RE:Antiope 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 24952497
Antiope (Tochter des Nykteus) in der Wikipedia
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1) Eine in der Gegend des Kithairon und gegenüber in Sekyon heimische Sagenfigur, gilt als Geliebte des Zeus und ist hier die Mutter des göttlichen Zwillingspaares, das in verschiedenen Landschaften Griechenlands unter verschiedenen Namen verehrt wurde. In der Nekyia der Odyssee (XI 260ff.) erscheint sie als Tochter des Asopos, des Flussgottes der Gegend (sowohl am Kithairon wie bei Sekyon fliesst ein Asopos), was Apoll. Rhod. I 735 wieder aufnimmt; sonst wird sie allgemein in Verbindung gebracht mit dem contrastierenden Brüderpaar, das in Athen die Namen Aigeus und Lykos, in dieser Gegend die Namen Nykteus und Lykos oder Lykurgos (vgl. Maass Herm. XXIII 614. Bethe Theb. Heldenl. 3, 9) führt. Vereinzelt ist sie dann Tochter des Lykurgos (in den Kyprien, Proklos p. 18 Kink.); meist jedoch Tochter des Nykteus und der Polyxo (Apollod. III 10, 1, 3; die Tochter des Asopos von der des Nykteus unterschieden beim Schol. Apoll. Rhod. I 735); als solche stammt sie aus (dem boiotischen Hyria (Hesiod. frg. 153 Rz.). Ob eine von Euripides (frg. 180 N.²) benutzte Localsage dafür Hysiai am Kithairon nannte, oder ob Euripides eigenmächtig diese Änderung vornahm, um den Kithairon noch mehr als Mittelpunkt der Sage erscheinen zu lassen, ist unbestimmbar; in späterer Zeit wird Nykteus zum König von Theben gemacht (Paus. II 6, 1. Hyg. fab. 8). A. ist als [2496] Geliebte des Zeus Mutter des Amphion (s. d.) und Zethos (Od. XI 260ff.). Dass Zeus ihr in Satyrgestalt nahte, erscheint für uns zuerst bei Euripides frg. 210; die Art der Erwähnung jedoch zeigt, dass der Zug älter ist: der Odyssee ist er unbekannt, vielleicht gehört er (trotz Graf Die Antiopesage, Diss. Zürich 1884, 11) der Sage von Hyria an. In Sekyon tritt Epopeus an Stelle des Zeus, ursprünglich wohl ein Beiname des Zeus bezw. seine Hypostase (vgl. Preller-Robert I 117, 2. Maass De Aeschyl. Suppl. Ind. Gryph. 1890–91 p. X), daher nach sekyonischer Sage, wie es scheint, auch Vater des Amphion und Zethos (Paus. II 10, 4, der auch von einer Statue der A. im Aphroditetempel zu Sekyon erzählt), als deren Vater sonst allgemein Zeus galt. Sobald man Epopeus von Zeus unterschied, konnte der Versuch nicht fehlen, beide Angaben zu vereinigen: Epopeus wird Vater des einen, Zeus Vater des anderen Zwillings (Asios frg. 1 Kink.); Korinth endlich annectierte A. wie manche andere Figur der sekyonischen Sage und setzte an Stelle des Zeus-Epopeus den Helios (s. u. Nr. 2). Den Conflict der sekyonischen und boiotischen Tradition versucht die Sage in verschiedener Weise zu lösen. In Proklos Kyprienexcerpt lesen wir nur kurz als Nestors Erzählung, Epopeus habe die Tochter des Lykurgos entehrt, und dafür sei seine Stadt zerstört worden. Eine verwandte Version, in der ebenfalls von Zeus nicht die Rede ist, finden wir in der sekyonischen Archaeologie bei Pausanias II 6, 1ff.: A. ist Tochter des Nykteus und wird von Epopeus geraubt; Nykteus eilt dem Räuber nach, es kommt zur Schlacht, in der Nykteus fällt; sterbend übergiebt er die Rache seinem Bruder Lykos; als dieser aber gegen Sekyon heranzieht, ist Epopeus ebenfalls seinen Wunden erlegen, und sein Nachfolger Lamedon liefert A. aus (Variante: τὶς τῶν πολιτῶν entehrt A., Nykteus übergiebt sie dem Lykos zur Bestrafung, Suid.).

Massgebend für Sage und Kunst der Folgezeit ist im allgemeinen die von Euripides geschaffene Version geworden (vgl. FTG² 410ff.; seltsame Varianten bei Hyg. fab. 7, wo A. als verstossene Gemahlin des Lykos erscheint, vgl. Nr. 3): Die von Zeus schwangere A. flieht vor den Drohungen ihres Vaters Nykteus zum Kithairon, wo Epopeus von Sekyon sie findet, durch ihre Schönheit und Hülflosigkeit gerührt zu sich nimmt und zu seinem Weibe macht. Nykteus tötet sich selbst, nachdem er die Rache seinem Bruder Lykos übertragen. Dieser erobert Sekyon, tötet den Epopeus und führt A. als Gefangene mit sich fort. Auf dem Wege gebiert sie die Zwillinge Amphion und Zethos, die ausgesetzt werden (s. Art. Amphion Nr. 1). A. wird zur Strafe von Lykos seiner Gemahlin Dirke als Magd übergeben. Dirke misshandelt sie grausam; das besonders von Propertius (IV 15, 11ff.) ausgeführte Motiv der Eifersucht spielte jedenfalls schon bei Euripides eine Rolle (vgl. Graf a. a. O. 63f.). Endlich gelingt es der A., ihre Fesseln zu zerreissen (diese fallen von selbst ab, also auf Zeus Geheiss, bei Apollod. III 5, 5, 8); sie flieht auf den Kithairon, wo sie ihre Söhne findet, die sie an Dirke rächen (das Genauere s. unter Amphion Nr. 1).

In Tithorea am Parnass zeigte man ein gemeinsames [2497] Grab der A. und des Landeseponymen Phokos, der als Sohn des Ornytion und Enkel des Sisyphos galt (Paus. X 32, 10; sowohl Sisyphos als König von Ephyra wie Ornytion als Eponymos von Orneai weisen noch auf die alte Heimat der A.-Sage am Asopos, vgl. Bethe Theb. Heldenl. 180); die Localsage motiviert dies, indem sie berichtet, Dionysos habe der A. gezürnt wegen der grausamen Rache an Dirke, die seiner Verehrung ergeben gewesen sei; zur Strafe habe er A. wahnsinnig gemacht, so dass sie ganz Hellas durchirrte, bis Phokos sie fand, heilte und heiratete (Paus. IX 17, 4ff., der noch von einem Aberglauben erzählt, durch den das Grab der A. mit dem des Amphion und Zethos zu Theben in Verbindung gesetzt wird).

Rationalistische Umbildungen der Sage bei Nik. Damask. frg. 14. Cedren p. 24 Cff. Kephalion frg. 7 (FHG III 128 = Joh. Malalas p. 45).

Darstellungen. Die Statue in Sekyon (Paus. II 10, 4) ist bereits oben erwähnt. Zeus als Satyr die A. umarmend hat man mehrfach zu erkennen geglaubt (vgl. Overbeck Kunstmythologie, Zeus 405), doch ist wohl nur der etruskische Spiegel Gerhard Taf. 81, 2 und eine Scene des grossen Mosaiks in Palermo (Ber. d. Sächs. Ges. 1873 Taf. II) so zu deuten. Die Erkennung durch die Söhne auf zwei etruskischen Spiegeln, Arch. Anz. 1864, 254 und Gerhard Taf. 219. Bei Bestrafung der Dirke s. Amphion Nr. 1. Rettung durch Phokos, rf. Skyphos in Wien, abg. Arch. Ztg. 1853 Taf. 57. Fingiertes Gemälde bei Philostr. I 10 (nach Euripides). Die Pariser Replik des Orpheusreliefs ist durch moderne Inschrift fälschlich auf A. gedeutet. Unbegründet ist auch Panofkas (Berl. Winckelmannsprogr. 1855) Deutung des pompeianischen Wandgemäldes Helbig 541 (Mus. Borb. IX 491) auf A. und Phokos.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 124
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     S. 2495 zum Art. Antiope:

Lact. Plac. ad Sta. Ach. 763 (ed. Jahnke): Iuppiter adamavit Antiopen, filiam Nycei, speciosissimam puellam. Cuius dum pater suspectum haberet stuprum, eam custodiis mancipavit. Iuppiter in habitum se vertit Dianae et puellam corrupit ita, ut arcum et pharetram mentiretur. Bei anderen antiken Autoren ist diese Version, daß Iuppiter die A. in Gestalt der Diana geschändet habe, nicht bekannt.