ADB:Cuno, Johannes (Humanist)

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Artikel „Conon, Fr. Johannes“ von Jacob Achilles Mähly in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 439–440, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cuno,_Johannes_(Humanist)&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2019, 23:42 Uhr UTC)
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Conon (das ist Kuno): Fr. Johannes C., ein gelehrter Predigermönch aus Nürnberg, geb. 1463, war ein Schüler des Marcus Musurus, spätern Erzbischofs von Epidaurus, den er zu Padua hörte, des Scipio Carteromachus aus Pistoja und des Cretensers Johannes. Im J. 1510 – denn über seine früheren Schicksale ist weiter nichts bekannt und es ist nur Vermuthung, daß er zu Padua als Lehrer aufgetreten sei – kam er auf seiner Rückkehr von Italien (unbekannt, ob zufällig oder einem Rufe folgend) nach Basel, und hier nahm ihn der bekannte Drucker Joh. Amerbach in der doppelten Eigenschaft eines Erziehers seiner Söhne und eines Correctors seiner Druckerei in sein Haus auf; Pellican, Wimpfeling und Reuchlin hatten ihn empfohlen. C. verdiente diese Empfehlung; er war des Griechischen in außergewöhnlichem Grade kundig, so sehr, daß Beatus Rhenanus, der neben den Söhnen Amerbach’s von der Gelehrsamkeit des Nürnbergers Nutzen zog, ihn nicht bloß seiner Methode, sondern auch seiner Kenntnisse wegen, über Reuchlin stellt, und es scheint keine Phrase zu sein, wenn der Schlettstädter Gelehrte Sapidus an Amerbach (1511) schreibt: „Was soll ich von dem Führer (C.) sagen? Die Götter selber haben ihn gewählt, um euch zu dem euch winkenden Ruhme zu führen.“ Er scheint wirklich in Basel, nach Reuchlin und Contoblakas, das Studium der griechischen Litteratur mächtig gefördert zu haben, auch ohne eine öffentliche Anstellung, so sehr auch Wimpfeling eine solche für C. hoffte und wünschte. Sein Verhältniß zu der Familie Amerbach und zu Rhenan, theilweilweise auch zu Erasmus war ein intimes, und als er 50 Jahre alt, am 21. Februar 1513 starb, setzte ihm sein dankbarer Schüler Rhenanus in der Dominicanerkirche zu Basel folgende Grabschrift: Τοὺς ἀγαθοὺς καὶ θανόντας εὐεργετεῖν δεῖ. Asta, viator, si non est molestum et lege. Fr. Joh. Cononi Norimbergensi Theologo graecae linguae callentissimo, latinae scientissimo, singularique per omnem vitam integritate praedito qui spe juvandi meliores litteras ob immaturam mortem nonnihil [440] frustratus est, Beatus Rhenanus pietatis ergo B. M. de suo fecit. Obiit anno MDXIII nono cal. Mart. Vale et abi in rem tuam. C. soll hauptsächlich beim Druck des Hieronymus förderlich gewesen sein und den Erasmus in der Recension des neuen Testaments unterstützt haben. Da er besonders in der Conjecturalkritik stark war, so ist beides sehr wahrscheinlich, wenn schon beide Publicationen, Hieronymus sowol als das neue Testament, erst drei Jahre nach dem Tode Conon’s, 1516, und zwar nicht bei Amerbach, sondern bei Froben erschienen. Der Druck verzögerte sich nicht nur durch die Größe der Aufgabe, sondern auch durch den Tod Amerbach’s (1514), und wir wissen, daß Erasmus bei Hieronymus sich mehr mit der Revision der Briefe abgab, während Capito, Rhenan, die Söhne Amerbach und C. die übrigen Schriften (der neunbändigen Ausgabe) besorgten. Eigene Publicationen Conon’s sind: die Uebersetzung des Tractats von Basilius: „De differentia οὐσίας καὶ ὑποστάσεως ad Gregorium Nyssenum“, Patav. 1507 (s. Hoffmann, Lex bibliogr.; im J. 1512 erschien dieselbe Schrift in Straßburg; 1512 die Uebersetzung der acht Bücher des Gregor von Nyssa über die Philosophie („Gregorii Nyssae episcopi qui fuit frater Basil. magni libri octo 1) de homine, 2) de anima, 3) de clementia etc.“; von Beatus Rhenanus dem Kaiser Maximilian gewidmet mit dem Beisatz: Hoc opus Basileae apud Divum Dominicum habetur quod speramus a Conone nostro (si per otium licuerit, propediem tralatum iri... Argentorati, Mai 1512, hiernach scheint es, als ob die gleich zu nennende Straßburger Ausgabe die Uebersetzung Conon’s enthalte); dasselbe Jahr brachte (in Basel und Straßburg, am letzteren Orte zugleich mit den vorhergehenden libri de philosophia des Gregor von Nyssa) „Gregorii Nazianzeni theologi ad Gregorium Nyssenum, Fratr. Basil. magni cum altero die electionis suae ad confirm. ips. superveniret oratio, interpres Joannes Cong. (so bei Hoffmann l. c. ord; Praed. nuncupavit Thomae Truchsess eccles. Nemet. Scholastico.“ Basileae. Unter den Collectaneen, welche C. aus Italien brachte, befand sich auch eine Uebersetzung des Synesius de calvitie (s. Vahlen, Laurent. Vallae opusc. III. p. 108. Nr. 44. Wien 1869), welche Rhenanus 1515 (oder schon 1513, wenn Hoffmann Recht hat, welcher das Büchlein also citirt: Annaei Senecae lud. de morte Caes. Synesii Cyrenaeensis de laude calvicii cum Rhenani et Erasmi scholiis – wonach die Angaben von Horawitz in seinem „Beatus Rhenanus litt. Thätigkeit“ S. 8 ff. zu berichtigen wäre) in Basel bei Froben herausgab. Nach Conr. Geßner’s Angabe (Biblioth. epit. von Simmler) „Graeca addidit (Conon) Hieronymi libris“, das heißt doch wol die griechischen Citate des Kirchenvaters.

Vgl. über C.: Wurstisen, Epit. histor. Basil. p. 193; Will-Nopitsch, Nürnb. Lex.; Zeltner, Theatr. erudit. corrector.; Beiträge der histor. Gesellschaft von Basel II, 180 ff.