RE:Corduba

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 12211224
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Corduba (Κορδύβη), grosse und berühmte Stadt in Hispania Ulterior. In seiner Erzählung von den hispanischen Feldzügen des M. Claudius Marcellus (zuerst 585 = 169 v. Chr., dann III consul 602 = 152 v. Chr.), des Enkels des Eroberers von Syrakus,- hatte Polybios vielleicht schon die durch ihn erfolgte Gründung der römischen Stadt erwähnt (XXX 2, 2, wo nur bemerkt ist, dass er ἐν Κορδύβᾳ überwinterte). In den übrigen kurzen Berichten über diese Feldzüge (Liv. XLV 4, 1; epit. XLVIII. Appian. Hisp. 48–50. Eutrop. IV 9. Obsequ. 18) wird die Stadt nicht genannt. Auch im Krieg gegen Viriat (612 = 142 v. Chr.) war sie Winterquartier des Quinctius und des Q. Fabius Maximus Servilianus (Appian. Hisp. 68. 67). Erst Poseidonios nannte sie Μαρκέλλου κτίσμα und pries ihre Grösse, die Fruchtbarkeit ihres Gebietes und die Vorteile ihrer Lage am Baetis; von Anfang an hätten Ῥωμαίων τε καὶ τῶν ἐπιχωρίων ἄνδρες ἐπίλεκτοι sie bewohnt oder seien dort angesiedelt worden: καὶ δὴ καὶ πρώτην ἀποικίαν ταύτην εἰς τούσδε τοὺς τόπους ἔστειλαν Ῥωμαῖοι (Strab. III 141). Auf den in republicanischer Zeit geschlagenen Münzen des Quaestors Cn. Iulius L. f. mit dem wohl auf Caesars Stammmutter bezüglichen Bild der Venus und des Cupido heisst die Stadt schlechthin Corduba (Mon. ling. Iber. nr. 124 a; auf einigen Exemplaren steht noch Bal, was man auf Cornelius Balbus bezogen hat, doch ist die Deutung ganz unsicher); Marcellus könnte also nur einen vicus civium Romanorum oder Italicorum dort gegründet haben (vgl. Italica). Erst auf den Münzen des Augustus (nr. 124 c. d) erscheint der Name colonia Patricia und die Aufschrift permissu Caesaris Augusti, den auch Inschriften bezeugen (CIL II Index p. 1143). Sie kann ihn nicht wohl von dem Plebeier Marcellus erhalten haben; die Angabe des Poseidonios, dass sie die erste dorthin geführte römische Colonie sei – mit Ausnahme des einige Jahre älteren Carteia, das eine besondere Art von Colonien bildet (s. Bd. III S. 1618) –, braucht nicht notwendig [1222] auf Marcellus bezogen zu werden. Andrerseits beweist das Fehlen der Namen Iulia und Augusta, trotz der priesterlichen Abzeichen auf den Münzen des Augustus, dass ihre Gründung noch in republicanische Zeit fällt. Der Gründer der Colonie (vielleicht Cn. Pompeius oder seine Söhne) als colonia civium Latinorum und libertinorum und der Name Patricia – auf die ausgewählten Colonen aus Italien und Hispanien kann er natürlich nicht gedeutet werden – bleiben unsicher. Cicero gedenkt der Sparsamkeit des L. Piso, der als Praetor der Ulterior im J. 642 = 112 v. Chr. in C. auf offenem Markt sich vom Goldschmied einen Goldring mit zugewogenem Golde herstellen liess (Verr. IV 56), und des Q. Metellus Pius, Proconsuls der Ulterior in den J. 675–682 = 79–72 v. Chr., der in C. geborenen Dichtern Gehör schenkte (pro Arch. 26). In Caesars beiden hispanischen Feldzügen wird C., wo ihn epileptische Anfälle zuerst heimsuchten (Plut. Caes. 20), oft genannt. Hier hielt Caesar im J. 705 = 49 v. Chr. eine Versammlung von Vertretern aller Städte der Provinz ab, die zur Unterwerfung des Legaten des Pompeius M. Terentius Varro, des berühmten Schriftstellers, und seiner beiden Legionen führte (Caes. bell. civ. II 19, 1–21, 3. Liv. epit. CXI). Aber die Erpressungen und Gewaltsamkeiten des von Caesar in der Ulterior zurückgelassenen Proconsuls Q. Cassius Longinus, die Meuterei beider früheren Legionen des Varro und des eigenen Quaestors des Longinus M. Claudius Marcellus führten zum Abfall der Stadt von Caesar und hätten den heftigsten Kampf vor und innerhalb ihrer Mauern hervorgerufen, wenn nicht durch das Dazwischentreten des Proconsuls der Citerior M. Aemilius Lepidus eine Verständigung erzielt worden wäre (Caes. bell. civ. II 20. 21. Bell. Alex. 49, 1–64, 1. Dio XLI 15. 24. Appian. bell. civ. II 104). Ebenso ist im Kriege gegen die Söhne des Pompeius C. der Ausgangspunkt von Caesars Feldzug im Herbst des J. 709 = 46. Dabei wird das Bestehen der römischen Strasse von Castulo aus nach C. und Gades erwähnt, τὰ μέγιστα τῶν ἐμπορίων (Strab. III 160). Es gelang ihm jedoch nicht, die Stadt, in der sich Sextus Pompeius festgesetzt hatte, zu nehmen (Bell. Hisp. 2, 1–12, 3. 32, 4. 6. Dio XLIII 32. 33). Nach der Kunde von der Schlacht bei Munda verliess Sextus Pompeius die Stadt (Cic. ad Att. XII 37, 4. Bell. Hisp. 32, 3. 4. Dio XLV 10), die Caesar dann nach dem freiwilligen Tode ihres Verteidigers Annius Scapula mit Mühe einnahm (b. Hisp. 33,1. Dio XLV 39. Appian. bell. civ. II 105). In dem Epigramm, das die Unterschrift Seneca de se ad patriam trägt (Anthol. Lat. 409 R.), wird der Kämpfe unter Caesar und Pompeius und mit iberischen Stämmen gedacht (Lusitanus quateret cum moenia latro, figeret et portas lancea torta tuas). Nach Caesars Tod schrieb C. Asinius Pollio, der Dichter und Geschichtschreiber, damals Proconsul der Ulterior, dem Cicero aus C. zwei seiner bekannten Briefe, den dritten aus C.s Umgebung (Cic. epist. X 31. 32. 33). Sicherlich hat Caesar die Stadt nicht ohne Besatzung gelassen. Auf den unter Augustus geschlagenen Münzen von C. sind der Adler, zwei Feldzeichen und die Namen der fünften und zehnten Legion zu lesen (CIL II p. LXXXVIII); zwei Cohorten der fünften standen [1223] schon unter Q. Cassius Longinus dort (Bell. Alex. 57, 5); wahrscheinlich haben Veteranen dieser oder anderer Legionen des Augustus hier Landlose erhalten. In den Inschriften von C. werden nur ein Centurio, ohne Angabe seines Truppenteils (CIL II 2215), ausserdem nur frühere Officiere genannt, die zuletzt städtische Ämter bekleideten (CIL II 2222. 2224. 2225). Aber schon zu Caesars Zeit gab es in C. einheimische Truppen (bell. civ. II 19, 3 cohortes duae, quae colonicae appellabantur), wie in der caesarischen Lex Iulia von Urso solche städtische Bewaffnete vorgesehen sind (cap. CIII tab. III 5, 2). Diese Truppen können in C. fortbestanden haben, auch seitdem unter Augustus die neue Provinz dem Senat gegeben worden. C. ist seitdem, obgleich es bei Strabon (III 166), wo er von der Verwaltung der Provinzen berichtet, nicht ausdrücklich gesagt ist, unzweifelhaft die eigentliche Hauptstadt der Provinz, wenn auch daneben Hispalis (s. d.) eine grosse Bedeutung hatte und Italica (s. d.) zeitweise militärisch besetzt war. Dies beweisen die hier zahlreich gefundenen Inschriften höherer Provincialbeamter (CIL II 2203. 2204. 2205. 2208. 2209. 2210–2214. 5522); darunter eine Anzahl von Statuen für die Kaiser von August bis zum jüngeren Constantin und Constantius (II 2197–2207). C. war Sitz des concilium provinciae mit den Statuen der flamines provinciae (CIL II 2220. 2221. 2224. 2228, vgl. 2195. 5523) und anderer Beamter der Provinz (II 2230).

In der Beschreibung der Provinz bei Mela und Plinius wird C. unter ihren bedeutendsten Städten (Mela II 88) und als Hauptstadt des Gerichtsbezirks hervorgehoben (Plin. III 7. 10. 13. 14); eine basilica wird erwähnt im Bell. Alex. 52, 2. Schon im Bellum Alexandr. ist vom Conventus Cordubensis die Rede (57, 5. 59, 1), und bei Strabon wird es τρόπον τινὰ μητρόπολις τοῦ τόπου τοῦδε genannt (Strab. III 141, was sich auf. C., nicht auf Munda bezieht; daher auch μητρόπολις in vielen Hss. des Ptolem. II 4, 9). Berühmt wurde C. als Heimat des Lucan und der beiden Seneca (Martial. I 61, 7. Suet. frg. 47. 87 Reiff. Anthol. Lat. 668 R.). Dichter aus C. werden schon unter Metellus Pius (Cic. pro Arch. 26) und beim älteren Seneca genannt (suasor. 6, 27). Eines Aemilius Aelianus aus C., der als Feind des Augustus verklagt war, in Rom, gedenkt Sueton (Aug. 51); unter den Verschworenen gegen das Leben des Gaius Caesar (Caligula) war ein Aemilius Regulus aus C. (Joseph. ant. XIX 17. 19). Varro erwähnt, dass in C. wie in Lanuvium und Falerii der Gebrauch des Wortes cenaculum in seiner eigentlichen Bedeutung erhalten sei (de ling. Lat. V 162). Dem Varro folgend gedenkt Plinius der reichen Ernte von essbaren Disteln in Karthago in Africa und C. (XLX 152), sowie des aes Marianum aus den Kupferbergwerken des mons Marianus (s. d.), das auch Cordubense heisse, offenbar von dem Hauptverkaufsplatz (XXXIV 4). In dem Bezirk von C. lagen reiche Bergwerke (daher Martial. LX 61 nativum metallum und Silius übertreibend III 401 nec decus auriferae cessavit Corduba terrae, vgl. XVI 470). Berühmt war auch seine Schafzucht (Col. VII 2, 4 pretio commendabiles – – quos praebet . . . in Baetica Corduba. Martial. IX [1224] 61, 1ff. XII 63, 1–5). Im allgemeinen rühmt es Auson. urb. nob. 84. Es lag, wie schon bemerkt, an der grossen Strasse von der Grenze Baeticas nach Gades (Itin. Vicar. Itin. Ant. 402, 6. 409, 1. 413, 1. 5. 415, 3. Geogr. Rav. 315, 11); in seiner nächsten Nähe sind zahlreiche Meilensteine gefunden worden (CIL II 4701–4733. 6208). Die Wegmasse von dort nach Carteia werden genau angegeben (Bell. Hispan. 32, 6. Strab. III 141); auch diente es als fester Punkt für astronomische Berechnungen (Ptolem. VIII 4, 4). Obgleich die heutige Stadt nur wenige Überreste von Bauten aus römischer Zeit aufweist (Mauern und Brücke über den Baetis, CIL II p. 306. 886) – es gehören dazu nicht wenige und einige nicht unbedeutende Werke der römischen Plastik, Statuen und Büsten von Kaisern u. s. w., in einem städtischen Museum gesammelt (s. Hübner Antike Bildwerke in Madrid u. s. w., Berl. 1862, 312; die Sammlung Villa-Cevallos befindet sich jetzt im Museum Loring bei Malaga) –, so sind doch die dort gefundenen Inschriften ein hinreichender Beweis für ihre Bedeutung. Sie enthalten Zeugnisse für den üblichen öffentlichen Cultus (auch der Magna Mater, CIL II 5521) und die öffentlichen Spiele (5523), die Magistrate und Priestertümer der Colonie (und einiger dazu gehöriger pagi und vici), deren römische Bürger zur Tribus Galeria zählten (Kubitschek Imp. Rom. tributim discr. 173), erwähnen eine beträchtliche Zahl von Vertretern der Künste und Handwerke, darunter einen grammaticus Grecus – noch Sidonius Apollinaris rühmt seine Schulen der Beredsamkeit (carm. IX 230ff.) – und einen medicus der Colonie (2236. 2348), sowie ziemlich viel dort wohnende incolae aus anderen Städten der Provinz (vgl. CIL II p. 307 und Index p. 1143); die Grabschriften zeigen vielfach altertümlichen Charakter. Auch blieb die Stadt bis in späte Zeiten stets Mittelpunkt der Provinz (in keiner der jüngeren geographischen Quellen fehlt sie, Divis, prov. p. 19, 5. Iul. Honor. p. 34, 2. Cosmogr. Aethici p. 79, 11 R.) und wird als Bischofssitz von den Chronisten (Sulpic. Sever. II 46, 8. Sozom. hist. eccl. I 10, 1. 16, 5) und in zahlreichen Conci-lienunterschriften seit dem 6. bis zum Ende des 7. Jhdts. (Mansi IX c. 1001 C u. s. w.) erwähnt. Auch an christlichen Grab- und Weihinschriften fehlt es nicht (Inscr. Hisp. christ. nr. 123. 125. 126. 128–134); Prudentius preist ihre Märtyrer Acisclus und Zoilus (peristeph. IV 19ff.); doch ist von ihren Schicksalen unter den westgothischen Königen nur wenig bekannt (Chron. Caesaraug. a. 568. Joh. Biclar. a. 572. 584, 2. 3). Auf ihren westgothischen Münzen wird der Name schon Cordoba geschrieben (Heiss Monn. wisig. p. 49); Corduva hat die Cosmographia Aethici (p. 79, 11 R.); noch jetzt schwankt die Schreibung zwischen Cordoba und Cordova, wie gesprochen wird.