Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Plescau

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Plescau (heute: Pskow)
<<<Vorheriger
Oesel
Nächster>>>
Naugarden
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 33–34.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Pskow in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[33]
2. Plescau / Pskovv, Plescovia.

Diese Moscowitische / gegen den Lifländischen Gräntzen / 24. Meilen von Derpt / 36. von Neugarden / 40. von Nerva / und 60. kleine / oder 50. grosse Meilen von Riga / gelegene Stadt / ist sehr groß und fest / hat ein lustiges Lager / und über die 40. gemaurte Clöster herumb / unter welchen das Swatohorische / auff einem harten Felsen / ungefehr 3. tausend Schritt von der Stadt gelegen / und mit einem sehr starcken Thurn / und Mauren / wie ein Castell / befestigt ist. Gegen Mittag hat sie den Fluß Vielika, oder Velika, so groß / und von Mitternacht die Pleskau / von den Reussen / wie die Stadt / Pskoua genandt / so mitten durch die Stadt laufft / und sie in 3. Theil unterscheidet. Chytraeus vermeynt / daß diese Stadt allein / in dem gantzen Moscowiterischen Reich / mit Mauren / und zwar ein jeder Theil besonders / umbgeben seye. War / vor Jahren / ein Respublik / und freyer Stand. Dann / ob sie wol Anno 1238. von den Teutschen / und Dennemärckern / belagert / und erobert worden / die auch damaln das Reussische Isseburg einnamen; und Anno 1245. dieselbe der Moscowiter einbekam; und es ihrentwegen immerzu Händel gab; so erlangte sie doch stätigs wieder ihre Freyheit; hatte eygene Obrigkeiten / und Gesätz / erwöhlte gleichwol einen Fürsten / dessen Macht umbschrieben war / welchem sie bißweilen von dem Großfürsten in Reussen / bißweilen von dem in der Lithau / begehrten; biß sie / die Stadt / sich mit gewissem Beding / unter Moscau begabe / und von selbigen Großfürsten auff ihr / der Stadt / Ersuchen / allein denselben bekame; welches biß auff den Basilium, der An. 1535. gestorben / [34] gewähret / von deme die Stadt ihrer Freyheit ist beraubt / geplündert / der gantze Rath / und ein grosser Theil des Adels gefänglich gelegt / hernach in die Moscau geführt / und andere / an ihrer statt / hieher gesetzt worden. Vorgedachter Chytraeus sagt lib. 6. Saxon. p. 167. daß gemeldter Groß-Fürst Basilius, wegen der innerlichen Uneinigkeit / von dem Rath / damit er des gemeinen Volcks Muthwillen stillete / beruffen worden seye / und darüber Anno 1509. diese Stadt in seinen Gewalt gebracht habe. Jodocus Ludovicus Decius lib. 3. de rebus Polon. p. 71. schreibet hievon also: Ann. 1509. in Octobri, Basilius, Moschorum Princeps, Plescoviam, civitatem magnam, et Arcem, per deditionem accepit, eadem urbe patriciis, et Sacerdotibus Graecis, prius blandiciis evocatis, et servatis, dehinc vulgus facilè illi assentit Paulus. Oderbornius, in dem Leben des Großfürsten Johannis Basilidis, des besagten Basilii Sohns / berichtet lib. 3. lit. Y. folgends: Pleskau ist vor Zeiten ein frey Fürstenthumb gewesen / aber Johannes (Basilius) der Moscowiter Hertzog / hat die Geistlichkeit darinne mit Gelt bestochen / damit das gantze Revier in seine Gewalt kriegt / und die Stadt / durch Verrätherey erobert. Hat darnach das Regiment geändert / die Einwohner vertrieben / und mit Ketten gebunden in die Moscau geschickt. Doch damit die Stadt nicht ledig stünde / hat er seine Unterthanen / mit denen er wol stund / dargegen hinein gesetzt. Andere sagen / daß / von obgedachter Zeit an / diese Stadt in der härtisten Dienstbarkeit leben müssen / weilen der gedachte Johannes Basilides noch ein grausamerer Tyrann / als sein Vatter / gewesen; wiewol er sonsten in seiner Stadt Moscau den Evangelischen in ihrer Religion keinen Eintrag gethan. Und bezeuget besagter Oderborn der in Lithauen gewohnt / lit. Dd. ij / daß umbs Jahr 1587. die Teutschen in gemeldter Stadt Moscau / gute zeit gehabt / seyen reich / und vermöglich gewesen / und einen Lutherischen Prediger halten mögen / der ihnen in einer grossen holtzern Kirche offentlich gepredigt habe. Als Anno 1581. die Stadt Pleskau / König Steffan auß Polen / lange Zeit / belagert / hat besagter Großfürst Joh. Basilides, da alle seine Macht angewendet; und sollen über 7000. zu Pferde / und auff die 50. tausend zu Fuß / streitbare Männer / und deß übrigen Volcks auch so viel / in der Stadt gewesen ist. Und obwoln der König die Stadt nicht eroberte; so hat er doch den Tyrannen dahin gebracht / daß er ihme / dem König / alle Ort / so die Moscowiter in Lifland eingenommen / abgetretten / und mit ihme ein beständigen Frieden gemacht hat. Und hätte es der König / etlicher Meynung nach / wol weiter bringen können / wann ihn nicht etliche böse Rathgeber / und Ohrenbläser / verführet hätten. Wer ein mehrers von dieser Stadt zu wissen begehrt / der lese Casparen Ens / in Delic. Apodem. per Germ. p. 310. seqq. der sich auff ein eigene Chronic / so von solcher Stadt / vorhanden / beruffet. Item D. Lorentz Müllers Lifländische Histori lit. C. iiij. und daselbst auch von dem bey einer Meil Wegs von der Stadt gelegenen Closter Pietzschurv. Anno 1646. seynd allhie / zu Plescau durch eine Feuersbrunst / über 700. Häuser / und bey 20. Kirchen / eingeäschert worden.