Topographia Palatinatus Rheni: Montmelian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Montmelian (heute: Montmélian)
<<<Vorheriger
Modane
Nächster>>>
Morhanges
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 20–21.
Montmélian in der französischsprachigen Wikipedia
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Nach Wikipedia-Artikel suchen
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[20]
Montmelian, Monmelianum.

Dieses ist eine auß den fürnehmsten Städten im Hertzogthumb Savoia / zwischen den Städten Chambery, und Aiguebelle, und mitten zwischen den Bergen / auff einem ebenen Boden / am Fluß Isara, gelegen. Ist nicht sonderlich groß / noch auch wegen der stätigen Kriege / sonderlich bewohnt. Die Inwohner seynd mehrentheils einfältige grobe Leuth. Hat derowegen dieser Ort sein Ansehen / und berühmten Namen / allein von dem gewaltigen / und sehr vesten Schloß / so / wie ein kleines Städtlein / hoch auf einem Felsen / und ansehnlich liget / und dem gantzen Land herumb gebieten thut. Es ligen gemeiniglich 500. Soldaten in diesem Schloß / und in dem Städtlein unten / so auch ziemlich verwahret ist / 300. man kan solches Schloß / oder Castell / weil es / wie gesagt / auff einem Felsen gelegen / und die tieffe Gräben herumb auch in den Felsen eingehauen seynd / nicht untergraben / noch mit Leitern besteigen; auch nicht leichtlich beschiessen; dahero nicht wenig seyn / so diese Vestung für unüberwindlich halten. Und gleichwol so hat solche unter König Francisco I. in Franckreich im Jahr 1536. der Graf von S. Paul / und Anno 1600. König Heinrich der Vierdte / mit accord, (weilen deß Hertzogen Commendant, der Graf von Brendis, sich vor deß besagten Königs / als

[T59]
Statt und Vestung Montmelian (Merian).jpg

[21] eines erfahrnen trefflichen Kriegsfürsten / Gegenwart geförchtet haben solle) eingenommen; wie von dieser letzten Belag- und Eroberung / die Histori des derniers Troubles arrivez en France, lib. 2. f. 406. Petrus Matthaeus lib. 3. histor. Heinrici IV. narrat. 4. und Rodolphus Boterus lib. 7. Commentar. p. 264. seqq. zu lesen. Als hernach Fried gemacht worden / ward diese Vestung dem Hertzog auch wieder gegeben. Sein / deß Königs / Sohn und Nachfolger / König Ludwig der XIII. hat hernach in seinem Savoyischen Krieg / solchen Ort / ohne Eroberung / nur blocquirt gehalten. Man kan von dem Schloß die Vestung Barraux, oder le fort de Barault (davon der Tassin zu lesen.) 2. Frantzösischer Meilen davon gelegen / sehen / und die Trummel daselbst schlagen hören; die der Hertzog von Savoia Anno 1597. hat auffrichten lassen / welche aber nicht lang hernach der Frantzösische Marschall Dediguerius, in seines Königs Nahmen / erobert / und besetzt hat. Der von Villamont schreibet in seinen Reysen / daß es bey der Stadt Montmelian ein schlimme hültzerne Brück über die Isere habe / so bey 3. oder 400. Schritt lang / und gar eng seye / und verwahret werde; allda man die Bulette, oder le bulletin de la santè (lafede) nehmen müsse.

Weilen Hertzog Carl Emanuel von Savoia (der in währendem Krieg mit Franckreich / zu Avigliano, den 16. 26. Junij / Anno 1630. im 68. Jahr seines Alters / gestorben) alle Höhen umb das besagte Schloß / darauff A. 1600. König Heinrich der Vierdte / Batereyen gemacht / hat schleiffen lassen / so konten die Frantzosen im gemelten 30. Jahr / vor solcher Vestung / nichts mehr außrichten: Der Königlich-Frantzösische Geographus, Christophorus Tassinus, beschreibet diesen Ort also: Montmelian est un Fort à la frontiere de Savoye basti sur le haut d’un Rocher fort eminent, au pied du quel ya une petite ville, qui va jusques au bort de la riviere de Larch (solte l’Isere heissen) sa situation, au regard du ciel, est en longitud. 27. 56. latit. 44. 23. Ein anderer Frantzos sagt / daß diese 2. Meilen von Chambery gelegene kleine Stadt / ein sehr vestes mit fünff Pasteyen umbgebenes / und sonsten wolverwahrtes Schloß / auch einen in den Felsen gegrabenen Brunnen / habe; so für einen dero besten Platz in gantz Europa gehalten werde. Abraham Gölnitz. In seinem Ulysse, meldet von diesem Platz / unter anderm / also: Castellum hoc rupi impositum, nec cuniculis suffodi, nec scalis admotis invadi potest, et ab omni tormentorum vi tutum plerique militiae gnari judicant. Ex oppido acclivis est ascensus in castrum, duplo munimento firmum, alterum alteri impositum; nec desunt gerrae, sive crates vimineae, nec tormenta grandiora. Fossae, quae castrum circumdant, è vivo saxo excisae, sunt mirae profunditatis. Quoad oppidum Monmelianum, est illud unum è celebribus Sabaudiae, quod medium inter vicinos montes plano aequalique loco est situm. Isara fluvius id alluit, ejusque civibus multas adfert commoditates. Oppidum alioquin nec spatiosum valdè est, nec civibus frequens, continuo bello attritis. Quidquid famae oppido est, ab arce est, quae magnitudine oppidulum adaequat, totique vicinae imperitat, etc. Hoffe / daß der günstige Leser / mit dieser dreyfachen / Teutschen / Lateinischen / und Frantzösischen Beschreibung dieser Hauptvestung in Savoia / werde vergnügt seyn.