BLKÖ:Bayer, Joseph August

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 194. (Quelle)
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Bayer, Joseph August[BN 1] (Oberst in der ungarischen Insurgentenarmee, Chef des Generalstabes Görgey’s, geb. zu Pesth 19. März 1821, nach Levitschnigg im J. 1819). Besuchte zuerst die Schulen der Piaristen zu Pesth, kam dann, 1832, unbezwingliche Leidenschaft für den Soldatenstand schon frühzeitig bezeugend, in das Erziehungshaus des 32. Inf.-Rgts. nach Waitzen und 11 Monate darnach, im Sept. 1833, in die k. k. Ingenieur-Akademie nach Wien. Daselbst bis 1839 verweilend, war er in allen Fächern ausgezeichnet, und begann auch nebenbei seine ersten Dichterversuche, so den „Prolog“ für das „Album zu Gunsten der Pesther Ueberschwemmten“ von Witthauer. Am 30. Sept. 1839 trat B. als Lieutenant in das 11. Inf.-Regt., damals Erzherzog Rainer und wurde Professor der Kadetenschule in Neuhaus. Im J. 1843 erhielt er seine Entlassung. Nunmehr dem Civilstande angehörend, lebte B. von 1844–46 in Wien und Pesth als Schriftsteller, machte 1847 eine Reise nach Leipzig, Frankfurt und Baden, veröffentlichte einen Band politischer Gedichte unter dem Titel: „Oesterreichische Flüchtlinge“ (Mannheim, 1847, H. Hoff), und ging im Herbste d. J. nach der Schweiz, wo er dem Freischärlerzug und den Versammlungen in Genf, Lausanne und Bern beiwohnte. Am 18. März 1848 kam B. nach Berlin, doch ohne sich an den dortigen Ereignissen zu betheiligen, ging im Juni nach Pesth zurück, erhielt am 20. Sept. eine Anstellung als Oberlieutenant im Gen.-Quartiermeisterstab des Erzherzogs Stephan, wurde am 20. Oct. Hauptmann, am 20. Nov. Major, am 1. Febr. 1849 Oberstlieutenant, und am 27. Febr. Oberst in der ungar. Insurgentenarmee, dankte am 1. Aug. 1849 ab, gerieth am 13. in russische, am 26. in österreichische Gefangenschaft, stand am 1. Nov. vor dem Kriegsgerichte in Arad, das ihn am 16. [195] Nov. zum Tode verurtheilte, welches Urtheil aber im Gnadenwege auf 18 Jahre Festungsstrafe gemildert wurde. B. erhielt bereits am 12. Juni 1850 völlige Amnestie, und lebt seitdem in Pesth. B. war bekanntlich Görgey’s Liebling, wohnte persönlich dem Treffen bei Pakozd, der Schlacht bei Schwechat und bei Kápolna, dem Gefechte bei Kövesd, dem Treffen bei Tapio Bicska, der Schlacht bei Ißaßeg, der Belagerung von Ofen, welche er vom 4.–21. Mai selbst leitete, und dem Gefechte bei Waitzen bei, wie er denn auch die Operationspläne für die Wintercampagnen vom 31. Dec. 1848 bis 12. Febr. 1849, für den Entsatz Komorns vom 2.–26. April 1849, für die Belagerung von Ofen, und die Durchbruchsoperation an der Waag vom 16.–22. Juni 1849 entwarf. Die ungar. Gegner Görgey’s, besonders Klapka, Stein, Kmety warfen diesem vor, daß er seine ganzen Kriegserfolge B. verdanke, welcher ihm denn auch so blind anhing, daß er Dembinsky zu Tißa-Füred arretirte, und zwei Bärenmützen vor dessen Thüre zurückließ. Das Wahre an der Sache wird die spätere Geschichtschreibung aufhellen. B. ist nebenbei bemerkt, der Neffe des bekannten Schauspielers Bayer in Prag, somit Vetter der k. sächsischen Hofschauspielerin Marie Bayer-Bürck (s. d. folg.), und zugleich des 1855 verstorbenen Malers Emerich Benkert (s. d.), sowie des als Uebersetzer ungarischer Poesien bekannten Kertbeny (siehe: Benkert Karl). Als Schriftsteller betheiligte sich B. seit seiner Freilassung blos an dem Werke von J. Némedy: „Die Belagerung Ofens 1686 und 1849,“ sowie er einige Leitartikel über den orientalischen Krieg 1855 in der ungar. Zeitschrift „Pesti napló“ schrieb.

Levitschnigg (Heinrich Ritter v.), Kossuth und seine Bannerschaft (Pesth 1850, Heckenast, 2 Thle.) I. Thl. S. 181. – Privatmittheilung.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Bayer, Joseph August [s. d. Bd. I, S. 194], gestorben im Curorte Gleichenberg in Oesterreichisch-Schlesien 11. Juni 1864. Nach der Waffenstreckung bei Villágos kam B. mit den übrigen Kriegsgefangenen nach Arad, wo er zum Tode verurtheilt, dieses Urtheil aber in mehrjährige Haft verwandelt wurde. Seit 1852 amnestirt, lebt er bald da, bald dort und suchte seine reichen mannigfaltigen Erfahrungen auf schriftstellerischem Wege zu verwerthen. Das Brot, das er fand, war ein karges und hartes. Er soll auch in den letzten Jahren an einem größeren Werke, nämlich einer Geschichte der ungarischen Revolution, gearbeitet haben. Zu Gleichenberg starb B. arm und ganz verlassen. Seine Handschriften sollen auf eine unerklärliche Weise abhanden gekommen sein, und seine arme Mutter, welche kümmerlich in Wien lebt, erst nach mehreren Wochen Nachricht von seinem Ableben erhalten haben.
    Zellner, Blätter für Theater, Musik und Kunst (Wien, 4°.) 1864, Nr. 60, S. 240. – Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien) 1864, Abendblatt Nr. 205. – Bohemia (Prager Journal) 1864, Nr. 176, S. 233. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 203. [Bd. 14, S. 394.]