Vater Isaak und seiner Mutter Rebekka

nach seines Vaters Abrahams Haus;
dabei nahm er zwei seiner Söhne, Levi und Juda, mit sich.
So kam er zu seinem Vater Isaak und seiner Mutter Rebekka.

6
Da kam Rebekka aus dem Turm an seine Türe,

Jakob zu küssen und zu umarmen;
denn ihr Geist lebte wieder auf, als sie hörte:
Siehe, dein Sohn Jakob ist gekommen.
Und sie küßte ihn.

7
Dann erblickte sie seine beiden Söhne,

erkannte sie und sprach zu ihm:
Das sind deine Söhne, mein Sohn?
Und sie umarmte, küßte und segnete sie,
indem sie sprach:
In euch werde Abrahams Stamm berühmt
und ihr sollt euch als Segen auf Erden erweisen!

8
Dann ging Jakob zu seinem Vater Isaak in sein Schlafgemach,

während seine beiden Söhne bei ihm waren.
Er ergriff nun seines Vaters Hand
und sich niederbeugend, küßte er ihn.
Da hing sich Isaak an seines Sohnes Jakob Hals
und weinte daran.

9
Da wich der Schatten von Isaaks Augen,
[622]

und er sah Jakobs beide Löhne, Levi und Juda,
und er sprach: Sind das deine Söhne, mein Sohn?
Sie gleichen dir ja.

10
Da sagte er zu ihm, sie seien wirklich seine Söhne:

„Richtig hast du gesehen, daß sie wirklich meine Söhne sind.“

11
Da traten sie zu ihm heran,

und er wandte sich um,
küßte sie und umarmte sie beide zugleich.

12
Da kam der Geist der Weissagung in seinen Mund herab,

und er faßte Levi mit der rechten Hand
und Juda mit der linken.

13
Nun wandte er sich zuerst an Levi

und begann, ihn zuerst zu segnen und sprach zu ihm:
Dich und deine Söhne segne der Gott aller, der wahre Herr aller Zeiten,
in alle Ewigkeit!

14
Es gebe der Herr dir und deinen Nachkommen Größe und herrlichen Ruhm!

Er lasse von allem Fleisch dich und deine Nachkommen näher treten,
daß sie in seinem Heiligtum dienen
wie die Engel des Angesichts und wie die Heiligen!
Gleich ihnen soll die Nachkommenschaft deiner Söhne
zu Ruhm, Größe und Heiligkeit gelangen!
Er mache sie groß in alle Ewigkeiten!

15
Sie sollen Fürsten, Priester und Herrscher aller Nachkommen der Jakobssöhne werden!

Das Wort des Herrn sollen sie in Wahrheit verkünden
und all seine Urteilssprüche in Gerechtigkeit vollziehen
und meine Wege Jakob künden
und meine Pfade Israel!
Der Segen des Herrn wird in ihren Mund gegeben,
um alle Nachkommen des Geliebten zu segnen.

16
Deine Mutter nannte dich Levi,

und mit Recht hieß sie dich so.
Du wirst dem Herrn anhangen
und ein Genosse allen Jakobssöhnen sein.
Sein Tisch sei der deine!
Du und deine Söhne sollt davon essen!
Dein Tisch aber sei durch alle Geschlechter voll
und deine Speise fehle nie in alle Ewigkeiten!

17
Alle deine Hasser sollen vor dir niederfallen

und alle deine Feinde sollen vertilgt werden und umkommen!
Wer aber dich segnet, sei gesegnet,
und jedes Volk, das dir flucht, sei verflucht!

18
Dann sprach er auch zu Juda:

Es verleihe dir der Herr Kraft und Stärke,
daß du alle niedertretest, die dich hassen!
Sei ein Fürst, du und einer deiner Söhne, über die Jakobssöhne!
Es gehe dein Name und deiner Söhne Name weit hinaus
und verbreite sich über jedes Land und jede Gegend!
Dann fürchten sich die Heiden vor deinem Antlitz,

[623]

und alle Nationen werden bestürzt
(und alle Völker werden bestürzt).

19
Auf dir beruhe Jakobs Hilfe!

In dir werde Israels Heil gefunden!

20
Wann du auf dem ruhmvollen Thron deiner Gerechtigkeit sitzest,

dann herrscht tiefer Frieden
bei allen Nachkommen der Söhne des Geliebten.
Wer dich segnet, sei gesegnet!
Alle, die dich hassen, quälen und verfluchen,
sollen von der Erde vertilgt und vernichtet werden
und verflucht sein!

21
Dann wandte er sich um,

küßte ihn abermals,
umarmte ihn
und freute sich sehr,
daß er die Söhne seines Sohnes Jakob wirklich gesehen hatte.

22
Da ging er zwischen seinen Füßen hervor,

fiel nieder und verneigte sich vor ihm;
da segnete er sie.
Und er ruhte hier nahe bei seinem Vater Isaak in dieser Nacht,
und sie aßen und tranken in Freude.

23
Und er ließ die beiden Söhne Jakobs,

den einen rechts, den andern links von ihm, schlafen
und dies ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.

24
Und Jakob erzählte seinem Vater in der Nacht alles,

wie ihm der Herr große Gnade erwiesen,
und wie er ihn auf all seinen Wegen begünstigt
und ihn vor allem Bösen geschützt habe.

25
Da pries Isaak seines Vaters Abraham Gott,

der sein Erbarmen und seine Gerechtigkeit
dem Sohn seines Knechtes Isaak nicht entzogen hatte.

26
Am Morgen berichtete Jakob seinem Vater Isaak

von dem Gelübde, das er dem Herrn gemacht,
und von dem Gesicht, das er geschaut,
und daß er den Altar gebaut habe,
und daß alles für das Opfer bereit sei,
um es dem Herrn, wie er gelobt, darzubringen,
und daß er gekommen sei,
ihn auf einen Esel zu laden.

27
Da sprach Isaak zu seinem Sohn Jakob:

Ich kann nicht mit dir ziehen;
denn ich bin alt und kann die Reise nicht mehr aushalten.
Zieh hin, mein Sohn, im Frieden!
Denn heute bin ich 165 Jahre alt.
Ich kann nicht mehr reisen.
Lade deine Mutter auf, daß sie mit dir gehe!

28
Ich weiß ja, mein Sohn,

daß du meinetwegen gekommen bist.

[624]

So sei auch dieser Tag gesegnet, an dem du mich noch lebend siehst
und auch ich dich sehe, mein Sohn!

29
Vollziehe mit Glück das Gelübde, das du gemacht hast,

und zögere nicht mit deinem Gelübde!
Denn du wirst zur Rechenschaft über das Gelübde gezogen werden.
Deshalb vollziehe es eilends!
Und der Schöpfer aller Dinge habe an deinem Gelübde Gefallen!

30
Und er sprach zu Rebekka:

Zieh mit deinem Sohn Jakob!
Da ging Rebekka mit ihrem Sohn Jakob
in Begleitung der Debora,
und sie gelangten nach Bethel.

31
Da gedachte Jakob des Gebetes,

womit sein Vater ihn und seine beiden Söhne Levi und Juda gesegnet hatte,
und er freute sich und pries den Gott seiner Väter Abraham und Isaak.

32
Und er sprach:

Jetzt weiß ich, daß ich eine ewige Hoffnung habe,
ebenso meine Söhne vor dem Gott des Alls.
So ist es auch für die beiden angeordnet,
und man berichtet für sie als ewiges Zeugnis auf den himmlischen Tafeln,
wie Isaak sie gesegnet hatte.


32. Kapitel: Jakobs Visionen. Rachels Tod (Gen. 35)
1
In dieser Nacht blieb er in Bethel.

Da träumte Levi,
man hätte ihn zum Priester des höchsten Gottes ausgesetzt und gemacht,
ihn und seine Söhne für immer.
Als er aus dem Schlaf erwachte, pries er den Herrn.

2
Dann erhob sich Jakob früh

am Morgen des vierzehnten dieses Monats
und verzehntete alles, was mit ihm gekommen war,
vom Menschen bis zum Vieh,
vom Geld bis zu jeglichem Gerät und Gewand.
So verzehntete er alles.

3
In diesen Tagen ging Rachel mit ihrem Sohn Benjamin schwanger.

Und Jakob zählte von ihm aufwärts seine Söhne ab,
und Levi fiel auf das Los des Herrn;
da bekleidete ihn sein Vater mit den priesterlichen Gewändern
und füllte seine Hände.

4
Am fünfzehnten dieses Monats brachte er auf den Altar

vierzehn Stiere, achtundzwanzig Widder,
neunundvierzig Schafe, sechzig Böcke und neunundzwanzig Ziegenböcke
als Brandopfer auf den Opferaltar,
ein wohlgefälliges Opfer zu süßem Duft vor Gott.

5
Dies war seine Gabe gemäß des von ihm gemachten Gelübdes,

daß er den Zehnten geben wolle,
samt ihrem Frucht- und Trankopfer.

[625]
6
Als es das Feuer verzehrte,

verbrannte er Weihrauch über dem Feuer
und als Mahlopfer noch zwei Stiere, vier Widder, vier Schafe, vier Böcke,
sowie zwei einjährige Schafe und zwei Ziegenböcke.
So tat er täglich sieben Tage lang.

7
Er aß mit allen Söhnen und Leuten dort sieben Tage in Freuden,

pries den Herrn
und dankte ihm, der ihn aus all seiner Not gerettet
und ihn sein Gelübde erfüllen ließ.

8
Er verzehntete auch alles reine Vieh

und veranstaltete ein Brandopfer;
alles unreine Vieh gab er seinem Sohn Levi,
ebenso alle Menschenseelen.

9
Und Levi ward in Bethel Priester vor seinem Vater Jakob;

er ward dabei seinen zehn Brüdern vorgezogen.
So war er dort Priester und übergab ihm sein Gelobtes.
So zehntete er wiederum dem Herrn
und weihte es, so daß es Ihm geweiht war.

10
Deshalb ist es auf den himmlischen Tafeln als Gesetz angeordnet,

den zweiten Zehnten zu zehnten
und ihn Jahr für Jahr vor dem Herrn zu essen,
und zwar an dem Ort, der dafür ausgewählt ist,
daß Sein Name darin wohne.
Für dies Gesetz gibt es keine zeitliche Einschränkung.

11
Diese Ordnung ist aufgeschrieben,

daß sie Jahr für Jahr erfüllt werde,
nämlich den Zehnten zweimal vor dem Herrn
an dem ausgewählten Ort zu verzehren;
man darf davon nichts von diesem Jahr für das folgende übriglassen.

12
Vielmehr muß das Gesäte während seiner Ernte in diesem Jahre verzehrt werden,

ebenso der Wein während der Weinlese
und das Öl während seiner Jahreszeit.

13
Alles, was davon übrigbleibt und was alt wird,

muß als befleckt gelten.
Man verbrenne es;
denn es ist unrein!

14
Sie sollen es so gemeinsam im Heiligtum verzehren

und nicht alt werden lassen.

15
Alle Zehnten von Rindern und Schafen sollen dem Herrn heilig sein

und seinen Priestern gehören,
und diese sollen sie vor ihm Jahr für Jahr verzehren:
denn so steht es für den Zehnten
auf den himmlischen Tafeln angeordnet und eingegraben.

16
In der folgenden Nacht, am zweiundzwanzigsten dieses Monats,

beschloß Jakob, diese Stätte zu bebauen,
den Hof mit einer Mauer zu umgeben,
sie zu weihen und zu heiligen,
auf immer für sich und seine Nachkommen.

[626]
17
Da erschien ihm der Herr bei Nacht,

segnete ihn und sprach zu ihm:
Du sollst nicht mehr Jakob,
sondern Israel heißen.

18
Dann sprach er abermals zu ihm:

Ich bin der Herr, der Himmel und Erde erschaffen hat.
Ich werde dich sehr groß und zahlreich machen,
und Könige werden von dir abstammen;
sie herrschen überall, wohin der Fuß der Menschenkinder tritt.

19
Ich gebe deinen Nachkommen die ganze Erde unterm Himmel,

und sie werden nach ihren Wünschen alle Völker beherrschen
und hernach die ganze Erde besitzen
und sie sich in Ewigkeit zu eigen machen.

20
Dann beendete er seine Unterredung mit ihm und fuhr vor ihm auf,

und Jakob sah zu, bis er in den Himmel aufgefahren war.

21
Dann sah er in einem Nachtgesicht,

wie ein Engel, mit sieben Tafeln in den Händen,
vom Himmel herabkam,
und er gab sie Jakob.
Dieser las sie und las alles, was darauf geschrieben stand,
was nämlich ihm und seinen Söhnen bis in alle Ewigkeit geschehen werde.

22
Und er zeigte ihm alles,

was auf den Tafeln geschrieben stand, und sagte zu ihm:
Bebaue nicht diese Stätte!
Mach sie zu keinem Heiligtum für immer
und bleib hier nicht wohnen!
Denn dies ist nicht der Ort hierfür.
Geh zu deines Vaters Abraham Haus
und wohne bei deinem Vater Isaak bis zu deines Vaters Todestag!

23
Denn du wirst in Ägypten sterben

und hier in diesem Land in Ehren in deiner Väter Gräbern mit Abraham und Isaak begraben werden.

24
Fürchte dich nicht!

So wie du gesehen und gelesen hast, wird ja alles sein.
Schreib nun alles auf,
wie du es gesehen und gelesen hast!

25
Da sprach Jakob:

Herr! Wie kann ich alles behalten,
was ich gelesen und gesehen habe?
Er sprach zu ihm:
Ich will machen, daß du alles behältst.

26
Und er fuhr vor ihm auf.

Da erwachte er aus seinem Schlaf
und erinnerte sich an alles Gelesene und Gesehene;
da schrieb er alle Dinge auf,
die er gelesen und gesehen hatte.

27
Er hielt hier noch einen Festtag

und opferte an ihm ganz so,
wie er in den ersten Tagen geopfert hatte.

[627]

Er hieß ihn „Zusatz“;
denn er ward hier zugesetzt;
die ersten aber nannte er „das Fest“.

28
So ward es offenkundig, daß es so geschehen sollte.

Es steht auch auf den himmlischen Tafeln geschrieben,
und deshalb ward ihm geoffenbart,
er solle ihn feiern und zu den sieben Festtagen hinzufügen.

29
Sein Name ist „Zusatz“,

weil er zu den Festtagen gemäß der Zahl der Tage im Jahr hinzukommt.

30
Am dreiundzwanzigsten dieses Monats

starb in der Nacht Rebekkas Amme Debora,
und sie begruben sie unterhalb der Stadt unter der Eiche am Flusse;
er nannte diese Stätte den „Fluß der Debora“
und die Eiche „Deboras Klageeiche“.

31
Dann zog Rebekka ab

und kehrte in ihr Haus zu seinem Vater Isaak zurück,
und Jakob sandte durch sie Widder, Schafe und Böcke,
damit sie seinem Vater eine Speise bereite, wie er sie wünschte.

32
Er aber folgte seiner Mutter,

bis er sich dem Lande Kabratan näherte,
und hier blieb er.

33
Rachel aber gebar bei Nacht einen Sohn

und hieß ihn „Sohn meines Schmerzes“;
denn sie hatte eine schwere Geburt.
Sein Vater aber hieß ihn Benjamin
am elften Tag des achten Monats
im ersten Jahr der sechsten Jahrwoche in diesem Jubiläum.

34
Rachel starb dort und ward im Lande Ephrata, d. i. Betlehem, begraben,

und Jakob baute auf Rachels Grab einen Malstein,
am Wege über ihrem Grab.


33. Kapitel: Rubens Sünde. Jakobs Kinder (Gen 35, 22 ff)
1
Jakob zog weiter

und wohnte südlich vom Herdenturm bei Ephrat.
Dann zog er zu seinem Vater Isaak mit seinem Weibe Lea
am Neumond des zehnten Monats.

2
Ruben aber sah,

wie Rachels Leibmagd und seines Vaters Nebenweib Bilha insgeheim badete,
und er gewann sie lieb.

3
So kam er bei Nacht heimlich in das Haus der Bilha.
4
Da schlief er mit ihr;

sie aber erwachte
und sah, wie Ruben mit ihr in dem Bette schlief.
Da deckte sie den Saum ihrer Decke auf,
hielt ihn, schrie und erkannte, daß es Ruben war.

5
Da schämte sie sich seinetwegen
[628]

und ließ ihre Hand von ihm;
da floh er.

6
Und sie klagte darob gar sehr,

sagte es aber niemanden.

7
Als aber Jakob kam und sie suchte,

sprach sie zu ihm:
Ich bin für dich nicht rein;
denn für dich bin ich befleckt.
Ruben hat mich nämlich befleckt
und bei Nacht mit mir geschlafen,
während ich schlief und nichts wußte,
bis er meine Decke aufhob und mit mir schlief.

8
Da ward Jakob sehr böse auf Ruben,

daß er mit Bilha geschlafen hatte;
denn er hatte seines Vaters Schoß aufgedeckt.

9
Und Jakob nahte ihr nicht mehr,

weil Ruben sie befleckt hatte.
Und für jeden Menschen, der seines Vaters Schoß aufdeckt,
ist dies sein Tun sehr schlimm;
denn er ist vor dem Herrn abscheulich.

10
Deshalb steht auf den himmlischen Tafeln geschrieben und angeordnet,

daß kein Mensch mit seines Vaters Weib schlafen
oder seines Vaters Schoß aufdecken dürfe;
denn das ist unrein.
Sowohl der Mann, der mit seines Vaters Weibe schläft,
als auch das Weib sollen des Todes sterben;
denn sie taten Unreines auf Erden.

11
Es soll nichts Unreines vor unserm Gott in dem Volke geben,

das er sich zum Eigentum erwählt hat.

12
Und wiederum ist geschrieben:

Verflucht sei, wer mit seines Vaters Weibe schläft!
Denn er hat seines Vaters Blöße aufgedeckt.
Und alle Heiligen des Herrn sprachen:
So sei es! So sei es!

13
Du aber, Moses, gebiete den Israeliten,

daß sie dies Wort beachten!
Denn es ist eine Todesschuld und unrein.
Es gibt auch in Ewigkeit keine Verzeihung und Sühne für den Mann, der dies tut;
er ist vielmehr hinzurichten, durch Steinigung zu töten
und so aus der Mitte unseres Gottesvolkes zu vertilgen.

14
Denn keinem Menschen, der dies in Israel tut, ist’s vergönnt,

nur Einen Tag auf Erden noch zu leben,
da er verworfen und unrein ist.

15
Man soll nicht sagen:

Ruben erhielt Leben und Verzeihung,
nachdem er mit seines Vaters Nebenweib geschlafen,
während sie noch einen Mann hatte,
und während ihr Mann, sein Vater Jakob, noch am Leben war.

[629]
16
Denn bis dahin waren eben die Satzung, das Gericht und das Gesetz

noch nicht vollkommen allen geoffenbart.
Erst in deinen Tagen ist als ein Gesetz für bestimmte Zeiten und Tage geoffenbart;
es ist aber ein ewiges Gesetz für ewige Geschlechter.

17
Für dies Gesetz gibt es keinen zeitlichen Endpunkt

und keinerlei Verzeihung dafür,
außer daß beide aus dem Volk getilgt werden;
am gleichen Tag noch, wo sie’s getan, soll man sie töten.

18
Du aber, Moses, schreib es für Israel auf,

damit sie es beachten und nach diesem Worte handeln
und sich nicht in Todsünden verstricken;
denn der Herr, unser Gott, ist ein Richter,
der nicht die Person ansieht und kein Geschenk annimmt!

19
Verkünde ihnen diese Bundesworte,

daß sie hören und sich hüten
und auf der Hut davor sind und nicht umkommen
noch von der Erde vertilgt werden!
Denn Unreinheit, Greuel, Befleckung und Entweihung
sind alle, die das auf Erden tun, vor unserm Gott.

20
Es gibt ja keine größere Sünde

als die Hurerei, die sie auf Erden treiben.
Denn Israel ist für den Herrn, seinen Gott,
ein heiliges Volk und ein Erbvolk;
es ist ein priesterliches und königliches Volk und Sein Eigentum;
deshalb soll sich nichts Unreines inmitten des heiligen Volkes zeigen.

21
Im dritten Jahr dieser sechsten Jahrwoche zog Jakob mit all seinen Söhnen ab

und ließ sich in Abrahams Hans nieder,
nahe bei seinem Vater Isaak und seiner Mutter Rebekka.

22
So heißen die Kinder Jakobs:

Sein Erstgeborener Ruben, dann Simeon, Levi, Juda,
Issachar und Zabulon, Leas Söhne.
Die Söhne der Rachel waren Joseph und Benjamin,
die Söhne der Bilha Dan und Naphtali;
die Söhne der Zilpa Gad und Asser.
Leas Tochter Dina war Jakobs einzige Tochter.

23
Sie gingen nun hin und verneigten sich vor Isaak und Rebekka;

als diese sie sahen,
segneten sie Jakob und all seine Söhne.
Isaak freute sich recht,
daß er die Kinder seines jungen Sohnes Jakob noch sah,
und segnete sie.


34. Kapitel: Amoriterkämpfe. Josephs Verkauf
1
Im sechsten Jahr dieser Jahrwoche in diesem 44. Jubiläum

schickte Jakob seine Söhne aus,
ihre Schafe zu hüten,
und seine Knechte waren bei ihnen auf Sichems Gefilde.

[630]
2
Da sammelten sich gegen sie die sieben Amoriterkönige,

sie zu töten;
sie versteckten sich daher unter den Bäumen;
auch wollten jene ihr Vieh erbeuten.

3
Jakob, Levi, Juda und Joseph aber waren zu Hause bei ihrem Vater Isaak;

denn sein Geist war bekümmert
und so konnten sie ihn nicht allein lassen.
Benjamin aber war der jüngste
und war deshalb bei seinem Vater geblieben.

4
Es kamen nun der König von Tappua, der König von Hazor,

der König von Seragan, der König von Silo, der König von Gaas,
der König von Bet Horon und der König von Sakir Maani,
eben alle, die in diesen Bergen und in Kanaans Wäldern wohnten.

5
Da meldete man dem Jakob:

Siehe, die Amoriterkönige haben deine Söhne umzingelt
und ihre Herden geraubt!

6
Da machte er sich von seinem Hans auf,

er mit seinen drei Söhnen, allen Knechten seines Vaters und seinen eigenen
und zog gegen sie mit 6000 Schwertträgern.

7
Und er schlug sie auf dem Gefilde Sichems,

verfolgte die Fliehenden
und tötete sie mit des Schwertes Schärfe,
und zwar tötete er die von Hazor, Tappua, Seragan,
Silo, Sakir, Maani und Gaas;
dann gewann er seine Herde wieder.

8
So besiegte er sie und legte ihnen Tribut auf,

daß sie ihm ein Fünftel der Frucht ihres Landes als Tribut bringen mußten;
dann baute er Arbela und Timnatheres auf.

9
So kehrte er heil heim und machte Frieden mit ihnen,

und sie wurden seine Knechte
bis zu dem Tag, wo er mit seinen Söhnen nach Ägypten zog.

10
Im selben Jahr dieser Jahrwoche

sandte er den Joseph von seinem Haus nach der Gegend von Sichem hin,
sich nach seiner Brüder Wohlbefinden zu erkundigen:
da fand er sie im Lande Dotain.

11
Sie aber handelten an ihm hinterlistig

und machten wider ihn einen Anschlag, ihn zu töten;
sie änderten aber ihren Sinn
und verkauften ihn an ismaelitische Kaufleute;
diese führten ihn nach Ägypten hinab
und verkauften ihn an Potiphar, einen Eunuchen des Pharao,
Oberkoch und Priester der Stadt Heliopolis.

12
Die Söhne Jakobs aber schlachteten einen Ziegenbock,

bespritzten Josephs Gewand mit seinem Blut
und schickten es ihrem Vater Jakob am zehnten des siebten Monats.

13
Er klagte nun diese ganze Nacht –

sie hatten es nämlich am Abend ihm gebracht –
und fieberte in der Trauer um seinen Tod und rief:

[631]

Ein wildes Tier hat Joseph gefressen.
Und es klagten mit ihm alle Leute seines Hauses an diesem Tag,
und sie trauerten und klagten mit ihm diesen ganzen Tag.

14
Da erhoben sich seine Söhne und seine Tochter, ihn zu trösten;

aber er ließ sich über seinen Sohn nicht trösten.

15
An diesem Tage hörte Bilha,

sah Joseph umgekommen sei;
da starb sie unter Klagen um ihn,
während sie in Kafratef war;
auch seine Tochter Dina starb,
nachdem Joseph verschwunden war.
So kam über Israel in Einem Monat dieses dreifache Leid.

16
Sie begraben Bilha gegenüber Rachels Grab;

auch seine Tochter Dina begruben sie dort.

17
Er selber klagte um Joseph ein Jahr;

er sagte immer: Ich will unter Klagen um meinen Sohn ins Grab steigen.

18
Deshalb ist es den Israeliten anbefohlen,

am zehnten des siebten Monats zu trauern,
an dem Tag, wo die Nachricht, die ihn um Joseph weinen ließ,
zu seinem Vater Jakob kam;
sie sollten sich an ihm durch einen jungen Ziegenbock entsühnen,
am zehnten des siebten Monats, einmal des Jahr, wegen ihrer Sünde;
denn sie kränkten die Liebe ihres Vaters zu seinem Sohn Joseph.

19
Dieser Tag ist dafür festgesetzt, daß sie an ihm sich über ihre Sünde,

überhaupt über all ihr Vergehen und Verirrungen betrüben,
so daß sie sich an diesem Tag einmal des Jahres reinigen.

20
Nachdem Joseph verschwunden war,

nahmen sich Jakobs Söhne Weiber.
Rubens Weib hieß Ada;
Simeons Weib war die Kanaaniterin Adibaa,
Levis Weib war Milka von den Töchtern Arams
und aus dem Stamm der Söhne Teras;
Judas Weib war die Kanaaniterin Bat Sua;
Issachars Weib hieß Hezaka,
Zabulons Weib Niiman,
Dans Weib Egla,
Naphtalis Weib Rasuu aus Mesopotamien,
Gads Weib Maka, Assers Weib Jona.
Das Weib Josephs war die Ägypterin Asenath,
und Benjamins Weib hieß Iska.

21
Simeon aber bekehrte sich

und nahm ein zweites Weib aus Mesopotamien wie seine Brüder.


35. Kapitel: Rebekkas Tod
1
Im ersten Jahr der ersten Jahrwoche im 45. Jubiläum

rief Rebekka ihren Sohn Jakob
und gab ihm Aufträge hinsichtlich seines Vaters und seines Bruders,
daß er sie alle Tage seines Lebens ehren solle.

[632]
2
Und Jakob sprach:

Ich werde alles tun, wie du mir befohlen;
denn es bedeutet für mich Ehre, Größe und Gerechtigkeit vor dem Herrn,
wenn ich sie ehre.

3
Du aber, Mutter, kennst von meiner Geburt an

all mein Tun und all mein Sinnen,
daß ich allzeit Gutes gegen alle denke.

4
Wie sollte ich dies nicht tun, was du mir geboten hast,

daß ich meinen Vater und meinen Bruder ehren solle?

5
Sag mir, Mutter, welche Verkehrtheit du an mir sahest

und ich werde davon ablassen!
Dann wird mir Gnade zuteil.

6
Sie sprach zu ihm:

Mein Sohn!
An all meinen Tagen sah ich an dir kein verkehrtes,
sondern nur rechtes Handeln.
Ich sage dir aber jetzt die Wahrheit, mein Sohn.
Ich werde in diesem Jahr sterben
und es nicht überleben.
Denn ich sah im Traum meinen Todestag,
daß ich nicht länger als 155 Jahre leben werde.
Nun habe ich alle meine Lebenstage erreicht,
die ich zu leben hatte.

7
Da lachte Jakob über seiner Mutter Rede,

daß seine Mutter zu ihm sagte, sie werde sterben,
während sie doch in ihrer Kraft vor ihm saß,
ohne daß sie ihre Kraft eingebüßt hatte.
Denn sie ging ein und aus und sah noch gut;
auch ihre Zähne waren fest
und keinerlei Krankheit hatte sie je im Leben befallen.

8
Und Jakob sprach zu ihr:

Ich wäre glücklich, Mutter,
wenn meine Tage den deinen nahe kämen
und meine Kraft dann ebenso in mir wäre,
wie jetzt die deine ist.
Du wirst nicht sterben.
Du redest Eitles über deinen Tod mit mir.

9
Da ging sie zu Isaak und sagte zu ihm:

Ich habe eine Bitte an dich:
Laß Esau schwören,
er wolle Jakob nichts Böses tun
und ihn nicht in Haß vertreiben!
Du weißt ja, daß Esaus Sinn von Jugend auf hart ist.
Es ist keine Tugend an ihm;
er will ihn vielmehr nach deinem Tod umbringen.

10
Du weißt ja alles, was er von dem Tag an,

wo sein Bruder Jakob nach Charan ging,

[633]

bis auf diesen Tag getan hat;
wie er uns mit ganzem Herzen verlassen
und Böses an uns getan hat;
er zog deine Herden an sich
und raubte all deinen Besitz vor deinem Angesicht.

11
Als wir ihn baten und um das Unserige flehten,

tat er wie ein Mann, der Gnade an uns übte.

12
Über dich aber wurde er erbittert,

weil du deinen Sohn Jakob segnetest,
den vollkommenen und rechtschaffenen,
weil an ihm nichts Schlechtes war, sondern nur Tugend.
Seitdem dieser von Charan kam,
ließ er es uns bis heute an nichts fehlen,
sondern bringt uns alles je nach seiner Zeit
und freut sich aus ganzem Herzen,
wenn wir es aus seinen Händen nehmen,
und er segnet uns und trennte sich nie von uns,
seit er von Charan kam, bis auf diesen Tag;
er bleibt immer bei uns zu Haus,
indem er uns ehrt.

13
Da sprach Isaak zu ihr:

Auch ich weiß und sehe, was Jakob an uns tut,
wie er uns mit seinem ganzen Herzen ehrt.
Aber ich liebte früher Esau mehr als Jakob,
weil er zuerst geboren war.
Jetzt aber liebe ich Jakob mehr als Esau.
Denn dieser verübte viele schlimme Werke,
und keine Gerechtigkeit ist an ihm,
sondern alle seine Wege sind Ungerechtigkeit und Gewalttat,
und keine Gerechtigkeit ist um ihn.

14
Jetzt aber ist mein Herz über all seine Taten aufgeregt;

weder er, noch seine Nachkommen sind zu retten;
sie gehören vielmehr zu denen, die von der Erde verschwinden
und unterm Himmel weggetilgt werden.
Denn er verließ den Gott Abrahams
und folgte seinen Weibern, ihrer Unreinheit und Verirrung,
er mitsamt seinen Kindern.

15
Du sagst nun zu mir,

ich solle ihn schwören lassen,
daß er seinen Bruder Jakob nicht töte.
Ja, wenn er auch schwört, so hält er seinen Schwur doch nicht
und übt keine Tugend, sondern nur Bosheit.

16
Wenn er aber seinen Bruder Jakob töten will,

so wird er in Jakobs Hand gegeben werden;
er entkommt nicht seiner Hand, sondern bleibt darin.

17
Fürchte nichts wegen Jakob!

Jakobs Hüter ist größer, mächtiger,
geehrter und gepriesener als der Hüter Esaus.

[634]
18
Da schickte Rebekka hin und rief Esau,

und er kam zu ihr.
Sie sprach zu ihm:
Ich habe eine Bitte an dich, mein Sohn.
Versprich mir, mein Sohn, sie zu erfüllen!

19
Er sprach: Ich werde alles tun, was du mir sagst,

und dir deine Bitte nicht abschlagen.

20
Sie sprach zu ihm:

Ich bitte dich, daß du mich an meinem Sterbetag fortbringst
und nahe bei deines Vaters Mutter Sara begräbst,
und daß ihr einander liebet, du und Jakob,
und daß keiner gegen seinen Bruder Böses plane,
sondern daß ihr nur nach gegenseitiger Liebe trachtet;
dann werdet ihr Glück haben, meine Söhne,
und auf Erden geehrt sein.
Kein Feind triumphiert dann über euch,
und ihr werdet zum Segen und zum Glück
vor den Augen aller, die euch lieben.

21
Und er sprach: Ich werde alles tun, was du mir sagtest.

Ich will dich an deinem Sterbetag
bei meines Vaters Mutter Sara begraben,
wie du es wünschest,
daß ihre Gebeine den deinen nahe seien.

22
Auch meinen Bruder Jakob will ich mehr lieben

als alles Fleisch;
ich habe ja keinen Bruder auf der ganzen Erde
als nur diesen.
Und das ist für mich nichts Schweres, wenn ich ihn liebe;
er ist ja mein Bruder,
und wir sind zusammen in deinen Leib gesät
und zusammen aus deinem Schoß gekommen.
Wenn ich meinen Bruder nicht liebe,
wen soll ich dann lieben?

23
Und gerade ich bitte dich,

du mögest Jakob, wegen meiner und meiner Kinder, Mahnungen geben.
Denn ich weiß, daß er über mich und meine Söhne König sein will;
denn an dem Tag, wo ihn mein Vater segnete,
machte er ihn hoch und mich niedrig.

24
Ich schwöre dir aber,

daß ich ihn lieben und nie nach Bösem gegen ihn trachten will,
alle Tage meines Lebens,
sondern nur nach Gutem.
Und er beschwor ihr all diese Worte.

25
Da rief sie Jakob vor Esaus Augen

und gebot ihm gemäß den Worten,
die sie mit Esau geredet hatte.

26
Er sprach:

Ich werde tun, was dir gutdünkt.

[635]

Vertraue mir,
daß weder von mir noch meinen Söhnen
je Böses gegen Esau geplant wird,
und daß ich in nichts der Erste sein will,
außer in der Liebe.

27
und sie aßen und tranken,

sie mit ihren Söhnen, in dieser Nacht.
Da starb sie,
drei Jubiläen, eine Jahrwoche und ein Jahr alt,
in dieser Nacht,
und ihre beiden Söhne Esau und Jakob
begruben sie in der Doppelhöhle
nahe bei Sara, ihres Vaters Mutter.


36. Kapitel: Isaaks Tod
1
Im sechsten Jahr dieser Jahrwoche

rief Isaak seine beiden Söhne Esau und Jakob;
da kamen sie zu ihm,
und er sprach zu ihnen:
Meine Söhne!
Ich gehe den Weg meiner Väter,
zu dem ewigen Haus, wo meine Väter sind.

2
Begrabet mich nahe bei meinem Vater Abraham

in der Doppelhöhle auf dem Feld des Chittiters Ephron,
in der Höhle, die Abraham zu einem Grabmal erwarb!
Dort in dem Grab, das ich mir selber grub, begrabet mich!

3
Auch dies befehle ich, meine Söhne,

daß ihr auf Erden Recht und Gerechtigkeit übet,
auf daß der Herr über euch alles kommen lasse,
was der Herr dem Abraham und seinen Nachkommen
zu tun verheißen hat.

4
Liebet einer den andern, meine Söhne, als Brüder,

so wie man sich selbst liebt,
und suchet einander Gutes zu tun
und gemeinsam auf Erden zu handeln!
Sie sollen sich gegenseitig lieben wie sich selbst!

5
Ich gebiete euch auch und ermahne euch,

daß ihr die Götzen verwerfet
und sie hasset und sie nicht liebet;
denn sie sind voll von Verführung für die, die ihnen dienen,
und für die, die sie anbeten.

6
Gedenket, meine Söhne,

des Herrn, des Gottes eures Vaters Abraham,
und wie auch ich ihn verehrte
und ihm in Gerechtigkeit und Freude diente,
auf daß er euch zahlreich mache
und euren Stamm anwachsen lasse

[636]

wie die Sterne des Himmels an Menge
und euch ins Land einpflanze
als eine Pflanze der Gerechtigkeit,
die für alle Geschlechter in Ewigkeit nicht ausgerottet wird!

7
Jetzt aber beschwöre ich euch mit einem großen Schwur –

es gibt ja keinen größern Schwur als diesen –
bei dem gelobten, geehrten, großen, glänzenden,
wunderbaren und mächtigen Namen,
der den Himmel und die Erde
und alles andere zusammen erschaffen hat,
daß ihr Ihn fürchtet und Ihm dienet,

8
und daß jeder seinen Bruder

in Herzlichkeit und Aufrichtigkeit liebe
und keiner dem andern Böses wünsche
von jetzt an bis in Ewigkeit alle eure Lebenstage,
damit ihr in all eurem Tun Glück habet
und nicht umkommet.

9
Gibt es aber unter euch einen, der gegen seinen Bruder Böses plant,

so wisset von jetzt ab,
daß jeder, der gegen seinen Bruder Böses plant,
in dessen Hand fallen
und aus dem Lande der Lebendigen vertilgt werden wird,
und daß seine Nachkommen unterm Himmel verschwinden.

10
Am Tage der Verirrung, des Fluches, Grimmes und Zornes

wird Er in brennendem, verzehrendem Feuer,
wie Er einst Sodom verbrannte,
so auch sein Land, seine Stadt
und all sein Eigentum verbrennen
und dieser wird aus dem Buch der Unterweisung für die Menschenkinder ausgetilgt
und nicht ins Buch des Lebens eingezeichnet werden,
sondern in das Buch der zum Untergang Bestimmten;
so wird er der ewigen Verfluchung entgegengehen,
so daß für jeden Tag seine Verdammung in Schmach, Fluch, Zorn,
Qual, Grimm, Plage und Krankheit ewig erneuert wird.

11
Ich sage und bezeuge euch, meine Söhne,

wie das Künftige über den Menschen ausfällt,
der seinem Bruder Unrecht tun will.

12
Dann teilte er an diesem Tag all seinen Besitz unter die beiden;

dabei gab er den größeren Teil dem Erstgeborenen,
und zwar den Turm und seine ganze Umgebung,
ebenso alles, was Abraham bei dem Schwurbrunnen erworben hatte.

13
Er sprach: Ich gebe diesen größern Teil dem Erstgeborenen.
14
Da sprach Esau:

Ich verkaufte mein Erstgeburtsrecht dem Jakob
und gab es auch dem Jakob.
So gebe man es auch ihm!
Ich habe kein Wort dazu zu sagen;
denn es gehört ihm.

[637]
15
Da sprach Isaak:

Mein Segen ruhe auf euch, meine Söhne,
und auf euren Nachkommen an diesem Tag!
Denn ihr habt mich beruhigt,
und mein Herz ist nicht mehr wegen der Erstgeburt besorgt,
daß du ihm ihretwegen Unrecht tun wolltest.

16
Es segne der höchste Gott den Mann, der Gerechtigkeit übt,

ihn und seine Nachkommen bis in Ewigkeit!

17
Dann hörte er mit seinen Ermahnungen und Segenssprüchen auf;

hierauf aßen und tranken sie zusammen vor ihm,
und er freute sich, daß unter ihnen Eintracht herrschte.
Dann verließen sie ihn,
legten sich zur Ruhe an diesem Tag und schliefen.

18
Und Isaak schlief an diesem Tag

in seinem Bett voller Freude ein.
Und er entschlief zum ewigen Schlaf
und starb 180 Jahre alt;
er hatte fünfundzwanzig Jahrwochen und fünf Jahre erreicht.
Seine beiden Söhne Esau und Jakob begruben ihn.

19
Dann zog Esau nach dem Lande Edom auf dem Gebirge von Seir

und wohnte dort.

20
Jakob aber wohnte auf dem Gebirge von Hebron,

im Turm des Landes der Pilgerschaft seines Vaters Abraham,
und er diente dem Herrn aus ganzem Herzen
und nach den geziemenden Geboten,
nach der Einteilung der Tage seiner Geschlechter.

21
Sein Weib Lea starb im vierten Jahr der zweiten Jahrwoche

im 45. Jubiläum
und er begrub sie in der Doppelhöhle
nahe bei seiner Mutter Rebekka,
links vom Grab Saras, der Mutter seines Vaters.

22
Da kamen alle ihre Söhne und seine Söhne,

um mit ihm sein Weib Lea zu beweinen
und ihn in seiner Klage über sie zu trösten.

23
Denn er liebte sie innig,

seitdem ihre Schwester Rachel gestorben war;
denn sie war vollkommen
und in all ihren Wegen recht und ehrte Jakob.
In all den Tagen, die sie mit ihm verlebte,
hörte er kein rauhes Wort aus ihrem Mund;
denn sie war mild, friedfertig, gerecht und ehrenhaft.

24
Er dachte an alles,

was sie ihm bei ihren Lebzeiten getan,
und beklagte sie tief;
denn er liebte sie aus ganzem Herzen und ganzer Seele.


[638]
37. Kapitel: Esaus Kampf mit Jakob
1
An dem Tag, wo Isaak, der Vater Jakobs und Esaus, starb,

hörten die Söhne Esaus,
daß Isaak seinem jüngern Sohn Jakob das Erstgeburtsrecht gegeben hätte;
da wurden sie sehr zornig.

2
Und sie stritten mit ihrem Vater:

Warum hat dein Vater dem Jakob das Erstgeburtsrecht gegeben
und dich übergangen,
obwohl du der Ältere bist und Jakob der Jüngere?

3
Er sprach zu ihnen:

Weil ich selber dem Jakob
meine Erstgeburt um ein geringes Linsengericht verkaufte.
Und an dem Tag, wo mich mein Vater auf die Jagd schickte,
etwas zu fangen und ihm zu bringen,
damit er es esse und mich segne,
kam er mit List und brachte meinem Vater Speise und Trank,
und mein Vater segnete ihn
und tat mich unter seine Gewalt.

4
Jetzt aber ließ uns, mich und ihn, unser Vater schwören,

daß wir gegenseitig, einer gegen den andern, nichts Böses planen sollen,
daß wir vielmehr in Liebe und Friede miteinander leben,
und daß wir unsere Wege nicht verderben wollten.

5
Da sprachen sie zu ihm:

Wir mögen nicht auf dich hören
und Frieden mit ihm halten;
denn unsere Macht ist größer als die seine,
und wir sind stärker als er.
Wir ziehen vielmehr gegen ihn,
töten und vernichten ihn samt seinen Söhnen.
Wenn du aber nicht mit uns ausziehst,
dann spielen wir auch dir übel mit.

6
Und nun hör auf uns!

Wir wollen nach Aram, Philistäa, Moab und Ammon senden
und uns erlesene Männer, die kampfesmutig sind, aussuchen;
dann ziehen wir gegen ihn und streiten mit ihm
und tilgen ihn aus dem Land, bevor er Macht gewinnt.

7
Da sprach ihr Vater zu ihnen:

Ziehet nicht aus und führet keinen Krieg mit ihm,
damit ihr nicht vor ihm fallet!

8
Sie aber sprachen zu ihm:

So handelst du genau von deiner Jugend an bis auf diesen Tag,
und so bringst du deinen Nacken unter sein Joch.
Wir dagegen hören nicht auf deine Stimme.

9
So schickten sie nach Aram und zu Aduram, dem Freund ihres Vaters,

und warben bei ihnen tausend streitbare,
kampfeslustige und erlesene Leute an.

10
Und es kamen zu ihnen aus Moab und von den Kindern Ammons
[639]

die Angeworbenen, tausend Auserlesene,
ebenso von Philistäa tausend Krieger,
desgleichen von Edom und den Choritern tausend erlesene Streiter
und von den Chittitern starke, kampfbereite Mannen.

11
Da sprachen sie zu ihrem Vater:

Zieh mit ihnen aus und führe sie an!
Wo nicht, dann töten wir dich.

12
Da ward er voller Zorn und Grimm,

als er sah,
daß ihn seine Söhne mit Gewalt dazu zwingen wollten,
daß er voranziehe
und sie gegen seinen Bruder Jakob führe.

13
Später aber dachte er an all das Böse,

das in seinem Herzen wider seinen Bruder Jakob verborgen lag,
und er gedachte nicht mehr des Schwures,
den er seinem Vater und seiner Mutter geschworen,
daß er nie in seinem Leben
wider seinen Bruder Jakob Böses planen wolle.

14
Bei alledem wagte Jakob nicht,

daß sie gegen ihn zum Kampfe zogen;
er trauerte vielmehr um sein Weib Lea,
bis sie mit 4000 Kriegern und auserlesenen Streitern
ganz nahe an den Turm gerückt waren.

15
Da sandten die Leute von Hebron ihm die Meldung:

Siehe, dein Bruder zieht gegen dich heran,
dich zu bekämpfen,
und zwar mit 4000 Mann,
die mit Schwertern gegürtet sind und Schilde und Waffen tragen.
Sie meldeten es ihm,
weil sie Jakob mehr liebten als Esau;
denn Jakob war milder und gütiger als Esau.

16
Jakob aber glaubte es nicht,

bis sie ganz nahe an den Turm gerückt waren.

17
Da verschloß er die Turmtore,

trat auf die Zinne
und redete mit seinem Bruder Esau also:
Das ist ein schöner Trost, den du mir bringst,
um mich über mein Weib, das gestorben ist, zu trösten.
Ist das der Schwur,
den du deinem Vater und deiner Mutter zweimal schwurest,
bevor sie starben?
Du hast den Schwur gebrochen
und du warst schon gerichtet,
als du deinem Vater geschworen hast.

18
Darauf erwiderte Esau:

Weder die Menschenkinder
noch die Tiere des Feldes legen rechte Eide ab, die für immer gelten;

[640]

vielmehr planen sie jeden Tag Böses gegeneinander
und wie jeder seinen Hasser und Widersacher töte.

19
Auch du hassest mich und meine Kinder bis in Ewigkeit.

Mit dir ist keine Bruderliebe zu halten.

20
Höre dies mein Wort, das ich zu dir rede!

Wenn das Schwein einmal seine Haut ändert
und seine Borsten zart wie Wolle macht,
und wenn es auf seinem Kopf
Hörner gleich Hirsch- und Schafhörnern wachsen läßt,
dann werde auch ich mit dir Bruderliebe halten.
Seit wir von der Mutterbrust getrennt waren,
warst du mir nie Bruder.

21
Wenn die Wölfe Frieden mit den Lämmern machen,

daß sie diese nicht mehr fressen
und ihnen kein Leid mehr tun,
und wenn ihre Herzen ihnen nur Gutes tun wollen,
dann wird auch in meinem Herzen Frieden gegen dich sein.

22
Wenn der Löwe der Freund des Stieres wird

und sich mit ihm an Ein Joch spannen läßt
und mit ihm pflügt,
dann will auch ich mit dir Frieden machen.

23
Und wenn Raben weiß wie Möwen werden,

dann wisse, daß auch ich dich wieder liebgewonnen habe
und mit dir Friede mache.
Du sollst vertilgt werden, ebenso deine Söhne:
du sollst keinen Frieden haben.

24
Als Jakob sah,

daß er ihm von Herzen übel wollte
und aus ganzer Seele ihn töten wollte,
und daß er nun gleich einem Wild ansprang,
gleich einem Wild, das in die Lanze fährt, die es durchbohrt und tötet,
und doch nicht davor flieht,

25
sagte er zu den Seinen und seinen Knechten,

sie sollten ihn und all seine Genossen angreifen.


38. Kapitel: Jakobs Sieg über Esau. Edoms Könige (Gen 36, 31 ff)
1
Darauf redete Juda mit seinem Vater Jakob

und sprach zu ihm:
Spann deinen Bogen, Vater!
Schieß die Pfeile ab,
durchbohr den Feind
und töte den Widersacher!
Mögest du die Kraft dazu haben!
Denn wir wollen deinen Bruder nicht töten;
ist er doch soviel wie du und dir ähnlich.
Wir wollen ihm seine Ehre geben.

[641]
2
Da spannte Jakob seinen Bogen,

schoß einen Pfeil ab
und durchbobrte seinen Bruder Esau an der rechten Brust
und streckte ihn nieder.

3
Dann schoß er einen zweiten Pfeil

und traf den Aramäer Adoran an der linken Brust;
so trieb er ihn zurück
und tötete ihn.

4
Dann zogen Jakobs Söhne mit ihren Knechten aus

und verteilten sich auf den vier Seiten des Turmes.

5
Juda zog voran

und Naphtali und Gad mit ihm,
ebenso fünfzig Knappen, auf die Südseite des Turmes,
und sie schlugen jeden, den sie vor sich fanden,
und niemand entkam, auch nicht einer.

6
Levi, Dan und Asser zogen auf die Ostseite des Turmes mit fünfzig Mann,

und sie schlugen Moabs und Ammons Krieger.

7
Ruben, Issachar und Zabulon

zogen auf die Nordseite des Turmes mit fünfzig Mann,
und sie schlugen die Philisterkrieger.

8
Simeon, Benjamin und Rubens Sohn Henoch

zogen mit fünfzig Mann auf des Turmes Westseite,
und sie schlugen von Edom und den Choritern
vierhundert starke, kampfgewohnte Männer.
Und sechshundert Mann flohen,
ebenso die vier Söhne Esaus.
Sie ließen ihren Vater tot daliegen,
wie er gefallen war, auf dem Hügel in Aduram.

9
Die Söhne Jakobs jagten ihnen bis zum Gebirge Seir nach.

Jakob aber begrub seinen Bruder auf dem Hügel in Aduram;
dann kehrte er nach Haus zurück.

10
Die Jakobssöhne aber bedrängten die Söhne Esaus auf dem Gebirge Seir

und beugten ihren Hals,
so daß sie Knechte der Jakobssöhne wurden.

11
Und sie sandten zu ihrem Vater,

ob sie mit ihnen Frieden machen
oder sie töten sollten.

12
Da sandte Jakob zu seinen Söhnen,

sie sollten Frieden machen.
Da machten sie mit ihnen Frieden
und legten ihnen das Joch der Knechtschaft auf,
so daß sie Jakob und seinen Söhnen alle Tage Tribut zahlen mußten.

13
Und sie zahlten Jakob beständig Tribut

bis auf den Tag, wo er nach Ägypten zog.

14
Die Söhne Edoms, aber warfen ihr Knechtschaftsjoch,

das ihnen die zwölf Jakobssöhne auflegten,
bis auf diesen Tag nicht ab.

[642]
15
Dies sind die Könige, die in Edom herrschten,

bevor über Israel ein König herrschte,
bis auf diesen Tag im Lande Edom.

16
Es herrschte in Edom Balak, Beors Sohn,

und seine Hauptstadt hieß Dinhaba.

17
Dann starb Balak,

und an seine Statt trat Jobab, des Zera Sohn von Bosra.

18
Dann starb Jobab,

und an seine Stelle trat Husam vom Gebirge Teman.

19
Dann starb Husam,

und an seine Stelle trat Hadad,
der Sohn des Badad,
der die Midianiter auf Moabs Gefilde schlug,
und seine Hauptstadt hieß Awit.

20
Dann starb Hadad,

und an seine Stelle trat Samla von Masreka.

21
Dann starb Samla,

und an seine Stelle trat Saul von Rehobot am Strom.

22
Dann starb Saul,

und an seine Stelle trat Baalhanan, des Achbor Sohn.

23
Dann starb Baalhanan,

und an seine Stelle trat Hadar,
und sein Weib hieß Mehetabel,
die Tochter der Matred und Enkelin der Mezahab.

24
Dies sind die Könige, die im Land Edom herrschten.


39. Kapitel: Joseph bei Potiphar (Gen 39)
1
Jakob wohnte im Land der Pilgerschaft seines Vaters, im Land Kanaan.
2
Dies sind die Geschlechter Jakobs.

Sie führten Joseph im Alter von siebzehn Jahren nach Ägypten hinab
und Potiphar, des Pharao Eunuch und Oberkoch, kaufte ihn.

3
Und er setzte den Joseph über sein ganzes Haus;

da kam der Segen des Herrn auf das Haus des Ägypters wegen Joseph
und der Herr ließ ihm alles, was er tat, wohl gelingen.

4
So überließ der Ägypter dem Joseph alles;

denn er sah, daß der Herr mit ihm war
und daß der Herr alles, was er tat, wohl gelingen ließ.

5
Joseph aber war schön von Angesicht; gar hübsch war sein Antlitz,

und so hob das Weib seines Herrn ihre Augen auf,
sah Joseph und gewann ihn lieb;
dann bat sie ihn, daß er ihr beiwohnen möge.

6
Er aber gab sich nicht hin,

sondern dachte an den Herrn
und an die Worte,
die sein Vater Jakob aus den Geschichten Abrahams zu lesen pflegte,
daß kein Mensch mit einem verheirateten Weib Unzucht treiben dürfe
und daß für einen solchen die Todesstrafe

[643]

im Himmel vor dem höchsten Gott festgesetzt
und daß die Sünde zu seinen Ungunsten in den ewigen Büchern
vor dem Herrn stets aufgezeichnet werde.

7
Und Joseph dachte an diese Worte und wollte ihr nicht beiwohnen.
8
Sie bat ihn ein Jahr lang;

er aber weigerte sich und wollte ihr nicht gehorchen.

9
Da umarmte sie ihn und packte ihn im Haus,

um ihn zur Beiwohnung zu zwingen.
Sie verschloss nämlich die Haustüre und packte ihn;
da ließ er sein Kleid in ihrer Hand,
zerbrach den Riegel und floh vor ihr.

10
Als nun das Weib sah,

daß er ihr nicht beiwohnen wolle,
verleumdete sie ihn bei seinem Herrn und sprach:
Dein hebräischer Sklave, den du so gerne hast,
wollte mich zur Beiwohnung zwingen.
Als ich meine Stimme erhob,
floh er und ließ sein Kleid in meiner Hand,
als ich ihn faßte,
und zerbrach den Riegel.

11
Der Ägypter sah nun Josephs Kleid und den zerbrochenen Riegel;

da hörte er auf seines Weibes Rede
und warf Joseph in das Gefängnis,
an den Ort, wo sich die vom König gefangen gesetzten Gefangenen befanden.

12
So war er nun dort im Gefängnis.

Der Herr aber schenkte Joseph Gnade vor dem Oberwärter des Gefängnisses
und Erbarmen vor ihm;
denn er sah, daß der Herr mit ihm war
und daß der Herr alles, was er tat, wohl gelingen ließ.

13
So überließ er ihm alles,

und der Oberwärter des Gefängnisses kümmerte sich neben ihm um nichts mehr;
denn Joseph tat alles, und der Herr vollendete es.

14
Er blieb hier zwei Jahre.

In jenen Tagen ward Pharao, Ägyptens König, über zwei seiner Eunuchen zornig,
über den Obermundschenk und den Oberbäcker,
und warf sie ins Gefängnis, in des Oberkochs Haus,
in den Kerker, wo Joseph gefangen lag.

15
Und der Oberwärter des Gefängnisses trug dem Joseph auf,

sie zu bedienen,
und so diente er vor ihnen.

16
Da hatten die beiden, der Obermundschenk und der Oberbäcker, einen Traum,

und sie erzählten ihn dem Joseph.

17
Und so, wie er ihn ihnen deutete,

geschah ihnen:
den Obermundschenk setzte Pharao wieder in sein Amt ein;
den Bäcker aber ließ er hinrichten,
so, wie ihnen Joseph gedeutet hatte.

18
Der Obermundschenk aber vergaß den Joseph im Kerker,
[644]

obgleich er ihm seine Zukunft verkündet hatte,
und er dachte nicht mehr daran,
es dem Pharao zu erzählen,
wie ihn Joseph gebeten hatte;
denn er hatte es vergessen.


40. Kapitel: Pharaos Träume (Gen 41)
1
In jenen Tagen hatte Pharao zwei Träume in einer Nacht

wegen einer Teuerung, die über das ganze Land kommen sollte.
Als er vom Schlaf erwachte,
berief er alle Traumdeuter in Ägypten und die Zauberer
und erzählte ihnen seine beiden Träume;
sie konnten sie aber nicht erklären.

2
Da erinnerte sich der Obermundschenk des Joseph

und erzählte von ihm beim König.
Dieser ließ ihn aus dem Kerker holen
und erzählte vor ihm seine beiden Träume.

3
Da sagte er vor Pharao,

seine beiden Träume seien eins,
und er sprach zu ihm:
In ganz Ägypten wird sieben Jahre lang Überfluß herrschen;
danach kommen sieben Jahre Teuerung,
dergleichen noch nie auf Erden gewesen ist.

4
Jetzt stelle der Pharao im ganzen Ägypterland Aufseher an,

und diese sollen in jeder Stadt
während der Jahre des Überflusses Nahrungsmittel sammeln!
Dann gibt es für die sieben Teuerungsjahre Nahrung.
So geht das Land wegen der Teuerung nicht zugrunde;
sie wird freilich recht heftig sein.

5
Da schenkte der Herr dem Joseph Gnade und Erbarmen vor Pharaos Augen,

und der Pharao sprach zu seinen Dienern:
Wir können keinen weiseren und einsichtigeren Mann als diesen finden;
denn mit ihm ist der Geist des Herrn.

6
So setzte er ihn als Zweiten in seinem ganzen Reich ein

und gab ihm Macht über ganz Ägypten;
er ließ ihn auch auf seinem zweiten Pharaowagen fahren.

7
Er kleidete ihn auch in ein Byssusgewand,

legte ihm eine goldene Kette an den Hals
und ließ vor ihm her ausrufen:
„Gott, Gott und der Mächtige Gottes.“
Er legte ihm dann einen Ring an den Finger
und machte ihn zum Herrn über sein ganzes Haus;
so verherrlichte er ihn:
Nur um den Thron will ich größer sein als du.

8
So herrschte Joseph über ganz Ägypterland,

und alle Fürsten Pharaos, all seine Diener
und alle Geschäftsträger des Königs gewannen ihn lieb.

[645]

Denn er wandelte in Rechtschaffenheit,
und bei ihm gab es weder Hochmut noch Überhebung
noch Ansehen der Person noch Annahme von Geschenken;
vielmehr richtete er in Gerechtigkeit alle Völker des Landes.

9
Und das Land Ägypten hatte vor Pharao wegen Joseph Frieden;

denn der Herr war mit ihm
und gab ihm Gnade und Erbarmen für sein ganzes Geschlecht
vor allen, die ihn kannten,
wie vor denen, die nur durch Hörensagen von ihm wußten.
Pharaos Reich aber war in Ordnung;
da gab es keinen Satan noch sonst einen Übeltäter.

10
Und der König gab Joseph den Namen Sephantiphanes;

auch gab er Joseph die Tochter Potiphars,
des Priesters von Heliopolis und des Oberkochs zum Weib.

11
An dem Tag, wo Joseph vor Pharao trat,

war er dreißig Jahre alt (wo er vor Pharao stand).

12
In diesem Jahr starb Isaak.

Und es kam,
wie Joseph bei der Deutung seiner beiden Träume gesagt hatte.
Es gab nämlich sieben Jahre des Überflusses im ganzen Land Ägypten,
und das Ägypterland brachte viel Frucht hervor;
ein Maß gab 1800 Maße.

13
Joseph sammelte nun in jeder Stadt Getreide,

bis sie mit Korn angefüllt waren,
wobei man es seiner Menge wegen nicht mehr zählen
noch messen konnte.


41. Kapitel: Juda und Tamar (Gen 38)
1
Im zweiten Tag der zweiten Jahrwoche im 45. Jubiläum

nahm Juda für seinen Erstgeborenen Ger ein Weib
von Arams Töchtern, namens Tamar.

2
Er aber haßte sie

und wohnte ihr nicht bei,
weil seine Mutter eine Kanaaniterin war;
er wollte sich nämlich ein Weib vom Stamme seiner Mutter nehmen;
aber sein Vater Juda erlaubte es nicht.

3
Dieser Ger, Judas Erstgeborener, war böse,

und der Herr tötete ihn.

4
Da sprach Juda zu dessen Bruder Onan:

Geh zu deines Bruders Weib ein,
vollzieh die Schwagerehe mit ihr
und erweck deinem Bruder Nachkommen!

5
Onan wußte nun, daß das Kind nicht sein,

sondern seines Bruders wäre,
und so ging er in das Haus seines Bruderweibes
und goß den Samen auf den Boden;
er aber war in des Herrn Augen böse,
und so tötete er ihn.

[646]
6
Da sprach Juda zu seiner Schwiegertochter Tamar:

Bleib in deinem Vaterhaus als Witwe,
bis mein Sohn Sela heranwächst!
Dann gebe ich dich ihm zum Weib.

7
Er wuchs heran;

aber Judas Weib Batsua ließ es nicht zu,
daß ihr Sohn Sela sie heirate;
da starb Judas Weib Batsua im fünften Jahr dieser Jahrwoche.

8
Im sechsten Jahr zog Juda nach Timna zur Schafschur hinauf;

da sagte man zu Tamar:
Dein Schwiegervater zieht nach Timna zur Schafschur hinauf.

9
Da legte sie ihre Witwenkleider ab,

legte einen Schleier an,
machte sich schön
und setzte sich an das Tor der Straße nach Timna.

10
Wie nun Juda dahinzog,

traf er sie;
er hielt sie für eine Dirne
und sprach zu ihr: Ich will zu dir eingehen.
Da sagte sie zu ihm:
Komm herein!
Da ging er hinein.

11
Sie sprach zu ihm:

Gib mir meinen Lohn!
Er sprach zu ihr:
Ich habe nichts bei mir,
außer meinem Fingerring, meiner Halskette
und meinem Stab in meiner Hand.

12
Sie sprach zu ihm:

Gib sie mir,
bis du mir meinen Lohn schickst!
Er sprach zu ihr:
Ich schicke dir einen Ziegenbock;
dann gab er sie ihr.
Sie aber ward von ihm schwanger.

13
Nun ging Juda zu seinen Schafen,

sie aber in ihr Vaterhaus.

14
Da schickte Juda einen Ziegenbock

durch seinen Hirten, einen Adullamiten;
aber dieser fand sie nicht mehr;
da fragte er die Leute der Gegend:
Wo ist die Dirne, die hier war?
Sie sagten zu ihm:
Es gibt bei uns hier keine Dirne.

15
So kehrte er um

und meldete ihm,
daß er sie nicht habe finden können.
Ich fragte auch die Leute der Gegend,

[647]

aber sie sagten zu mir:
Es gibt hier keine Dirne.
Da sprach er:
Sie mag es dann behalten,
damit wir nicht zum Gespötte werden!

16
Als aber drei Monate für sie verflossen waren,

zeigte es sich, daß sie schwanger war.
Sie sagten es Juda und sprachen:
Deine Schwiegertochter Tamar ward durch Unzucht schwanger.

17
Da ging Juda in ihres Vaters Haus

und sprach zu ihrem Vater und ihren Brüdern:
Führet sie heraus, daß man sie verbrenne!
Denn sie tat in Israel etwas Unreines.

18
Als man sie zum Verbrennen herausführte,

schickte sie ihrem Schwiegervater
den Ring, die Halskette und den Stab
und ließ sagen:
Siehe zu, wem dies gehört!
Von diesem bin ich schwanger.

19
Da erkannte es Juda und sprach:

Tamar ist gerechter als ich.
Man soll sie deshalb nicht verbrennen!

20
Deshalb ward sie auch dem Sela nicht mehr gegeben

aber auch er näherte sich ihr nicht wieder.

21
Darauf gebar sie zwei Söhne, den Peres und den Zera,

im siebten Jahr dieser zweiten Jahrwoche.

22
Darauf gingen die sieben fruchtbaren Jahre zu Ende,

die Joseph dem Pharao angekündigt hatte.

23
Juda aber sah ein,

daß es eine böse Tat war, die er getan hatte,
indem er seiner Schwiegertochter beiwohnte;
sie mißfiel ihm.
Und er erkannte, daß er gesündigt und gefehlt hatte,
weil er seines Sohnes Decke aufdeckte.
Da begann er zu klagen
und vor dem Herrn um Gnade wegen seiner Sünde zu flehen.

24
Da sagten wir ihm im Traum,

daß ihm vergeben worden sei,
weil er so sehr flehte
und trauerte und es nicht mehr tat.

25
So ward ihm Vergebung,

weil er sich von seiner Sünde und Unwissenheit bekehrte;
denn er hatte sich vor unserm Gott schwer versündigt.
Und jeder, der so tut und seiner Schwiegertochter beiwohnt,
soll im Feuer verbrannt werden!
Denn Unreinheit und Befleckung liegt auf solchen;
man soll sie im Feuer verbrennen.

26
Du aber gebiete den Israeliten,
[648]

es dürfe nichts Unreines unter ihnen sein!
Denn jeder, der seiner Schwiegertochter oder Schwiegermutter beiwohnt,
begeht etwas Unreines.
Man soll den Mann, der ihr beiwohnt, verbrennen,
desgleichen das Weib.
So wird Er Zorn und Plage von Israel fernhalten.

27
Wir sagten aber dem Juda,

daß seine beiden Söhne ihr nicht beigewohnt hätten
und daß deshalb sein Stamm für ein anderes Geschlecht erweckt
und nicht ausgerottet würde.

28
Denn in Einfalt der Augen war er hingegangen

und hatte die Bestrafung verlangt;
denn nach Abrahams Recht, das er seinen Söhnen gab,
hatte Juda sie verbrennen wollen.


42. Kapitel: Die Reisen der Jakobssöhne nach Ägypten (Gen 42; 43)
1
Im ersten Jahr der dritten Jahrwoche im 45. Jubiläum

begann die Unfruchtbarkeit über die Erde zu kommen,
und der Erde ward kein Regen mehr gespendet:
denn es fiel nichts herab.

2
So ward die Erde unfruchtbar,

und nur im Land Ägypten gab es Nahrungsmittel,
weil Joseph in den sieben fruchtbaren Jahren
den Samen für das Land sammelte und aufbewahrte.

3
So kamen die Ägypter zu Joseph,

daß er ihnen Nahrungsmittel gebe;
da öffnete er die Vorratshäuser,
worin sich das Getreide vom ersten Jahr befand,
und verkaufte es dem Volk des Landes um Gold.

4
(Nun war auch im Lande Kanaan die Hungersnot sehr stark.)

Als Jakob hörte,
daß es in Ägypten Nahrungsmittel gebe,
schickte er seine zehn Söhne,
um ihm Speise aus Ägypten zu holen;
nur den Benjamin schickte er nicht mit.
So zogen auch die zehn Jakobsöhne mit den andern Reisenden nach Ägypten.

5
Und Joseph erkannte sie;

aber sie erkannten ihn nicht.
Er redete mit ihnen,
fragte sie und sprach zu ihnen:
Seid ihr nicht Spione
und gekommen, die Zugänge zum Land auszukundschaften?
Und er sperrte sie ein.

6
Dann ließ er sie wieder frei

und behielt nur den Simeon zurück;
seine neun Brüder aber schickte er heim.

[649]
7
Er füllte ihre Säcke mit Getreide

und legte ihnen auch ihr Geld in ihre Säcke,
ohne daß sie es wußten.

8
Dann befahl er ihnen,

ihren jüngsten Bruder mitzubringen;
denn sie hatten ihm gesagt,
daß ihr Vater und ihr jüngster Bruder noch am Leben seien.

9
Sie zogen nun aus dem Land Ägypten hinauf

und gelangten in das Land Kanaan;
sie erzählten ihrem Vater alles, was sie getroffen hatte
und wie der Fürst des Landes hart mit ihnen geredet
und Simeon gefangen gesetzt hätte,
bis sie ihm auch den Benjamin brächten.

10
Da sprach Jakob: Ihr beraubt mich meiner Kinder;

Joseph ist nicht mehr; auch Simeon ist nicht mehr da;
nun wollt ihr mir auch noch den Benjamin nehmen;
über mich ist also eure Schlechtigkeit gekommen.

11
Und er sprach: Mein Sohn zieht nicht mit euch;

er könnte vielleicht erkranken.
Denn ihre Mutter gebar zwei Söhne;
davon ist der eine umgekommen,
und nun wollt ihr mir auch diesen nehmen.
Wenn er zufällig auf der Reise das Fieber bekäme,
dann brächtet ihr mein Greisenalter in Kummer zum Tode.

12
Er bemerkte nämlich,

daß ihr Geld einem jeden in seinem Sack zurückgekommen war;
darum fürchtete er sich, ihn zu entsenden.

13
Die Hungersnot aber wuchs

und wütete auch im Lande Kanaan,
wie auf der ganzen Erde, mit Ausnahme des Ägypterlandes.
Denn viele Ägypter hatten ihr Saatkorn zur Nahrung gesammelt,
seitdem sie gesehen hatten,
daß Joseph das Saatkorn sammelte,
in Vorratshäuser legte
und für die Jahre der Hungersnot aufbewahrte.

14
So nährte sich Ägyptens Bevölkerung während des ersten Hungerjahres.
15
Als nun Israel sah,

daß die Hungersnot im Lande sehr stark wurde
und daß es keine andere Rettung gab,
sprach er zu seinen Söhnen:
Geht abermals hin und holt uns Nahrungsmittel,
damit wir nicht sterben!

16
Sie sprachen: Wir ziehen nicht hin;

wenn unser jüngster Bruder nicht mit uns zieht,
gehen wir nicht hin.

17
Da sah Israel ein,

daß sie durch die Hungersnot alle umkommen würden,
wenn er ihn nicht mit ihnen schickte.

[650]
18
Da sprach Ruben:

Gib ihn in meine Hut!
Bringe ich ihn dir nicht wieder zurück,
dann töte meine beiden Söhne für seine Person!
Er aber sprach zu ihm:
Er geht nicht mit euch.

19
Da trat Juda herzu und sprach:

Schick ihn mit mir!
Bringe ich ihn dir nicht mehr zurück,
dann will ich alle meine Lebenstage
vor dir ein schlechter Mensch sein.

20
So schickte er ihn mit ihnen im zweiten Jahr dieser Jahrwoche,

am Ersten des Monats.
Sie kamen nun nach dem Ägypterland mit allen andern, die dahin zogen,
und sie hatten Geschenke bei sich,
Stakte, Mandeln, Terebinthennüsse und reinen Honig.

21
So kamen sie und traten vor Joseph hin;

da sah er seinen Bruder Benjamin,
erkannte ihn
und sprach zu ihnen:
Ist das euer jüngster Bruder?
Sie sagten: Ja.
Da sprach er:
Der Herr sei dir gnädig, mein Sohn!

22
Dann schickte er ihn in sein Haus.

Hierauf brachte er auch den Simeon zu ihnen heraus
und bereitete ihnen ein Mahl;
dabei überreichten sie ihm das Geschenk,
das sie selbst mitgebracht hatten.

23
Sie aßen vor ihm,

und er gab ihnen allen einen Teil;
Benjamins Teil aber war siebenmal größer
als die Teile aller andern.

24
Sie aßen und tranken;

dann standen sie auf
und blieben bei ihren Eseln.

25
Da ersann Joseph einen Plan,

wodurch er ihre Gedanken erriete,
ob unter ihnen Friedensgedanken herrschten.
Und er sprach zu seinem Hausverwalter:
Füll ihnen alle ihre Säcke mit Korn!
Leg auch ihr Geld ihnen wieder in die Säcke!
Meinen Becher aber, woraus ich trinke, den Silberbecher,
leg in den Sack des Jüngsten!
Dann entlasse sie!


[651]
43. Kapitel: Joseph und seine Brüder (Gen 44, 45)
1
Er tat, wie ihm Joseph gesagt hatte,

und füllte ihnen ihre Säcke ganz mit Nahrungsmitteln;
dann legte er auch ihr Geld in ihre Säcke.
Den Becher aber legte er in Benjamins Sack.

2
So zogen sie am frühen Morgen aus.

Als sie von dort weggegangen waren,
sprach Joseph zu seinem Hausverwalter:
Jag ihnen nach!
Lauf und schilt sie, indem du jagst:
Gutes habt ihr ja mit Bösem vergolten;
ihr stahlet ja den silbernen Becher,
woraus mein Herr trinkt!
Dann bring mir ihren jüngsten Bruder zurück
und führ ihn eilends her,
bevor ich mein Amtshaus verlasse!

3
Da lief er ihnen nach

und sprach zu ihnen gemäß dieser Rede.

4
Sie sprachen zu ihm:

Das sei fern von deinen Knechten!
Sie tun doch so etwas nicht
und stehlen keinerlei Geräte aus dem Haus deines Herrn;
deine Knechte brachten ja auch das Geld,
das wir das erste Mal in unsern Säcken fanden,
aus dem Lande Kanaan zurück.

5
Wie sollten wir da irgendwelches Geräte stehlen?

Siehe, hier sind sowohl wir wie unsere Säcke.
Such nach
und wo du den Becher im Sacke irgendeines von uns findest,
der soll hingerichtet werden,
und wir wie unsere Esel wollen deinem Herrn dienstbar sein!

6
Er sprach zu ihnen:

Nein;
vielmehr nehme ich den,
bei dem ich ihn finde,
allein als Sklaven mit.
Ihr andern aber könnet in Frieden heimziehen.

7
Beim Nachsuchen in den Säcken begann er beim Ältesten

und endete beim Jüngsten;
da ward der Becher in Benjamins Sack gefunden.

8
Auf dies hin zerrissen sie ihre Kleider,

packten ihre Esel
und kehrten in die Stadt zurück;
so kamen sie in Josephs Haus
und fielen alle vor ihm zu Boden
auf ihr Antlitz nieder.

9
Da sprach Joseph zu ihnen:
[652]

Ihr habt Böses verübt.
Sie sprachen:
Was sollen wir sagen?
Wie uns verteidigen?
Unser Herr hat die Sünde seiner Sklaven entdeckt.
Siehe, wir sind die Sklaven unsers Herrn,
ebenso unsere Esel.

10
Da sprach Joseph zu ihnen:

Ich fürchte den Herrn.
Gehet aber ihr heim
und lasset euren Bruder bei mir als Sklaven!
Denn ihr habt Böses getan.
Wisset ihr nicht,
daß ein Mann an seinem Becher eine Freude haben kann,
wie ich an diesem Becher?
Und nun habt ihr ihn mir gestohlen.

11
Da sprach Juda:

Mein Herr!
Laß deinen Sklaven, ich bitte dich,
ein Wort zu Ohren meines Herrn sprechen!
Deines Sklaven Mutter hat unserm Vater zwei Brüder geboren.
Der eine ging fort und verschwand
und ward nicht mehr gefunden;
nun ist nur einer noch seiner Mutter übrig,
und dein Sklave, unser Vater, liebt ihn,
und sein Leben ist an dieses Knaben Leben gebunden.

12
Kommen wir nun zu deinem Sklaven, unserm Vater,

und ist der Jüngling nicht bei uns,
dann stirbt er,
und wir bringen unsern Vater durch Kummer in den Tod.

13
Laß mich jetzt, deinen Sklaven,

an Stelle des Knaben als Knecht bei meinem Herrn bleiben!
Laß doch den Knaben mit seinen Brüdern ziehen!
Denn ich verbürgte mich für ihn bei deinem Knecht, unserm Vater.
Bringe ich ihn nicht zurück,
dann muß dein Sklave für immer den Vorwurf unsers Vaters erdulden.

14
Und Joseph sah,

daß sie alle untereinander ein gleiches Herz für das Gute hatten;
da konnte er nicht mehr an sich halten
und sagte ihnen, daß er Joseph sei.

15
Er redete mit ihnen in hebräischer Sprache,

faßte sie um den Hals und weinte;
sie aber erkannten ihn nicht
und fingen zu weinen an.

16
Da sprach er zu ihnen:

Weinet nicht über mich!
Eilet vielmehr
und bringet meinen Vater zu mir!

[653]

Ihr sehet ja,
daß dies mein Mund ist, der spricht;
auch Benjamins Augen sehen es.

17
Denn siehe, dies ist das zweite Jahr der Hungersnot;

noch gibt es fünf Jahre ohne Ernte, Obst und Pflugzeit.

18
Kommet eilends herab mit euren Familien,

damit ihr nicht durch die Hungersnot umkommet
und euch nicht um euren Besitz zu sorgen brauchet!
Denn der Herr sandte mich vor euch voraus,
um Vorsorge zu treffen,
daß viel Volk am Leben bleibe.

19
Erzählet meinem Vater,

daß ich noch am Leben bin.
Und ihr! Ihr sehet ja,
daß der Herr mich gleichsam als Vater dem Pharao gab,
damit ich in seinem Haus und über ganz Ägypterland herrsche.

20
Und berichtet meinem Vater all meine Herrlichkeit,

überhaupt alles, was an Reichtum und Glanz mir der Herr verliehen!

21
Dann gab er ihnen auf mündlichen Befehl des Pharao Wagen und Reisezehrung,

und ihnen allen schenkte er farbige Kleider und Silber.

22
Auch ihrem Vater schickte er Kleider und Silber

sowie zehn Esel, die Getreide trugen;
dann entließ er sie.

23
Sie zogen nun hinauf

und berichteten ihrem Vater,
daß Joseph noch am Leben sei
und daß er allen Völkern der Erde Getreide zumesse
und über ganz Ägypterland herrsche.

24
Ihr Vater glaubte es aber nicht;

denn er kam außer sich im Gemüte.
Da sah er aber die Wagen, die Joseph geschickt hatte,
und sein Geist gewann neues Leben;
er sprach:
Es ist genug für mich, wenn Joseph lebt.
Ich will hinabziehen
und ihn vor meinem Tode sehen.


44. Kapitel: Jakobs Reise nach Ägypten (Gen 46, 1 ff)
1
Da machte sich Israel aus seiner Heimat Hebron auf,

am Neumond des dritten Monats,
zog zum Schwurbrunnen
und brachte dem Gott seines Vaters Isaak
am Siebten dieses Monats ein Opfer dar.

2
Da gedachte Jakob des Traumes,

den er in Betel gehabt hatte;
daraufhin fürchtete er sich,
nach Ägypten hinabzuziehen.

3
Er dachte vielmehr daran,
[654]

Joseph zu sich holen zu lassen,
selber aber nicht hinabzuziehen,
und so blieb er dort sieben Tage,
ob er vielleicht ein Gesicht sähe,
ob er bleiben oder hinabziehen sollte.

4
Er feierte auch das Erntefest der Erstlingsfrucht mit altem Getreide;

denn im ganzen Lande Kanaan
gab es keine einzige Handvoll Korn mehr;
es hatten nämlich unter der Hungersnot alle wilden Tiere,
das Vieh, die Vögel und auch die Menschen zu leiden.

5
Am sechzehnten Tag erschien ihm der Herr

und sprach zu ihm: Jakob! Jakob!
Er sprach:
Hier bin ich.
Er sprach zu ihm:
Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks.
Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen!
Denn ich mache dich dort zu einem großen Volk.
Ich ziehe mit dir hinab und führe dich,

6
und in diesem Land wirst du begraben werden;

Joseph legt dir dann seine Hand auf die Augen.
Fürchte dich nicht!
Zieh nach Ägypten hinab!

7
Da machten sich seine Söhne und Enkel auf

und luden ihren Vater und ihre Habe auf die Wagen.

8
So zog Israel am Sechzehnten des dritten Monats vom Schwurbrunnen ab

und zog nach dem Ägypterland.

9
Und Israel schickte den Juda vor sich her

zu seinem Sohn Joseph,
damit er das Land Gosen beschaue;
denn dorthin sollten sie, wie Joseph seinen Brüdern sagte, kommen
und sich ansiedeln,
damit sie ihm nahe wären.

10
Dies war der beste Landstrich im Ägypterland und nahe bei ihm

für sie alle und ihr Vieh.

11
So hießen die Jakobsöhne,

die mit ihrem Vater Jakob nach Ägypten zogen:

12
Ruben, Israels Erstgeborener,

und seine Söhne hießen Henoch, Pallu, Hesron und Karmi, – fünf.

13
Simeon und seine Söhne

Jemuel, Jamin, Ohad, Jakin, Zohar
und Saul, der Sohn des sephatitischen Weibes, – sieben.

14
Levi und seine Söhne;

sie heißen Gerson, Kehat und Merari – vier.

15
Juda und seine Söhne;

sie heißen Sela, Perez und Zera... – vier.

16
Issachar und seine Söhne;

sie heißen Tola, Pua, Jasub und Simron – fünf.

[655]
17
Zabulon und seine Söhne;

sie heißen Sered, Elon und Jahleel – vier.

18
Dies sind die Söhne Jakobs

mit ihren Söhnen, die Lea dem Jakob in Mesopotamien geboren hatte, – sechs,
und eine Tochter Dina, ihre Schwester.
Alle Seelen der Söhne Leas und ihrer Söhne,
die mit ihrem Vater Jakob nach Ägypten zogen, waren neunundzwanzig
und ihr Vater Jakob dazu,
so waren es dreißig.

19
Die Söhne der Zilpa, der Magd des Jakobsweibes Lea,

waren Gad und Asser.

20
Es hießen ihre Söhne, die mit Jakob nach Ägypten zogen,

und zwar die Söhne Gads: Siphion, Haggi, Suni,
Esbon, Eri, Areli und Arodi – acht.

21
Assers Söhne sind Imna, Isva, Isvi, Beria

und ihre eine Schwester Sera – sechs.

22
Alle Seelen waren vierzehn

und alle Kinder der Lea waren vierundvierzig.

23
Die Söhne des Jakobsweibes Rachel waren Joseph und Benjamin.
24
Dem Joseph wurden in Ägypten, bevor sein Vater nach Ägypten kam,

Söhne geboren,
die ihm Asenath, die Tochter Potiphars, des Priesters von Heliopolis, schenkte,
Manasse und Ephraim... – drei.

25
Benjamins Söhne sind Bela, Beker, Asbel, Gera, Naaman,

Ehi, Ros, Muppim und Huppim und Ard – elf.

26
Alle Seelen der Rachel waren vierzehn.
27
Die Söhne der Bilha, der Magd des Jakobsweibes Rachel,

die sie Jakob gebar, waren Dan und Naphtali.

28
So hießen ihre Söhne,

die mit ihnen nach Ägypten zogen,
und zwar die Söhne Dans Husim, Samon,
Asudi, Jaka und Salomon – sechs.

29
Sie starben noch im gleichen Jahre,

wo sie nach Ägypten kamen,
und dem Dan blieb nur Husim.

30
So hießen die Söhne Naphtalis

Jahsiel, Guni, Jeser, Sallum und Iv.

31
Und Iv, der nach den Jahren der Hungersnot geboren ward,

starb in Ägypten.

32
Alle Seelen Rachels waren sechsundzwanzig.
33
Und alle Seelen Jakobs,

die nach Ägypten kamen, waren siebzig.
Dies sind seine Kinder und Enkel, alle zusammen siebzig;
alle fünf starben in Ägypten vor Joseph kinderlos.

34
Im Land Kanaan waren zwei Söhne Judas,

Ger und Onan kinderlos gestorben.
Die Söhne Israels begruben sie, die umkamen,
und sie wurden unter die siebzig Heidenvölker gerechnet.


[656]
45. Kapitel: Jakobs Tod
1
Israel kam nach dem Ägypterland ins Land Gosen

am Neumond des zweiten Jahres der dritten Jahrwoche im 45. Jubiläum.

2
Und Joseph kam seinem Vater Jakob im Lande Gosen entgegen

und fiel seinem Vater weinend um den Hals.

3
Da sprach Israel zu Joseph:

Jetzt will ich sterben,
nachdem ich dich gesehen.
Jetzt sei auch gepriesen der Herr, Gott Israels,
der Gott Abrahams und Isaaks!
Denn er entzog nicht seinem Knechte Jakob sein Erbarmen und seine Huld.

4
Es ist mir genug,

daß ich noch bei Lebzeiten dein Antlitz schaue.
Ja, wahrhaftig ist das Gesicht, das ich in Bethel schaute.
Gepriesen sei der Herr, mein Gott, in alle Ewigkeit!
Gepriesen sei dein Name!

5
Und Joseph und seine Brüder aßen vor ihrem Vater Brot

und tranken Wein.
Und Jakob freute sich überaus, als er sah,
wie Joseph mit seinen Brüdern vor ihm aß und trank,
und er pries den Schöpfer aller Dinge,
daß er ihn selbst sowie seine zwölf Söhne ihm bewahrt hatte.

6
Joseph gab nun seinem Vater und seinen Brüdern als Geschenk,

daß sie im Lande Gosen wohnen durften,
ebenso in Ramses
und seiner ganzen Umgebung, worüber er vor Pharao herrschte.
So wohnten Israel und seine Söhne im Lande Gosen, dem besten Teile Ägyptens;
Israel aber war 130 Jahre alt,
als er nach Ägypten kam.

7
Und Joseph ernährte seinen Vater und seine Brüder

sowie ihren Besitz mit Brot,
wie es ihnen für die sieben Hungerjahre genügte.

8
Auch das Land Ägypten litt unter der Hungersnot;

deshalb erwarb Joseph das ganze Land Ägypten
für den Pharao um Korn,
und zwar erwarb er Menschen und Vieh,
überhaupt alles für den Pharao.

9
Als die Hungerjahre zu Ende gingen,

gab Joseph der Bevölkerung im Land Samen und Nahrungsmittel,
damit sie im achten Jahr aussäten;
denn der Strom hatte ganz Ägypterland überschwemmt.

10
In den sieben Hungerjahren nämlich war er nicht gestiegen

und hatte nur wenige Striche am Flußufer überschwemmt;
jetzt aber stieg er.
Da besäten die Ägypter das Land,
und es trug viel Getreide in diesem Jahr.

11
Dieses Jahr war das erste der vierten Jahrwoche im 45. Jubiläum
[657]
12
Joseph nahm von dem eingeernteten Korn den fünften Teil für den König;

die andern vier Teile überließ er ihnen zur Nahrung und Aussaat.
Und Joseph machte dies zum Gesetz für das Ägypterland bis aus diesen Tag.

13
Israel lebte im Land Ägypten siebzehn Jahre,

und alle seine Lebenstage beliefen sich auf drei Jubiläen, 147 Jahre,
und er starb im vierten Jahr der fünften Jahrwoche im 45. Jubiläum.

14
Israel segnete seine Söhne, bevor er starb,

und sagte ihnen alles vorher,
was ihnen im Ägypterland begegnen würde;
er tat ihnen kund,
wie es ihnen in den letzten Jahren ergehen würde;
dann segnete er sie
und gab dem Joseph zwei Erbteile im Land.

15
Dann entschlief er zu seinen Vätern

und wurde in der Doppelhöhle im Land Kanaan
nahe bei seinem Vater Abraham begraben,
in dem Grab,
das er sich selbst in der Doppelhöhle im Land Hebron gegraben.

16
Alle seine Bücher und die Bücher seiner Väter

gab er seinem Sohn Levi,
damit er sie aufbewahre
und für seine Kinder bis auf diesen Tag erneuere.


46. Kapitel: Josephs Tod
1
Nach Jakobs Tod

wurden die Kinder Israels im Ägypterland zahlreich und ein großes Volk.
Sie waren alle Ein Herz,
so daß einer den andern liebte und ihm beistand.
Sie wurden sehr zahlreich und vermehrten sich stark,
zehn Jahrwochen lang, alle Lebenstage Josephs.

2
In Josephs Tagen nach seinem Vater Jakob gab es keinen Satan

und nichts Böses;
denn alle Ägypter ehrten die Kinder Israels alle Lebenstage Josephs.

3
Joseph starb im Alter von 110 Jahren;

siebzehn Jahre war er in Kanaan gewesen,
zehn Jahre war er Sklave und drei Jahre im Kerker,
und achtzig Jahre war er unter dem König Herrscher über ganz Ägypten.

4
Er starb aber und all seine Brüder,

überhaupt jenes ganze Geschlecht.

5
Und er gebot den Israeliten vor seinem Tod,

sie sollten seine Gebeine mit sich nehmen,
wenn sie aus Ägypten wegzögen.

6
Und er ließ sie wegen seiner Gebeine schwören;

denn er wußte, daß die Ägypter sie nicht fortbringen
und nicht in Kanaan begraben würden,
weil Kanaans König Makamaron, während er im Land Assur wohnte,
mit dem König von Ägypten im Tal gekämpft,
ihn getötet und die Ägypter bis zu den Toren von Heroonpolis verfolgt hatte.

[658]
7
Er konnte aber nicht eindringen,

weil ein anderer, neuer König über Ägypten herrschte
und dieser stärker als er war.
So kehrte er nach Kanaan zurück,
aber Ägyptens Tor blieb verschlossen;
niemand kam aus Ägypten heraus noch hinein.

8
Joseph starb im zweiten Jahr der sechsten Jahrwoche

im 46. Jubiläum,
und sie begruben ihn im Land Ägypten;
nach ihm starben alle seine Brüder.

9
Im zweiten Jahr der zweiten Jahrwoche im 47. Jubiläum

zog Ägyptens König zum Kampf mit dem König von Kanaan aus,
und so konnten die Israeliten die Gebeine der Jakobssöhne alle hinausführen,
mit Ausnahme der Gebeine Josephs.
Und sie begruben sie auf dem Feld in der Doppelhöhle im Gebirge.

10
Die meisten kehrten dann nach Ägypten zurück;

einige von ihnen aber blieben im Gebirge von Hebron;
auch dein Vater Amram blieb bei ihnen zurück.

11
Nun besiegte aber Kanaans König den König von Ägypten

und dieser verschloß wieder die Tore Ägyptens.

12
Und er erdachte einen schlimmen Plan wider die Israeliten,

um sie zu plagen,
und so sprach er zu den Ägyptern:

13
Fürwahr, das Volk der Kinder Israels ist herangewachsen,

und sie sind zahlreicher als wir geworden.
Wohlan! Wir wollen uns ihnen gegenüber schlau benehmen,
bevor sie zu zahlreich werden!
Wir wollen sie mit Sklavenarbeit quälen,
bevor ein Krieg über uns kommt
und sie gegen uns kämpfen.
Andernfalls verbinden sie sich mit unsern Feinden
und verlassen unser Land;
denn ihre Herzen und ihre Blicke sind nach dem Land Kanaan gerichtet.

14
Und er stellte über sie Aufseher,

um sie mit Sklavenarbeit zu plagen.
So erbauten sie für den Pharao die festen Städte Pitom und Ramses;
ebenso bauten sie alle Mauern und Wände wieder auf,
die in Ägyptens Städten eingestürzt waren.

15
Und sie unterdrückten sie mit Gewalt;

je mehr Übel sie ihnen aber zufügten,
desto mehr und desto zahlreicher wurden sie.

16
Und die Bevölkerung Ägyptens verabscheute sie.


47. Kapitel: Mosis Jugend (Ex 2)
1
Im siebten Jahr der siebten Jahrwoche im 47. Jubiläum

kam dein Vater aus dem Lande Kanaan,

[659]

und du wurdest geboren
im sechsten Jahre der vierten Jahrwoche im 48. Jubiläum;
dies war damals eine Zeit der Trübsal für die Kinder Israels.

2
Pharao, Ägyptens König, erließ nämlich ein Gebot gegen sie,

man solle alle ihre neugeborenen Knäblein in den Strom werfen.

3
Und man warf sie hinein, sieben Monate lang,

bis zu dem Tag, wo du geboren wurdest.
Deine Mutter aber verbarg dich drei Monate lang;
da zeigte man sie an.

4
Da machte sie für dich ein Kästchen,

verklebte es mit Pech und Asphalt,
legte es in das Gras am Ufer des Flusses
und legte dich hinein, sieben Tage lang.
Deine Mutter kam jede Nacht und stillte dich,
und bei Tag hütete dich deine Schwester Mirjam vor den Vögeln.

5
Da kam zu jener Zeit Tarmut, des Pharao Tochter, im Fluß zu baden.

Sie hörte deine Stimme, wie du weintest;
da sagte sie zu ihren Mägden,
sie sollten dich bringen,
und sie brachten dich zu ihr.

6
Sie nahm dich aus dem Kästchen heraus

und hatte mit dir Mitleid.

7
Da sprach deine Mutter zu ihr:

Soll ich hingehen und dir eine der Hebräerinnen rufen,
daß sie dir den Knaben pflege und stille?
Sie sagte: Ja.

8
So ging sie hin

und rief deine Mutter Jokebed;
sie gab ihr dann eine Belohnung,
und so pflegte sie dich.

9
Als du herangewachsen warst,

führten sie dich zu der Tochter Pharaos,
und du wurdest ihr Sohn.
Dein Vater Amram aber hatte dich die Schrift gelehrt.
Nachdem du drei Jahrwochen erreicht hattest,
brachten sie dich an den königlichen Hof.

10
Und du bliebest drei Jahrwochen am Hof,

bis du einmal den königlichen Hof verließest
und sahest, wie der Ägypter deinen israelitischen Anverwandten schlug.
Da tötetest du ihn
und verbargst ihn im Sande.

11
Am nächsten Tag trafst du zwei Israeliten,

wie sie sich stritten,
und du sprachst zu dem, der Unrecht tat:
Warum schlugst du deinen Bruder?

12
Da ward er zornig und wütend

und sprach:
Wer hat dich zum Fürsten und Richter über uns gesetzt?

[660]

Willst du mich etwa auch töten,
wie du gestern den Ägypter getötet hast?
Da fürchtetest du dich
und flohest wegen dieser Worte.


48. Kapitel: Mosis Flucht (Ex 3, 1–14, 1 ff.)
1
Im sechsten Jahr der dritten Jahrwoche im 49. Jubiläum

gingst du fort
und wohntest im Lande Midian fünf Jahrwochen und ein Jahr;
du kehrtest dann nach Ägypten zurück
im zweiten Jahr der zweiten Jahrwoche im 50. Jubiläum.

2
Du selber weißt,

was Er mit dir auf dem Berge Sinai sprach,
und was der Fürst Mastema mit dir in der Herberge tun wollte,
als du nach Ägypten zurückkehrtest.

3
Wollte er dich nicht mit all seiner Macht töten

und die Ägypter aus deiner Hand retten,
als er sah, daß du zu den Ägyptern geschickt würdest,
Gericht und Rache zu üben?

4
Ich rettete dich aus seiner Hand,

und du tatest dann Zeichen und Wunder;
du warst ja dazu gesandt,
daß du diese in Ägypten gegen Pharao,
sein ganzes Haus, seine Knechte
und sein Volk tatest.

5
Der Herr nahm schwere Rache an ihnen wegen Israel

und schlug sie mit Blut, Fröschen, Mücken, Hundsfliegen
und schlimmen Blattergeschwüren;
ihr Vieh schlug er mit dem Tod.
Er vernichtete auch durch Hagel alles, was bei ihnen wuchs,
ferner durch Heuschrecken,
die den Rest, der ihnen vom Hagel übrigblieb, fraßen,
und durch Finsternis;
ferner vernichtete er die Erstgeburt von Menschen und Vieh.
Auch nahm der Herr an all ihren Götzen Rache
und verbrannte sie im Feuer.

6
Und alles ward durch deine Hand gesandt,

indem du all das ankündigtest, bevor es geschah,
und du sprachest davon mit dem König von Ägypten
vor all seinen Dienern und seinem Volk.

7
Und alles geschah nach deinen Worten;

zehn große, furchtbare Gerichte kamen über das Ägypterland,
damit du an ihm für Israel Rache nehmen konntest.

8
Alles tat der Herr Israels wegen

und gemäß seinem Bund, den er mit Abraham schloß
damit er sich an ihnen dafür räche,
daß sie sie mit Gewalt unterdrückt hatten.

[661]
9
Da erhob sich gegen dich der Fürst Mastema

und wollte dich in Pharaos Hand fallen lassen;
so half er immer den Zaubereien der Ägypter,
als sie austraten und sie vor dir ausübten.

10
Wir ließen sie zwar das Böse tun;

aber wir erlaubten nicht,
daß Heilung durch ihre Hände erfolgte.

11
Als der Herr sie mit bösen Geschwüren schlug,

konnten sie nicht mehr standhalten;
denn wir richteten sie zugrunde,
so daß sie kein einziges Zeichen tun konnten.

12
Trotz all dieser Zeichen und Wunder

schämte sich der Fürst Mastema nicht,
sondern nahm seine Kraft zusammen und rief den Ägyptern zu,
sie sollten dich mit allen Streitkräften Ägyptens verfolgen,
mit ihren Wagen, Rossen und der ganzen Völkermacht Ägyptens.

13
Da stellte ich mich zwischen die Ägypter, dich und Israel

und rettete Israel aus seiner und seines Volkes Hand,
und der Herr führte sie mitten durchs Meer wie durch trockenes Land.

14
Und alles Volk, das er zur Verfolgung Israels hinausgeführt,

warf der Herr, unser Gott, mitten ins Meer,
in des Abgrunds Tiefen,
für die Kinder Israels,
weil die Ägypter ihre Kinder in den Strom geworfen hatten.
So nahm Er Rache an Millionen von ihnen,
und tausend starke und mutige Männer kamen für Einen Säugling um,
den sie von deines Volkes Kindern in den Strom geworfen hatten.

15
Am vierzehnten bis achtzehnten Tag

war der Fürst Mastema gefesselt und eingesperrt,
daß er die Israeliten nicht anklage.

16
Am neunzehnten Tag ließen wir ihn los,

daß er den Ägyptern helfe und sie hinter den Israeliten herjage.

17
Und er verstockte und verhärtete ihre Herzen;

aber von dem Herrn, unserm Gott, war der Plan gemacht,
die Ägypter zu schlagen und sie ins Meer zu stürzen.

18
Am vierzehnten Tag hatten wir ihn gefesselt,

daß er die Israeliten nicht anklage
an dem Tag, wo sie sich von den Ägyptern
die silbernen, goldenen und ehernen Geräte erbaten,
um die Ägypter für die Knechtschaft auszuplündern,
worin sie sie mit Gewalt gezwungen hatten.

19
Wir aber ließen die Israeliten nicht leer aus Ägypten ziehen.


49. Kapitel: Passa (Ex 12)
1
Gedenke des Gebotes,

das dir der Herr betreffs des Passa gab,
daß du es am vierzehnten des ersten Monats schlachtest,

[662]

ehe es Abend wird,
und daß man es in der Nacht verzehre,
am Abend des fünfzehnten, vom Sonnenuntergang an!

2
Denn in dieser Nacht – sie ist der Anfang des Festes und der Freude –

aßet ihr in Ägypten das Passa,
während alle Streitkräfte des Mastema entsandt wurden,
alle Erstgeburt in Ägypten zu töten,
von der Erstgeburt des Pharao an
bis zu der kriegsgefangenen Magd an der Mühle
und selbst bis zum Vieh herab.

3
Und dies ist das Zeichen, das der Herr ihnen gab:

Sie sollten kein Haus zur Tötung betreten,
an dessen Türe sie das Blut eines jährigen Schafes sahen,
sondern sollten vorübergehen,
damit alle im Haus gerettet würden,
weil das Blutzeichen an seiner Türe war.

4
Und die Mächte des Herrn taten alles,

was ihnen der Herr befahl;
sie gingen an allen Israeliten vorbei
und die Plage kam nicht über sie,
so daß von ihnen keine Seele zugrunde ging,
weder Vieh noch Menschen noch Hunde.

5
In Ägypten aber war die Plage ganz gewaltig,

und es gab in Ägypten kein Haus,
worin nicht ein Leichnam lag und Weinen und Klagen war.

6
Ganz Israel aber aß das Fleisch des Osterlammes

und trank Wein
und lobte und pries den Herrn, den Gott seiner Väter,
und dankte ihm;
dann machte es sich bereit,
aus dem Joch der Ägypter und der schlimmen Knechtschaft fortzuziehen.

7
Du aber gedenke dieses Tages alle deine Lebenstage

und halt ihn von Jahr zu Jahr alle Tage deines Lebens
einmal im Jahr an seinem Tag nach seiner ganzen Anordnung
und verschieb es nicht von einem Tag zum andern,
von einem Monat zum andern!

8
Denn es ist eine ewige Satzung,

und für alle Israeliten ist es in die Tafeln des Himmels eingegraben,
daß sie es in jedem Jahr an seinem Tag halten,
und zwar einmal des Jahrs,
durch alle ihre Geschlechter hindurch.
Es ist dies nicht zeitlich beschränkt,
sondern für ewig festgesetzt.

9
Ist ein Mann rein

und kommt er nicht dazu, es an seinem Tag zu halten,
vor dem Herrn ein wohlgefälliges Opfer darzubringen
und an seinem Festtag vor dem Herrn zu essen und zu trinken,
so soll dieser Mann, der rein und befähigt ist, ausgerottet werden.

[663]

weil er das Opfer für den Herrn nicht zu seiner Zeit darbringt;
er wird die Schuld für sich selbst zu tragen haben.

10
Es sollen die Israeliten kommen

und das Passa zu seiner Zeit halten,
am vierzehnten des ersten Monats zwischen den Abenden,
vom dritten Teil des Tags bis zum dritten Teil der Nacht;
denn zwei Teile des Tages sind dem Licht gegeben
und der dritte dem Abend.

11
Dies ist es, was dir der Herr geboten hat,

du sollest es „zwischen den Abenden“ halten.

12
Sein Schlachten darf nicht zu jeder Zeit des Lichtes stattfinden,

sondern nur in der Grenzzeit des Abends;
man soll es in der Abendzeit bis zum dritten Teil der Nacht essen.
Was aber vom ganzen Fleisch
vom dritten Teil der Nacht und weiterhin übrigbleibt,
soll man mit Feuer verbrennen.

13
Man soll es aber nicht in Wasser kochen

noch roh essen,
sondern am Feuer braten
und es so mit Sorgfalt essen.
Man soll seinen Kopf samt den Eingeweiden und Füßen am Feuer braten,
aber kein Bein ihm zerbrechen;
denn von den Israeliten soll kein Bein zerbrochen werden.

14
Deshalb gebot der Herr den Israeliten,

sie sollten das Passa an seinem bestimmten Tag halten;
sie dürfen aber kein Bein daran brechen.
Es ist ja ein Festtag und ein gebotener Tag,
und sie dürfen ihn nicht von Tag zu Tag,
von Monat zu Monat verschieben;
es soll an seinem Festtag abgehalten werden.

15
Befiehl den Israeliten,

sie sollen das Passa allezeit jedjährlich halten,
und zwar einmal im Jahr, zur bestimmten Zeit!
Es dient als ein dem Herrn wohlgefälliges Gedächtnis;
in diesem Jahr kommt dann keine Plage über sie,
sie zu schlagen und zu töten,
wenn sie das Passa zur rechten Zeit ganz nach seinem Gebote halten.

16
Es ist aber nicht erlaubt,

es außerhalb des Heiligtums des Herrn zu essen;
man muß es vielmehr vor dem Heiligtum des Herrn essen,
und die Gesamtgemeinde Israels soll es zur festgesetzten Zeit feiern.

17
Wer an diesem Tage kommt,

soll es im Heiligtum eures Gottes vor dem Herrn essen,
vom zwanzigsten Jahr an aufwärts;
denn so ist es geschrieben und verordnet,
sie sollen es im Heiligtum des Herrn essen.

18
Kommen aber die Israeliten in das Land,

das sie zum Besitz erhalten, nach Kanaan,

[664]

und stellen sie das Zelt des Herrn mitten im Land in einem ihrer Stämme auf,
bis das Heiligtum des Herrn im Land erbaut ist,
dann sollen sie herbeikommen
und das Passa im mitten Zelt des Herrn halten,
und sie sollen es von Jahr zu Jahr vor dem Herrn schlachten.

19
Wenn aber das Haus im Namen des Herrn in ihrem Erbland erbaut ist,

dann sollen sie dorthin gehen
und das Passa schlachten,
und zwar am Abend, wenn die Sonne untergeht,
am dritten Teil des Tages.

20
Sie sollen sein Blut an die Altarschwelle bringen,

sein Fett auf das Altarfeuer legen
und sein Fleisch, am Feuer gebraten,
im Hof des dem Herrn geweihten Heiligtums essen.

21
Sie können aber das Passa nicht in ihren Städten

noch sonst an einem Ort halten,
außer vor dem Zelt des Herrn
oder vor dem Haus, wo sein Name wohnt;
sie sollen nicht vom Herrn weggehen.

22
Du aber, Moses, befiehl den Israeliten,

sie sollen die Passaordnungen halten, wie dir befohlen ward!
Zeig ihnen jedes Jahr den Tag seiner Tage an,
d. i. das Fest des ungesäuerten Brotes,
wo sie sieben Tage ungesäuertes Brot essen
und so sein Fest halten sollen!
Sie sollen auch ein Opfer täglich während jener sieben Tage bringen,
und zwar in Freuden vor dem Herrn auf dem Altar eures Gottes!

23
Denn ihr habt dieses Fest in Eile gefeiert,

als ihr aus Ägypten zoget,
bis ihr in die Wüste Sur kamet;
denn am Meeresufer habt ihr es vollzogen.


50. Kapitel: Jubiläen und Sabbat
1
Nach diesem Gesetz tat ich dir in der Wüste Sin zwischen Elim und Sina

auch die Sabbattage kund.

2
Ich sprach zu dir auf dem Berg Sinai

auch von den Sabbaten des Landes,
ebenso von den Jubiläenjahren in den Jahressabbaten;
aber das Jahr davon nannte ich dir nicht,
bis ihr in das Land kommt,
das ihr zu eigen haben sollt.

3
Auch das Land soll seine Sabbate feiern,

wenn sie darin wohnen,
und dann sollen sie das Jubeljahr erfahren.

4
Deshalb setzte ich für dich Jahrwochen, Jahre und Jubiläen fest;

von Adams Tagen bis auf diesen Tag sind es 49 Jubiläen,
eine Jahrwoche und zwei Jahre.

[665]

Noch dauert es vierzig Jahre,
bis sie durch Überschreiten des Jordans nach Westen ins Land Kanaan kommen
und dann des Herrn Gebote lernen.

5
Die Jubiläen werden verschwinden,

wenn Israel von aller Sünde der Unzucht, Unreinheit und Befleckung,
Schuld und Irrtum rein ist
und vertrauensvoll im ganzen Lande wohnt,
ohne daß es einen Satan oder sonst einen Bösewicht mehr darin gibt.
Dann bleibt das Land von da an bis in alle Ewigkeit rein.

6
Siehe, ich schrieb dir auch das Sabbatgebot

und alle Rechte seiner Satzungen auf.

7
An sechs Tagen sollst du deine Arbeit verrichten;

am siebten Tag aber ist der Sabbat des Herrn, eures Gottes.
Verrichtet an ihm keinerlei Arbeit,
weder ihr selbst, noch eure Kinder,
Knechte, Mägde, noch euer Vieh,
auch nicht die Fremden, die bei euch sind!

8
Wer an ihm irgendwelche Arbeit verrichtet,

soll sterben!
Ebenso wer diesen Tag entweiht,
indem er seinem Weibe beiwohnt,
oder wer sagt,
er wolle an ihm etwas machen,
oder wer an ihm eine Reise wegen Kaufs oder Verkaufs macht,
oder wer an ihm Wasser schöpft,
das er nicht für sich am sechsten Tag vorbereitet hat,
oder wer irgend etwas aufhebt,
um es aus seinem Zelt oder Haus zu bringen,
der soll sterben.

9
Verrichtet am Sabbat keinerlei Arbeit,

ohne daß ihr sie für euch am sechsten Tag vorbereitet habt,
wie Essen und Trinken!
Ruhet von aller Arbeit an diesem Tag
und feiert Sabbat
und preiset den Herrn, euren Gott,
der euch einen Festtag und heiligen Tag verlieh!
Ein Tag des heiligen Königtums für ganz Israel
ist dieser Tag unter seinen andern für immer.

10
Groß ist ja die Ehre, die der Herr Israel erwies,

daß es an diesem Festtag essen und trinken,
sich sättigen und von jeder menschlichen Arbeit ruhen sollte,
außerdem daß es Rauchwerk
und Gaben und Opfer vor dem Herrn für Tage und Sabbate darbrächte.

11
Diese Arbeit allein soll an den Sabbattagen

im Heiligtum des Herrn, eures Gottes, getan werden,
so daß sie beständig Tag für Tag das Sühnopfer für Israel darbringen
als ein vor dem Herrn wohlgefälliges Gedächtnis,
auf daß er sie für immer Tag für Tag, wie dir geboten ist, annehme!

[666]
12
Jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet,

und wer auch nur einen Weg geht,
oder wer sein Grundstück besorgt, zu Haus oder sonstwo,
oder wer Feuer anzündet,
oder wer irgendein Tier bepackt,
oder wer zu Schiff auf dem Meer reist,
oder wer jemanden schlägt oder tötet,
oder wer ein Tier oder einen Vogel schlachtet,
oder wer am Sabbat jagt oder kämpft,

13
jeder Mensch, der irgend etwas davon am Sabbattage tut, soll sterben,

auf daß die Israeliten den Sabbat gemäß den Geboten über die Sabbate des Landes feiern,
wie auf die Tafeln geschrieben ist,
die Er mir in die Hände gab,
damit ich dir die Ordnungen der Jahreszeiten
und die Jahreszeiten nach der Einteilung ihrer Tage aufschreibe.
Hier endet der Bericht über die Einteilung der Tage. –
Dank gebührt dem Herrn aller Schöpfung, dem König der Könige,
in Ewigkeit und in alle Ewigkeit. Amen und Amen!


Erläuterungen

[1304]
39. Zum Jubiläenbuch

Das Jubiläenbuch enthält die Geschichte von der Schöpfung bis zum Auftreten des Moses. Diese wird eingeteilt in Jubelperioden von 49 Jahren; dies gab dem Buch den Namen. Es heißt auch Kleine Genesis, weil seine Autorität geringer als die der kanonischen Genesis ist. Es entstand wahrscheinlich im 2. Jahrhundert v. Chr., vielleicht unter Johannes Hyrkan. Das Buch will eine Offenbarung, keine reine Erklärung von Genesis und Exodus sein. Sehr wahrscheinlich stammt es aus essenischen Kreisen, namentlich wegen der Heptaden, der rigorosen Sabbatfeier, der Engellehre, der Geheimbücher der Arzneikunde, der Verteidigung des Sonnenjahres, der Lehre von der ewigen Vorherbestimmung und der ewigen Seligkeit ohne Auferstehung. Die Hervorhebung der Tieropfer spricht nicht dagegen; denn die Essener verwerfen diese nicht grundsätzlich, sondern hielten sich vor ihnen nur aus rituellen Gründen ferne (Jos. Ant. XVIII 1. 5) (s. R. H. Charles, The Book of Jubilees 1917, E. Kautzsch, Pseudepigr. d. A. T. 1900, 31 ff. Th. Q. 1914, 341 ff).

[1305] Das chronologische System dieser Geschichte beruht auf der Siebenzahl. Eine Jahrwoche besteht aus sieben Jahren, ein Jubiläum aus 49 Jahren, die in 7 Jahrwochen zu 7 Jahren zerfallen.

  • 1: 1 s. Ex 24, 15–18. 10 das Heilige = die Opfer; mein Zelt und mein Heiligtum = mein heiliges Zelt bezeichnet hier den Tempel in Jerusalem. 17 den zweiten Tempel. 20 Beliar ein satanisches Wesen. 26 im Jubiläenbuch. 27 nicht im Pentateuch. 27 Engel des Angesichts oder der Gegenwart Gottes = Angelus repraesentans der Väter, wahrscheinlich Michael s. Is 63, 9 Test. XII Patr. Juda 25, Gal 3, 19; nicht der Pentateuch, sondern eine Geschichte des messianischen Königtums. 28 Dieser Vers gehört hinter V. 25. 29 Daraus diktiert der Engel dem Moses das Jubiläenbuch. Der Aufbau des Tempels findet im messian. Königtum statt.
  • 2: 2 Der Schöpfungswerke des ersten Tages sind es sieben: Himmel, Erde, Gewässer, Geister, Abgründe, Finsternis und Licht. Die Engel wurden danach am ersten Tag geschaffen, nach dem spätern Judentum dagegen am zweiten oder fünften Tag. Die zwei höchsten Engelklassen sind die Engel des Angesichts und die der Heiligung, die andern Engel bilden zusammen eine dritte, niedere Klasse; sie sind über die Elemente und Naturereignisse gesetzt. 9 Der Verfasser läßt absichtlich den Mond weg, weil er den Mondkalender verwirft. 14 Gen MT 2, 2 „am siebten Tag“, dagegen Samar., LXX u. Syr „am sechsten“ wie hier. 18 Die dritte Engelklasse und die Heiden kennen die Sabbatfeier nicht. 21 mit uns = mit Gott und den höhern Engeln. 23 Dieser = der Sabbat; jener = Jakob. 29 Entsprechend dem rabbin. Gesetz. 30 Spätere Milderung durch das rabbin. Gesetz. von Erub s. Ex 16, 29. 31 ihn = Jakob.
  • 3: 1 s. Gen 2, 4–3, 1 ff. 4 MT „ich will ihm machen“, Jub = LXX und Vulg. 8 s. Lev 12, 2–5. 10 Die himmlischen Tafeln sind die himmlische Vorlage des irdischen Gesetzes; auch Henoch 81, 1, 2; 93, 2; 103, 2 u. Test. XII Patr. kennen sie. 15 nach rabbin. Tradition nur sechs Stunden. Ackerbau also eine göttliche Einrichtung s. Is 28, 26 ff. 24 MT „dein Verlangen“: LXX u. Syr = Jub „Rückkehr“. 27 s. Ex 30, 34. 28 s. Jos. Ant. I 1, 4; danach sprachen damals Menschen und Tiere hebräisch. 31 Gegen das griechische Nacktturnen s. 1 Mak 1, 13 f; 2 Mak 4, 9 ff; Jos. Ant. XII 5, 1. 32 Elda vielleicht „Geburtsland“.
  • 4: 1 s. Gen 4, 1 ff. Awan „Ungerechtigkeit“ wurde Kains Weib, nach den Rabbinen seine Zwillingsschwester. 5 s. Dt 27, 24. 7 MT „sie hieß ihn“; Sam „er“ = Jub. 10 Die Namen der neuen Kinder bei Philo, Bibl. Antiq. 12 Mt „man begann“; „er“ = LXX Vulg, Jub. 13 s. Gen 5, 9. 12. 14 Mual = die Gott Preisende. 15 „Wächter“ s. Dan 4, 13. 17. 23; bei Henoch 1, 5; 10, 9. 15 u. a. Bezeichnung der gefallenen Engel. 17 Das Buch Henoch 72–82. 19 Traumgesicht s. Henoch 82–90. 20 Edni, bei Henoch 85, 3 Edna. 21 s. Henoch 23–36. 23 s. Henoch 70, 1–3. 24 s. Henoch 12, 3 u. 14, 1. 26 Berg des Ostens vielleicht das Gebirge von Michran (Vorderland = Kedem) in Mesopotamien. 29 Nach den Rabbinen verbrannte Adam den Leichnam Abels. 30 s. Ps 90, 3 u. 2 Petr 3, 8. 32 Das Gesetz der Wiedervergeltung s. Ex 21, 24, Lev 24, 19.
  • 5: 1 s. Gen 6, 1 ff, Gottes Engel = LXX; M.T. „Söhne Gottes“. 17 aus 34, 18 f hierher gesetzt. 18 „einmal jährlich“ s. Hebr 9, 7. 28 Lubar vielleicht Elburs. 31 nach Gen 8, 14 war es der 27. Tag.
  • 6: 1 s. Gen 8, 20–9, 17. 2 Die Erde war durch die Sünden ihrer frühern Bewohner befleckt. 3 Das Opfer entspricht Ex 29, 40, Lev 2, 2 ff. 11 dir = Moses. 17 Pfingsten; später wurde es mit der Sinaigesetzgebung[1306] zusammengebracht. Hier wird es auf den 15. Tag des 3. Monats gelegt. 18 Blutgenuß und Unterlassung der Pfingstfeier hängen hier zusammen. 20 am Sonntag. 21 als Fest des Noebundes und als Ackerbaufest. 22 im Pentateuch. Pfingsten fällt also immer auf den gleichen Wochentag, den Sonntag. 23 Nach Lev 23, 24 ist nur der erste Tag des siebten Monats ein Gedenktag. Die vier Tage der Jahreszeiten sind Schalttage s. Henoch 75, 1. 23 Doppelbeschreibung am Ende. 36 Das Mondjahr besteht aus 354 Tagen; dieses war bei den Pharisäern beliebt.
  • 7: 1 s. Gen 9, 20–10, 1 ff. „Im vierten Jahr“ s. Lev 19, 23–25. 20 Von hier bis V. 39 ein Fragment des verlorenen Noebuches. 21 Hurerei, Unreinheit und Ungerechtigkeit. 22 Naphil = Riese, Eljo = sehr großer Mensch. 26 Noe. 36 Die Diener = Priester; im spätern Judentum aßen sie die Eigentümer. Ersteres entspricht den Samaritern und Karaiten.
  • 8: 1 s. Gen 8, 11–30. Kainam nicht in Mt Gen 10, 24; 11, 13; aber in LXX und Luk 3, 36. 3 nach Jos. Ant. I 2, 3 die Lehre der Sethiten. 9 Kanaan liegt in Sems Teil; daher die Berechtigung der spätern israelitischen Eroberung. 10 von uns = den Engeln. 12 Bei der Beschreibung der Länder Sems wird im hohen Norden begonnen. Der Berg Rafa sind die rhipäischen Berge mit dem Tanais oder Don. Dieser mündet in das Meer Meat oder in die Maeotis, das Asowsche Meer. Das Eingeklammerte gehört zu V. 25 Japhet. Der Fluß ist die Donau, die nach den Alten auf den Alpen, „den Abgründen“, entspringt, wobei sie den Inn für die Donau halten (Ptolemäus, Agathemeros, Strabo). Das große Meer ist das Schwarze Meer, das als Teil oder gar als „Mutter“ des Mittelmeeres angesehen wurde (Num 39, 6 f „großes Meer“ = Mittelmeer). 13 Karaso = die Stadt Halikarnassos auf einer von Ost nach Süd umbiegenden Halbinsel am keramischen Meerbusen. 14 Das große Meer = Mittelmeer, die Landzunge gegen Süden die lykische Halbinsel; hier war das ägyptische Meer nach den alten Geographen. 15 Die Mündung des großen, d. i. Mittelmeeres, ist der Meeresarm zwischen Cypern und Cilicien, der Aulon Cilicius; die Küste der Gewässer ist die wasserreiche syrische Landschaft Pierien mit der Hauptstadt Seleucia, die nach Strabo früher „Wasserströme“ hieß. Afra ist der alte Gesamtname des palästinischen Flachlandes, d. i. die phönizische und palästinische Küste. Gichon bezeichnet hier das Rote Meer. Das Ufer des Gichon ist die Westküste Arabiens. 16 Eden ist das Adane der Alten, das heutige Aden. Der Garten selbst liegt im nördlichen Teil der Landschaft Eden, etwa in der Gegend des alten Mariaba, des heutigen Mareb, in der Landschaft Jemen, die von allen orientalischen Autoren wegen des paradiesischen Klimas gepriesen wird. Die Glosse erläutert „nach Osten“. Dann geht die Grenze in Einem Zug gegen Norden zu den rhipäischen Bergen und den Quellen des Tanais. 18 Ein zweites Fragment des verlorenen Noebuches. 19 Zum Edengarten als Gotteswohnung vgl. die ägyptische Bezeichnung Arabiens als Ta-nuter „Gottesland“ und die babylonische als Dingirra-ki „Gottesland“. 21 Diese Übersicht über Sems Gebiet beginnt in der Südwestecke Arabiens mit dem Land Eden, dem jemenischen Binnenland, reiht hieran das ganze Land des erythräischen Meeres, den jemenischen Küstenstrich. Das ganze Ostland ist Hadhramaut, Mahra und Oman; daran schließt sich Indien. Von hier geht die Aufzählung wieder nach Westen; sie nennt Elam, dann den nördlichen Nachbar Assur. Von da geht sie spiralförmig gegen Süden nach Babel, dann gegen Osten nach Susa, hieraus gegen Norden nach Medien,[1307] dem Gebirge von Ararat oder Armenien und endlich gegen Westen in die Länder jenseits des Gebirges von Assur oder des Taurus und Antitaurusgebirges an die Gestade des Schwarzen Meeres. Das größere Zitat nennt das Land Basan im Ostjordanland, das Libanongebiet in Phönizien, die Inseln von Kaphtor oder die Küstengestade von Cilicien, Cypern und Kreta, das Gebirgsland des Sanir oder Hermon in Nordpalästina und das Gebirge von Assur oder das Taurusgebirge. 22 Hams Gebiet beginnt am Gichon, d. i. dem Roten Meer, umfaßt die afrikanische Küste bis zur Somalihalbinsel gegenüber dem arabischen Feuergebirge, d. i. dem Vulkan von Barahut. Dann führt die Grenze durch Afrika zurück an das Meer Atel, d. i. den Atlantischen Ozean. Die Glosse bringt aus V. 26 zum „Meer Atel“ ein Synonym „das Meer Mauk“, d. h. Ozean, wahrscheinlich der nördliche Teil des Atlantischen Meeres, das als nicht schiffbar galt. 23 Die Grenze biegt nach Norden und kommt in die Nähe von Gadir, dem heutigen Cadix. Die erste Glosse stammt aus 8, 26. Von da kommt sie zu den „Wassern des großen Meeres“, d. h. zum Mittelmeer, und nähert sich schließlich ihrem Ausgangspunkt, der Gegend des Nildeltas. Die zweite Glosse spricht vom Arabischen Meerbusen, der bei Bab el Mandeb nach Osten biegt und so auf die Südseite der Landschaft von Eden gelangt. 25 Japhets Gebiet beginnt am Tanais d. i. Don. Von ihm läuft die Grenze zuerst „nach Norden“. Die Glosse setzt die von 8, 12 fort; sie schildert den Unterlauf der Donau. Sie fließt „nach Nordosten zum ganzen Goggebiet und seinen östlichen Ländern“, d. i. in die Wohnsitze der alten Geten. Bei diesen gab es ein Gebirge und einen Fluß namens Cogaeonum, was an Gog anklingt, wie die homerischen Kitonen. Vom Norden läuft Japhets Grenze zu den Bergen von Kelt, d. i. zu den Alpen und den Pyrenäen hin, von da zum Meer Mauk, d. i. dem Atlantischen Ozean; dann erreicht sie Gadir, d. i. Cadix, und geht durch die Meerenge von Gibraltar zu den Wassern des Meeres, d. i. des Mittelmeeres. 27 Hier nähert sich Japhets Grenze dem Westen von Freg, d. i. Thrazien, das früher Perke hieß. Von hier biegt die Grenze „rückwärts“ nach Süden bis Aferag, d. i. Phrygien; von hier geht sie nach Osten zur Maeotis oder dem Asowschen Meer, 28 dann nach Nordosten zu den rhipäischen Bergen an die Quelle des Tanais oder Don. So schließt sie den Kreis nach Norden. 29 Die fünf großen Inseln sind Sizilien, Sardinien, Korsika, Cypern und Kreta; das große Land im Norden ist Nordeuropa.
  • 9: 1 s. Gen 10, 1 ff. Der östliche Teil, den Kusch bekommt, ist das Land zwischen dem Nil und dem Roten Meer; sein Gebiet greift aber auch nach Südwestarabien über (s. Gen 10, 7). Sein Nachbar im Westen ist Ägypten, dessen westlicher Nachbar Put, d. i. Libyen. Westlich davon am Meer lag Kanaans Teil, d. i. Numidien und Karthago; Kanaan zog aber nicht dahin (10, 29.) 2 Elams Gebiet liegt östlich vom Tigris; es zerfällt in zwei Teile, in die östlich vom Tigris gelegene Ebene mit der Hauptstadt Susa und in die Bergländer vom Mebri d. i. Mons Charbanus und von Elam = Parachoathras mit den susischen Felsen und Pässen. Die erste Glosse gehört zu Arpaksads Gebiet V. 4. Die „Wasser von Dedan“ bezeichnen den Larfluß oder die Süßwasserquellen von Bahrein. Die zweite gehört ebenfalls zu Arpaksad V. 4. Pharnak ist ein Land am obern Euphrat. Die dritte Glosse gehört zu Assur V. 3; sie meint den Tanais = Don. 3 Assur erhält das Land Assur, das Gebiet und die Stadt Assur, ferner Ninive und Sinear, das Singara der Alten, in Mesopotamien. Nach Osten erstreckt es sich, wie[1308] Elam, bis nach Indien und nach Norden bis zum Fluß, den Tanais-Don, hinauf. 4 Dem Arpaksad fällt das Chaldäergebiet in der Nähe des persischen Meerbusens zu; ein Teil reicht noch „über den Euphrat im Osten“. Gegen Westen erstreckt es sich über ein Wasser der Wüste bis an die „nach Ägypten schauende Meerzunge“, d. i. der Landstrich zwischen dem Persergolf und der Bucht von Akaba am Roten Meer. Die Wasser der Wüste sind wohl die „Wasser von Dedan“ V. 2, der Larfluß oder die Süßwasserquellen von Bahrein. Die Glosse befaßt sich mit den Westaramäern im Norden von Palästina, Soba, und im Nordosten, Damaszene, in den Gegenden des Libanon, des Hermon und des Antilibanon bis zum Euphrat. 5 Aram fiel alles Land zwischen Euphrat und Tigris zu, also Mesopotamien; nach Norden reicht es bis an das Gebirge Assur oder Taurus und an das Land Ararat oder Armenien. 6 Lud erhielt das Gebirge Assur oder Taurus samt Antitaurus, ebenso alles Land gegen Westen, bis zum „großen Meer“, d. i. dem Mittelmeer bei Halikarnaß 8, 13 und alles Land „gegen Osten“ bis Assyrien. 8 Gomer erhielt den östlichsten Teil, der von Norden her an den Tanais Don reichte. Südlich davon lag Magogs Teil, der bis an die Maeotis oder das Asowsche Meer reichte. Hier saßen im Altertum die Amadoker. Magog dürfte in Angleichung an Gog aus Madog entstanden sein. 9 Madaj oder Medien sollte das Land westlich davon bis in den griechischen Archipel erhalten; er verzichtete aber darauf 10, 35. 10 Javan erhielt alle Inseln gegen Lydien hin. Jub kennt also nur Inselgriechen. 11 Tubal bekommt seinen Teil inmitten der Zunge, die sich Lydien nähert, d. i. aus dem Promontorium Carambis, einer weit bis ins Schwarze Meer vortretenden Landspitze. In der Nähe davon kennen die Alten das Volk der Tibarener. Sein Teil erstreckte sich bis zur zweiten Landzunge oder bis zur Halbinsel von Chalkedon und über den thrazischen Bosporus hinüber „hinein in die dritte Zunge“ oder in die Halbinsel von Byzanz. 12 Die ganze „dritte Zunge“ fiel Mesech zu, d. i. Mösien, wo ein Fluß Moschius vorkommt. Sein Gebiet reicht bis Gadir oder Cadix. 13 Dem Tiras, d. i. den Tyrrhenern, fielen im Mare Libycum vier Inseln zu: Korsika, Sardinien, Sizilien und Malta. Die Glosse gehört zu V. 4. Die Inseln von Kamaturi sind wohl die Kamareneninsel und die perlenreiche Bahreininsel Tyrus.
  • 10: 1 Das dritte Fragment des Noebuches 10, 1–15. 3 s. Num 16, 22; 27, 16. 8 Mastema = Satan. 9 Nur einem Zehntel ist es erlaubt, die Menschen zu verführen. 10 zu Raphael s. Tob 3, 17; 12, 14 f. 19 Singara in Nordmesopotamien, von Kleinarmenien aus südöstlich gelegen. 26 s. 3 Sibyll. 98–103, Jos. Ant. I 4, 3. 29 „westlich am Meer“ in Numidien und Karthago. Palästina war dem Arpaksad zugefallen. 32 Der heilige Richter = der Engel, der bei der Verteilung zugegen war 8, 10. 33 Hamat Nordgrenze Israels.
  • 11: 1 s. Gen 11, 20–30. 3 Ur Kasdim in Mesopotamien; Ammian Marcell. kennt noch ein Kastell Ur bei Nisibis; vielleicht ist es Urhai, Orrhoe, Urfa, das spätere Edessa. 7 In Gen 11, 29 ist Milka das Weib des Abrahambruders Nachor. 9 Iska in Gen 11, 29 die Tochter Harans. 14 Abram ist der Großvater des Patriarchen. 15 Orientalische Namensregel. 23 Nach den Rabbinen war Noe der Erfinder des Pflugs.
  • 12: 1 s. Gen 11, 27–30. 9 Nach Lev 18, 9. 11; 20, 17 war die Ehe mit Halbschwestern verboten; nach den Rabbinen war sie den Nachkommen Noes erlaubt. 11 die Milka. 25 die hebräische Sprache. 26 ich = der Engel. 27 im Winter.
  • 13: 1 s. Gen 12, 4–20; 13, 11–18. Statt Assur lies Geschur, Landschaft[1309] u. ö. von Palästina. Gen 12, 5 MT „bei der Eiche von Moreh“, eine Stadt in Juda (Jos 15, 24). 22 s. Gen 14, 1 ff. MT Gen 14, 1 Ellasar, Tidal; LXX=Jub. 25 Lücke.
  • 14: 1 s. Gen 15, 1 ff. 18 Pakoriter fehlt in MT Gen 15, 20; MT Hittiter statt Perizziter; in MT Gen 15, 21 fehlt Himiter, ebenso in Syr und Vulg; dagegen in Jub LXX Sam. 20 am 15. Siwan; wir = die Engel schließen den Bund mit Abraham und Noe.
  • 15: 1 s. Gen 17, 1 ff am 15. Siwan das Pfingstfest. Die Pharisäer feierten es am 6. Siwan. 2 Die Opfergaben sind andere als in Lev 23, 18–20. 14 „Am 8. Tag“ fehlt in MT Syr Vulg, dagegen in Jub, LXX, Sam. 16 MT bezieht den Segen auf Sara, anders Jub LXX Saul Syr Vulg. 24 am 15. Siwan. 25 Nur am 8. Tag sollte beschnitten werden. 27 Die beiden höchsten Engelklassen feiern den Sabbat und sind beschnitten, indem sie so erschaffen sind. 32 Nach Dan 10, 13. 20 f 12, 1 ist Michael Israels Engel. Hier sind die gefallenen Engel gemeint. 33 Beliar ist ein satanisches Wesen; Söhne „Beliars“ = verruchte Menschen s. 1 Sam 2, 12.
  • 16: 1 s. Gen 18, 1–19, 1 ff. Wir = die Engel. 11 Berseba. 13 am 15. Siwan, an Pfingsten. 16 die sechs Söhne der Ketura Gen 25, 2. 18 s. Ex 19, 6. 21 Laubhüttenfest. 22 Nach Num 29, 13 ff am ersten Tag 13 Ochsen, 14 Lämmer. 30 Kränze sonst nicht bekannt. 31 Nach der spätern Tradition nur am 7. Tag.
  • 17: 1 s. Gen 21, 8 bis 21. 7 „großes“ (Volk) fehlt in MT Gen 21, 13, dagegen in Jub LXX Sam Syr Vulg. 10 Ölbaum MT Gen 21, 15 Gesträuch LXX Fichte. 16 Nach Jub war Isaak bei seiner Opferung 23 Jahre alt, nach Seder Olam 37.
  • 18: 1 Gen 22, 1–19. 2 Hochland Gen MT 22, 2 Morija. 7 Berg Gottes Gen MT 22, 9 die Stätte, die ihm Gott genannt hatte. 9 Mastema bezeichnet hier die ganze Klasse der bösen Geister. 13 Syr und Vulg Gen 22, 14 „wird sehen“ MT „er erscheint“. 15 „Die Städte“ Sam LXX, dagegen MT Gen 22, 17 „die Tore“.
  • 19: 1 s. Gen 23, 1 ff. 13 Die Zelte waren nach den Targumen Akademien. 24 Metusala fehlt.
  • 20: 1 s. Gen 20, 1–11. 4 nach Lev 21, 9 nur die Priestertochter; andere werden gesteinigt Lev 20, 10.
  • 21: 1 in Gen 27, 2 Worte Isaaks.
  • 22: 21 Kanaan besaß widerrechtlich Palästina s. 10, 29–34. 24 Haus = Familie.
  • 23: 1 s. Gen 25, 7–10. 10 wegen der Bosheit der Welt ward er vor der Zeit alt. 11 Glosse ist Doppelschreibung. 15 s. Ps 90, 10. 16 s. 1 Mak 1, 15 ff. 20 Weg = der wahre Glaube. Kämpfe der Makkabäer und der Hellenisten. 21 Die hellenist. Partei des Hohenpriesters Alkimus s. 1 Mak 9, 54. 25 s. Sibyll. Orakel 2, 155. Kinder mit Greisenhaar eines der Zeichen des messian. Zeitalters. 27 tausend Jahre die ursprüngliche Lebenszeit Adams.
  • 24: 1 s. Gen 25, 11 ff. 6 Edom = rot. 25 kein Wasser LXX; MT Gen 26, 32 Wasser. 28 Spiegelbild der Philisterkämpfe im Makkabäerzeitalter. Kittiter = Römer s. Dan. 11, 30. 30 Die Philister kamen über Kaphtor-Kreta nach Kanaan s. Amos 9, 7.
  • 25: 1 s. Gen 28, 1–4.
  • 26: 1 s. Gen 27, 1 ff. 23 Tau der Erde, MT Gen 27, 28 „fett“; Öl MT Gen 27, 28, Wein.
  • 27: 1 s. Gen 28, 1 ff. 14 Schwester s. Tob 5, 20; 7, 16 H. L. 4, 9 u. a.
  • 28: 1 s. Gen 29; 30; 31, 1 f. 6 der jüd. Tradition unbekannt. 9 Eine solche Heirat war später verboten s. Lev. 18, 18. 11 „er hieß“ MT Gen 29, 32 „sie hieß“ 29 „Rinder, Schafe“ LXX fehlt in MT Gen 30, 43.
  • 29: 1 s. Gen 31, 1 ff. 4 Schauplätze der Makkabäersiege. Karnaim durch Judas Makk. erobert 1 Mak. 5, 43 f. Misur = Ebene Dt 3, 10. Beon = Bäan, von Judas zerstört 1 Mal 5, 4.
  • 30: 1 s. Gen 34, 1 ff. 5 in Gen 49, 5–7 getadelt. 7 Der Feuertod traf nach Lev 21, 9 nur die unkeusche Priestertochter. 10 Moloch s. Lev 18, 21 = dem Moloch zu Ehren durchs Feuer gehen lassen; hier von Mischehen.[1310] 15 in Lev 20, 5 nur die Familie des Schuldigen. 26 als Freund Gottes.
  • 33: 1 s. Gen 35, 1 ff. 5 Abrahams Haus in Hebron. 15 Priestertum und Fürstentum war bei den makkab. Hohenpriestern vereinigt. 15 der Geliebte = Abraham. 18 „einer deiner Söhne“ = David. 20 der Geliebte = Abraham. 26 in Betel. 29 s. Koh 5, 3.
  • 32: 1 ff s. Gen 35, 1 ff. Den Titel des Melchisedech „Priester des höchsten Gottes“ trugen die Makkabäerpriesterfürsten. 3 Levi als der zehnte Sohn fiel unter das Gesetz des Zehnten und mußte Gott geweiht werden. „Hände füllen“ = weihen. 4 Die Zahl der Opfer stimmt nicht mit Num 29, 12–40 Lev 23, 34–44. 9 Der zweite Zehnte s. Num 18, 26. 15 Diese Zehnten finden sich nicht im A. T. 19 für Erde steht in MT 35, 12 Land, das ist Palästina. 27 der 8. Tag des Laubhüttenfestes. 32 Kabratan LXX Chibratha MT Gen 35, 16 „eine Strecke Wegs“; in Jub Mißverständnis des hebr. Textes. 34 Land MT Gen 35, 19 „am Weg“.
  • 33: 1 s. Gen 35, 21–27.
  • 34: 1 s. Gen 37, 1 ff. 4 Tappua = Tephon 1 Mak 9, 50. Hazor, wo Jonathan siegte, 1 Mak 11, 67 ff; ebenso bei Bethoron mehrere Makkabäersiege 1 Mak 3, 13 ff, 7, 30 ff. 8 Arbela s. 1 Mak 9, 2, Timnat s. 1 Mak 9, 50. 11 Oberkoch = LXX; MT Gen 37, 36 Oberster der Leibwächter. Heliopolis = On. 15 Kafratef s. 32, 32. 18 s. Lev 16, 1, wo diese Begründung fehlt. trauern = fasten s. Lev 16, 31. 20 Nach 30, 7 ff war die Heirat mit einer Kanaaniterin ein todeswürdiges Verbrechen.
  • 35: 17 Hüter = Schutzengel.
  • 37: 1 Diese Kämpfe finden sich im Test. Juda IX und in den jüdischen Midraschen. 6 Diese Stämme spielten eine große Rolle in den Makkabäerkämpfen. Aram = Syrien. 9 Aduram ein Syrer 38, 3. 10 Kittiter bezeichnen bald die Römer, bald die Mazedonier.
  • 38: 2 Nach späterer Tradition wurde Esau von Dans Sohn Chusim vor der Höhle von Machpela getötet. 8 Aduram edom. Stadt = Adora 1 Mak 13, 20, von Johannes Hyrkan erobert und zur Beschneidung gezwungen. 14 Edom wurde endgültig durch Hyrkan unterworfen. 15 s. Gen 36, 31–39.
  • 39: 1 s. Gen 39, 1 ff.
  • 40: 1 s. Gen 41, 1 ff. 7 MT Gen 41, 43 abrek. Der „Mächtige Gottes“ = Großer Zauberer s. Apg 8, 10. 10 Gen 41, 45. Saphnat paneach. Potiphar von Gen 37, 36 gleichgesetzt mit Potiphera Gen 41, 45. Nach späterer Tradition war Asenath die Tochter Dinas.
  • 41: 1 s. Gen 38, 1 ff. 17 Strafe für eine unkeusche Priestertochter Lev 21, 9; nach dem Targum zu Gen 38, 6 war Tamar eine solche.
  • 42: 1 s. Gen 42; 43.
  • 43: 1 s. Gen 44; 45. 10 MT Gen 44, 15 „ein Mann wie ich, versteht sich aufs Weissagen.
  • 44: 1 s.Gen 46, 1–28. 4 Pfingsten am 15. des 3. Monats. 13 Sephat eine kanaanit. Stadt 16 Jasub = LXX Sam; MT Gen 46, 13 Iob. 30 Iv fehlt in Gen 36, 24 und 1 Chr. 7, 13.
  • 45: 1 s. Gen 46, 28 ff, 47, 11 ff. 16 Levi ist der Wächter der väterlichen Tradition.
  • 46: 1 s. Gen 50, 1 ff Ex 1, 1 ff. 6 Der Pharao war wahrscheinlich Setnacht 1200 bis 1198. 7 Der neue Pharao dürfte Ramses III. 1198–1167 sein s. Th Q 1923, 17 ff. 9 Kurz nach seinem elften Jahr 1188 zog er nach Palästina und baute dort neue Festungen. 11 Er wurde bald darauf besiegt und verzichtete auf Palästina. 12 Dieser Plan scheint aus der Sorge um die östliche Reichsgrenze geflossen zu sein. 14 erbauten = bauten aus, stellten wieder her. Ramses III. nahm tatsächlich die seit dem Tode des zweiten Ramses 1225 unterbrochene Bautätigkeit wieder auf.
  • 47: 1 s. Ex 2, 1 ff dein Vater = Amram. 5 Termuthis bei Jos. Ant. II 9, 5. 7.
  • 48: 1 s. Ex 2, 15 ff; 4, 19–24; 7,1–14, 1 ff. 2 Mastema, der Satan, tut hier, was in Ex 4, 24 Jahwe zugeschrieben wird; s. 17, 16; vgl. 1 Chr. 21, 1 mit 2 Sam 24, 1. 17 Auch hier Mastema an Jahwes[1311] Stelle, wie V. 2.
  • 49: 1 s. Ex 12, 1 ff. 2 In Ex 12, 29 ist es Jahwe, der alle Erstgeburt schlug s. 48, 2. 17. 12 Die Sadduzäer und die Samaritaner hielten Passa zwischen Sonnenuntergang und völliger Dunkelheit, die Pharisäer am Spätnachmittag von 3–6 Uhr. Vom 3. Teil des Tags bis zum 3. Nachtteil = 6 abends bis 6 morgens. 20 Später aß man das Osterlamm in einem Haus zu Jerusalem.
  • 50: 8 Verkehr mit dem Weib nur noch bei den Samaritanen verboten. „machen“ = austreten. Reise = nach dem rabbin. Gesetz ein Weg von 2000 Ellen. Kauf und Verkauf durch Neh 10, 31; 13, 16 verboten. 12 „kämpft“, dies Gebot wurde in den Makkabäerkriegen anfangs streng beobachtet 1 Mak 2, 31 ff.