RE:Antipatros 28

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 25162517
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28) Rhetor, Nebenbuhler des Theodoros von Gadara und Potamon von Mytilene (Suid. s. Θεόδωρος Γαδαρεύς). Zwischen diesen drei Männern fand in Rom ein Redewettkampf statt, der, wenn in dem Suidasartikel nach dem wohl sicheren Vorschlage von Blass (Griech. Bereds. 158, 6; vgl. Hillscher Jahrb. f. Philol. Suppl. XVIII 1892, 396f.) ἐπειδή für überliefertes ἐπεὶ δέ gelesen wird, die Ernennung des Theodoros zum Lehrer des Tiberius zur Folge hatte und demnach spätestens in das J. 33 fällt. A. hinterliess Reden, die Dion. Chrys. XVIII 479f. R. nach Aufzählung geeigneter alter Vorbilder einem redebeflissenen Staatsmanne als beachtenswerte moderne Redemuster neben denen des Theodoros, Plution und Konon empfiehlt. Da die genannten Redner von Dion als νεώτεροι καὶ ὀλίγον πρὸ ἡμῶν (d. i. vor Mitte des 1. Jhdts. n. Chr.) bezeichnet werden, so wird man ihre, also auch des A., Lebenszeit wohl noch in den Anfang des 1. Jhdts. n. Chr. hinein auszudehnen haben. Ob dann noch der nach Suid. s. Ἀντίπατρος durch seine Redegewalt ausgezeichnete A. von Damaskos, der Vater des (um 64 v. Chr. geborenen) Historikers Nikolaos mit unserm A. identisch sein kann, wie Cichorius Rom und Mytilene, Leipzig 1888, 63 sehr bestimmt behauptet, muss zum mindesten dahingestellt bleiben, zumal der Behauptung von Cichorius noch andere gewichtige Bedenken entgegenstehen (Hillscher a. O. 398. Susemihl Gesch. d. alex. Litt. II 516, 235). Auf unsern A. bezieht Reiske zu Dion a. O. das anonyme Epigramm in der Anthol. Steph. III 31 p. 257. Verschieden von ihm ist der bei Suid. s. Φιλόστρατος ὁ πρῶτος erwähnte A. Selbst wenn der Zusatz des Hesychios γεγονὼς ἐπὶ Νέρωνος richtig wäre, ständen chronologische Bedenken im Wege. Nun aber lebte Philostratos I. erst in der 2. Hälfte des 2. Jhdts. (Bergks Fünf Abhandlungen, herausg. von Hinrichs, Leipzig 1883, 176); die unter seinem Namen angeführte Schrift περὶ τοῦ ὀνόματος, die er an einen Sophisten A. adressiert hat, wird dem [2517] Philostratos II., der unter Severus und Philippus blühte, zuzuweisen und der Adressat vermutlich sein Lehrer sein, der ebenfalls unter Severus wirkende Sophist A. Mit letzterem könnte identisch sein der von dem anonymen Scholiasten zu Hermog. VII 235. 244 bekämpfte A., der, an beiden Stellen für das Kapitel der μετάληψις citiert, vielleicht Verfasser einer Schrift περὶ στάσεων gewesen ist.