BLKÖ:Compagnoni, Giuseppe

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Comparetti, Andreas
Band: 2 (1857), ab Seite: 436. (Quelle)
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Compagnoni, Giuseppe (Schriftsteller und Publicist, geb. zu Lugo 3. März 1754, gest. zu Mailand 19. December 1834). Studirte anfänglich gegen seine Neigung Theologie, gab sie aber bald auf und trat in Bologna als Publicist und Mitarbeiter an den „Encyklopädischen Memoiren“, später als Redacteur auf. Im J. 1786 lernte er den Marquis Bentivoglio kennen, wurde sein Secretär und ging mit ihm nach Venedig, wo er sich ausschließlich der Publicistik widmete. Im Jahre 1796 kam er nach Triest, von wo er als Secretär bei der Centralverwaltung nach Ferrara berufen wurde und dort auch die Stelle eines Professors des Staats- und allgemeinen Rechtes, dann eines Rathes beim Cassationshofe bekleidete; auch war er als Deputirter beim Congresse von Reggio und Modena thätig. Während der österreichisch-russischen Invasion flüchtete sich C. nach Frankreich. Nach der Schlacht von Marengo kehrte er nach Italien zurück und erhielt eine Stelle als Professor des Staatshaushaltes an der Universität zu Pavia; da ihm jedoch der dortige Aufenthalt nicht zusagte, ging er nach Mailand, wo ihn der Vicepräsident Melzi als einen Mann rühmte, der ebenso schnell schreibe, als die anderen sprechen, worauf er, ungeachtet seines Widerwillens gegen die Franzosen, den er gar nicht verbarg, einen Posten im Cultusministerium und dann bei Errichtung des Königreichs Italien den eines Generalsecretärs im Staatsrathe bekleidete. Bald darauf verlieh ihm Napoleon den Orden der eisernen Krone, eine Stelle im Prisengerichte und machte ihn zum Mitgliede der Commission für das Kriegsstrafgesetzbuch. Nach dem Falle des Königreichs Italien trat C. in’s Privatleben zurück und widmete sich ausschließlich der Schriftstellerei. Er starb nach jahrelangen Leiden, die er mit großer Fassung ertrug. Zahlreich sind seine literarischen Arbeiten; er redigirte zwei Zeitschriften, um’s J. 1790 zu Venedig: „Notizie del mondo“ und im J. 1796 zu Triest: „Il Mercurio d’Italia“, wovon aber nur 10 Nummern erschienen sind; ferner schrieb er: „Catone de re rustica, volgarizzato per la prima volta“ (Venedig 1788), eine treffliche Uebersetzung mit gründlichen Anmerkungen, einem „Dizionario latino“ und einem Briefe über „Paleografia catoniana e varroniana“; – „La Grotta di Vilenissa“ (Triest 1795); – „Epicarnio, ossia lo Spartano, dialogo di Platone, novellamente scoperto“ (1797); – „Considerazioni sulle Tasse“ (1798); – „Storia delle navigazioni antecedenti a Cook“; – „La Chimica per le Donne“ 2 Bde. (Vened. 1805), welches Werk bald in mehrere Sprachen übersetzt wurde. – „Saggio d’un trattato di morale in forma di Catechismo ecc.“ (Mailand 1819) 12°.); – „Dialoghi VIII degli officj di famiglia“ (Ebenda 1826)[437] „Dell’ arte della parola considerata ne’ varj modi della sua espressione“ (Ebenda 1827); – „Lettere di Cagliostro“; – „Elementi di diritto costituzionale democratico“ (Bologna 1797); – „Storia di Bibi uomo memorando de’ suoi tempi ecc.“ Insbesondere sind es aber zwei Werke, die seinen Namen bekannt machten, das eine „Veglie di Tasso“ (1799, 8°.), welches bald allgemeine Verbreitung fand, vielmals aufgelegt wurde, lange für echt galt und in alle Sprachen übersetzt wurde. 1804 erschienen die Veglie unter dem Titel: „Veillées du Tasse“ von Barère in’s Französische übersetzt. C. gab an, daß dies ein bisher unbekanntes Manuscript Tasso’s sei. Tasso’s Liebe ist darin mit seltenem Glück geschildert. – Das zweite Werk ist aber: „Saggio sugli Ebrei e sui Greci“ (Mailand 1806, 4 Aufl.), eine Apologie der Juden, deren Literatur C. über jene der Griechen stellt. Dieses Werk schrieb C. im Auftrage reicher Israeliten, die ihn dafür ansehnlich belohnten und es in mehreren Auflagen verbreiteten. Das ganze Buch – eine Reihe geistreicher Paradoxen – wurde von der Kritik hart mitgenommen. Unter dem Namen seines ehemaligen Kammerdieners Gius. Belloni gab er heraus: „Storia dei Tartari“; – „Antimitologia“; – „Sermone a Vincenzo Monti; – „Storia l’America“; – „Storia dell’ Impero d’Austria“ u. A. – Als Kritiker führte C. eine sehr scharfe Feder, Beweis dessen seine im Juli und August der Biblioteca italiana 1816 abgedruckte anonym erschienene satirische Kritik gegen Aless. Verri’s „Vita di Erostato“, welche eine traurige Berühmtheit erlangte, da sie die Ursache von Verri’s rasch erfolgtem Tode gewesen sein soll.

Memorie sulla vita e sui fatti di Gius. Luosi e di G. Compagnoni (Mailand 1831, 12°.). – Tipaldo, Biografia degli Italiani uomini illustri. – Nouvelle Biographie générale publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) XI. Bd. Sp. 359. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 214. – Enciclopedia italiana (Venedig 1850 u. f., Tasso, gr. 8°.) Fasc. 267. Appendice S. 442 [nach dieser gest. zu Pavia im November 1833]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 584 [nach dieser gest. 29. Dec. 1833]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abth. S. 1088 [nach diesem gest. zu Mailand 29. November 1834]. – Predari (Franc.), Bibliografia enciclopedica milanese (Mailand 1857, Carrara, gr. 8°.) S. 339. – Compagnoni machte als Mitglied des gesetzgebenden Körpers der cisalpinischen Republik am 15. germinal des Jahres VI folgenden Antrag zu Gunsten der Polygamie: „Ich gebe zu, daß die Polygamie nicht zugleich mit der Erde, welche wir bewohnen, entstanden sei; aber sie kann durch die Nothwendigkeit geboten werden, und wenn auch nicht für’s Allgemeine, so doch für einzelne Individuen. Ein Gesetz, welches sie verböte, wäre ein Sophismus. Die Ehe ist heilig, nicht vom Standpuncte des Symbols, das ihr die Theologen beilegen, sondern ihrem Zwecke nach, der darin besteht, das schönste Werk der Schöpfung zu verewigen und die Unsterblichkeit des menschlichen Geschlechtes zu sichern.“ Diese Ansicht wurde mit aller Energie von Lamberti und Gliscenti, Räthen des Conseils, widerlegt.