RE:Aemilius 93–101

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 568569
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93–101) Aemilii Mamerci und Mamercini. Mamercus ist ein römisches Praenomen (nach Fest. p. 131. Varr. 1. 1. V. 73 oskisches) von demselben Stamm gebildet wie Mavors; vgl. Vaniček Etym. WB² 215. Wir kennen es nur aus der Gens Aemilia, doch muss es in den ersten Jahrhunderten der Republik in allgemeinerem Gebrauch gewesen sein, da es mit feststehender Abkürzung Mam. auftritt. In der Überlieferung erscheint es bei den Aemilii teils als Praenomen, teils als Cognomen wechselnd mit der Form Mamercinus. a) Als Praenomen beim Vater des L. Aemilius (Nr. 96) Cos. 270 (nur von Dionys.); Mam. f. bei L. Aemilius (Nr. 93) Tribunus militum 363 und M.’ Aemilius (Nr. 98) Cos. 344. b) als Cognomen bei anderem Praenomen erscheint es nach übereinstimmender Überlieferung bei L. Aemilius (Nr. 96) [569] Cos. 270, Ti. Aemilius (Nr. 99) Cos. 284 (in beiden Fällen zeigt der Chronograph, dass auch in den capitolinischen Fasten Mamercus, nicht Mamercinus stand). c) die Überlieferung schwankt zwischen dem Cognomen Mamercus und Mamercinus bei L. Aemilius (Nr. 95) Cos. 388, L. Aemilius Privernas (Nr. 101) Cos. 413, Ti. Aemilius (Nr. 100) Cos. 415; sie schwankt zwischen Mamercus als Praenomen und Mamercus, Mamercinus als Cognomen beim Dictator der Jahre 317. 320. 328 (Nr. 97).

Diese schwankenden und widerspruchsvollen Zeugnisse können die sonst unerhörte Thatsache nicht beweisen, dass gleichzeitig ein Praenomen als Cognomen gebraucht sei (wie Mommsen Röm. Forsch. I. 18 nach der Überlieferung annimmt). Dieser Annahme widerspricht auch die Thatsache, dass gerade die alten Cognomina Individual-Beinamen sind, von individuellen Eigenschaften der Person hergenommen. Es steht ferner fest, dass die Cognomina im amtlichen Gebrauch erst seit der sullanischen Zeit waren, und dass die f. Cap., welche sie durchgehend vom Anfang der Republik an verzeichnen, dies nicht auf Grund gleichzeitiger Aufzeichnungen, sondern einer späten willkürlichen Redaction thun, wie Cichorius Leipzg. Stud. IX (1887) dargelegt hat. Diese Redaction fällt wahrscheinlich in die Zeit Ciceros. Um eben diese Zeit hatten die Aemilii Lepidi begonnen, das alte Praenomen Mamercus und die alten Cognomina Paullus, Regillus (vgl. Nr. 81 und 84) wieder aufzunehmen. Die Scheidung zwischen Praenomen und Cognomen wird bei diesen alten Namen wie bei Cossus und anderen schwankend, und dies Schwanken spiegelt sich wieder in der Behandlung und Redigierung der Fasten. Es ist unmöglich, aus den entstellten und widerspruchsvollen Zeugnissen den wahren Sachverhalt herzustellen; selbst die Scheidung der Personen bleibt vielfach unsicher. Wir haben daher diese ältesten Aemilii im ganzen nach der Namengebung der f. Cap. angeführt; lediglich darum, weil sie die herkömmliche ist und jede andere auch willkürlich wäre. Zu der Unsicherheit über die wahren und vollständigen Namen der Personen kommt für die ältere Zeit hinzu, dass die Angaben der f. Cap. über die Ascendenten gleichfalls auf späterer Zurechtmachung beruhen. Nachdem diese Sachlage klar gelegt worden ist, wäre es eine irreführende und unwissenschaftliche Spielerei, für die ersten Jahrhunderte Stammbäume zu entwerfen. Dies gilt wie für die Aemilii, so für alle anderen entsprechenden Fälle.