ADB:Gumpert, Thekla von

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Artikel „Gumpert, Thekla von“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 628–630, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gumpert,_Thekla_von&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 09:07 Uhr UTC)
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Gumpert: Thekla von G., Jugendschriftstellerin, geboren am 28. Juni 1810 zu Kalisch, † am 1. April 1897 zu Dresden; kam 1815 nach Posen, wohin ihr Vater als Medicinalrath versetzt war und wurde hier die Gespielin und Freundin der Prinzeß Wanda, der jüngsten Tochter des Statthalters Fürsten Anton Radziwill und dessen Gemahlin, der Prinzeß Louise von Preußen. Sechs Jahre war Thekla thätig als Erzieherin bei Baron Seydlitz, dann bei dem Fürsten Czartoryski; bevor dessen edle Gattin, die vorgenannte Prinzeß Wanda so frühzeitig aus dem Leben schied, legte sie noch die Erziehung ihrer Kinder in die Hände der treuen Freundin. Nach Vollendung ihrer Aufgabe übersiedelte Thekla nach Berlin; sie trug sich mit großen Projecten: Reisepläne wurden erwogen, worunter ein längerer Aufenthalt für England in Rede kam. Andere machten ihr Muth, eine große Erziehungsanstalt zu gründen. Den Entscheid gab aber Franz v. Schober, welcher von Weimar nach Berlin gekommen war und der über ihre Zukunft Unschlüssigen den Rath ertheilte, zur Feder zu greifen, ihr Erzählertalent und ihre Erfahrungen schriftstellerisch zu gestalten und sich dadurch, wie ehedem Herder, zur Erzieherin im weiteren Sinne und auf den ihr völlig zuständigen Wegen zu bilden. Schober erzählte von seinen vielen Freunden und Jugendgenossen, von der Sängerin Unger-Sabatier, von Franz Schubert und Moriz v. Schwind, von seinen langen Reisen mit Liszt, vom Grafen Kalkreuth und dem Weimarischen Fürsten-, Dichter- und Künstlerhof, las seine Dichtungen und Sonette vor, die in verwandten Tönen Antwort und Nachhall fanden. Aber das erwartete Wort fiel ebensowenig wie ehedem in Sesenheim. Doch der neue Weg war gefunden. [629] Die ersten, aus dem ihr ganz zuständigen Gebiete der Kinderwelt entnommenen Erzählungen „Der kleine Vater und das Enkelkind“ (1843) machten wirklich Glück und fanden verdienten Beifall; Verleger kamen mit Anerbietungen, darunter Flemming in Glogau († 1879). Ihr Plan gipfelte in einem jährlich wiederkehrenden „Töchteralbum“, welches unter Beihülfe von gleichgesinnten Mitarbeitern, einen weiteren Verkehr mit dem jüngeren Lesepublicum anbahnen sollte – also dasselbe Unternehmen, welches kurz vorher Isabella Braun (s. A. D. B. XLVII, 194) zu München mit Georg Scheitlin in Stuttgart begonnen hatte. Beide auf ein wirkliches Bedürfniß fundirten Projecte schlugen glücklich ein und fanden eines wie das andere in Süd- und Norddeutschland bereitwillige Aufnahme durch zwei und drei Generationen. Aus den ersten Lesern erwuchsen Mitarbeiter, aus denselben entstand ein neuerdings beihelfender Arbeiterkreis, mit immer gleich theilnehmenden und fördernden Gönnern. Das „Töchteralbum“ erwuchs 1855–1897 zu einer ganzen Bibliothek von 43 Bänden, welchen alsbald noch ein kleineres Appendix „Herzblättchens Zeitvertreib“ in 41 Jahrgängen nachfolgte – alle gleichmäßig von wohlgewillten Händen assistirt und von zahlreichen Künstlern, darunter Hugo Bürkner, Karl Fröhlich, Ludwig Richter, Julius Hübner und unzähligen Anderen reichlich illustrirt. Aus und neben ihrer redactionellen Thätigkeit entwickelten sich neue Geschichten und Jugendschriften: „Erzählungen aus der Kinderwelt“, „Gott in der Natur“, die „Badereise der Tante“, das „Familienbuch“ und viele ähnliche, von begierigen und dankbaren Lesern weiter vererbte Büchlein. Ihr Name breitete sich aus in immer größeren Kreisen. Auch ihr alter Jugendfreund, der wie ein neuer „Wilhelm Meister“ auf langer Odyssee umhergewanderte weimarische Legationsrath Franz v. Schober (s. A. D. B. XXXII, 202), kam wieder und äußerte mit sechs Decennien seiner im sechsundvierzigsten Sommer blühenden Getreuen den langgehegten Wunsch, ihre „alternden Lebensstühle zusammenzurücken und mit einander die fernere Lebenszeit fortzuführen“. Sie machten das Wagniß, aber ohne bleibenden Erfolg, indem sie sich „zwar nicht schieden, sondern nur trennten“, wobei Jedes der Betheiligten die weiteren Wege nach alter Gewohnheit allein fortsetzte, froh, die jungherrliche Selbständigkeit rechtzeitig gerettet zu haben. Daß sie in zarter Fühlung geblieben, wird von keiner Seite berichtet. Die Zahl von Thekla’s aufrichtigen Freunden, Verehrern und Gönnern gewann neuen Zuwachs. In dem Buche „Unter fünf Königen und Kaisern“, welches 1891 rasch in zweiter Auflage erschien, hat sie als verwittwete Legationsrath Thekla v. Schober die „unpolitischen Erinnerungen einer alten Frau“ über befreundete Personen mit fühlbarer Redseligkeit niedergelegt, insbesondere an mehrere Mitglieder des preußischen Königshauses, darunter an den nachmaligen Kaiser Wilhelm I. Sie hatte längst schon für das „Töchteralbum“ die Autographen berühmter und hervorragender Zeitgenossen gesammelt, welche sie (Bremen 1893) in Buchform neuerdings edirte. Darunter Schriftproben von dem ganzen preußischen und sächsischen Königshause und anderen berühmten Persönlichkeiten, welche sie dadurch auch für ihr „Töchteralbum“ zu interessiren verstand, darunter kein geringerer als der Kaiser aller Ottomanen und Großsultan Abdul-Hamid-Khan, welcher der Dichterin unterm „ersten Ramazan 1307“ den Chefakat-Orden III. Classe 1889 (die nicht zustimmende Zeitrechnung ist jedenfalls Druckfehler) übersendete, übrigens die einzige decorative Auszeichnung, die ihr je zu Theil geworden. Andere eigenhändige Anerkennungsschreiben und briefliche Huldigungen erfreuten sie von Humboldt, Moltke, Oberpostmeister v. Stephan, E. M. Arndt, Karl v. Holtei, vom Dompropst Allioli, dem Begründer der neueren Jugendlitteratur und Fachgenossen Christoph v. Schmid, von Marie Nathusius, [630] Klaus Groth, Julius Sturm, von Hugo Bürkner, Karl Fröhlich, Ludwig Richter und Julius Hübner, die sämmtlich bereitwillig Illustrationen versprachen, die beiden Frommel, G. Ebers, Gerok, Liszt, Wilhelmine Schröder-Devrient usw. Auch ihr „alter Freund Schober“ hatte in seine kleine Harfe gegriffen und allerlei Poetisches beigesteuert. Ihre „Erinnerungen“ (1893) bieten viel Interessantes, wenn auch keine überraschenden Kundgebungen. Sie alterte in Ehren. Im J. 1891 genoß sie die Freude ihres 50jährigen Schriftstellerthums und blieb thätig bis zum Ende.

Vgl. Nr. 2635 d. Illustr. Zeitung, Lpz. 1891 und Nr. 2807 ebenda 1897. – Das Verzeichniß ihrer Schriften hat Sophie Pataky, Lex. Deutscher Frauen der Feder (Berlin 1898, I, 293 ff.) zusammengestellt.