RE:Aktia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 1213–1214
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Aktia, die bei dem Vorgebirge Aktion abgehaltenen Festspiele. Schon seit Alters war mit dem Kulte des auf Aktion verehrten Apollon ein ἀγὼν στεφανίτης verbunden, an dem besonders die Staaten des akarnanischen Bundes teilnahmen, vgl. Strab. VII 325. Harpokr., der Kallimachos ἐν τῷ περὶ ἀγώνων als Gewährsmann nennt. Dittenberger Syll. 321. Imhoof-Blumer Numism. Zeitschr. X 62. Catal. of coins in the Brit. Museum, Corinth p. LIX. Augustus stiftete im J. 28 v. Chr. nach seinem Siege über Antonius in Nikopolis einen glanzvolleren, penteterischen Agon, der fortan vermutlich am Jahrestage der Schlacht (2. Sept.) abgehalten wurde (Strab. VII 325. Suet. Aug. 18. Dio Cass. 41, 1). Dieser Agon, der mit den Siegerprivilegien der Olympien ausgestattet wurde (s. Agones), sollte in die περίοδος der vier grossen Nationalspiele eingefügt werden, vgl. Arch. Ztg. XXXV 190 nr. 90: καὶ τὴν λοιπὴν περίοδον σὺν Ἀκτίοις (s. XXXVIII 164 nr. 366). CIG 4472, 10: Αὐγούστου ἐν Νικοπόλει τῆς περιόδου. Man spricht daher auch von einer Ἀκτιάς, wie man von Olympiaden spricht, vgl. Joseph. Bell. Jud. I 20, 4. Bull hell. I 294. Die Leitung (ἐπιμέλεια) des Agons wurde von Augustus den Lakedaemoniern, als den einzigen Griechen, die an der Schlacht gegen Antonius beteiligt waren, übertragen. Ein ἀγωνοθέτης μεγάλων Ἀκτίων Καισαρήων wird Bull. hell. I 294 erwähnt (vgl. Athen. Mitt. IX 263), ein ξυστάρχης Ἀκτίων Kaibel IGI 739 (zwischen 150 und 180).

Die A. umfassten Wettkämpfe in allen musischen und gymnischen Agonen (Stat. Silv. II 2, 6), welche letztere nach den drei Altersklassen gesondert sind (παῖδες, ἀγένειοι, ἄνδρες). Ausdrücklich bezeugt sind der δίαυλος und ὁπλίτης δρόμος (Arch. [1214] Ztg. XXXV 190 nr. 90), der δόλιχος (Bull. hell. IX 68. Athen. Mitt. XVI 132), der Ringkampf (Kaibel IGI 739), auch für ἀγένειοι (IGI 747), der Faustkampf (Le Bas-Waddington 1540), auch für Knaben (CIG 4472), das Pankration (IGI 747. 1102. Arch. Ztg. XXXVIII 164 nr. 366), auch für Knaben (Bull. hell. X 234) und ἀγένειοι (CIG 2723. IGI 747), das Pentathlon, auch für ἀγένειοι (Dittenberger Syll. 399), der Agon der Herolde (CIA III 129. Arch. Ztg. XXXV 100 nr. 68), der Kitharoden (CIG 3208. Bull. d. Inst. 1873, 142), der Flötenspieler mit und ohne Chor (CIG 1719. 1720. 2810. 4081. CIL VI 2, 10120), der Tragoeden (CIG 1420 = Le Bas-Foucart 179 A. CIG 1423), vgl. noch CIG 1423. 1608. Die Sieger legen sich häufig den Titel Ἀκτιονείκης bei (wie Ὀλυμπιονείκης, περιοδονείκης), vgl. CIG 4081. 4276b. 6820. Bull. hell. IX 68 u. ö. Nach Steph. Byz. s. Ἄκτιον fanden an den A. auch eine Naumachie (vgl. die Münzen von Nikopolis, Catalogue of coins in the Brit. Museum, Thessaly S. 102. P. Gardner Journ. of hell. stud. II 96) und ein ἱππικὸς ἀγών statt, der anderweitig nicht bezeugt ist.

Die Inschriften zeigen, dass sich das hohe Ansehen der A. (auch Ἄκτια τὰ μεγάλα Καισάρηα genannt) bis in das 2. und 3. Jhdt. ungeschmälert erhalten hat; noch Iulian hat das Fest erneuert (Panegyr. X 9, 1). Die A. sind wie die Olympien und Pythien auch für andere Agone vorbildlich geworden (vgl. Agones); ein certamen ad exemplar Actiacae religionis wird im J. 63 bei Poppaeas Entbindung in Rom beschlossen (Tac. ann. XV 23); ἀγὼν ἰσάκτιος nennen sich die Festspiele zu Kaisareia (CIG 4472) und Herakleia am Pontos (Bull. hell. IX 68). Als παῖδες Ἀκτιακοί, d. h. Knaben in dem für die Knabenagone der A. vorgeschriebenen Alter (s. Agones) werden Ende des 1. Jhdts. die Knaben an den Agonen von Antiocheia und Alexandreia bezeichnet (IGI 747, wo Z. 27 wohl ebenfalls παῖδες statt ἀγένειοι zu ergänzen ist). A. erscheint auch mehrfach als Name oder Beiname grosser Agone (ebenso wie Ὀλύμπια, Πύθια), so in Thessalonike, Perinthos (Arch.-epigr. Mitteil. VIII 220), Ankyra, Nikomedia, Hierapolis in Phrygien (CIG 3910), Sardes, Neokaisareia am Lykos (Abh. Akad. München XVIII 1890 578), Tyros (CIA III 129), Bostra (CIL XIV 474), vgl. Head HN 763, auch CIA II 490. Einige dieser Agone haben ihren Namen vielleicht davon, dass sie als Siegesfeier der aktischen Schlacht gelten sollten, ein Ereignis, das ja an vielen Orten mit Festspielen gefeiert wurde, vgl. Mommsen Mon. Ancyr. S. 41f. Friedländer Sittengeschichte II⁶ 478. 629f. Oberhummer Akarnanien 226f. Gardthausen Augustus u. seine Zeit I 393. II 1, 206f.