Topographia Sueviae: Mößkirch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Mößkirch (heute: Meßkirch)
<<<Vorheriger
Möringen
Nächster>>>
Mukensturm
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 134–135.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Meßkirch in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[134]
Mößkirch / Meßkirch.

Diese Statt so in Madach / vnnd bey einem Wald gelegen / wird zum Hegöw / zu Ihr aber das Frawen-Stifft im Wald / gerechnet: vnnd hat ein Decanat. Sie hat durch die Grafen von Rohrdorff das StattRecht erlangt. Ihr Stammhauß Rohrdorff ist ohngefähr von Meßkirch / auff einem ziemlichen Hügel gelegen / mit einem Flecken dieses Nahmens gleich darbey. Wie das alt GemäwerWerck anzeiget / muß es ein feiner Sitz gewesen / vnnd nach dem Mößkirch gebawen / nicht mehr wie zuvor / vnderhalten worden seyn. Diese Grafen von Rohrdorff hatten / vor Zeiten auch jren Sitz zu Mörspurg / ehe sie solchen Orth dem Bischoff zu Costantz verkaufft haben. Anno 1289 lebte die letzte Gräfin von Rohrdorff / Fraw Juliana / H. Friderichs / Truchsessen zu Waldburg / Gemahlin: Welcher / vnd seine Nachkommen / auch den Tittel der Grafen von Rohrdorff führten: Auß denen / H. Berchtold / Truchseß von Waldburg / Graf zu Rohrdorff / sich An. 1345. zu Meßkirch / so sein eigen war / der Nothbrüderschafft einverleiben lassen. Herr Werner von Zimbern heurate Frawen Annam / Truchsessin von Waldpurg / Gräfin von Rohrdorff / der erkauffte von seinem Schwähern / Herrn Wernern / Truchsessen / Grafen von Rohrdorff / etc. die Burg / vnd Dorff Mäningen / mit dem Dorff Hittischoven / ohnweit von Mößkirch gelegen / vnnd allem / was darzu gehörte. Hernach Anno 1369. gaben obigen Herrn Werners Söhne / H. Otho / vnd Friko / Truchsessen von Waldburg / vnd Grafen von Rohrdorff / H. Wernern von Zimbern / zu Mößkirch / den halben Kirchensatz / mit andern mehr Gerechtigkeiten / biß diese Güter gantz an die von Zimbern kommen. Es starb aber obgemeldte Fr. Anna / Truchsessin / bald hernach / vnd heurate obgemeldter H. Werner von Zimbern / Frawen Brigittin / ein Freyin von Gundelfingen. Seine Nachkommen besassen solche Güter / sampt jhren eignen / biß auff Ableiben deß letzten Graf Wilhelms von Zimbern / H. zu Wildenstein / vnd Mößkirch / so noch Anno 1591. gelebt hat / vnnd hernach ohne LeibsErben verstorben ist. Vnd haben darauff seine sieben bey Leben verlassene Schwestern / als Anna / Leonora / Appollonia / Johanna / Kunigunda / Sibylla / vnnd Maria / diese Graf- vnnd Herrschafften miteinander getheilt / vnnd etwas davon in gemein verkaufft. Vnd hat Fraw Apollonia / vermählte Gräfin von Helffenstein / die Graffschafft Mößkirch / sampt Hayngen (so nach Absterben der von Gundelfingen / erstlich auff den Zimmberischen Stammen gelangt seyn solle / ) vnd Wildenstein an sich gelößt / vnd jhrem Sohn / Graf Froben von Helffenstein / vberlassen / der einen Sohn Graff Georg Wilhelmen von Helffenstein / vnnd eine Tochter gehabt; welcher Georg Wilhelm aber / so mit einer Gräfin von HohenZollern verheuratet gewesen / ohne LeibsErben abgestorben; vnd hat hernach / als der letzte Graf Rudolf von Helffenstein / der Mößkirch / vnd andere Güter / nach Abgang deß gedachten Graf Georg Wilhelms / besessen / auch die Welt gesegnet / H. Graf Vratislaw von Fürstenberg (welcher Anfangs deß jetztgedachten Graf Georg Wilhelms von Helffenstein obangedeute Schwester / vnd / nach jhrem Absterben / deß auch vermelten letzten Grafens von Helffenstein / Graf Rudolffs / Jüngste Tochter / zur Ehe gehabt, deren die Erste jhme 2. Söhn / vnnd 1. Tochter / verlassen; [135] mit der andern aber Er auch einen jungen Herrn bekommen hat) diese Güter erlangt; nach dessen tödtlichen Hintritt / im Jahr 1642. seine Eltere / vnnd erster Ehe / Herren Söhne / dieselbe ererbt haben / auch kurtzverwichener Zeit / in selbige versetzt worden seyn. Welches dann meistentheils auß einem Vns zukommnen Schrifftlichen Bericht genommen worden ist. Obgedachter letzte Graf von Zimbren ist / in der Reichs-Matricul / Monatlich auff 60. fl. belegt gewesen: Daran hernach die Grafen von Helffenstein / vnnd Fürstenberg nur den halben Theil erlegen wollen; vnd hat Anno 1649. auff dem zu Vlm im Christmonat gehaltenen Craißtage / Fürstenberg / vmbständlich / in einer gedruckten Schrifft erwiesen / daß man wegen Mößkirch / vnd Zugehörde / mehr nicht als besagten halben Theil zuerstatten habe / ist auch darbey gelassen worden; wiewol in den nächstverflossen Kriegs-Jahren / man ein mehrers da begehren wollen. Was den andern halben Theyl anbetrifft / so werden solche 30. fl. bey der Statt Rothweil gesucht / als die den besten Theil von den eygenthumblichen Gütern / wie man will / vnd letztlich auch das Zimmerische Stammhauß / sampt zugehörigen Flecken / vnd Dörffern / vmb acht vnnd achtzig tausendt Gulden erkaufft; gleichwol vor diesem nur den fünfften Theil am Anschlag geben wollen; wie auß vorangezogener Schrifft / vnnd auch dieses zuersehen / daß der Hochlöbliche Schwäbische Craiß / ingleichem vmb die vbrige 18. Gulden die Statt Rothweil schon vor langsten angefordert / vnd solch Gerichtlich Begehren / durch ein Endvrtheil in Camera, erhalten habe; wie dann auch solche in dem klaren Buchstaben deß Reichs-Abschiedts de Anno 1576. §. Bey Berathschlagung / etc. gegründet seye / allwa außtrucklich verordnet / wann zween oder drey oder mehr Ständt in Besitz einer Herrschafft seynd / vnnd man nicht weiß / von weme die Reichs-Hülff einzufordern / daß allemal der jenige / welcher das Stammhauß besitzt / dessentwegen angelangt / vnd gegen demselben verfahren werden möge / doch jhme seine Forderung / gegen seine MitErben / oder MitBesitzer / zu Vergnügung jhrer Gebürnussen / zuverfolgen / vorbehalten. Sihe / was hievon in der Continuation meines Itinerarii Germaniae, cap. 1. einkommen ist; so zwar nicht meine / sondern eines vornehmen Herren Wörter seyn sollen; die mir auch von einer vornehmen Person also communicirt worden, wie daselbst / gleich im Anfang von der Reichs-Matricul / zu finden; vnnd ich mich zu Ende derselben / fol. 14. mit diesen formalibus verwahret habe: Vnd so viel auch von der Reichs Matricula, in welcher ich der Eingangs gedachten Relation: Item / anderer geschriebenen Verzeichnussen / vnnd gedruckten Büchern gefolgt / nicht wissend / ob alles durchauß also / oder seythero geändert worden seyn mag: Darzu dann ein mehrere Wissenschafft der Reichssachen / als bey mir ist / erfordert wird; vnd dahero / so etwan hierinn geirret worden / mir nicht zu imputiren; wie ich mich dann auch deßwegen bester massen verwahret / vnd was nicht recht / für nicht gesetzt / vnd geschrieben / vnd keinem an seinen Rechten / vnnd Praetensionen / etwas zum Praejuditz / Nachtheil / vnnd Schaden gesetzt haben will. Biß hieher meine Wort. Sonsten findet sich / daß Zimmern / zu Vnderhaltung deß Cammergerichts zu Speyer / dem erhöchten Anschlag nach / jährlich geben 25. Gülden / den Thaler zu 69. Kr. gerechnet. Was die letztere Kriegshändel anbelangt / so lise ich mehr nicht / als / daß Anno 1634 der Schwedische FeldMarschall / H. Gustav Horn / Mößkirch eingenommen / vnd daß von dannen Anno 1643. im November / die Käyser- vnd Chur-Bäyrischen / auff das Dorff Newhausen / ein Stund von Tutlingen / vnd nicht vber ein halbe Stundt von Mülen / da der Weymarische Gen Major Rosa sich befande / gelegen / vnd weiters auf gedachtes Tutlingen gangen seyn / vnd dabey den bekandten Sieg / wieder die Frantzösische HauptArmee / erlangt haben. Sihe vnten Tutlingen. Was sonsten vor / vnd hernach / allhie / zu MößKirch / vorgegangen / wirdt vielleicht noch künfftig / neben anderer Orten Geschichten / von jemands herfür geben werden.