BLKÖ:Dayka, Gabriel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
D’Ayasassa
Nächster>>>
Deák, Franz von
Band: 3 (1858), ab Seite: 184. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 139782354, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Dayka, Gabriel|3|184|}}

Dayka, Gabriel (Dichter, geb. zu Miskolcz im Borsoder Comitat 8. Mai 1768, gest. zu Ungvar 20. Oct. 1796). Sohn eines Schneiders, hörte die untern Schulen bei den Miskolczer Minoriten u. zog 1782 nach Erlau zum Studium der Humaniora. Sein Fleiß und seine Sanftheit empfahlen ihn so sehr, daß Theophil Schuman, Abt der Cistercienser und Raimund Pászthy, der Director, den Jüngling in ihr Haus nahmen und mit allem Nothwendigen versahen. Um Philosophie zu studiren, ging D. 1784 nach Kaschau. Angestrengter Fleiß schwächte seine ohnehin nicht kräftige Gesundheit der Art, daß er auf ärztliches Anrathen das Studium aufgeben mußte. Von früher Jugend hatte er sich für den geistlichen Stand entschieden und wurde, als er 1787 nach Erlau zurückkehrte, unter die Comitats-Cleriker eingeschrieben. Die Theologie hörte er später in Pest, dabei bildete er sich in alten und neuen Sprachen aus. Schon las er in griechischer Sprache das neue Testament, verstand die slovakische und deutsche Sprache, von den aus Dalmatien gebürtigen Collegen erlernte er die italienische und französische Sprache, und war auch im Stande selbe zu schreiben. Der „Mindenes Gyüjtemény“, d. i. Allgemeine Sammlung, zu Folge, hat er 1790 seine Collegen in der ungarischen Sprache unterrichtet. Nach Aufhebung des Pesther Central-Seminars (1790) kehrte er nach Erlau zurück, wo er seiner im Druck erschienenen Liebeslieder und einiger unüberlegter Aeußerungen wegen den Zorn seiner Vorgesetzten sich zuzog. Da er jedoch bereits 4 Jahre Theologie studirt, wollte er den Stand nicht aufgeben und fügte sich in die Umstände. Als er aber im J. 1791 eine deutsche Kauzelrede hielt, und sogar der Irrlehre beschuldigt und aufgefordert wurde, seine Behauptung zurückzunehmen, wollte er sich dazu nicht verstehen und mußte somit die Anstalt verlassen. Er trat nun aus dem geistlichen Stande, hielt sich einige Zeit bei seinen Freunden auf; später vermälte er sich, erhielt im J. 1792 den neuerrichteten Lehrstuhl für ungarische Sprache am Leutschauer Gymnasium und wurde im folgenden Jahre daselbst zum ordentlichen Professor der Philologie und 1795 der Rhetorik an der Ungvarer Mittelschule ernannt. Schon sehr leidend hatte er diese Stellung angetreten, nun vergrößerte sich sein Uebel so sehr, daß er bereits im nächsten Jahre demselben erlag. In seinen ersten Gedichten, welche im „Orpheus“ erschienen sind, hing er der französischen, in den spätern Gedichten der Schule des Ráday an, für welch letzteren Uebergang vorzüglich Kazinczy’s Einfluß thätig war. [Graf Ráday, welcher die „Zrinyade“ in Hexametern umzuarbeiten begonnen hatte, ist das Haupt der sogen. lateinischen Schule in der ungarischen Poesie zu welcher Molnár, Szilágyi und Révai zählen.] Dayka’s Gedichte hat zuerst Kazinczy unter dem Titel: „Dayka Gábor versei“, d. i. Gabriel Dayka’s Gedichte (Pesth 1813, neue Aufl. Ofen 1833) herausgegeben, In Handschrift hat er außer [185] seiner ungarischen Sprachlehre noch mehrere ästhetische, geschichtliche und philosophische Arbeiten hinterlassen. Er wird für den besten Lyriker seiner Zeit gehalten.

Toldy (Ferencz), A Magyar nyelv és irodalom kézykönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Handbuch der ungar. Sprache und Literatur seit der Schlacht bei Mohatsch bis auf die neueste Zeit (Pesth 1855–1857, Heckenast, 2 Bde., gr. 8°.) I. Bd. S. 584. – Toldy (Franz), Handbuch der ungar. Poesie. In Verbindung mit Jul. Fenyéry herausgegeben (Wien und Pesth 1828, Kilian und Gerold, 8°., 2 Bde.) I. Bd. S. LIII. 230. II. Bd. S. 383. Toldy schreibt über D.: „D. gab seinen Liedern eine den Magyaren noch unbekannte Form. Er ist mit Anyos ziemlich analog, beide sind sentimental, beider in Sehnsucht schmelzende Seele elegisch gestimmt. Anyos jedoch durch Reflexion gemildert, durch Phantasie an Bildern reicher: Dayka glüht tiefer, ist durchaus Empfindung und diese so überwiegend, daß er sich weder bis zur Reflexion faßt, noch bei Schilderung seines Seelenzustandes sich objectiver Mittel, z. B. von außen genommener Bilder bedient; er dichtet immer aus sich heraus, daher ist er auch gedrängter als Anyos. Einige Lieder Dayka’s anakreontischer Form sind in leichterem Style gedichtet und recht artig. Seine Sprache ist gewählt, sein Vers durchaus auf bedeutendem Grade der Correctheit und Eleganz.“ – Archiv für Geographie, Historie, Staats- u. Kriegskunst (Wien 1817, Strauß, 4°.) VIII. Jahrg. S. 334. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Section. XXIII. Bd. S. 234. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungr. Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jakob Ferenczy u. Joseph Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich) S. 97. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 688 [Gräffer behandelt in seiner Oestr. National-Encyklopädie zwei Personen des Namens Dayka, einen Gabriel D. und einen Georg Dayka von Ujhely. Diese beiden sind identisch, was sich aus einer aufmerksamen Vergleichung der Lebensskizzen von selbst ergibt. Wahrscheinlich entstand der Irrthum durch die falsche Angabe des Taufnamens und des Prädikates Ujhely]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 3. Abtheil. S. 1062. – Kertbény (K. M.), Album hundert ungarischer Dichter (Dresden und Pesth 1854, 16°.) S. 31 u. 495. – Porträt. Von Kazinczy gezeichnet, von Gerstner gestochen. Motto: Hunc tantum populo monstrarunt fata. Virg. [Vor der von Kazinczy veranstalteten Ausgabe von D.’s Gedichten. Kazinczy besorgte die Ausgabe der Gedichte auf Grundlage eines von D.’s Hand geschriebenen Exemplars seiner Gedichte, welches der Dichter Virág in Ofen besaß, und es Kazinczy schenkte. Fünf bis sechs Stücke ließ Kazinczy theils ihres Inhalts wegen, theils weil sie sehr lückenhaft waren, weg. Das lateinische Gedicht: Descriptio veris war so unleserlich geschrieben, daß Kazinczy Vieles selbst suppliren und durch Andere suppliren lassen mußte.]