ADB:Hagemeister, Emanuel Friedrich

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Artikel „Hagemeister, Emanuel Friedrich“ von Theodor Pyl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 329–330, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hagemeister,_Emanuel_Friedrich&oldid=- (Version vom 24. Juli 2019, 09:01 Uhr UTC)
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Hagemeister: Emanuel Friedrich H., Dr., geboren am 12. Februar 1764 in Greifswald, stammte aus einer uralten und angesehenen Patricierfamilie, als deren Ahnherr zuerst Martin 1282 auf Helmshagen bei Gr. in der Eigenschaft der magistri indaginum ansessig war, die später jedoch in Greifswald (1359) und dann in Stralsund (1566) bis auf die Gegenwart sich im Rath, bei den Gerichten und der Universität auszeichnete, und von der besonders Heinrich H., Rathsherr 1588, Bürgermeister 1612, durch die Verfassungsstreitigkeiten mit Herzog Philipp Julius über den Stralsunder Erb- und Bürger-Vertrag (1615–16), sowie durch seine reichen wohlthätigen Stiftungen nach seinem Tode (13. September 1616) einen bedeutenden Namen erlangt hat. Nach dem frühen Tode seines Vaters (1770) besuchte er, unter der wohlwollenden Fürsorge seiner großmütterlichen Verwandten aus der Familie des Generalsuperintendenten J. Fr. Mayer, das Gymnasium und seit 1781 die Universität in Greifswald, wo er unter Becker, Aeminga und Schlichtkrull juristische, unter P. Ahlwardt, Muhrbeck, Möller u. A. philosophische und historische Vorlesungen hörte. Von 1784–86 setzte er seine juristischen Studien in Göttingen unter Böhmer, Pütter, Waldeck, Meister, Runde und Beckmann, seine historischen und philosophischen bei Meiners, Schlözer, Spittler, Gatterer und Feder fort, und kehrte nach einem kürzeren Aufenthalte in Halle (1786), wo er bei Fischer deutsches Recht hörte, und dessen Bibliothek und specielle Unterweisung benutzte, nach Greifswald zurück. Hier 1788 zum Doctor promovirt, 1789 Adjunct, 1794 außerordentlicher und 1797 ordentlicher Professor der juristischen Facultät, wirkte er als akademischer Lehrer, sowie als Schriftsteller mit großer Anerkennung [330] und erwarb sich besonders die Liebe seiner zahlreichen Schüler. Von seinen zahlreichen juristischen Schriften sind namentlich zu erwähnen: „Beiträge zum europäischen Völkerrecht“, 1790; „Einleitung in das mecklenburgische Staatsrecht“, 1793; „Einleitung ins pommer’sche Lehnrecht“, 1800; „Anleitung zur mündlichen Instruction im Processe“, 1814; sowie mehrere Aufsätze in Hugo’s Civ. Mag., Savigny’s Zeitschrift u. A. Neben seinen wissenschaftlichen Bestrebungen widmete er sich jedoch mit gleichem Eifer einer praktischen Thätigkeit, seit 1790 als Anwalt beim Tribunal, 1797 als Assessor des Consistoriums und seit 1802 als Rath des Tribunals, späteren Oberappellationsgerichts. Von noch höherer Bedeutung war aber seine organisatorische Wirksamkeit, zu welcher er wiederholt in der bewegten Zeit von 1806–19 berufen wurde, zuerst als Präsident der von den Franzosen bei ihrer Besetzung des schwedisch-pommer’schen Landes angeordneten Regierung im J. 1808; dann als Mitglied der Commission zur Umgestaltung der Gesetzgebung in Pommern, welche 1810–11 in Stockholm und Oerebro versammelt war; endlich, nachdem er den Ruf als Präsident an das höchste mecklenburgische Gericht nach Parchim (1817) abgelehnt, als Geheimer Oberjustizrath und Staatsrath und Mitarbeiter an der unter des Ministers v. Beyme Leitung in Berlin begonnenen Justizorganisation. Die Menge der auf ihm lastenden Arbeiten, welche ihn auch einen Ruf an die Berliner juristische Facultät (1818) vorläufig nicht annehmen ließ, erschöpfte jedoch seine Kräfte, so daß er schon am 21. Juli 1819 verstarb. Seine handschriftlichen für die pommer’sche Justiz und Verwaltung höchst wichtigen Sammlungen gelangten an die Tribunalsbibliothek (jetzt in Stettin). Seine Bibliothek und anderen Papiere vererbten sich auf seinen Großneffen (Verf. d. B.) Dr. Theodor Pyl, welcher einen Theil derselben der Universitätsbibliothek in Gr. übergab.

Vierteljahrschrift für Her. u. Genealogie, II. Jahrg. Heft 2. Familiennachrichten u. Curr. vitae, diss. de matr. ill. c. nob. av. 1788. Catalog der Bibl. des Ob.-App.-Ger. in Gr., p. 248. Verz. der Bücher des Geh. Staatsrath H., 1820 (2178 Nr.). Biederstedt, Nachr. von Neuvorpom. Gel., p. 76. Koseg. G. d. U. I. p. 311.