BLKÖ:Šir, Franz (Schriftsteller)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Šir, Franz (Maler)
Band: 35 (1877), ab Seite: 28. (Quelle)
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Šir (sprich: Schir), Franz (čechischer Schriftsteller, geb. zu Budyn an der Eger 15. October 1796, gest. 22. Juni 1867). Nachdem er die deutsche Normalschule auf der Prager Kleinseite beendet, kam er im Jahre 1800 nach Leitmeritz, trat dort im folgenden Jahre in’s Gymnasium, beendete unter Professor Jungmann die Humanitätsclassen und bezog darauf 1815 die Prager Hochschule, in welchem Jahre auch Jungmann als Humanitätsprofessor an das Prager Gymnasium kam. Schon in Leitmeritz hatte sich S. die Theilnahme Jungmann’s zu erwerben verstanden, und diese setzte sich in Prag in ungeschmälertem Maße fort. Bereits damals betrieb S. mit allem Eifer das Čechische, dichtete kleine Lieder, unter denen manche genug charakteristisch waren, wie z. B. das „To jest Žiška vudca a ředitel náš“ (das ist Ziska, unser Führer), welches, als es im böhmischen Theater vorgetragen werden sollte, von der Polizei verboten ward, wie auch an die Stelle des Namens Ziska, jener Sternberg’s gesetzt werden, mußte (!). Als das geschah, studirte S. noch an der philosophischen Facultät. In 1819 wurde er Adjunct des Professors [29] Johann Swoboda am Prager akademischen Gymnasium und im April 1820 Humanitäts-Professor am Gymnasium zu Gitschin. In seiner Begeisterung für die vaterländische Sprache gab er eine Reihe von Jahren hindurch jungen Leuten und auch den Knaben in Erziehungshäusern unentgeltlich Unterricht im Böhmischen. Im Jahre 1851 wurde S. provisorischer, im Jahre 1855 wirklicher Director des Gymnasiums und trat als solcher im Jahre 1862 nach 42jähriger Dienstzeit in den Ruhestand über, den er noch fünf Jahre genoß und im Alter von 71 Jahren starb. Als Schriftsteller war S. auf verschiedenen Gebieten, so auf jenem der Philologie, schönen Wissenschaften, Andacht und Erbauung, Naturwissenschaft und selbst auf jenem der Kochkunst thätig. Die Titel seiner theils Original-, theils übersetzten Schriften sind: „Obrazy kavkazské čili popsáni mravů a obycějů v horách kavkazských, v přiběhu: Mulla Nur, z ruského přoloženo“, d. i. Bilder aus dem Kaukasus oder Beschreibung der Sitten und Gebräuche in den kaukasischen Gebirgen. Aus dem Russischen (Gitschin 1830, Kastranek); – „Pověsti ve všelikych krajinách, nejvice dle německého vypravované“, d. i. Erzählungen aus allen Gegenden, größtentheils aus dem Deutschen übersetzt (ebd. 1830). Dieses und das Vorige bilden den 5. und 6. Theil des von Kastranek in Gitschin herausgegebenen belletristischen Sammelwerkes „Zába vné čtení“, d. i. Unterhaltende Lectüre; – „Přírodopis čili poučení o věcech v přirozenosti se nacházejícich, jakoz o živocích, rostlinách a nerostech“, d. i. Naturgeschichte oder Belehrung von den Dingen, welche in der Natur vorkommen, als: Thiere, Pflanzen und Mineralien (ebd. 1835, 8°.); – „Marka Aurelia Antonina Zápísky, kteréž sobě samému snesl“, d. i. Des Marcus Aurelius Antonius Aufzeichnungen u. s. w. Aus dem Griechischen übersetzt (ebd. 1842, 8°.); – „Poviďky, mravné, průpovědi a příslovi pro nedospělé dítky. Dle španělského pani z L.“, das ist Erzählungen, Sitten, Redensarten und Sprüche für Kinder im vorgerückteren Alter. Aus dem Spanischen (Prag 1850, Pospischil, 8°.); – „Mluvnice řecká podlé Dra Raf. Kühner, vzdělaná pro gymnasia česko-slovanske“, d. i. Griechische Sprachlehre nach Dr. Raph. Kühner, für čecho-slavische Gymnasien bearbeitet (Prag 1852, Kronberger, 8°.); – „Výbor ze spisovatelů řeckých. Dva dily“, d. i. Auswahl aus griechischen Schriftstellern. 2 Theile (Prag 1857, Pospischil); der erste Theil enthält Lesestücke in Prosa, der zweite in gebundener Rede; – „Obět novozákonná pobožného křestana“, Neutestamentliches Opfer eines frommen Christen (Neuhaus 1860, Landfras, 8°.). – Ein Kochbuch in čechischer Sprache, dessen Titel ich nicht angeben kann, erschien von S. anonym zu Gitschin bei Kastranek. Vieles Andere veröffentlichte er in Zeitschriften, Taschenbüchern, so z. B. in Klicpera’s „Almanach“, im „Krok“, in der „Museal-Zeitschrift“ und in Programmen des Gitschiner Gymnasiums. Noch mehr hat er in Handschrift ungedruckt hinterlassen, so eine „Allgemeine Erdbeschreibung“, die „Eklogen“ Virgil’s in Uebersetzung, die „Germania“ des Tacitus, den „Prometheus“ des Aeschylus, den „Eutropius“, den „Horaz“ in čechischer metrischer Uebersetzung u. m. A. In seinen späteren Jahren schrieb S., der sich, in seine philologischen Studien zu vertiefen liebte, weniger; doch soll er noch ein paar Jahr vor seinem Tode eine čechische Uebersetzung [30] des Romans von Walter Scott: „Ivanhoe“ vollendet und den Operntext Drahomíra“ geschrieben haben, dem von Johann Grafen Harrach das erste Accessit zuerkannt wurde.

Světozor (Prager illustrirte Zeitschrift) 1869, Nr. 19 und 20. – Wenzig (Joseph), Blicke über das böhmische Volk, seine Geschichte und Literatur u. s. w. (Leipzig 1855, Brandstetter, 8°.) S. 141. – Šembera, (Alois Vojtěch), Dějiny řeči a literatury československé, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur (Wien 1868, gr. 8°.) S. 293.