RE:Lenaia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,2 (1925), Sp. 19351939
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Lenaia. Dionysosfest, das für Ionien und Attika bezeugt ist. Seine Bedeutung ergibt sich daraus, daß der ionische Monat Lenaion oder Lenaios (s. d. und o. Bd. X S. 1591. 1599) darnach benannt ist. Wir kennen fast nur das attische Fest und müssen uns hüten, die an diesem gemachten Beobachtungen ohne weiteres auf die L. im allgemeinen zu übertragen.

Daß die attischen L. im Gamelion (Januar/Februar) stattfanden, wird durch Prokl. zu Hesiod Erg. 504 τῷ Γαμηλιῶνι, καθ’ ὃν καὶ τὰ Λήναια παρ’ Ἀθηναίοις. Ἴωνες δὲ τοῦτον οὐδ’ ἄλλως ἀλλὰ Ληναιῶνα καλοῦσιν und Lexikographen bezeugt; vgl. Anekd. I 235 Bk. Διονύσια ἑορτὴ Ἀθήνησι Διονύσου. ἤγετο δὲ τὰ μὲν κατ’ ἀργοὺς μηνὸς Ποσειδεῶνος, τὰ δὲ Λήναια Γαμηλιῶνος, τὰ δὲ ἐν ἄστει Ἐλαφηβολιῶνος; an den anderen Stellen zum Teil kleine Irrtümer. Das wird bestätigt durch IG II 834 (s. u.), wo die Ausgaben der ἐπιστάται Ἐλευσινόθεν für die L. kurz vor denen für die Choes (im Anthesterion) erscheinen. Dasselbe ergibt sich aus der Identität des ionischen Lenaion mit dem attischen Gamelion (o. Bd. VII S. 692). Für die Festlegung des Tages darf man wohl die Tatsache verwenden, daß in Mykonos die L. am 12. Lenaion gefeiert wurden (v. Prott Fasti sacri 4, 24). Aus IG I 4, 17 ist nichts für die Zeit der L. zu erschließen (v. Prott Fasti sacri 3).

Daß die L. ein selbständiges Fest waren, ist früher mehrfach bestritten worden, indem man sie zu einem Bestandteil der Anthesterien herabdrücken wollte. Das ist an sich unglaublich und durch die Inschriften urkundlich widerlegt, (Nilsson 48). Wenn die Epistatai J. 329/8 zuerst Ἐπιλήναια εἰς Διονύσια θῦσαι 20 Drachmen erhalten und nach einiger Zeit Εἰς Χόας 44 Drachmen (IG II 834 b II 46. 68), so handelt es sich um verschiedene Feste (Körte Rh. Mus. LII 168. Wachsmuth Abh. Sächs. Ges. 1899, 39).

Der alte Name des Festes in Athen ist nicht einfach L., sondern Ἐπιλήναια Διονύσια oder Διονύσια ἐπὶ Ληναίῳ; vgl. für jenes IG II 741 (Hautgelderliste J. 334/3) ἐγ Διονυσίων τῶν Ἐπιληναίων παρὰ μυστηρίων ἐπιμελητῶν. II 834. Aristot. Ἀθ. πολ. 57 (s. u.), für dieses Aristoph. Acharn. 504. Plat. Prot. 327 6. Demosth. XXI 10 (s. u.). ἐπὶ ist darin örtlich aufzufassen. Aber der Volksmund sagte wohl kurz L., so schon Aristoph. Acharn. 1155 ὅς γ’ἐμὲ τὸν τλήμονα Λήναια χορηγῶν ἀπέκλεισ’ ἄδειπνον und oft später (Körte 169). Ob das der Grund ist, weshalb Thuk. II 15, 4 von den Anthesteria als ἀρχαιότερα Διονύσια redet, im Gegensatz zu den städtischen und mit Übergehung der L. ? Ob wir das — die Bedeutung „Fest am Lenaion“ — auf das ionische Fest übertragen dürfen, ist zweifelhaft; für die Athener war es ursprünglich das Fest im (örtlich) Lenaion. über dessen Lage ist viel gestritten worden, und Dörpfelds Gleichsetzung des Lenaions mit dem Dionysosheiligtum ἐν Λίμναις (s. d.) und dessen Versetzung an den Areopag hat große Verwirrung gestiftet (o. Suppl. I S. 216). Später hat dann Dörpfeld das L., den ‚Kelterplatz', bei der alten Orchestra am Markt gesucht (Ath. Mitt. XX 368). Dem gegenüber ist daran [1936] festzuhalten, daß in alter Zeit ἐν ἄστει einen Gegensatz zu ἐπὶ Ληναίῳ) bildete, das L. also vor den Toren gelegen haben muß (v. Wilamowitz Herm. XXI 615); die allein widersprechende Stelle Hesych. ἐπὶ Ληναίῳ ἀγών • ἔστιν ἐν τῷ ἄστει Λήναιον περίβολον ἔχον μέγαν καὶ ἐν αὐτῷ Ληναίου Διονύσου ἱερόν, ἐν ᾧ ἐπετελοῦντο οἱ ἀγῶνες Ἀθηναίων πρὶν τὸ θέατρον οἰκοδομηθῆναι beruht auf einem begreiflichen Irrtum. Vielmehr ist ursprünglich der Agon der L. im Lenaion abgehalten worden, aber nach der Erbauung des steinernen Theaters in dieses übertragen (vgl. auch Maass De Lenaeo et Delphinio [Greifswald 1891] IX). Die Lage des L. genauer anzugeben hat Frickenhaus versucht (Arch. Jahrb. XXVII 80); es habe an der Straße vom Dipylon nach der Akademie gelegen. Die Lösung dieser topographischen Frage hätte für das Fest besonders dann Bedeutung, wenn L. = Kelterplatz und das Fest = Kelterfest wäre; s. u. über die Auffindung der Kelter.

Über die Festbräuche ist die Hauptstelle Aristot. Ath. pol. 57, 16 ὁ δὲ βασιλεὺς πρῶτον μὲν μθστηρίων ἐπιμελεῖται μετὰ τῶν ἐπιμελητῶν .... ἔπειταΔιονθσίων τ[ν Ἐπιληναίων • ταῦτα δέ ἐστι πομπή τε καὶ αγών • τὴν μὲν οὖω πομπὴν κοινῇ πέμπουσιν ὁ τε βασιλεὺς καὶ οἱ ἐπιμεληταί, τὸν δὲ ἀγῶνα διατίθησιν ὁ βασιλεύς, bestätigt durch das Gesetz des Euegoros bei Demosth. XXI 10 ὄταν ἡ πομπὴ .... καὶ οἱ τραγῳδοὶ καὶ οἱ κωμῳδοὶ. Daß die Opfer nicht glänzend waren, ergibt sich aus den IG II 834 (s. o.) und in der Hautgelderliste ebd. 741 (Syll.³ 1029) genannten Summen. Der Agon war teils lyrisch (IG II 1367) teils dramatisch, und zwar war hier ursprünglich die Komödie heimisch, der die Tragödie später folgte (o. Bd. XI S. 1226). Das vorhandene urkundliche Material über diese Aufführungen war in Aristoteles’' Didaskaliai und Νῖκαι Διονυσιακαὶ καὶ Ληναῖκαί gesammelt (o. Bd. V S. 396. Körte Class. Philol. I 391) und ging von dort in die alexandrinischen Ausgaben über; die inschriftlichen Zeugnisse, die noch erhalten sind — sie reichen bis in die Kaiserzeit (IG III 1160) — stehen bei A. Wilhelm (s. o. Bd. XI S. 1226). Neckereien vom Wagen herab bezeugt Suid. τὰ ἐκ τῶν ἁμαξῶν σκώμματα, der behauptet, sie seien von den Choes auf die L. übertragen worden. Eine Einzelheit teilt Schol. Aristoph. Ran. 479 mit: ἐν τοῖς Ληναϊκοῖς ἀγῶσι τοῦ Διονύσου ὁ δᾳδοῦχος κατέχων λαμπάδα λέγει • καλεῖτε θεόν • καὶ οἱ ὑπακούνοντες βοῶσι • Σεμελήι• Ἴακχε πλουτοδότα. Falls der Ausdruck genau ist, so bezieht sich das nur auf den Agon, zu dem der Gott durch diese Formel gerufen wurde. An Bedeutung traten die L. hinter den großen Dionysien zurück, wie sich schon daraus ergibt, daß zu diesen die Bündner nach Athen kamen (Aristoph. Acharn. 504f. αὐτοὶ γάρ ἐσμεν οὑπὶ Ληναίῳ τ’ἀγών • κοὔπω ξένοι πάρεισιν • οὔτε γὰρ φόροι ἥκουσιν οὔτ’ ἐκ τῶν πόλεων οἱ ξύμμαχοι. v. Wilamowitz Herm. XXI 616). Nicht unbedenklich ist die Notiz Anon. de com. 7, 3 K., die den Namen τρυγῳδία davon herleitet, daß τοῖς εὐδοκιμοῦσιν ἐπὶ τῷ Ληναίῳ γλεῦκος gegeben wurde (o. Bd. XI S. 1217). Aber sofern hier nur der Genuß von Most an den L. bezeugt wird, liegt kein Grund zum Zweifel vor (Nilsson 88), trotz der Ähnlichkeit mit Phanodem frg. 14 (Athen. XI 465a) [1937] πρὸς τῷ ἱερῷ τοῦ ἐν Λίμναις Διονύσιου τὸ γλεὺκος φέροντας τοὺς Ἀθηναίους ἐκ τῶν πίθων τῷ θεῷ κιρνάναι, εἶτ’ αὐτοὺς προσφέρεσθαι· ὅθεν καὶ Λιμναῖον κληθῆναι τὸν Διόνυσον, ὅτι μιχθὲν τὸ γλεῦκος τῷ ὕδατι τότε πρῶτον ἐπόθη κεκραμένον.

Dem Fest einen chthonischen Charakter zuzuschreiben, hat besonders der mykonische Opferkalender veranlaßt, wo dem Opfer an Dionysos Leneus am 12. solche an Demeter, Kore und Zeus Buleus am 10. und an Semele am 11. voraufgehen, und wo auf das Opfer an Dionysos ein solches an Zeus Chthonios und Ge Chthonia folgt; nach v. Prott Ath. Mitt. XXIII 222 vgl. Nilsson Griech. Feste 278. Die Unterlage ist schwach; die Frage kann nur im Zusammenhang mit der nach dem „chthonischen“ Charakter des Gottes selbst beantwortet werden. Damit hängt wieder die Hypothese von Frickenhaus Arch. Jahrb. XXVII 80 zusammen, der einige Inschriften (IG II 469-471 = IG II² 1006. 1008. 1011 aus dem letzten Viertel des 2. Jhdts. v. Chr.) auf die L. beziehen möchte. Hier ist die Rede davon, daß die Epheben εἰσήγαγον δὲ καὶ τὸν Διόνυσον ἀπὸ τῆς ἐσχάρας μετὰ φωτός (früher wohl mit Recht auf die großen Dionysien gedeutet; vgl. Robert 368. Anm. zu IG II² 1008, 15 auf S. 440. Von einer Eschara des Dionysos spricht Alkiphr. II 3, 15: o. Bd. VI S. 614). Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering. Sehr zweifelhaft ist auch die Verwendbarkeit der Notiz im (privaten) attischen Opferkalender aus dem 1. Jhdt. n. Chr. (v. Prott 3, 21) Γαμηλιῶνος κιττώσεις (Verbum) Διονύσους θί. Mit Boeckh wollten das viele auf die L. beziehen, da man diese um den 20. Gamelion ansetzte; da dies nicht zutrifft und eine Ausdehnung des Festes vom 12. bis 19. unwahrscheinlich ist (auch wenn man die sieben Tage des Festes in Andros heranzieht), so wird man sich bescheiden müssen. Vgl. v. Prott 11. 45, der zuletzt an die Ambrosia denkt (o. Bd. I S. 1809); aber war dies überhaupt ein Festname, so ist seine Beziehung auf Attika ganz willkürlich (beruht auf Prokl. zu Hesiod erg. 504, nach Etym. M. 564, 12 οἱ δὲ Ληναιῶνά φασιν, ἐπειδὴ Διονύσου ἐποίουω ἑορτὴω ἐν τῷ μηνὶ τούτῳ, ἣν Ἀμβροσίαν ἐκάλουν. Mommsen 373, 4). Frickenhaus Lenäenvasen 29 bringt die Bekränzung mit dem Schmuck der Idole auf den Vasen in Beziehung (s. u.). Mit Mommsen 380 von einem Dogma und einem mysterienhaften Charakter der Feier zu reden ist bedenklich; die Beteiligung des Daduchos und Epimeletes und der Epistatai und die Anrufung des Gottes als Iakchos beweist höchstens einen nachträglichen Einfluß von Eleusis aus. Daß IG II 741 ein Opfer an die Daeira (o. Bd. IV S. 1980) voraufgeht, läßt sich in diesem Sinne nicht verwerten.

Eine weitere Hypothese von Frickenhaus (Lenäenvasen. 72. Berl. Winckelmanns-Progr. 1912) knüpft an eine mehrfach besprochene Gruppe schwarz- und rotfig. Vasen aus der Zeit von 500–420 (die schönste die Hieronschale o. Bd. VIII S. 1524 nr. 11) an, deren Darstellung ich mit Roberts Worten beschreibe (Gött. Gel. Anz. 1913, 366): „Vor einem Kultbild des Dionysos, das aus einer bekleideten, mit Epheuzweigen, Knopfkuchen, auch wohl Trauben geschmückten Säule mit angehefteter Maske oder Doppelmaske [1938] besteht, führen Frauen orgiastische Tänze auf; sie schwingen Thyrsos und Fackeln, spielen die Flöten, die Krotalen, das Tympanon, einmal auch die lesbische Leier, halten wohl auch in den Händen ein junges Reh oder ein kleines Kind, ganz wie in den Bakchen des Euripides v. 739. 754. Bedeutsam scheint vor Allem, daß viele von ihnen Trinkgefässe, meist Skyphoi tragen, die sie aus einem Mischkrug füllen, dessen gewöhnlicher Platz ein Tisch vor dem Kultbild ist. Zweimal findet sich auch das κανοῦν.“ Hinzugefügt sei, daß auf der Vase Louvre G 227 (Taf. II nr. 12 bei Frickenhaus) nicht Frauen, sondern zwei Satyrn vor dem Kultbild agieren; der eine blickt, am Boden kauernd, mit einer Geste des Erstaunens in einen großen Krater, dem der andere mit ähnlicher Geste naht. „Irgend ein Wunder hat sich begeben; vermutlich beschenkt der Gott unerwartet seine Verehrer mit dem köstlichen Naß, das diese eben in dem vorher leeren Krater entdecken“ (Frickenhaus 7). Die Gründe für die Beziehung dieser Vasen auf die L. bestehen hauptsächlich darin, daß eine Beteiligung der Frauen an einem Bakchosfeste durch Aristoph. Lys. 1 bezeugt ist (ἀλλ’ εἴ τις εἰς Βακχεῖον αὐτὰς ἐκάλεσεν. Ferner scheinen die Fackeln auf eine Nachtfeier zu deuten, und an den L. hält der Daduchos eine Fackel (s. o.). Aber wie Robert treffend ausführt, genügt das nicht zum Beweise; in der Lys. handelt es sich nicht um ein Staatsfest, und das Bakcheion ist nicht das L.; Fackeln werden auch bei Tagfeiern verwendet. Robert will daher diese Bilder vielmehr auf die Iobakcheia deuten (o. Bd. IX S. 1828, 41). Freilich darf man nicht übersehen, daß mit den Argumenten nicht die Hypothese selbst erledigt ist, die meines Erachtens durchaus möglich ist und ebensowenig schlagend widerlegt wie bewiesen werden kann. Vgl. Deubner Arch. f. Rel. XX 151. Nicht zu billigen ist es, wenn Frickenhaus 20 den Dionysos der L. mit dem Kadmeios und Theben in Verbindung bringt, da alles für seine ionische Herkunft spricht; der später aus Boiotien gekommene Eleuthereus wird deutlich als verschieden empfunden.

Die am nächsten liegende Deutung der L. schien die als Kelterfest. So ist wohl auch Schol. Aristoph. Acharn. 202 aufzufassen (Körte 170): Λήναιον γάρ ἐστιν ἐν ἀγροῖς ἱερὸν τοῦ Διονύσου διὰ τὸ πλείστους ἐνταῦθα γεγονέναι ἢ διὰ τὸ πρῶτον ἐν τούτῳ τῷ τόπῳ ληνὸν τεθῆναι. Nun ist ein Kelterfest mitten im Winter ein Unding, und was z. B. Mommsen 375 trotzdem zugunsten dieser Auffassung vorgebracht hat, ist hinfällig. Die in dem von Dörpfeld Limnai genannten Bezirk gefundene Kelter hat in diesem Zusammenhang schon deshalb nichts zu sagen, weil jener Bezirk eben nicht Limnai ist und das L. nicht enthielt. Es bleibt also höchstens ein Fest am Kelterplatz übrig, das doch ein Kelterfest nicht sein kann. Diese Schwierigkeit hat veranlaßt, daß man sich nach einer anderen Deutung des Wortes umsah und sie in Glossen fand, die λήναι als βάκχαι erklären (Hesych.; Dionysos heißt θοᾶν ληναγέτας Βακχᾶν Inschr. aus Halikarnass Gr. Insc. Brit. Mus. 902) und ληνεύουσι = βακχεύουσι setzen; λῆναι zählt zwischen βάκχοι und μύσται Heraklit B 14 auf; B 15 verbindet er Διόνυσος, ὄτεῳ μαίνονται καὶ ληναΐζουσιν (Nilsson 111; [1939] Griech. Feste 275). Aber man darf nicht übersehen, daß man damit den Zusammenhang zwischen {{Polytonisch|ληνός „Kelter“ und L. keineswegs zerreißt, obwohl Ribbeck 13 es versucht hat. Es können also sehr wohl λῆναι ursprünglich die Kelternden, Lenaion Kelterplatz sein, ohne daß das für die späteren L. seine Bedeutung behielt. Daß diese einen orgiastischen Charakter trugen und mit den Feiern der Thyiaden verwandt waren, wie Nilsson 109; Gr. F. 276 meint, ist nicht sonderlich wahrscheinlich; mindestens werden sie nicht orgiastischer gewesen sein als andere Dionysosfeste auch. Ein Zusammenhang mit den eleusinischen Mysterien kann, auch wenn er eng war, in dieser Hinsicht nichts beweisen.

Was wir über außerattische L. wissen, ist folgendes. In Rhodos fanden L. mit dramatischem Agon statt (IG XII 1, 125, besprochen von Kaibel Herm. XXIII 268); das war attischer Import. Das Opfer an Dionysos Leneus am 12. Lenaion in Mykonos ist oben mehrfach erwähnt. Auf die L. hat Usener (Acta Timothei. Progr. Bonn 1877, 24) wohl mit Recht die Nachricht bei Plin. n. h. II 231 bezogen: Andro in insula templo Liberi patris fontem Nonis Ianuariis semper vini sapore fluere Mucianus credit. XXXI 16 Mucianus Andri e fonte Liberi patris statis diebus septenis eius dei vinum fluere, si auferatur e conspectu templi, sapore in aquam transeunte. Paus. VI 26, 2, wonach es ein Jahr ums andere eintritt (Hitzig-Blümner II 673). Vgl. zu diesem Wunder Eur. Bakch. 707. Steph. Byz. s. Νάξος. Man kann dazu an die oben genannte Vase im Louvre erinnern. Endlich wissen wir aus Magnesia (Inschr. v. Magn. 117, 2. Jhdt. n. Chr.), daß im Lenaion die dionysischen Mysten den verstorbenen Mitgliedern Totenopfer darbrachten. Diese Dürftigkeit unserer Kenntnisse ist um so bedauerlicher, als gerade die ionischen L. Aufschluß über den ursprünglichen Charakter des Festes bringen könnten. Ältere Literatur bei C. Fr. Hermann Gottesdienstl. Altert.² 399. O. Ribbeck Anfänge und Entwicklung des Dionysoskultes in Attika. Kiel 1869. Nilsson Studie de Dionysiis Atticis. Lund 1900 (hier p. Iff. Übersicht über die ältere Literatur, S. 139ff. Sammlung der antiken Zeugnisse). A. Mommsen Feste der Stadt Athen 372. Vgl. d. Art. Lenaios und Limnai.