ADB:Schläger, Julius Karl

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Artikel „Schläger, Julius Karl“ von Albert Schumann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 327–329, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schl%C3%A4ger,_Julius_Karl&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 14:27 Uhr UTC)
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Schläger: Julius Karl S., Numismatiker, geboren am 25. September 1706 in Hannover, besuchte die Universität Helmstedt, wo namentlich der Professor Hermann v. d. Hardt auf ihn einwirkte, und versah dann mehrere Jahre die Stelle eines Hauslehrers bei dem Consul Anderson in Hamburg, dessen reichhaltiges Münzcabinet ihn gleichzeitig zu numismatischen Studien anregte. Seit 1730 als Magister legens und seit 1736 als Professor der griechischen und orientalischen Philologie in Helmstedt thätig, setzte er hier seine schon in Hamburg begonnene schriftstellerische Wirksamkeit in erhöhtem Maaße und besonders im Fache der Münzkunde fort und lenkte durch seine Abhandlung über eine im gothaischen Cabinet befindliche seltene Münze Alexander’s des Großen die Aufmerksamkeit Herzog Friedrich’s III. auf sich, so daß ihn dieser 1744 nach Herm. Ulrich v. Lingen’s Tode zum Aufseher der Friedenstein’schen Münzsammlung mit dem Titel eines Rathes und Antiquarius berief, ihm nach Ernst Salom. Cyprian’s Ableben außerdem noch am 18. Februar 1746 die Direction der herzoglichen Bibliothek übertrug und ihn im folgenden Jahre zum Hofrath ernannte. Das ihm anvertraute Münzcabinet genoß schon damals eines vortheilhaften Rufes. Von Ernst dem Frommen begründet und von Friedrich I. und Friedrich II. eifrig gepflegt, erfuhr es nicht minder unter der Regierung Friedrich’s III. (1732 bis 1772), ansehnliche Erweiterungen, durch welche der Herzog die Sammlung auf weithin zu einem wissenschaftlichen Mittelpunkte für die gelehrte Welt zu erheben suchte. Berufene Männer, wie Fr. Hortleder (s. A. D. B. XIII, 165 ff.), W. E. Tenzel, Chr. Schlegel (s. d.) und Chr. Sigismund Liebe, der Verfasser der „Gotha Numaria“ (1730), hatten früher dem Cabinete vorgestanden, und schon ihr Beispiel mußte einen späteren Vorsteher zur Nachfolge reizen. In der That ist S. nicht hinter seinen Vorgängern zurückgeblieben und hat sich [328] während seiner Verwaltung nicht nur um die Gewinnung neuer Schätze, sondern auch um deren Ordnung und Katalogisirung eifrig bemüht. Schon 1745 begab er sich nach Celle, um dort die Molanus-Böhmer’sche Münzsammlung, bevor dieselbe öffentlich versteigert ward, zum Preise von 2500 Thalern anzukaufen; 1746 erwarb er diejenige des braunschweigischen Arztes Burkhard, die er bereits genau kannte, da er den 1740 gedruckten Katalog mit einer ausführlichen Vorrede versehen hatte. Ebenso brachten auch die folgenden Jahre mehrfache Bereicherung, bis der siebenjährige Krieg eine zeitweise Unterbrechung verursachte und sogar zur Bergung des werthvollen Cabinets an einem gesicherten Orte nöthigte, worauf dann mit dem Regierungsantritt Ernst II. (1772) wiederum eine Zeit erfreulichen Aufschwunges begann. Die Bearbeitung eines umfassenden Kataloges unter dem Titel: „Index thesauri numarii Fridericiani“ unternahm S. gleich nach Beginn seiner gothaischen Thätigkeit und vollendete ihn binnen 30 Jahren in 16 Foliobänden. Dabei benutzte er seine in ihrer Art einzige und in mehr als 40 Jahren zusammengebrachte numismatische Bibliothek, in welcher kaum die kleinste zeitgenössische Veröffentlichung fehlte. Daß er diesen wissenschaftlichen Schatz, um ihn vor der Zerstreuung zu bewahren, noch zu seinen Lebzeiten dem Herzoge für die Summe von 4000 Thalern überließ und so für ein willkommenes gelehrtes Hilfsmittel sorgen half, darf ihm als großes Verdienst angerechnet werden. Ganz verschieden von seiner trefflichen Führung des Aufseheramtes beim Münzcabinet war seine Wirksamkeit in der herzoglichen Bibliothek. Fr. Jacobs und H. A. O. Reichard sind einstimmig in ihrem Urtheile über seine Ungefälligkeit und ablehnende Haltung gegenüber einheimischen Lesern, welche er durch die seltsamsten reglementarischen Vorschriften von der Benutzung der öffentlichen Büchersammlung abzuschrecken suchte, während er sich gegen auswärtige Gelehrte zuvorkommend und dienstfertig zeigte. Auch mit seinen Collegen – anfangs waren es Freiesleben (s. A. D. B. VII, 339) und Gotter – lebte er auf gespanntem Fuße, da er ihnen trotz kärglicher Besoldung vermehrte Arbeitsstunden zumuthete. Brachte er es doch durch seinen Mangel an Verträglichkeit eine Zeit lang dahin, daß er allein mit einem Diener in der Bibliothek waltete! Dem zum Unterbibliothekar ernannten Reichard verleidete er den ihm vom Herzoge gestatteten Zutritt dadurch, daß er die Thürschlösser heimlich umändern ließ. Zwar stellte er sich in seinen Berichten an die Regierung überaus diensteifrig und schlug bisweilen nützliche Aenderungen vor; allein der Bibliothek erwuchs hieraus kaum ein Vortheil. So drang er mit Recht auf die Bearbeitung eines höchst nothwendigen Nominalkataloges, legte dabei aber selbst keine Hand an, so daß sich bei der feindseligen Stimmung seiner Collegen dessen Vollendung bis August 1783 hinauszog, wo endlich der eiserne Fleiß des Secretärs Jul. Wilh. Hamberger dieselbe ermöglichte. Er selbst hatte sich die Anfertigung eines Manuscriptenkataloges vorbehalten, brachte aber nur ein Heft von 23 Blättern zu Stande und beschrieb darin weitläufig und wortreich die ersten 25 Nummern des gedruckten Cyprian’schen Kataloges. Aus Bequemlichkeit hintertrieb er den Ankauf der Cyprian’schen Bibliothek, angeblich des hohen Preises (6000 Thaler) und der vielen Doubletten wegen, und lehnte auch dann noch den Ankauf ab, als das geistliche Ministerium 1000 Thaler von der Forderung ablassen wollte, so daß dadurch diese werthvolle Büchersammlung nach allen Richtungen zerstreut wurde. „Unbeklagt und wenig vermißt“ starb er im 80. Lebensjahre am 14. Juni 1786 als Geheimer Hofrath, ein Titel, den ihm Ernst II. verliehen hatte. Von seinen Schriften, über die er 1742 selber einen „Index scriptorum editorum et edendorum“ herausgegeben hat – die späteren verzeichnet Schlichtegroll a. u. a. O. – seien hier noch die wichtigeren genannt: „Commentatio de numo Alexandri M.“ (1736), „Numophylacii Burkhardiani Pars I.“ (1740) „Historiae [329] litis de medicorum apud veteres Romanos degentium conditione“ (1741), „Dissertatio de debitore obaerato secundum jus Hebraicum et Atticum creditori in servitutem adjudicando“ (1741); „Commentatio de numo Hadriani plumbeo et gemma Isiaca“ (1742); „Dissertationum rariorum de antiqitatibus sacris et profanis fasciculus“ (1742) und „Fasciculus novus“ (1744). Die Zahl seiner bis 1742 gedruckten Schriften gibt er selbst in dem genannten Verzeichnisse auf 21, die der bereits fertigen und „nächstens“ (propediem) zur Herausgabe bestimmten auf 20 an. Unter den letzteren befinden sich (jetzt in der herzoglichen Bibliothek in Gotha) auch 6 Foliobände eines „Braunschweig-Lüneburgischen Münz- und Medaillencabinets, oder Abbildung der goldenen und silbernen Münzen, welche das durchl. Haus Braunschweig-Lüneburg, wie auch einige Grafen und Städte in dasigen Landen haben schlagen lassen, oder die auf ihre berühmten Unterthanen gepräget worden“ (1763). Die schriftstellerische Thätigkeit Schläger’s erlahmte übrigens, seit er nach Gotha übergesiedelt war, und machte sich nur noch in kleineren gedruckten Aufsätzen bemerklich.

Zedler’s Univ.-Lexikon, 34. Bd. (1742), Sp. 1671. – Christoph Sax, Onomasticon literarium, Pars VI (1788), p. 736. – Fr. Schlichtegroll, Historia numothecae Gothanae S. 53–64, Gotha 1799. – Hirsching, Histor.-litterar. Handbuch, 11. Bd. 1. Abth. (1808), S. 130–32. – Meusel, Lexikon, 12. Bd. (1812), S. 181–83. – Fr. Jacobs und Fr. A. Ukert, Beiträge zur ältern Litteratur, 1. Bd., 1. Heft (1835), S. 28–44. – A. Beck, Ernst II., Herzog zu Sachsen-Gotha und -Altenburg, S. 141, 218–20, Gotha 1854. – W. Pökel, Philol. Schriftstellerlexikon, S. 243. Leipzig 1882. – Vgl. auch: H. A. O. Reichard (1751–1828). Seine Selbstbiographie überarb. und herausgegeben von Herm. Uhde, S. 135–37 und 311, Stuttgart 1877.