ADB:Smets, Wilhelm

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Artikel „Smets, Wilhelm“ von Friedrich Haagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 482–487, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Smets,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 14:17 Uhr UTC)
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Smets: Wilhelm S. wurde am 15. September 1796 zu Reval in Esthland geboren und starb am 14. October 1848 zu Aachen. Sein Vater, Jakob Wilhelm S., geboren 1764 zu Eynatten bei Eupen, hatte nach dem Tode seiner ersten Gattin unter dem Namen Stolmers die vierzehnjährige Schauspielerin Sophie Bürger, nachher als Sophie Schroeder hochberühmt, geheirathet. Nach der Scheidung der Ehe 1799 übergab er den Sohn der Pflege einer Wärterin, mit welcher derselbe von 1799 bis 1802 in Breslau lebte. Von hier brachte ihn der Vater, welcher sich wieder seinem ursprünglichen Fache, der Jurisprudenz, zugewandt hatte, nach Aachen. Der Sohn erhielt Unterricht vom Vater und einem Privatlehrer, lernte leicht und sog frühzeitig vom Vater die Abneigung gegen die Fremdherrschaft und das Napoleonische Regiment ein. In Aachen auf der Secundärschule setzte er in dem deutschen Unterricht seinen Lehrer Christian Quix in Schrecken, indem er nach der Wahl des Vaters Schubart’s Invaliden[WS 1] declamirte. Als S. später das Lyceum in Bonn besuchte, blieb dem Director desselben die deutsch-patriotische Gesinnung seines Schülers nicht verborgen, daher verbot er ihm die deutschen Classiker, „da sie doch nur Bänkelsänger seien“. Seine poetischen Erzeugnisse auf dem Lyceum galten der Freiheit des deutschen Vaterlandes. Hier stiftete er einen Bund Gleichgesinnter, Alles, Gut und Leben einzusetzen für Deutschlands Freiheit, eine Genossenheit gleich der am 12. Juni 1815 im ernsten Sinne ins Dasein tretenden Burschenschaft. Die Sache wurde verrathen, S. flüchtete und hielt sich bis zum Abzuge der Franzosen, Januar 1814, in der Umgebung Aachens auf. Von dem Eintritt ins Heer hielten die Angehörigen den schwächlichen Jüngling damals noch zurück. Im Hause seines Verwandten, des im Jahre 1818 verstorbenen Aachener Kanonikus Johann Franz S. lernte er den Baron v. Mylius kennen, der ihn im Herbst 1814 einlud, seinem Sohne auf Schloß Rauschenberg bei Opladen an der Wupper Unterricht zu ertheilen. Die schöne Natur und freundliche, gesellige Umgebung wirkten wohlthuend auf Smets’ Geist, Gemüth und Gesundheit. Als aber im Jahre 1815 durch die Rückkehr Napoleon’s von der Insel Elba der Krieg von neuem entbrannte, da drängte ihn die patriotische Begeisterung zur Theilnahme an demselben. Unterstützt vom Baron v. Mylius, der k. k. österreichischer Generalfeldwachtmeister war, trat er in die niederrheinische Freiwilligenschaar ein. In dieser wirkte er durch seine Dichtungen und Erzählungen begeisternd auf seine Kameraden ein. Sein Hauptmann ließ ihn eines Tags auf Veranlassung des Gouverneurs der Rheinprovinz, Sack, der in Aachen seinen Sitz hatte, zu sich kommen und fragte ihn: „Freiwilliger, sind die Carmen, welche man von Jhnen in den Zeitungen liest, auch so recht gemeint? Sind Sie [483] wirklich so patriotisch, wie es aussieht?“ Auf die bejahende Versicherung des jungen Patrioten erwiderte der Hauptmann: „Dann ernenne ich Sie im Namen des Königs zum Officier. Ihr Patent wird bald folgen.“ Bald darauf fand S. Verwendung im Hauptquartier Gneisenau’s, der sich gern mit dem jungen, geistreichen Soldaten unterhielt. Im Anfange des Jahres 1816 verließ er den Dienst als Lieutenant des 3. rheinischen Landwehrregiments. Dieser kurzen Periode seines Lebens verdanken wir manches gelungene Gedicht, er begab sich nun in den Kreis seiner Angehörigen nach Aachen und machte 1816 seine „Gesammelten Gedichte“ bekannt. Im Sommer desselben Jahres wurde er Hauslehrer des Freiherrn Max Friedrich von Forst-Gudenau und reiste im Herbste nach zweimonatlichem Aufenthalt mit den Söhnen des Freiherrn auf Schloß Harff bei Bedburg den Rhein hinauf und die Donau hinunter nach Wien. Natur und Geschichte boten auf dieser Reise wieder Stoff zu poetischen Ergüssen. Sein Bleiben in der freiherrlichen Familie war bei dem auffallenden Wesen des jungen Hauslehrers von kurzer Dauer. Nach einem Briefe der Schwester der Zöglinge (Müllermeister, S. 45) fielen den Eltern seine Begeisterung für Religion, Poesie, Deutschthum, die Tracht der damaligen Burschenschaft, das lange, röthliche Haar und Sammetmütze mit silbernem Kreuze auf. – Aus dem Verhalten seines Vaters hatte der junge S. schließen müssen, daß seine Mutter nicht mehr unter den Lebenden sei; aber ein unerlaubter Einblick in die Papiere seines geistlichen Oheims hatte ihn vom Gegentheil überzeugt. Ein Besuch des Wiener Burgtheaters ließ ihn die lang vermißte von ihm sehnlichst erwünschte Mutter finden und zwar in der Rolle einer der Mütter in „Salomo’s Urtheil“. Er schrieb nun an den Freiherrn, er müsse seine Stelle verlassen, weil er verpflichtet sei, seine Stiefschwester zu unterrichten. In dem Gedicht „Sophie Schroeder“ sagt der Sohn:

Gott, wie wurde mir da! Ganz deutlich vernahm’ ich die eig’ne
Stimm’, sowie sie mir tönt aus der vollen Brust.
Träumenden Blicks entdeckt’ ich im Antlitz die eigenen Züge:
Kinn, Augen und Mund, selbst auch das Grübchen im Kinn.

Die Mutter rieth ihm zur Bühne. Wirklich trat er in dem Gang zum Eisenhammer und in einem andern Stücke auf, spielte mit Begeisterung aber nicht ohne Uebertreibung und erkannte mit seiner Mutter, daß die Bühne nicht sein Beruf sei. Nachdem S. drei Monate die jungen Freiherren unterrichtet hatte, beschäftigte ihn der Unterricht seiner Halbschwestern, besonders Wilhelminens, der später hoch gefeierten Schroeder-Devrient, während neun Monaten. In Wien verkehrte er viel mit Künstlern, Dichtern und Gelehrten und erwarb seinen Unterhalt, da die ökonomische Lage seiner Mutter keine glänzende war, durch Honorar von Beiträgen für Zeitschriften, durch Correcturen, u. A. der Geschichte der Religion Jesu von Friedrich Leopold v. Stolberg. Er verlebte in Wien eine schwere Zeit. Arm, krank und fast verzweifelnd wurde er von dem Redemptoristenpater Hoffbauer, der ihm auch im Herbst 1817 den Rath gab, Wien zu verlassen und an den Rhein zurückzukehren, aufrecht erhalten. Reisegeld erwarb er unterwegs durch Privatunterricht im Französischen und in den Elementarfächern. Von Linz aus schrieb er an seinen Freund, den 1876 als Pfarrer zu Safen gestorbenen Leonard Lauffs um Reisegeld. In Coblenz nahmen frühere Mitschüler des Bonner Lyceums ihn gastlich auf und verschafften ihm durch Fürsprache Joseph Görres’ und Christian Friedrich Schlosser’s eine Anstellung an der Kriegsschule, später als Hilfslehrer am Gymnasium und entrissen ihn so der Noth. „Was Joseph Görres damals arbeitete und litt, habe ich schwer mitempfunden!“ erzählt S. später seinem Freunde, dem Aachener Kanonikus Dr. Georg Kloth, der 1876 starb. Der schönen Tochter eines Freundes seines [484] verstorbenen Vaters widmete S. eine platonische Zuneigung und sang ihr manch schönes Sonett; in dem Sonett „Angelika“ betrachtet er sie für sich als eine Todte – und nennt die Kirche seine Braut. 1818 gelobte er Priester zu werden. S. war arm. Woher die Studienkosten nehmen? Wilhelm v. Waldbrühl erzählt, S. habe ihm mitgetheilt, er habe eine zu dieser Zeit sehr beliebte Posse gegen die Juden, „Unser Verkehr“, sehr scharf recensirt und dadurch veranlaßt, daß dieselbe nicht mehr aufgeführt wurde; der Rabbiner von Coblenz sei eines Tages zu ihm gekommen mit der Erklärung, seine Gemeinde habe vernommen, er wolle Theologie studiren, ohne die Mittel dazu zu besitzen, und biete ihm diese zu einem dreijährigen Studium an. Ungeachtet allen Sträubens habe ihm der Rabbiner die Summe für das erste Semester hingezählt. Im Herbste 1819 bezog er die Universität Münster, wo er mit großem Eifer die Vorlesungen des Dr. G. Hermes hörte, welchem er eine „Liederspende“ widmete. Im Frühjahr 1820 trat er ins Priesterseminar zu Köln, erhielt im Februar 1821 die philosophische Doctorwürde von Jena und wurde 1822 zu Köln zum Priester geweiht. Er wurde Religionslehrer am Jesuiten- heute Marcellengymnasium in Köln, zu gleicher Zeit Domcaplan und Sonntagsprediger an der hohen Domkirche, in welche seine große Beredsamkeit eine große Zuhörerschaft aus allen Ständen zog. Ein Jahr lang besuchte er noch die dogmatischen Vorträge im Priesterseminar. Als Religionslehrer stand er mit den begabten Gymnasiasten, denen er noch privatim wissenschaftliche Vorträge hielt, in einem anregenden persönlichen Verkehr, desgleichen mit den damals in Köln zahlreichen Männern wissenschaftlichen und künstlerischen Strebens. In Köln gab er 1824 „Gesammelte Gedichte“ heraus, von welchen die erotischen aus einer früheren Periode bei seinen Standesgenossen eine ungünstige Beurtheilung erfuhren. Dagegen stand er bei dem 1825 zum Erzbischof erhobenen Grafen Ferdinand August in hohem Ansehen. Dieser wollte ihn sogar zum Domherrn erheben, wovon er aber absah, weil ältere Mitglieder des Domstiftes auf Smets’ Jugend hinwiesen und auf den Umstand, daß seine Mutter Schauspielerin war. Der Erzbischof versprach ihm aber die beste Pfarrei in der Erzdiöcese für den Fall, daß er seine Stelle am Gymnasium verlassen wolle. Im Herbst 1824 reiste er zum Besuche der Mutter und der Geschwister nach Wien, wo er einen Monat blieb. Die Mutter hätte ihn gern in Wien, wo auch Zacharias Werner die Kanzel bestiegen hatte, predigen hören. Das Consistorium gestattete indessen das Auftreten Smets’ nicht, weil, wie Sebastian Brunner (Woher? Wohin? Geschichten, Gedanken, Bilder und Laute aus meinem Leben, 2. Aufl., Regensburg bei Manz, S. 234) vermuthet, sich dort Schauspieler und andere Neugierige einfinden würden nicht, um das Wort Gottes zu hören, sondern um den Sohn der Schroeder auf der Kanzel zu sehen. Auf den Wunsch seiner Mutter nahm er den Halbbruder Alexander Schröder (nachmals bairischer Major) mit nach Köln, wo er in das Jesuiten-Gymnasium eintrat. Seine poetische Beschreibung von Wien verursachte ihm durch herbe Kritik und den Vorwurf der Eitelkeit viel Verdruß. In einem Briefe vom 4. März 1825 zum Geburtstage der Mutter erzählt er, daß er, ein kölnischer Werner (sans comparaison), die Fastenpredigten im Dom halte, daß sein „Leben Wallraf’s“ erschienen sei, und daß er im kommenden Frühjahr „Neue Dichtungen“ und einige rein theologische Abhandlungen herausgeben werde. Im Juli 1825 wohnte er dem Gastspiel seiner Mutter in Aachen bei. Die Mutter reiste über Köln nach Wien zurück und nahm ihren Sohn Alexander mit sich. Kurze Zeit darauf erlebte S. ein paar genußvolle Tage in Köln mit dem berühmten schwedischen Geschichtsschreiber Erik Gustav Geijer. Der Verlust seines Freundes Schier, des in Köln beliebten Dichters, betrübte ihn sehr: Dieser starb am 4. December 1824, 33 Jahre alt, in Köln. S. hatte ihn zur Kirche [485] zurückgeführt. Unangenehm berührte ihn das Betragen eines anderen talentvollen jungen Mannes, der sich ihm eng angeschlossen hatte, des 1802 in Bonn geborenen und 1867 zu Köln im Lazareth gestorbenen J. J. Rousseau. Da S. an Brustbeklemmungen litt, so riethen die Aerzte ihm die Kanzel ab. Sein Gesundheitszustand ließ ihm einen Landaufenthalt und die Seelsorge bei schlichten Landleuten wünschenswerth erscheinen. S. wurde im März 1828 Pfarrer zu Hersel, einem Dorfe in der Nähe Bonns und des Vorgebirges. Hier unterzog er sich einer gefährlichen Unterleibsoperation, welche der berühmte Professor Philipp v. Walther glücklich ausführte. Gleich nach seiner Genesung war er wieder litterarisch thätig. Sein Bruder Alexander Schroeder, welcher ihn 1829 mit der Mutter auf einige Wochen besuchte, schreibt: „Wir fanden ihn damals ziemlich gesund, sehr heiter und liebenswürdig, wie er es stets und unter allen Verhältnissen war.“ Auch die Schwester Wilhelmine war im September 1830 beim Bruder in Hersel auf Besuch. Einige Wochen später folgte dieser der Einladung seiner ihm sehr zugethanen Schwester nach Frankfurt, wo er bei ihr mit dem berühmten Violinvirtuosen Paganini zusammentraf. Januar 1831 besuchte er auf einige Tage Mutter und Brüder in München. Als Pfarrer entwickelte S. eine große Thätigkeit durch zweimalige Predigt an den Sonntagen, durch Katechese, Krankenbesuch, bauliche Sorge für die Kirche und Anschaffung einer neuen Orgel. Wegen steter Kränklichkeit lebte er im allgemeinen sehr zurückgezogen und fast ununterbrochen mit seinen Studien beschäftigt. S., stets von Unterleibsbeschwerden heimgesucht, litt häufig an Verstimmungen und war sehr leicht verletzt. Eine ihm kund gewordene Unzufriedenheit einzelner seiner Pfarrkinder über eine Entfernung von einigen Tagen, die er zu einer Badekur in Aachen benutzte, und über eine Aenderung in der Liturgie, veranlaßte ihn, um Enthebung von seiner Stelle zu bitten. Der Erzbischof Ferdinand August versetzte ihn im October 1832 in die Oberpfarre Münstereifel, wo er auch die Stelle eines Religionslehrers an den oberen Classen des Gymnasiums bekleidete und Declamirübungen leitete. Melancholie, die Folge fortwährender Kränklichkeit, trieb ihn an, sich im J. 1835 nach dem an der Rhoer reizend gelegenen Städtchen Nideggen, von da wieder 1836 nach dem Dorfe Blatzheim im Kreise Bergheim versetzen zu lassen, bis er 1837 freiwillig mit einer geringen Pension in den Ruhestand trat und sich nach Köln zurückzog. Hier verlebte er eine traurige Zeit des Siechthums, liebreich unterstützt von seiner Schwester Wilhelmine und einigen theilnehmenden Freunden. Er hatte aber die Genugthuung, bei Cotta eine vollständige Sammlung seiner „Gedichte“ herausgeben zu können. Er erholte sich allmählich. Die hermesischen Angelegenheiten hatten ihn zu einer Uebersetzung der Acten des Tridentinums geführt, welche 1843 vollendet wurde. Er redigierte das Feuilleton der Dumont’schen Zeitung und verkehrte wieder viel mit Litteraten, auch mit Ernst v. Schiller, dem jüngeren Sohn des großen Dichters, dessen Bekanntschaft er 1837 in Köln machte, und für dessen Grab in Bonn er 1841 die Inschrift verfaßte. Seine Gesundheit zu kräftigen, machte er wiederholt Ausflüge den Rhein hinauf. Auf einem derselben kam er bis Frankfurt, wo er Alexander Dumas, den Vater, kennen lernte. Er sehnte sich nach Italien. „Roma aeterna noch, dann will ich sterben“, erklärte er. Honorare seiner geistigen Erzeugnisse, Spenden seiner Freunde, der Erlös seiner theologischen Bibliothek boten die Mittel zu einer Reise nach Italien, die er am 3. Juni 1841 antrat. Am 1. Juli war er in Rom. Durch seinen Landsmann Dr. Alertz, Leibarzt Gregor’s XVI. wurde er von diesem, vom Cardinal Mezzofanti und anderen Cardinälen freundlich empfangen, was ihm reichlichen Ersatz bot für manches abfällige Urtheil seiner Standesgenossen in der Heimath. Der Geheime Legationsrath Alfred v. Reumont führte ihn beim preußischen Gesandten [486] in Rom, dem Grafen Brühl, ein. Er blieb einen Monat in Rom und gab in 14 Artikeln in der Kölnischen Zeitung Notizen über seine italienische Reise, machte auch außerdem 1841 „Römische Distichen“ bekannt. Endlich wurde ihm durch die Erfüllung seines Wunsches, Kanonikus an der Collegiatkirche in Aachen zu werden, den er in Rom dem Grafen Brühl ausgesprochen hatte, die Sorge um eine gesicherte Existenz abgenommen. Am 19. Juni 1844 wurde er im Dom zu Aachen feierlich in seine Stelle eingeführt. Wie in Köln als Domprediger, übte er auch in dem alten Kaisermünster durch seine gehaltvollen, mit oratorischem Schwunge und sonorem Organ vorgetragenen Kanzelreden eine große Wirkung auf die stets zahlreichen Zuhörer aus. Bei feierlichen Angelegenheiten war er der Festredner. So als im Jahre 1844 das Congreßdenkmal bei Aachen enthüllt wurde, und bei der Dankfeier 1844 für die Rettung Friedrich Wilhelm’s IV. von dem Attentat. In seiner neuen Stellung brachte ihn nur seine Freigebigkeit gegen die Armen noch mitunter in pecuniäre Verlegenheit, deren seine Freunde oft in ihm unerklärlicher Weise abhalfen. Uebrigens hatte er als Kanonikus Muße zu literarischen Arbeiten, begonnene wurden vollendet, neue begonnen. Im J. 1844 erschien die Uebersetzung von „Veron’s Glaubensrichtschnur“ und die des „Römischen Katechismus“; 1846 und 1847 die von „Lacordaire’s Kanzelvorträgen“, die aber erst 1849, ein Jahr nach Smets’ Tode herausgegeben wurde, ferner die Uebersetzung der philosophischen Einleitung in das Christenthum vom Erzbischof von Paris, Affre, und manches Andere. Uebrigens entwickelte er in Aachen eine mannigfaltige Thätigkeit: er redigirte 1847 und 1848 das in Aachen bei P. Kaatzer erscheinende „Album“. Im Juli 1847 besuchte er zu seiner Erholung das Bad Chaudfontaine bei Lüttich. In Aachen suchte ihn Erik Gustav Geijer wieder auf, der in diesem Jahre seine letzte Schrift in deutscher Sprache herausgab: „Auch ein letztes Wort über die religiösen Fragen der Zeit“, auf deren Abfassung nach dem Geständniß Geijer’s S. Einfluß übte. Auch dem öffentlichen Interesse widmete dieser seine Theilnahme. So im J. 1847, als es galt, durch Vorträge und öffentliche musikalische Aufführungen die Noth der Schlesier zu lindern, so als 1848 seine Mitbürger zusammentraten behufs Ausschmückung des altehrwürdigen Münsters und ihres Rathhauses, für das Alfred Rethel seine Cartons zu den Freskobildern des Saales begonnen hatte, über deren beide ersten S. schrieb. Die Ereignisse des Jahres 1848 erweckten in ihm die Hoffnungen seiner Jünglingsjahre. Er schwärmte wieder für die Vereinigung aller deutschen Stämme zu einem Gesammtdeutschland. Der Aachener Wahlkreis wählte neben David Hansemann Dr. Wilhelm S. zur Nationalversammlung in Frankfurt. Diesem rieth die Mutter von der Annahme ab, weil sie voraussah, daß die aufregenden Debatten in der Paulskirche auf seine Gesundheit nachtheilig wirken würden. In der That kam er krank in Frankfurt an und mußte einige Tage nachher Linderung seiner Schmerzen in dem benachbarten Soden suchen. Da er diese nicht fand, legte er sein Mandat nieder und kehrte nach Aachen zurück, wo er, wie er es geahnt hatte, am 14. Oct. 1848 an gebrochenem Herzen starb. Ein von Freunden und Verehrern auf dem Aachener Friedhof errichtetes Denkmal zeigt die Stätte, wo seine irdischen Reste ruhen. Nach verschiedenen Versuchen, sich eine selbständige Lebensstellung zu schaffen, hatte er schließlich den geistlichen Stand zu seinem Lebensberuf gewählt. Diesem blieb er treu. Ohne seiner katholischen Ueberzeugung etwas zu vergeben, war Wilhelm S. durch seine Natur und seine verwandtschaftlichen Beziehungen zur religiösen Duldsamkeit geneigt. Andern zu helfen und Gutes zu thun war ihm Bedürfniß. Die Aachener Armen nannten ihn „unsern lieben Herrn“. Von früher Jugend auf war er poetisch thätig, übte sich in den verschiedenen Dichtungsarten und gewann eine große Fertigkeit [487] in den metrischen Formen. Heinrich Kurz III, 45 sagt von ihm: „Wahre Glaubensinnigkeit spricht aus den Liedern von Wilhelm S., der zudem die Form und Sprache mit großer Gewandtheit handhabte.“ Der Grundton seiner Dichtungen ist ein elegischer, was sich durch seine Familienverhältnisse, Enttäuschungen und körperlichen Leiden leicht erklärt. Von geringer Bedeutung sind seine dramatischen Erzeugnisse: „Die Blutbraut“, „Tasso’s Tod“ und „Soldatenglück“. Zu Ries’ Oratorium, „Die Könige in Israel“, schrieb er den Text. S. hat die vielfachen Beziehungen seines Lebens in poetischer Form dargestellt und faßt sie chronologisch zusammen in den fünfzehn Strophen des Gedichtes: „Des Dichters Lebensbilder“, deren letzte heißt:

So spricht aus dreizehn Bildern
Mein ernster Lebensgang,
Gleich edeln Wappenschildern,
Sie geben guten Klang;
Der Klang, dem ich gelauschet,
Der sanft wie Weste bald,
Bald wie der Waldstrom rauschet,
In meinen Liedern schallt.

Ausführlichen Nekrolog bringen Echo der Gegenwart, 1848 Nr. 90 vom 19. October; Kaatzer’s Album, 9. Heft S. 329–333, und Neuer Nekrolog 26. Jahrg. S. 657–667; das Neueste und Ausführlichste erschien im Jahre 1877 von Müllermeister, Wilhelm Smets in Leben und Schriften, eine Literaturstudie, Aachen bei Rudolf Barth.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist: „Der Bettelsoldat“.