RE:Chamaileon 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2103–2104
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Chamaileon. 1) Chamaileon (vgl. E. Köpke De Chamaeleonte Heracleota. Pr. Berlin 1856. Zeller Ph. d. Gr. II³ 2, 899, 3), Peripatetiker (Tatian. adv. Gr. 31 p. 31, 21 Schwartz), bald ὁ Ἡρακλεώτης (Ath. IV 184 d u. ö.) bald ὁ Ποντικός (Ath. VI 273 c u. ö.) genannt. über sein Leben besitzen wir keinerlei Überlieferung. Daraus, dass seine Schrift περὶ ἡδονῆς auch unter Theophrasts Namen lief, will Köpke 3f. folgern, er sei ein Schüler des letzteren gewesen. Zeller möchte in ihm eher einen Mitschüler desselben sehen, mit Rücksicht auf Diog. Laert. V 92, wo Ch. seinen Landsmann Herakleides des Plagiats an seinen Schriften beschuldigt. Eine merkwürdige Parallele hierzu ergiebt sich aus Plut. Pericl. 27, wo Herakleides bei einer Polemik gegen Ephoros eine Stelle des Anakreon benutzt, die Ch. in seiner Schrift über diesen Dichter ausführlich interpretiert hat (Ath. XII 533 e). Wenn Unger Rh. Mus. XXXVIII 496ff. nachweisen will, dass beidemale ein jüngerer Herakleides Pontikos gemeint sei, dessen Zeitgenosse Ch. gewesen, so sind die dafür vorgebrachten Gründe nicht stichhaltig (s. Herakleides). Daraus, dass Ch.s Schrift über die Komödie von Ath. IX 406 e ἐν ἕκτῳ περὶ τῆς ἀρχαίας κωμῳδίας citiert wird, darf man nicht (wie Unger 498) folgern , Ch. habe die Dreiteilung der Komödie gekannt; scheidet doch schon Aristoteles an der bekannten Stelle Eth. Nic. IV 14 p. 1128 a 22 unter den komischen Dichtern die παλαιοί von den καινοί. Demnach bleibt die Wahrscheinlichkeit bestehen, dass Ch. noch gleichzeitig mit seinem bekannten Landsmann Herakleides litterarisch thätig war, also zu den älteren Peripatetikern gehörte. Ein genaueres Datum wäre gewonnen, wenn man ihn sicher identificieren dürfte mit dem von Memnon in seiner Chronik Herakleias (Phot. bibl. c,od. 224 p. 226 a Bekk.) erwähnten Ch., der als Gesandter dieser seiner Vaterstadt dem Seleukos Nikator eine freimütige Antwort gab (im J. 281/280 nach dem Zusammenhang bei Memnon); doch kommt man auch hier über die Vermutung nicht hinaus. Die Fragmente ergeben ebenfalls keinen chronologischen Anhaltspunkt; dass Straton ihn citiert hat, ist nicht unwahrscheinlich (Wendling De Peplo Aristot. 67). Die Schriften Ch.s waren teils litterarhistorischen, teils populärphilosophischen Inhalts. Die spärlichen, zum grössten Teil durch Athenaios erhaltenen Fragmente hat Köpke gesammelt, jedoch Ath. I 22 e und Eustath. Vita Pind. (übereinstimmend damit die der ambros. Schol., s. Christs Pindarausgabe 1896 p. C 5 und CV 26) übersehen; dazu kommt noch Schol. Genev. Il. XXI 390. Titel: I. 1. <περὶ Ὁμήρου>? vgl. Diog. Laert. V 92; Schol. Genev.: ἐν ά περὶ Ἰλιάδος, Schol. Apoll. Rhod. II 904: ἐν πέμπτῳ περὶ Ἰλιάδος (in den Scholien zur Ilias wird Ch. fünfmal, zur Odyssee einmal citiert). 2. <περὶ Ἡσιόδου>? vgl. Diog. Laert. a. O. 3. περὶ Στησιχόρου Ath. XIV 620 c. 4. περὶ Σαπφοῦς XIII 599 c. 5. περὶ Ἀνακρέοντος XII 533 e. 6. περὶ Λάσου VIII 338 b. 7. περὶ Σιμωνίδου X 456 c. XIV 656 c. 8.περὶ Πινδάρου XIII 573 c. 9. περὶ Θέσπιδος Phot. Lex. s. Οὐδὲν πρὸς τὸν Διόνυσον. 10. περὶ Αἰσχύλου Ath. IX 375 f. 11. περὶ Σατύρων, (Satyrdramen) [2104] Suid. s. Ἀπώλεσας τὸν οἶνον. 12. περὶ κωμῳδίας (ἐν ἕκτῳ Ath. IX 374 a; ἐν ἕκτῳ περὶ τῆς ἀρχαίας κωμῳδίας IX 406 e). II. 13. Προτρεπτικός Ath. IV 184 d. 14. περὶ μέθης Clem. Alex. Strom. 422 P. Ath. X 427b. XI 461a. 15. περὶ ἡδονῆς VI 273c. VDI 347 e. 16. περὶ θεῶν Clem. Alex. Strom. 351 P. Aus dem ersten Teile dieses Verzeichnisses ist ersichtlich, dass Ch. das gesamte Gebiet der griechischen Poesie, Epos, Lyrik und Drama, in Einzeldarstellungen behandelt hat. Die Vermutung liegt nahe, dass er auch über Sophokles und Euripides je ein συγγράμμα geschrieben habe. Aus einer Schrift über Alkman stammen vielleicht die beiden Fragmente 24 und 27 (Ath. IX 390 a und XIII 600f), die Köpke ohne zwingenden Grund auf den Protreptikos bezieht (s. u.). Die dürftigen Bruchstücke lassen den Charakter seiner Schriftstellerei nur in undeutlichen Umrissen erkennen (vgl. Leutsch Philol. XI 21ff.). In den Dichterbiographien traten anekdotenhafte Züge stark in den Vordergrund, die er nicht alle in der Überlieferung vorfand, sondern zum Teil durch Interpretation von Stellen der betreffenden Dichter selbst construierte. Ferner zog er zu diesem Zweck die Dichtercaricaturen der Komoedie heran (vgl. F. Schoell De locis nonnullis ad Aeschyli vitam et ad historiam tragoediae graecae pertinentibus epistula, Jena 1875, 50ff.). Es mag daher ein beträchtlicher Teil der später cursierenden Anekdoten auf Ch. zurückgehen (für die Vita Aeschyli macht dies Schoell a. O. wahrscheinlich). Die Schrift über Homer war, wie es scheint, hauptsächlich der Exegese gewidmet, jedoch nicht ohne eine Biographie des Dichters (Tatian. 31. Schrader Porphyrii quaest. Hom. 422); die wenigen Reste stellen der Interpretationskunst Ch.s ebensowenig ein glänzendes Zeugnis aus, wie etwa seine Deutungen der pseudosimonideischen γρῖφοι (vgl. Reitzenstein Epigramm und Skolion 116ff.). Uber die philosophischen Schriften lässt sich noch weniger Sicheres behaupten. Sämtliche vier Titel kommen auch unter den Schriften des Theophrast und mit Ausnahme von περὶ θεῶν auch unter denen des Aristoteles vor; περὶ ἡδονῆς ist vielleicht identisch mit einer der beiden unter Theophrasts Namen gehenden Schriften, die Diog. V 13 erwähnt (Ath. VIII 347 e. VI 273 b und c vgl. mit XII 511 c. d); die Fragmente von περὶ μέθης zeigen Berührungen mit dem gleichnamigen theophrastischen Buch (Köpke 39ff.). Jedenfalls sind also für diese Schriften enge Beziehungen zu Aristoteles und Theophrast anzunehmen. Im Protreptikos war von dem ethischen Wert der Musik die Rede (Ath. IV 184 d. XIV 623f; vgl. Köpke 36ff. Hartlich Leipz. Stud. XI 273); doch darf man deshalb nicht (mit Köpke) dies als Hauptinhalt der Schrift bezeichnen und hierauf gestützt ihr Fragmente zuweisen, die besser unter andere Titel passen (s. o.; frg. 28 ist mit Meineke auf περὶ κωμῳδίας zu beziehen). Als echt peripatetischer Zug des Ch. ist noch sein Interesse für νόμινα, εὑρήματα und παροιμίαι hervorzuheben. Über vermutliche Benutzung des Ch. durch spätere Schriftsteller vgl. Schoell a. O. Susemihl Alex. Litt. I 149, 773. 327. 528. Bapp Leipz. Stud. VIII 99. 103ff. Ludwich Aristarchs hom. Textkr. I 51. 342.

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S XI (1968), Sp. [S_XI 368]–[S_XI 372]
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S. 2103 zum Art. Chamaileon 1):

Peripatetiker (frg. 14), wie aus den abwechselnden Bezeichnungen Herakleotes (frg. 3. 9. 13. 31. 34. 43) und Pontiker (frg. 4. 8. 12. 24. 36. 44) hervorgeht, aus dem pontischen Herakleia gebürtig. Für seine Lebenszeit gibt es nur schwache Anhaltspunkte: etc. etc.