RE:Demo 2a

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 331
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S. 2862 zum Art. Demo:

2a) Demo, Homerdeuterin. Sie wird in den Homerscholien, bei Eustathios und vom Schol. Lukian. Ikar. 23 S. 106 Rabe angeführt; Tzetz. bei Matranga Anecd gr. I 166. 225 polemisiert heftig gegen sie, indem er ihren Namen in Mimo verdreht. Woher Michael Italikos (Anf. 12. Jhdte., Cramer Anecd. Oxon. III 189, 12) seine D. ἡ γραμματική hat, die τέχνας geschrieben habe, ist nicht zu sagen. Die sicheren Fragmente zeigen, daß sie die homerischen Götter und Mythen in platt-rationalistischer Weise allegorisch erklärte, indem sie besonders die Astronomie zu Hilfe nahm. Z. B. erklärte sie die Fesselung des Ares (Il. V 387) aus dem στηριγμός des Planeten und leitete auch das Beiwort μέγας, das dem Kronos Il. VIII 383 gegeben wird, aus der Größe des Planeten Saturn her (frg. 4. 5). Daß sie auch die Astrologie heranzog, zeigt frg. 9, wo sie das Ares-Aphroditeabenteuer in Od. VIII auf Klimakteres (s. d.) deutet, die von Ares drohen und von Aphrodite beseitigt werden. Ausführlich behandelt war die Schildbeschreibung (frg. 8), und das Ganze war vielleicht weniger einem Kommentar ähnlich, als daß es einzelne Stellen ausführlich allegorisierte, die sich für kosmische Deutung eigneten. Über den Stoizismus geht nichts hinaus, auch die Etymologie von Kronos als Κορόνους (frg. 2) braucht nicht neuplatonisch zu sein (vgl. Plat. Crat. 396 B). Es ist daher auch nicht nötig, die Entstehung des Buches in das 4. oder 5. Jhdt. herabzurücken (Usener a. a. O. 36). Daß es die älteren allegorischen Kommentare (Reinhardt Bd. VIII S. 509) verwertete, ist selbstverständlich; aber es als ein compendium variorum allegoretarum placita continens zu bezeichnen (Schrader Porphyr, in Iliad. 409), liegt kein Grund vor. Daß Eustathios mehr daraus entnommen hat, als er ausdrücklich angibt, zeigt Reinhardt De Graec theologia, Berlin 1910, 48. Daß eine D. wirklich das Buch verfaßt hat, ist sehr wohl möglich. Usener wies auf die Notiz bei Suidas hin (s. Δημώ und eingeschoben zwischen βαῦνος und βάωας): ἐξένισεν ἡ Βαβὼ τὴν Δημώ, worin weiter nichts [332] steckt, als die Bewirtung der Demeter durch Baubo (Kern o. Bd. III S. 151), und folgerte daraus: ,Der Verfasser jener autorisierenden Mythographie hatte sein Machwerk durch die Fiktion interessant zu machen gesucht, daß er ein Weib des höchsten Altertums D. sich ihrer freundlichen Wirtin Babo dankbar erweisen und ihr als Gastgeschenk diese Offenbarung über den wahren Sinn der Mythen widmen ließ‘. Zu dieser Skepsis liegt kein Grund vor; D. kann sehr wohl der wahre Name der Verfasserin sein.

Nun enthält Cod. Vindob. philos. philol. gr. 49 auf den eingeschobenen Blättern 8—12 von einer Hand des 13. Jhdts. einen Kommentar zum ersten Buche der Ilias, genauer eine allegorische Ausdeutung einzelner dafür geeigneter Stellen, die sich auch fast ganz in der Richtung auf das Kosmische bewegt; entsprechend der stoischen Deutung ist Zeus der Äther, Hera die Luft, Athene die Vernunft; die Astronomie spielt auch hier eine große Rolle, z. B. wird Il. I 493 auf den zwölf Monate dauernden Weg der Sonne oder den zwölf Jahre dauernden des Iuppiter durch den Tierkreis bezogen. Das hat Ludwich veranlaßt, dieses Wiener Fragment der D. zuzuschreiben und diese Hypothese auch gegen den Einspruch von Schrader (bei Ludwich Progr. 1914, 66. 74) und Reinhardt a. a. O. 49 aufrecht zu erhalten. Dagegen läßt sich manches einwenden. Der Wiener Kommentar benutzt die doxographischen Partieen des Theodoret, der im J. 457 starb, spielt auf eine Bibelstelle an (S. 14, 15) und verrät außer einer starken Neigung zu theistischen Vorstellungen (Reden von θεῖον und θεῖα πρόνοια) direkte christliche Einflüsse. Hätten wir nun einen halbwegs selbständigen Kommentar vom Ende des 5. Jhdts. vor uns, so müßten wir neuplatonisches Kolorit erwarten, das so gut wie ganz fehlt (was Schrader bei Ludwich 78, 1 anführt, will nicht viel besagen). Auch ist der Wiener Kommentar nicht einheitlich allegorisch, sondern enthält auch andere, mit den Allegorien nicht ausgeglichene Bestandteile, will aber doch ein in sich abgeschlossenes Werk darstellen, das durch mehrfache Verweisungen einen Zusammenhang seiner Teile herzustellen sucht. So ist zu erwägen, ob wir hier nicht einen byzantinischen Kommentar vor uns haben, der das Werk der D. benutzt und in christlichem Sinne umgestaltet. Dafür läßt sich vielleicht das Verhältnis der Erklärung von I 399 zu den Schol. BT geltend machen, die Schrader Porphyr. quaest. Hom. XΙΙΙ 8 ohne rechten Grund dem Porphyrios zuschreibt; hier findet sich eine teilweise wörtliche Übereinstimmung, während die Berührungen mit Heraclit. alleg. 25 nur sachlicher Art sind. Nur eine bezeichnende Abweichung findet sich: während im Schol. BT und bei Heraklit Athena in auffallender Weise auf die Erde gedeutet wird, sieht das Wiener Fragment in ihr (wie auch an anderen Stellen) die Vernunft. Das kommt der üblichen geistigen Deutung der Athena näher; vgl. über Cornutus B. Schmidt Diss. Halens. XXI 57, ferner etwa Ps.-Plut. de Hom. 102. Porphyr. zu Od. XXII 233 mit Schraders Anmerkung. Procl. in remp. I 95. Vielleicht ist jene auffallende Deutung die der D., während diese [333] von dem Verfasser des Wiener Kommentars eingesetzt ist.

Usener Kl. Schr. III 33. Ludwich Festschrift für Friedländer 296, Progr. Königsberg 1895 (Ausgabe des Wiener Fragments); Progr. Königsberg 1912. 1913. 1914 (Sammlung der Fragmente und neue Ausgabe des Wiener Kommentares, danach zitiert).