ADB:Rudolf I. (Pfalzgraf bei Rhein)

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Artikel „Rudolf I., Pfalzgraf bei Rhein“ von Jakob Wille in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 548–551, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rudolf_I._(Pfalzgraf_bei_Rhein)&oldid=- (Version vom 8. Dezember 2019, 21:03 Uhr UTC)
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Rudolf I., Herzog von Oberbaiern und Pfalzgraf bei Rhein, geboren am 4. October 1274 als der Sohn Ludwig’s II. des Strengen, aus dessen dritter Ehe mit Mechtild, König Rudolf’s Tochter, übernahm, 19 Jahre alt, zugleich für seinen jüngeren siebenjährigen Bruder Ludwig die Regierung des väterlichen Erbes. Nur die habsburgischen Gesinnungen hatte er nicht mit übernommen, seine Regierung bedeutete einen Bruch mit der Politik des Vaters. Am 19. März 1294 verlobte sich Rudolf mit Mechtild, König Adolf’s Tochter und trat damit ganz in den Dienst der antihabsburgischen Partei, unter Bedingungen, die seine eigene und des Landes Selbständigkeit beeinträchtigten. Er gelobte dem Nassauer im Fall einer Landestheilung die Pfalz zu behalten und seine Kurstimme ganz nach des Königs Wünschen zu gebrauchen und auch die Vermählung seines Bruders Ludwig im Sinne einer dem König freundlichen Politik zu beeinflussen. Ein von Adolf eingesetzter Rath sollte Theil nehmen an der Verwaltung der bairisch-pfälzischen Lande und die pfälzischen Burgen am Rhein sollten ihm huldigen. Es war ein Act unglaublicher Schwäche, mit dem Rudolf die Hand der armen Prinzessin erkauft hatte. Bald darnach schloß er sich dem Zuge Adolf’s gegen die Söhne des Landgrafen Albrecht von Thüringen, Friedrich mit der gebissenen Wange und Diezmann an und leistete auch in den so erfolglosen französisch-flandrischen Händeln seinem Schwiegervater bedeutende, vielleicht auch persönliche Kriegshülfe. Am 26. April 1296 hatten sich mit dem Ueberfall der Baiern auf die Burg Mergentau die Streitigkeiten mit der Stadt Augsburg erneuert, die, mit dem Bischof verbündet, dem Herzog siegreichen Widerstand leistete. Nicht ganz im Klaren sind wir über die Gründe, welche Rudolf mit den Söhnen Meinhard’s II. von Görz und Tirol verfeindeten, denen König Adolf die Anerkennung als Herzoge von Kärnten verweigerte. Vermuthlich spielen rein territoriale, dem Einflusse des Königs ferne liegende Interessen hier herein, wie sie in jenen unruhigen Zeiten Jahr aus Jahr ein die großen und kleinen Herren entzweiten. König Adolf versprach (27. November 1296) dem Erzbischof Konrad von Salzburg und Rudolf dessen Bundesgenossen Hülfe gegen Meinhard’s Söhne, und Rudolf soll bis ins Innthal vorgerückt sein, um die Pfandschaft Rattenberg, den vermuthlichen Zankapfel, zurückzuerobern. Im Reiche begann aber jetzt ein offener Krieg zwischen Albrecht von Oesterreich und dem König unvermeidlich zu werden. Adolf’s Stellung wurde immer schwankender, von den Kurfürsten, die ihn erhoben, wieder verlassen, hatte er nur an Rudolf einen treuen Bundesgenossen. Nach einer sonst guten Quelle soll der Pfalzgraf, als Albrecht nach Baiern aufbrach, bei Letzterem persönlich seine Parteinahme für Adolf mit seinen verwandtschaftlichen Beziehungen gerechtfertigt haben – dann aber brach er mit Adolf, der seinem Gegner den Zug nach dem Rheine versperren wollte, wahrscheinlich nach Breisach auf. Aber Albrecht verstand ihn zu umgehen und gewann Zeit, Mitte Juni bei Mainz seine Streitkräfte zu sammeln. Am 2. Juli 1298 trafen bei Göllheim die Heere aufeinander. Rudolf und seine niederbairischen Vettern standen im Vordertreffen und hielten sich tapfer. Des Herzogs Bannerträger, Gottfried v. Brauneck, erhielt im Kampfe mit den kärntnerischen Heerhaufen schwere Wunden. Aber der Kampf kostete Adolf Krone und Leben, und die Herzoge, denen man mit Unrecht schmähliche Flucht vorgeworfen hat, konnten noch kämpfend einer Gefangennahme durch die leichten ungarischen Bogenschützen entgehen und nahmen nach schweren Verlusten über Worms nach Heidelberg den Rückzug. Ein weiterer Widerstand wäre zwecklos gewesen. Der siegreiche Habsburger soll sich versöhnend und edelmüthig [549] gegen den Pfalzgrafen gezeigt und durch eine besondere Gesandtschaft die Hand zum Frieden angeboten haben. Am 27. Juli traf Rudolf zur Königswahl in Frankfurt ein, war einige Wochen darnach (24. August) bei der Krönung in Aachen anwesend, begleitete den König nach Köln und Boppard und wohnte auch später zu Nürnberg (Anfang November) und Ulm (Februar 1300) glänzenden Hoftagen bei. Auch war er Zeuge jener Begegnung des Reichsoberhaupts mit König Philipp von Frankreich zu Toul und Vaucouleurs, an den Grenzen des Reiches. Doch nicht lange hielten diese engen Beziehungen. Als Albrecht in dem Streben, alle dem Reiche entzogenen Rechte wiederzugewinnen, auch den territorialen Interessen Rudolf’s zu nahe trat, die Reichsgüter Neumarkt, Berngau und Hersbruck zurückforderte, welche 1297 Adolf als Mitgift seiner Tochter verpfändet waren, schloß sich der Pfalzgraf dem gegen Albrecht gerichteten Bunde der geistlichen Kurfürsten an. Schon am 13. September 1300 versuchte er mit dem Mainzer Erzbischof der alten Streitigkeiten um die Vogtei zu Lorsch wegen Versöhnung. hielt mit den geistlichen Wahlfürsten über Albrecht Gericht und besiegelt am 14. October zu Heimbach ein Schutz- und Trutzbündniß in Sachen des Reiches. Nicht bestätigt ist die Nachricht der Reimchronik Ottokar’s, daß Rudolf selbst als Candidat der Königskrone hier aufgetreten sei. So begann von neuem ein unheilvoller Kampf im Reiche, der auch Rudolf’s Lande mit allen Schrecken der Kriegführung heimsuchte. Zweimal überschritt der Pfalzgraf zu Anfang des folgenden Jahres (1301) die Donau, das eine Mal vergeblich zur Eroberung von Neumarkt, das andere Mal (24. April) gegen Albrecht’s Anhänger, den Grafen Gebhard von Hirschberg. König Albrecht aber zog (Mai) von Speier aus gegen Rudolf und seine Bundesgenossen, die rheinischen Erzbischöfe, fiel in pfälzisches Gebiet ein, eroberte Wiesloch, belagerte vergeblich Heidelberg, ging im Juni über den Neckar und eroberte Weinheim, während von Schwaben aus zugleich ein Angriff auf die Reichsgüter Rudolf’s erfolgte. Unter Vermittlung seiner Mutter, des Königs Schwester, mußte Rudolf Frieden suchen und unterwarf sich am 20. Juli im Lager vor Bensheim. Darnach mußte er die vom Reiche verpfändeten Stücke herausgeben, seine Bündnißbriefe mit dem Mainzer ausliefern und wahrscheinlich am weiteren Zuge des Königs gegen den Erzbischof Theil nehmen. Ohne Zweifel war es ein Ergebniß jener Unterhandlungen, daß nun auch Rudolf’s Bruder Ludwig der Vormundschaft entlassen wurde und an der Regierung des Landes Theil nahm. Und damit begann ein unheilvolles Regiment, denn mehr noch als politische Gegensätze schien eine persönliche unter dem Einflusse der habsburgisch gesinnten Mutter bis zum Hasse genährte Abneigung die beiden Brüder auf immer zu trennen. Schon Ende Juni kam es zu bedenklichen Auftritten. Rudolf ließ seine Mutter in Schiltberg bei Aichach verhaften, mit ihr den Vitzthum Konrad von Oettingen nach München führen und letzteren dort enthaupten. Dunkel bleiben uns die Gründe jenes Gewaltactes, der nur ein Vorspiel des Bruderkrieges war, der in der Folge die Geschichte des wittelsbachischen Hauses so finster und tragisch gestaltet. Im September 1304 schloß sich Rudolf dem Zuge Albrecht’s gegen Wenzel II. von Böhmen an, der für seinen Sohn um die ungarische Krone sich bewarb. Vielleicht hat er auch am zweiten Zuge nach Böhmen (1305) Theil genommen. Ende August weilte er beim König zu Nürnberg. Ob er ihn von da zum dritten Zuge nach Böhmen begleitet hat, ist uns nicht bekannt. Aber am 23. December schloß er, wie sein Bruder Ludwig, mit dem neuen Böhmenkönige Rudolf, dem Sohne Albrecht’s, mit Friedrich von Oesterreich und Konrad von Salzburg, ein Bündniß, das sich wesentlich gegen die niederbairischen Herzoge richtete. Dann unterstützten beide den König auf seinem Zuge gegen Heinrich von Kärnten, der nach Rudolf’s Tode zum König von Böhmen berufen worden war (Juli 1307). [550] Nach Albrecht’s Ermordung (1308) ist der Pfalzgraf selbst um den Besitz der Königskrone bemüht gewesen, er suchte den böhmischen König sowie den Erzbischof von Köln zu gewinnen, und kein Zufall ist es, daß gerade um diese Zeit mit dem Erzbischof von Mainz eine Verständigung wegen der Lorscher Vogtei abermals versucht ward. In einem Bündnißbriefe Rudolf’s und Ludwig’s mit Bischof Andreas von Würzburg und Abt Heinrich von Fulda ist die Wahl eines der Brüder ins Auge gefaßt. Indessen hat Rudolf am 29. November 1308 Heinrich von Lützelburg seine Stimme gegeben und sogar eine Verlobung seines ältesten Sohnes Ludwig mit des Königs Tochter Marie veröffentlicht. Obwohl die Ehe durch des Prinzen Tod vereitelt ward, hatte doch der Heirathsact, welcher der künftigen Herzogin pfälzische Burgen ohne Wissen von Rudolf’s Bruder Ludwig verschrieb, letzteren erbittert. Schon am 10. October 1310 theilten Beide die Lande, so daß R. den südöstlichen Theil Oberbaierns mit München erhielt, die Rheinpfalz aber in gemeinschaftlichem Besitze verblieb. Zwei Jahre danach begleitete R. den König auf seinem Römerzuge, empfing den Ritterschlag und nahm mit Ruhm an dem großen Barrikadenkampfe mit den aufständischen Römern Theil (21. und 22. Mai 1312), bei dem seine Leute den Petrus Malabranca, den Neffen des Kanzlers von Rom, gefangen nahmen. Ebenso tapfer kämpfte er am 26. Mai mit den Römern an der Tiberbrücke und wohnte am 29. Juni der Krönung Heinrich’s im Laterane bei. Seine Verdienste blieben nicht ohne Belohnung, um so mehr ist es zu verwundern, daß er ganz ohne Wissen des Kaisers Ende Juli den Rückzug nach Deutschland antrat. Dort kamen die Streitigkeiten mit seinem Bruder bald zu bedenklichem Ausbruch. Als am 3. September 1312 zu Landshut Otto III., der Letzte der drei niederbairischen Brüder, starb und Ludwig die Pflege über dessen Sohn übernahm, brach zwischen den Brüdern eine erbitterte Fehde aus, die sich bis ins Frühjahr 1313 hineinzog und dem Lande furchtbare Wunden schlug. Zeitgenössische Berichterstatter – selbst Parteigänger Ludwig’s – stellen indessen das Zeugniß aus, daß R. in diesem Kampfe sich weit maßvoller als sein leidenschaftlicher Bruder Ludwig zeigte. Nur eine gemeinsame Gefahr, der Einfluß des mit Ludwig verbündeten Oesterreich auf die zerfahrenen niederbairischen Verhältnisse einigte auf kurze Zeit die feindlichen Brüder, welche am 13. Juni 1313 zu einer gemeinsamen Regierung sich verständigten, während R. das alleinige Kurrecht zustand. Obwohl durch die glänzenden Siege Ludwig’s über die österreichischen Heerhaufen bei Gammelsdorf (9. November 1313) auch R. der drohenden Ländergier Oesterreichs entgangen war, trat er doch bei der neuen Königswahl dem Bruder feindlich gegenüber, und gab, selbst in seinen Hoffnungen auf die Krone enttäuscht. Friedrich von Oesterreich seine Stimme. Während er am 19. October 1314 in Sachsenhausen lagerte, ward sein Bruder mit vier Stimmen zum König gewählt. Zwar hatte sich R. vor der glänzenden Stellung und der Uebermacht seines Bruders auf seine Burgen Kufstein und Wolfratshausen zurückgezogen und auch auf die Theilnahme an den Reichsangelegenheiten verzichtet – aber der Haß gegen den mächtigen Ludwig zog in der Stille neue Nahrung. Kaum hatte die Münchener Bürgerschaft durch eine Sühne vom 6. Mai 1315 den Ausbruch neuer Feindseligkeiten zwischen den Brüdern verhindert, als der ewigen Kämpfe müde, die oberbairischen Landstände unterstützt von Edlen, Ministerialen, Rittern und Städten, sich erhoben, um dem Lande Ruhe und Ordnung zu schaffen (11. Juli 1315). Ihr Bündniß war dem Namen nach gegen die beiden Brüder gerichtet, aber wahrscheinlich im Einverständniß mit Ludwig. Denn im Herbst 1315 fiel derselbe über seinen treu zu Oesterreich haltenden Bruder her, eroberte seine Burgen und zwang ihn zur Flucht. Mit wenig Getreuen erreichte R. Ende des Jahres Worms. Am [551] 26. Februar 1317 schloß er zu München unter der Vermittlung des Erzbischofs Peter von Mainz Friede und verzichtete auf die Regierung der Lande in Baiern und am Rhein. Einige Burgen und einen Unterhalt von 5000 Pfund Heller hatte er sich gerettet. Gesühnt, aber unversöhnt schieden abermals die Brüder. Im J. 1318 finden wir den vertriebenen Pfalzgrafen am Hofe zu Wien, wo ohne Zweifel die Hoffnung auf einen erneuten Widerstand gegen den Bruder noch einmal lebendig ward. Dann zog er mit seiner Gemahlin und seinen drei Kindern Adolf, Rudolf und Ruprecht nach der Pfalz, wo ihm nur das treue Heidelberg geblieben war. Hier sah er sich nochmals nach der österreichischen Hülfe um, denn Herzog Leopold hatte mit 100 Rittern herbeizuziehen versprochen, um die pfälzischen Lande zu behaupten. Von da ab werden die Nachrichten über ihn immer spärlicher. Die beiden einzigen Urkunden, welche über seine letzten Tage uns Auskunft geben, tragen Ludwig’s Siegel – es sind bedeutsamerweise abermals Friedensbedingungen, welche der Kaiser dem Bruder übergibt. So erlosch auch jetzt noch nicht der fluchwürdige Hader. Rudolf’s Name aber verscholl – am 13. August 1319 ist er gestorben, wir wissen nicht, wie er endete und welcher Fleck Erde seine Ueberreste aufgenommen hat. Seine Regierung bedeutet für Baiern und Pfalz eine schlimme Zeit und jene kampferfüllten Jahre bilden eine der traurigsten Episoden der wittelsbachischen Geschichte. Schwer aber fällt es der Nachwelt, zu urtheilen, wie weit R. Schuld trägt an seines Landes und seinem eigenen Schicksal. Wir sehen kein großes Ziel in seinem Handeln, keine Ruhe, keinen Plan in seiner Politik – nur als den Ausbruch persönlichen Ehrgeizes, gekränkter Eifersucht und zugleich als das Opfer manchen Mißgeschicks können wir sein unheilvolles Regiment verstehen und beklagen.

Häusser, Geschichte der Rheinischen Pfalz I. – Böhmer. Wittelsbachische Regesten. – Riezler, Geschichte Baierns II. – Lorenz, Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert II. – Regesten der Pfalzgrafen bei Rhein (1214 bis 1400), hrg. von Koch und Wille, Lief. 1.