BLKÖ:Čejka, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 11 (1864), ab Seite: 378. (Quelle)
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* Čejka, Joseph (Arzt und Schriftsteller, geb. zu Rokyčan in Böhmen 7. März 1812, gest. zu Prag 25. December 1862). Sohn eines Lehrers und Regenschori; besuchte das Gymnasium zu Pilsen, wo Sedlaček’s böhmische Vorträge Č.’s Liebe zur vaterländischen Literatur weckten. In Prag vollendete er die medicinischen Studien, erwarb 1837 die Doctorwürde und begann 1838 als Secundararzt im Prager Krankenhause die Praxis. In den Jahren 1841 und 1847 besuchte er Wien, um die Vorlesungen von Škoda, Rokytansky und Hebra zu hören, dann machte er Reisen durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Italien. Im Jahre 1847 habilitirte er sich als Docent der Hautkrankheiten an der Prager Universität. Im Jahre 1848 nahm er am Slavencongresse Theil und wurde im Bezirke Neu-Bidschow in den Reichsrath gewählt. Aber noch im nämlichen Jahre gab er die Politik auf, kehrte zur Wissenschaft zurück und wurde Docent der Brustkrankheiten und praktischer Arzt. Auf literarischem Gebiete [379] war Č. vielseitig und als Uebersetzer mit Erfolg thätig. Er hat die böhmische Literatur mit guten Uebersetzungen mehrerer Dichtungen von Goethe, Lamartine, H. K. White und H. W. Longfellow, einiger Dramen Shakespeare’s, ferner mit sorgfältig gesammelten Terminologien für Musik und Medicin bereichert. Im Drucke hat er herausgegeben die Uebersetzung des Werkes von Joh. Graf Drasković: „Starší dějepis a nejnovější literární obnova národu ilirského“, d. i. Aeltere Geschichte und die literarische Wiedergeburt des illyrischen Volkes (Prag 1845, Pospíšil, 8°.): ferner die Uebersetzungen folgender Dramen Shakespeare’s: „Romeo und Julie“; – „Cymbelin“; – „Antonius und Kleopatra“; – „König Heinrich V.“ Handschriftlich aber hat er hinterlassen die Uebersetzung von noch sechs Dramen Shakespeare’s, und böhmische Bearbeitungen von Pitsch’s Harmonielehre, Cramer’s Pianolehre und Skraup’s Grundzügen der Musiklehre, welch’ letztere Schrift nach seinem Tode zum Drucke vorbereitet wurde. Von seinen Uebersetzungen Shakespeare’scher Dramen meldet die Fachkritik, daß sie, mit Geist und Weihe ausgeführt, ihm einen ehrenvollen Platz in der čechischen Literatur sichern. Bedeutenden Antheil hatte Č. an der Gründung und Hebung des medicinischen Witwen-Versorgungsfondes in Prag, welchem er sein ganzes Vermögen im Betrage von 16.000 fl. testamentarisch verschrieb. Er war ein Freund des ruhigen maßvollen Fortschrittes. Er war Čeche durch und durch, wie seine Arbeiten beweisen; das nationale Element riß ihn aber nie zu Extremen hin und vielmehr war er von dem Wunsche erfüllt, daß Verträglichkeit den Frieden des Verstandes und des Herzens vermitteln möge.“

Národí listy, d. i. Volkszeitung, 1862, Nr. 305. – Litoměřický vřeobecný domácí a hospodářský kalendář na rok 1864, d. i. Leitmeritzer allgemeiner Haus- und Wirthschafts-Kalender (Leitmeritz, Medau, 4°.) S. 100: Nekrolog von Fr. St. Blažek. – Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben (Beilage der Wiener Zeitung) 1863, Bd. I, S. 31. – Jungmann (Joseph), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag, 4°.). Zweite von W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 301, Nr. 496 m; S. 401, Nr. 559 g; S. 430, Nr. 913 c u. d; S. 438, Nr. 986; S. 440, Nr. 1008; S. 446, Nr. 1067 q, S. 448, Nr. 1076 c.