RE:Bryson 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 927929
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2) ,Sophist‘, Sohn des Historikers Herodoros aus Herakleia am Pontos (Arist. hist. an. VI 5. IX 11; vgl. gen. an. III 6. Plut. Romul. 9, FHG II 27), ohne Zweifel identisch mit dem, von welchem Arist. rhet. III 2 einen ,sophistischen‘ Satz mitteilt, und wohl auch mit dem Urheber der ,eristischen‘ Quadratur des Kreises anal. post. I 9; soph. el. 11 (wozu die Comm.). Suid. s. Σωκράτης nennt aber B. von Herakleia unter den Schülern des Sokrates; er habe mit Eukleides die ,eristische Dialektik‘ begründet, die dann Kleinomachos (Diog. Laert. II 112) mehr in Schwung gebracht habe. Nach andern sei er nicht Schüler des Sokrates, sondern des Eukleides, anderseits Lehrer des Pyrrhon gewesen. Die zweite Tradition ist glaublicher. Ein Schüler des Eukleides konnte ganz wohl Lehrer des Pyrrhon sein, ehe dieser sich dem Anaxarchos anschloss. So aber giebt Diog. Laert. IX 61 an, desgleichen Suid. s. Πύρρων. Nur macht dieser irrtümlich den B. zum Schüler des Kleinomachos, der nach obigem [928] vielmehr sein Nachfolger war. Den Zusatz bei Diog. Laert. (ἤκουσε Βρύσωνος) τοῦ Στίλπωνος, ὡς Ἀλέξανδρος ἐν Διαδοχαῖς erklärt Röper Philol. XXX 562 wohl richtig so, dass dem Sinne nach ἢ Στίλπωνος dastehen sollte, die Anführung aber sich, wie in einer Reihe ähnlicher Fälle, nur auf die abweichende Tradition bezieht. Einen Sohn — oder Schüler — des Stilpon konnte Pyrrhon nicht zum Lehrer haben, kaum diesen selbst. Dagegen liegt kein Grund vor, die Beziehung des Pyrrhon zu B. überhaupt zu verwerfen, wie Zeller Philos. d. Gr. II a⁴ 250, 4. III a³ 481, 1. v. Wilamowitz Philol. Unters. IV 30, 6 geneigt scheinen. Derselbe B. ist es wohl, den Suid. s. Θεόδωρος (vgl. auch s. Σωκράτης, wo das von Theodoros Gesagte mit dem einige Zeilen vorher über B. Angegebenen zusammengehört) als Lehrer des Theodoros ἄθεος bezeichnet, denn dieser hat nach Diog. II 98 auch den megarischen Dialektiker Dionysios (ebd. 106) gehört (an den Eyniker B., Nr. 3, ist schwerlich zu denken). Den Megariker kennt ebenfalls Sext. Emp. adv. dogm. I 13. Dagegen kann nicht dieser (sondern etwa der Kyniker) es sein, der nach Diog. prooem. 16 keine Schriften hinterliess. Denn die Angaben des Aristoteles über den Herakleoten lassen auf vorhandene Schriften schliessen, und die ,Diatriben‘ des B. von Herakleia sind durch Theopomp bei Athen. XI 508 d (vgl. Schweighäuser dazu) bezeugt, nach dessen Behauptung sie, ebenso wie die Schriften des Aristippos und Antisthenes, von Platon ausgeschrieben worden wären. Athen. XI 509 c teilt weiter ein Fragment des Komikers Ephippos mit, in dem ein platonischer Schüler verspottet wird als einer τῶν Βρυσωνοθρασυμαχειοληψικερμάτων (so Meineke), d. h. als bettelhafter Sophist gleich B. und Thrasymachos (Bergk Fünf Abhandl. 27, 2 hat erkannt, dass bei Thrasymachos nicht an den berühmten Rhetor, der mit κέρματα nicht zufrieden war, sondern an einen geringen Dialektiker, ohne Zweifel den aus Diog. II 113 bekannten Megariker aus Korinth, Schüler des Ichthyas und Lehrer des Stilpon, zu denken ist; um so sicherer ist auch der B. des Ephippos der Megariker). Endlich bezeichnet der 13. Platonbrief (p. 360 c) den Mathematiker Helikon, Schüler des Eudoxos, zugleich als Hörer eines Isokratesschülers und eines Genossen des B. Namens Polyxenos. Dieser ist jedenfalls identisch mit dem ,Sophisten‘ Polyxenos, Zeitgenossen des Aristippos, den Diog. II 76, und dem ,Dialektiker‘ am Hofe des Dionysios II., den Plut. apophth. reg. p. 176 c nennt; durch beide Anekdoten wird er als ganz so ein bettelhafter Sophist wie B. bei Ephippos gekennzeichnet (derselbe wird noch Plat. ep. 2, 314 c und 310 c erwähnt, vgl. Bäumker Rh. Mus. XXXIV 64; daselbst über B. S. 70). Dieser sonst obscure Mann war aber nach Phanias Schrift gegen den Dialektiker Diodoros bei Alex. Aphr. in Arist. metaph. I 9 (p. 566 a 30 Br.) der Urheber des unter dem Namen des τρίτος ἄνθρωπος bekannten Arguments gegen Platons Ideenlehre. Da nun eben dieses Argument von Platon selbst im Parmenides ohne Hindeutung auf anderweitigen Ursprung dargelegt wird, so versteht sich (wie Bäumker erkannt hat) die auffallende Angabe des Theopompos über platonische Entlehnungen aus B., vorausgesetzt nur, dass dieser das scharfsinnige [929] Argument von seinem Genossen übernahm und vielleicht andere, ebenfalls bei Platon wiederkehrende Einwände hinzufügte. Das Argument berührt sich übrigens mit dem des Stilpon bei Diog. II 119, so wie der Satz des B. bei Arist. rhet. a. a. O. sein Gegenstück findet an dem des Diodoros Kronos bei Gell. XI 12 u. a. (Zeller II a⁴ 271, 2). Hiernach berichtigen sich die Annahmen Zellers II a⁴ 243, 2. 247, 4. 250, 4. 341, 1. 983 A. III a³ 481, 1, der den B. des Ephippos (nach falscher Lesung) für einen Angehörigen der Akademie hält, diesen mit dem Sokratiker des Suidas und dem ,Mathematiker‘ des Arist. anal. und soph. el. gleichsetzt, dagegen von dem ,Sophisten‘ Arist. rhet. und hist. an. und ,selbstverständlich‘ von dem Megariker, dem Lehrer des Pyrrhon, scheiden will.