ADB:Ompteda, Ludwig Karl Georg von

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Artikel „Ompteda, Ludwig v.“ von Ferdinand Frensdorff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 355–358, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ompteda,_Ludwig_Karl_Georg_von&oldid=- (Version vom 20. Juli 2019, 11:51 Uhr UTC)
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Ompteda: Ludwig Karl Georg v. O., geb. am 17. November 1767, † am 26. August 1854. Die ursprünglich friesische Adelsfamilie, auf der Herrlichkeit Ompta in der Provinz Groningen ansässig, bis das Vordringen der spanischen Inquisition die treuen Anhänger der Augsburgischen Confession zur Auswanderung zwang, hatte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Aufnahme in die braunschweigischen Lande gefunden und ein Jahrhundert später im Amte Thedinghausen (an der unteren Weser) Besitzungen erworben, darunter auch das Gut Wulmstorf, auf dem Ludwig v. O., der zweite Sohn des kurhannoverschen Drosten Johann Heinrich v. O. und seiner Gemahlin, der Tochter eines dänischen Gardecapitäns schottischer Abkunft, v. Bonar, geboren wurde. Ungünstige Vermögensverhältnisse, die zum Verkauf von Wulmstorf zwangen, und der frühe Tod des Vaters brachten dem Sohne sehr wechselvolle Erziehungs- und Schuljahre. Entscheidend für sein Leben ward der Besuch der Lüneburger Ritterakademie; denn hier lernte ihn gelegentlich einer Visitation der Kammerpräsident v. Wenkstern kennen, dem seine Leistungen, darunter eine lateinische Rede über [356] die Herkunft Hermann Billungs, so gut gefielen, daß er ihm ein Regierungsstipendium für die Universitätszeit versprach. Von Ostern 1787 ab studirte O. in Göttingen die Rechte, hörte aber auch Heyne, Spittler und Beckmann. und trieb mit Eifer neuere Sprachen. Im October 1790 als Auditor bei der Justizkanzlei in Hannover eingeführt, stand er am Anfange einer Laufbahn, die zwar sehr ehrenvolle und zusagende Stellungen aufzuweisen hatte, aber zunächst doch einem wenig Bemittelten schlechte Aussichten gewährte. Ernst Brandes und der Minister v. Wenkstern bewirkten es daher, daß O. October 1791 die erledigte Stelle eines Legationssecretärs in Dresden erhielt. Sein Chef war Graf Ernst Hardenberg, seit 1793, wo dieser nach Wien versetzt wurde, Herr v. Bremer. Im Sommer 1794 vertauschte O. Dresden mit Berlin, zunächst um den Gesandten v. Lenthe provisorisch zu vertreten; als dieser dann aber 1795 Minister bei des Königs Person geworden, erhielt O. den Posten eines Geschäftsträgers in Berlin und hatte die wichtigen Verhandlungen zu führen, durch welche Hannover dem Baseler Frieden acquiescirte. Da der Antritt des neu ernannten hannoverschen Gesandten v. Reden sich durch dessen Theilnahme am Rastatter Congreß bis zum Jahre 1800 verzögerte, so blieb O. während dieser ganzen Zeit in seiner Stellung. Seine persönliche Gewandtheit und Geschäftstüchtigkeit, seine scharfe Beobachtungsgabe hatten ihm früh zu einer angesehenen diplomatischen Stellung verholfen; die einflußreichsten Kreise in Dresden und Berlin waren ihm zugänglich geworden. Gleichwohl gedachte er nicht auf die Dauer in der diplomatischen Laufbahn zu bleiben und sah sich bei Zeiten nach einer gesicherten Stellung im inneren Staatsdienst um. Da ihn seine bisherige Thätigkeit zu sehr den Anforderungen des richterlichen Berufes entfremdet hatte, so bewarb er sich um einen Sitz in der wichtigsten Verwaltungsbehörde des Landes. Aber wie noch mehrmals in seinem Leben, kreuzte sich sein Weg mit dem Münster’s (s. A. D. B. XXIII, 157 ff.). Die Stelle eines Kammerraths wurde Münster zu Theil. O. erhielt den Posten eines Kriegsraths und, als: 1800 ein Generalpostdirectorium errichtet wurde, den Vorsitz in der neuen Behörde. Bei der geringen Dotirung des letzteren Amtes war auf die Beibehaltung der Stelle in der Kriegskanzlei gerechnet. Durch den Gewinn des großen Looses in der hannoverschen Lotterie hatten sich Ompteda’s Vermögensverhältnisse auch vorher schon gebessert. Zum Antritt seines Verwaltungspostens siedelte O. zu Beginn des Jahres 1801 nach Hannover über, nachdem er sich zuvor mit der jungen Wittwe des 1799 verstorbenen preußischen Hofmarschalls Grafen Solms verheirathet hatte. Eine ruhige Thätigkeit in dem neuen Amte war O. nicht beschieden; dafür sorgten die wechselvollen politischen Zustände und die bewährte diplomatische Tüchtigkeit Ompteda’s selbst. Zwar die dann von Münster ausgeführte Sendung nach Petersburg wurde aus Familienrücksichten abgewehrt; dagegen konnte sich O. dem undankbaren Auftrage, in Berlin für eine Herausgabe Hildesheims an Hannover gegen Entschädigung zu wirken, nicht entziehen. Hatten ihn in Zusammenbäng damit schon die Verhandlungen in Berlin festgehalten, welche die französische Occupation Hannovers im J. 1803 begleiteten, so wurde er vollends an die Diplomatie gefesselt, als im Juli des Jahres v. Reden als Comitialgesandter nach Regensburg an Stelle des verstorbenen Dietrich Heinrich Ludwig v. Ompteda, des bekannten Verfassers der Litteratur des Völkerrechts, versetzt wurde und er den Gesandtenposten in Berlin übertragen erhielt. Am 4. August 1803 überreichte er dem Könige sein Creditiv und nahm von ihm die Aeußerung des Bedauerns entgegen, daß er die Katastrophe von Hannover nicht abzuwenden vermocht habe. In der Stellung eines kurhannoverschen Gesandten fungirte O. am Berliner Hofe neben dem französischen Gesandten drei Jahre, obschon das Kurfürstenthum von den [357] Franzosen besetzt, die Armee aufgelöst und das Ministerium außer Landes war, bemüht, die Lasten der Heimath zu erleichtern und ihre Rückkehr unter die rechtmäßige Herrschaft herbeizuführen. Als Preußen selbst im Frühjahr 1806 Hannover in Besitz nahm, sah er sich genöthigt, seine Pässe zu fordern, nicht ohne in seinem Abschiedsschreiben an Hardenberg vom 9. April zu bedauern, „que je quitte une cour, qui aurait pu me faire aimer une carrière, que je déteste d’ailleurs“. Da O. den von der königlich preußischen Administrationscommission geforderten Revers auszustellen sich weigerte, verlor er zugleich seine Aemter als Kriegsrath und Oberpostdirector. Nur eine kurze Zeit konnte er seine diplomatische Thätigkeit als Gesandter am Dresdener Hofe, wozu ihn der König an Stelle des nach Petersburg bestimmten Herrn v. Bremer am 17. März 1806 ernannt hatte, fortsetzen; die Folgen der Schlacht bei Jena machten auch dem ein Ende. Er nahm seinen Aufenthalt zunächst in Teplitz, und als die österreichische Regierung ihn und andere Flüchtlinge aufforderte, sich entfernter von der sächsischen Grenze niederzulassen, in Prag. Hier und in den böhmischen Bädern fand sich die Gesellschaft aller Derer zusammen, die antifranzösische Gesinnung und Hoffnung auf eine Wiedererhebung Preußens und Deutschlands beseelte, une chaine d’intrigans dangereux qui s’étend de Teplitz à Vienne et de Vienne à Londres, wie sie der Bericht eines französischen Spions bezeichnete. O. gewann in dieser Zeit genauere Beziehungen zu Gentz, Adam Müller, den Häuptern der österreichischen Aristokratie, der Prinzessin Solms, Friederike, nachherigen Königin von Hannover, blieb ein aufmerksamer Beobachter aller politischen Ereignisse und ein getreuer Berichterstatter theils nach London hin, theils nach Wien, wohin er sich im Sommer 1807 auch zweimal zu politischer Communication mit Graf Ernst Hardenberg begab. Im März 1808 benachrichtigte ihn Graf Münster, daß der König bei der dermaligen Lage der Dinge seine Dienste nicht mehr benutzen könne und ihn auf Wartegeld setze. O. ließ sich dadurch nicht abhalten, auch ferner seinem Lande nützlich zu sein. Reisen nach Dresden, nach Berlin, größtentheils von einem Gute der Schwiegermutter, Gräfin Schlippenbach, in der Ukermark aus unternommen, wurden zur Anknüpfung politischer Verbindungen benützt. Im J. 1809 trat man in Berlin auch officiös wieder mit ihm in Verbindung und vertraute ihm, als er zur Abholung seines Bruders, des Oberstlieutenants der deutschen Legion, Christian v. O., der erkrankt von Portugal hatte zurückgesandt werden müssen, sich nach London begab, eine Mission an den König und die Minister an, die auf ein eventuelles Zusammenwirken von Preußen und England abzielte. Den im Frühjahr 1811 ertheilten Befehl des Prinzregenten, sich nach Berlin zu begeben, um auf die Entschließungen Preußens in der obschwebenden Krisis einzuwirken, erhielt O. erst im Juli und hielt sich von da ab unter dem Vorwande, Erbschaftssachen zu reguliren, in Berlin auf. Im engsten Vertrauen des Staatskanzlers stehend, erhielt er von den Verhandlungen mit Oesterreich nicht nur Kenntniß, sondern wirkte an seinem Theile auch auf sie ein. Er bahnte Scharnhorst, dem Metternich als angeblichem Genossen des Tugendbundes mißtrauisch begegnete, für seine Mission nach Wien (November 1811) den Weg; die Relationen desselben, sowie die seines Vorgängers, des Barons Jacobi-Klöst, an den Staatskanzler gelangten durch die hannoverschen Diplomaten, Graf Hardenberg und O., an ihre Adresse. Als dann der Abschluß der Convention mit Frankreich (12. Februar 1812) allen Hoffnungen ein Ende machte, blieb O. auf eigene Verantwortung in Berlin, um eine Verbindung zwischen England und Preußen aufrecht zu erhalten. Denn, so legte er sich, patriotisch und zugleich umsichtig, die nach langem Schweigen an ihn gelangende Weisung Münster’s vom 20. October 1812 aus, der Prinzregent danke ihm für seine Dienste und erlaube ihm, [358] seinen Aufenthaltsort nun wieder frei zu wählen. Welchen Werth man auf seine Anwesenheit legte, zeigte der Wunsch des Staatskanzlers, O. möge dem Könige nach Breslau folgen. O. kam dem nach und hatte im Laufe des Februar 1813 verschiedentlich geheime Zusammenkünfte mit preußischen Staatsmännern und Militärs in Breslau; er stellte sich dann den hannoverschen Ministern zur Verfügung und war schon bereit, ihren Auftrag der Wiedereinsetzung der Landesbehörden zu übernehmen, als er von London aus angewiesen wurde, den englischen Unterhändler, Sir Charles Stewart, den Bruder Castlereagh’s, beim Abschluß des Subsidientractats mit Preußen zu unterstützen. Konnte er auch, weil des öffentlichen diplomatischen Charakters entbehrend, den Vertrag nicht mit abschließen, so war doch sein Beirath, seine Kenntniß der deutschen Verhältnisse von erheblichem Einfluß auf das Zustandekommen des Reichenbacher Vertrages vom 14. Juni und seines geheimen Artikels, der Hannover den Erwerb von Hildesheim sicherte. In dieser Zeit war O. auch mit Stein zusammen getroffen, länger mit ihm gereist und Stein hätte ihn gern als hannoversches Mitglied des Centralverwaltungsrathes gesehen. Vom August bis December s blieb O. in Prag und schloß sich dann zu Ende des Jahres, nachdem er auf-H neue zum Gesandten am preußischen Hofe ernannt war, dem sogenannten schreibenden Hauptquartier an. Am letzten Tage des Jahres 1813 hatte er Audienz bei König Friedrich Wilhelm III., der auf sein Bedauern, die neu für ihn ausgefertigten Creditive noch nicht überreichen zu können, bemerkte: „Monsieur d’Ompteda, je regarde votre mission comme non interrompue.“ Nachdem er dann noch bis zum Frieden dem preußischen Hauptquartier gefolgt war, bekleidete er bis 1823 seinen Gesandtschaftsposten am Berliner Hofe, seit 1817 zugleich in Dresden accreditirt. 1823 wurde er Staats- und Cabinetsminister in Hannover, seit dem Jahre 1831, als Graf Münster’s Stellung unhaltbar geworden war, Minister bei des Königs Person in London. Das hervorragendste Ereigniß dieser Zeit ist das Staatsgrundgesetz, das König Wilhelm IV. am 26. September 1833 unterzeichnete und O. contrafignirte. 1834 nahm er an den Wiener Ministerialconferenzen Theil. Noch am Todestage Königs Wilhelm IV. (20. Juni 1837) nahm er seinen Abschied und war damit jedes Antheils an den Schritten enthoben, die der Nachfolger zum Umsturz der Verfassung that. Nach dem Rücktritt hat O. dann hochgeachtet noch lange in Celle gelebt. Am 6. December 1838 hatte ihn die Göttingen Juristenfacultät zugleich mit dem Grafen Münster zum Doctor promovirt. Aus seinem Nachlasse hat sein Sohn F. v. O., geheimer Regierungsrath in Hannover († am 26. Januar 1869) Veröffentlichungen in dem unten citirten Werke unternommen, die nicht nur reiche Beiträge zur deutschen Geschichte enthalten, sondern auch die Bedeutung des Mannes, von dem der größte Theil herrührt, ins hellste Licht setzen. Denn neben den zahlreichen an O. gerichteten Briefen, welche seinen Verkehr mit den hervorragendsten Persönlichkeiten der Zeit documentiren, sind von ihm erstattete Berichte und namentlich Auszüge aus seinen „Lebenserinnerungen“ mitgetheilt; sie zeigen, welch scharfer Beobachter O. war, wie gefällig er darzustellen wußte, wie die Treue und Zuverlässigkeit seiner Gesinnung, sein selbstloser Patriotismus und sein klares Urtheil über Personen und Sachen verbunden war mit maßvollstem und urbanstem Wesen, und lassen nur eins, die vollständige Veröffentlichung, zu wünschen übrig.

F. v. Ompteda, zur deutschen Geschichte in dem Jahrzehnt vor den Befreiungskriegen (Polit. Nachlaß des hannov. Staats- u. Cabinetsministers L. v. Ompteda aus den J. 1804–13), 4 Thle., Hannover, Jena 1866–69. – Waitz, Gött. gel. Anz., 1869, St. 47. – Pertz, Gneisenau, II, 167.