RE:Argentarius

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 711–712
GND: 102381259
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Argentarius, römischer Declamator aus der Zeit des Augustus. Er war Schüler des Asianers Cestius Pius (Blüte 13 v. Chr.), an den er sich in allem aufs engste anschloss: wie dieser, liebte auch er die Rede aus dem Stegreif; gleich ihm pflegte er in die Rede vielfach boshafte Bemerkungen einzuflechten; obgleich wie Cestius Grieche von Geburt, declamierte er nie griechisch; die Sentenzen seines Meisters ahmte er in solchem Umfange nach (vgl. Sen. contr. I 5, 1), dass dieser ihn ärgerlich seinen Affen nannte, wofür A. seinerseits den Cestius als Cestii cinis lächerlich [712] machte und noch bei dessen Lebzeiten per manes praeceptoris mei Cestii zu schwören pflegte (contr. IX 3, 12f.). Danach scheint das persönliche Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler kein dauernd freundliches gewesen zu sein; vgl. auch contr. I 5, 3: haec sententia (Argentarii) deridebatur a Cestio quasi improba. Für die (asianische) Manier des A. ist bezeichnend die Stelle contr. IX 2, 22: A. in quae solebat schemata minuta tractationem violentissimam fregit (violentissime infregit C. F. W. Müller). Beim Rhetor Seneca finden wir zahlreiche meist kürzere (längere suas. 5, 6. 7, 7; contr. I 1, 8. 18. II 6, 11. VII 2, 2) Proben seiner Beredsamkeit (s. die Indices bei Kiessling 531 und H. J. Müller 591). Lindner De Lucio Cestio Pio, Züllichau Progr. 1858, 15f.

Mit ihm identisch ist, wie schon Reiske und Jacobs vermuten, der Dichter M. Argentarius, von welchem uns 36 meist erotische oder sympotische Epigramme durch den Kranz des Philippus erhalten sind (Anth. Pal. V 7 schreibt ihm Stadtmüller Jahrb. f. Phil. CXLI 333 zu). Für die Identität beider spricht, dass auch der Dichter schon zu Augustus Zeit gelebt haben muss (der Kranz ist unter Caligula abgeschlossen, X 4 wird von Thyillus X 5 nachgeahmt), dass auch er wahrscheinlich in Rom lebte (vgl. XI 28 an Cincius), der Sprachgewandtheit nach aber Grieche ist, endlich dass spitzfindige Sentenzen, Wortspiele, Redefiguren und das Spiel mit homerischen Reminiscenzen an die von Seneca geschilderten Rhetorenübungen erinnern. Die Nachahmung des Leonidas von Tarent (X 4 nach X1. VI 201. 246 in dessen Stil) tritt zurück gegenüber der Einwirkung der älteren Alexandriner (V 113, 2 vgl. Kallimachos XII 150, 4. 5; V 116, 4 vgl. Kallimachos XII 150, 6; VII 374, 4 vgl. Kallimachos VII 277, 4; IX 732 vgl. Kallimachos VII 521; V 128, 4 vgl. Asklepiades V 181, 12; VI 248, 1 vgl. Poseidippos V 134, 1; IX 229 vgl. ἀδέσποτον V 135), doch ist auch Anyte (VII 364 vgl. VII 190) und Pseudosimonides (VII 395, 1 vgl. VII 347, 1; IX 246, 1 vgl. VII 20, 1) benutzt, Wortspiel und Wortwitz treten stark hervor. Einzelne Epigramme gehören zu den besten des Philippuskranzes.