Papageienbuch

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Papageienbuch
Papageienbuch
Märchen-Zyklus indischen Ursprungs
Siehe auch: Märchen
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Das Papageienbuch ist eine in eine Rahmenhandlung eingebettete Sammlung von Märchen indischen Ursprungs. Darin erzählt ein Papagei seiner Herrin mehrere Nächte lang Märchen, um sie vom Ehebruch abzuhalten, während ihr Mann auf Geschäftsreise ist. Die Märchen handeln zumeist von listigen Frauen.

Der Titel des Papageienbuchs in Sanskrit lautet Śukasaptati (Die 70 Erzählungen des Papageien). Es ist unbekannten Alters, aber in dem um 1160 entstandenen Buch Yogaśastra des Jaina-Gelehrten Hemacandra (1088–1172) wird darauf angespielt. Von der Śukasaptati existieren zwei Fassungen, eine einfachere und eine verziertere, die Ende des 19. Jahrhunderts von dem Indologen Richard Schmidt herausgegeben und übersetzt wurden. Es existieren weiterhin zahlreiche Übersetzungen in indische Volkssprachen, sowie Nachahmungen.

Eine persische Fassung von dem Schriftsteller und Sufi Nachschabi (gestorben 1350 in Badaun, Indien) ist auf 1329/1330 datiert. Sie beruht teilweise auf einer früheren persischen Fassung, die Nachschabi im Auftrag eines Gönners überarbeiten sollte. In Nachschabis Version sind die nun 83 Erzählungen (vgl. Mahroo Hatami, S. 3–4) auf 52 Nächte verteilt. Es kamen Erzählungen aus anderen Sammlungen wie dem Pañcatantra (Fünf Gewebe bzw. Bücher) und der Vetālapañcaviṃšatikā (25 Erzählungen eines Dämon) hinzu, während andere wegfielen.

Nachschabis Papageienbuch (Tuti-Name, Buch des Papageien) wurde im 16. Jahrhundert auf Veranlassung des Mogulen Akbar mit Miniaturmalereien illustriert.

Im 17. Jahrhundert stellte Mohammed Qaderi eine verkürzte Bearbeitung des Tuti-Name her. Qaderis Version enthielt nur noch 35 Nächte, statt 52 wie diejenige Nachschabis. Zudem vereinfachte er die Märchen weiter. Die Bearbeitung Qaderis setzte sich weithin durch und diente als Grundlage einer englischen Übersetzung (durch Francis Gladwin, Calcutta 1801), die wiederum von Karl Iken ins Deutsche übersetzt wurde (1822). In einem Anhang zu dieser Ausgabe gibt der Orientalist Johann Gottfried Kosegarten auch Proben von direkten Übersetzungen aus der ursprünglichen, reichhaltigeren Fassung.

Eine türkische Fassung, die Sari Abdallah Efendi um 1660 schuf, wurde 1858 von Georg Rosen in deutscher Übersetzung veröffentlicht.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • The Tootinameh; or, Tales of a Parrot: in the Persian Language; with an English Translation. Calcutta 1792 (enthält nur 12 Nächte, Übersetzer ist ein Sprachlehrer names Gerrans) Google = Columbia
  • Hermann Brockhaus: Zur Geschichte der Sieben weisen Meister. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 242 (1843), S. 969–971, 243 (1843), S. 973–974 Google
  • Die Papageimärchen. Erzählt von Moriz Wickerhauser. Fleischer, Leipzig 1858 (freiere Übersetzung der türkischen Fassung) Google
  • Die Çukasaptati (Textus simplicior). Übersetzung von Richard Schmidt. Haeseler, Kiel 1894
  • Die Marāṭhī-Uebersetzung der Śukasaptati (= Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, Band 10,4). Marāṭhī und deutsch von Richard Schmidt. Leipzig 1897 (Reprint Liechtenstein 1966) Internet Archive
  • Śukasaptati. Das indische Papageienbuch. Aus dem Sanskrit übersetzt von Richard Schmidt. Müller, München 1913, enthält auch das Tuti-Nameh, S. 121–236 Internet Archive
  • Indische Märchen. Herausgegeben von Johannes Hertel. Diederichs, Jena 1919, 6.–15. Tausend, 1921, S. 320–334 (Drei Märchen aus einer volkssprachlichen Fassung der Śukasaptati: König Nand und sein Minister Sakdāl, „Da erwachte ich“, Der König und sein Freund) Internet Archive

Verwandte Werke[Bearbeiten]

  • Der Frauenhüther. Ein persischer Roman. In: Heinrich Barb: Naurus-Blätter. Ein Neujahrsgeschenk für Freunde morgenländischen Wissens und Schriftenthums. Haas, Wien 1848, S. 49–108 (Auswahl) ÖNB, Google
  • Mongolische Märchen. Die neun Nachtrags-Erzählungen des Siddhi-Kûr und die Geschichte des Ardschi-Bordschi Chan. Aus dem Mongolischen übersetzt mit Einleitung und Anmerkungen von Bernhard Jülg. Wagner, Innsbruck 1868, S. 106–119 MDZ München = Google
  • Richard Schmidt: Specimen der Dinalapanikaçukasaptati. In: Zeitschrift der DMG.
    • 1. Teil. Band 45 (1891), S. 629–681 UB Halle
    • 2. Teil. Band 46 (1892), S. 678–683 UB Halle

Rezeption[Bearbeiten]

  • Johann Wolfgang von Goethe: Tag- und Jahreshefte. 1820. In: Weimarer Ausgabe, 1. Abt. Band 36, S. 176 Internet Archive
  • Johann Wolfgang von Goethe: Touti Nameh. In: Ueber Kunst und Alterthum. Band 4,1. Stuttgart 1823, S. 161–166 MDZ München; in: Weimarer Ausgabe, 1. Abt. Band 41,2, S. 16–18, 396 Internet Archive

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Theodor Benfey: Pantschatantra. Band 1. Leipzig 1859, S. 216–217, 273–275, 415 Internet Archive
  • Wilhelm Pertsch: Ueber Nachschabî's Papageienbuch. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 21 (1867), S. 505–551 UB Halle, Google
  • William Alexander Clouston: Popular Tales and Fictions. Band 2. Edinburgh und London 1887, S. 196–211 Internet Archive
  • William Alexander Clouston: The Tell-Tale Bird: Latin Source, other European Versions, and Asiatic Analogues of the Manciple’s Tale. In: F. J. Furnivall, Edmund Brock, William Alexander Clouston (ed.): Originals and Analogues of some of Chaucer’s Canterbury Tales. Trübner, London 1888, S. 436–480 Internet Archive
  • William Alexander Clouston: Tales of a parrot. In: Flowers from a Persian Garden, and Other Papers. London 1890, S. 123–182 Internet Archive
  • Richard Schmidt: Anmerkungen zu dem Textus simplicior der Śukasaptati. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 48 (1894), S. 580–628 UB Halle
  • Johannes Hertel: Das Pañcatantra. Seine Geschichte und seine Verbreitung. Teubner, Leipzig und Berlin 1914, S. 234–249 Internet Archive
  • Mahroo Hatami: Untersuchungen zum persischen Papageienbuch des Naḫšabī. Freiburg 1977 (= Diss. Mainz 1977) UB Halle
  • Ḡolām-Ḥosayn Yūsofī: Čehel ṭūṭī. In: Encyclopædia Iranica. Vol. V, Fasc. 2, pp. 117–118 Iranicaonline.org
  • Mohammad Karimi Zanjani Asl: Naḵšabi, Żiāʾ-al-Din. In: Encyclopædia Iranica. Last Updated: April 19, 2012 Iranicaonline.org

Weblinks[Bearbeiten]