BLKÖ:Kemény, Sigmund Baron

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Kemény, Joseph Graf
Nächster>>>
Kemény, J.
Band: 11 (1864), ab Seite: 154. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119144689, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kemény, Sigmund Baron|11|154|}}

Kemény, Sigmund Baron (Schriftsteller und Publicist, geb. in Siebenbürgen 1816). Sohn des Baron Samuel. Zuerst im Elternhause erzogen, bezog er dann die katholische Schule zu Zalathna und seit 1823 die reformirte Schule zu Groß-Enyéd, deren Zögling er durch eilf Jahre war und wo der ununterbrochene Verkehr mit seinem kenntnißreichen und energischen Lehrer Karl Száß nicht ohne Einfluß auf den wißbegierigen Jüngling blieb. Als im Jahre 1834 der Siebenbürger Landtag eröffnet wurde, trieb es den 18jährigen Jüngling mit ruheloser Hast nach Klausenburg und so trat er gewissermaßen unmittelbar aus der Schule in das öffentliche Leben, an dem er sich freilich nicht öffentlich betheiligen konnte, dessen Fluthungen aber vor seinen Augen die Wellen und gerade damals ziemlich hoch trieben. Auch trat er schon, so jung er war, mit den hervorragendsten Persönlichkeiten des Landtages und namentlich mit jenen, die ihm geistig nahestanden, in näheren, mitunter freundschaftlichen Verkehr. Das Jahr 1835 verlebte er unter den bezeichneten Verhältnissen in Klausenburg; darauf begab er sich auf sein Gut nach Maros-Kapud, wo er in stiller Zurückgezogenheit, theils seinen Studien, theils der Bewirthschaftung seiner Besitzung lebte. Im Jahre 1837 war er in Neumarkt, wo die siebenbürgischen Rechtscandidaten die juridische Praxis zu nehmen pflegen, einige Zeit als Kanzellist thätig, aber schon damals trat er mit zwei historischen Arbeiten: „A Mohácsi veszedelem okairól“, d. i. Von den Ursachen der Niederlage bei Mohacs und mit Fragmenten einer biographischen Monographie über Martinuzzi, welch’ letztere Arbeit noch immer nicht vollständig gedruckt ist, in die Oeffentlichkeit. Im Jahre 1840 begab er sich nach Wien, wo er den naturwissenschaftlichen Studien oblag. Als er dann in sein Vaterland zurückkehrte, übernahm er Ende 1840 die Redaction des „Erdelyi Hirado“, eines zu Klausenburg erschienenen constitutionellen Oppositionsblattes, in dessen Leitung ihn sein Freund und Gesinnungsgenosse Ludwig Kovacs unterstützte. Bald erlangte Kemény’s Name, als der eines gewandten und geistvollen Publicisten, einen glänzenden Ruf; zugleich trat er als Redner in den Versammlungen [155] zu Klausenburg auf. Als aber der Siebenbürger Landtag aufgelöst wurde, gab K. die Redaction des „Hiradó“ auf und zog sich 1842 wieder in die behagliche Stille des Landlebens nach Kapud zurück, wo er mehrere Jahre den Musen huldigte. In diese Zeit fällt sein Zusammentreffen mit Nikolaus Baron Wesselényi, mit dem er sich alsbald innig befreundete und auf dessen Gute Zsibó auch längere Zeit verlebte. Indessen war K. theils als Publicist, theils als Romandichter ununterbrochen thätig geblieben; noch von Kapud aus hatte er den Klausenburger „Hiradó“ mit politischen Leitartikeln versehen und so geschah es denn, daß Stephan Graf Szechényi, als er sich die Bildung einer compacten Partei in Ungarn zur Aufgabe gestellt und zu diesem Zwecke ein großes politisches Organ, den „Független“, d. i. Der Unabhängige, in’s Leben gerufen hatte, auf Kemény sein Augenmerk richtete und ihm unter glänzenden Bedingungen, zugleich aber, wenn Kemény das Programm annahm, bei freier politischer Bewegung die Redaction desselben antrug. Es waren aber verschiedene Bedenken, die K. bestimmten, den sonst so verlockenden Antrag entschieden abzulehnen. Hingegen folgte er dem Rufe des Baron Eötvös, mit dem er schon früher in Briefwechsel stand, zur Annahme der Mitredaction des unter Anton Csengery’s [Bd. III, S. 53] Hauptleitung stehenden „Pesti Hirlap“, dessen politische Tendenzen ihm umsomehr zusagten, als die wissenschaftliche Richtung des Blattes eben auch die seinige war. Ende 1846 übersiedelte K. nach Pesth, wo er nun seinen bleibenden Aufenthalt nahm. Seine publicistische Thätigkeit wurde nur für kurze Zeit im Jahre 1847 unterbrochen, in welchem K. Italien besuchte. Im verhängnißvollen Jahre 1848 wurde K. in den Landtag gewählt, in welchem er eine ganz unbedeutende Rolle spielte, hingegen auf journalistischem Gebiete eine energische Thätigkeit entwickelte. Er folgte dem Rumpfparlamente nach Debreczin, wurde daselbst im Ministerium Szemeré’s (Inneres) Ministerialrath und verwendete sich als solcher besonders thätig bei der Codification. Er wurde deßhalb nach bewältigter Revolution vor das Kriegsgericht gestellt und abgeurtheilt. Nachdem die Ruhe im Lande wieder hergestellt worden und sich allmälig einzelne Stimmen vernehmen ließen, erregten auch seine zwei Flugschriften: „Forradalom után“, d. i. Nach der Revolution (Pesth 1850), und „Még egy szó a forradalom után“, d. i. Noch ein Wort nach der Revolution (ebd. 1851), nicht geringes Aufsehen. Auch übernahm er 1851 die Redaction des großen politischen Journals „Pesti Napló“. Die journalistische, namentlich publicistische Thätigkeit K.’s nach den einzelnen Leitartikeln zu verfolgen, wäre eine wie sonst auch interessante, jedoch den Zweck dieses Lexikons weit übersteigende Aufgabe. Aber die selbstständigen schöngeistigen und auch anderen wichtigeren Arbeiten des Dichters und Romantikers mögen hier folgen. Es sind außer den bereits angeführten nachstehende: „Kortes kedeses elenszerei“, d. i. Das Corteswesen und seine Gegenmittel (Klausenburg 1843); – „Gyulai Pál. Regény“, d. i. Paul Gyulai. Roman. 5 Bände (Pesth 1846); – „Férj és nő“, d. i. Mann und Frau. 2 Bände (ebd. 1854); – „Kődképek a kedély lathatárán“, d. i. Nebelbilder (ebd. 1855); – „Szerelem és hiuság“, d. i. Liebe und Eitelkeit (ebd. 1855); – „Erény és illem“, d. i. Tugend und Sitte (ebd. 1856); – „Őzvegy és leánya “, [156] d. i. Die Witwe und ihre Tochter. 3 Bde. (ebd. 1857); – „Zord idő. Történeti regény“ d. i. Rauhe Zeiten. Geschichtlicher Roman. 3 Bände (letzte Auflage, ebd. 1862); deutsch von J. Sigmund. 2 Bände (ebd. 1859); – „Az unio törvényekről“, d. i. Ueber die Unions-Gesetze (Pesth 1861); außerdem sind anzuführen seine größere Novelle: „A szio örvényei“, d. i. Die Untiefen des Herzens, welche in dem von Alexander Szilágyi herausgegebenem. „Nagy-Enyeder Album“ abgedruckt war; und in Csengery’s Buche „Magyar szonokok és status ferfiak“, d. i. Ungarns Redner und Staatsmänner (auch deutsch, Wien 1832, Manz), sind die politischen Biographien der beiden Wesselényi und des Stephan Grafen Szechényi aus Baron Kemény’s Feder. Von einem fast vollendeten mehrbändigen Romane „Élet és abrand“, d. i. Leben und Fantasie, wird berichtet, daß er bei dem Bombardement Ofens 1849 verbrannt sei. Baron Kemény ist seit dem Jahre 1849 correspondirendes Mitglied der ungarischen Akademie.

Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) 1856, Nr. 14 [mit Porträt im Holzschnitt]. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1852, 8°.) Bd. V, S. 55. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, G. Emich, 8°.) S. 241. – Válkai (Imre), Irodalmi és müvészeti Daguerreotypek. Magyar irók és művészek ismertetése,, d. i. Literarische Daguerreotypen u. s. w. (Wien 1858, Sommer, 8°.) S. 59. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, A. G, Steinhauser, kl. 8°.) S. 184. [Kertbeny, Verfasser dieses Buches, charakterisirt K. folgendermaßen: „wohl gegenwärtig der bedeutendste und stimmgebendste (sic) Publicist und politische Journalist Ungarns, Franz von Deak’s Vertrauter, – ist zugleich auch einer der fruchtbarsten und beliebtesten Romanziers und Novellisten. Baron Kemény erzählt matt und weitläufig, aber voll von feinster objectiver wie psychologischer Zeichnung, in einem äußerst gebildeten aufgeklärten Style, fantasievolle Erfindungen; überraschende Dramatisirung sind nicht seine Sache. Man hat ihn den ungarischen Balzac genannt, was mit Bezug des Triebes bei Beiden, fort und fort zu analysiren, wohl zutrifft“.] – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 296. – Meyer (J.). Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Suppl. Bd. IV, S. 225. – Pester Lloyd 1856, Nr. 263 [unter den „Tagesneuigkeiten“]. – BrockhausConversations-Lexikon, 10. Aufl. Bd. VIII, S. 737. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tom. XXVII, p. 538. – Porträte. 1) Auf dem von Barabás 1856 gezeichneten und lithographirten großen Porträt-Tableau „Magyar Irók arczképcsarnoka“; – 2) lithogr. von Joseph Marastoni, 1861, im Journal Az orszag tükre 1862, Nr. 1 [keines dieser Porträte, sowohl die eben angeführten zwei, wie jenes in Nr. 14 des Vasárnapi ujság 1856, sieht sich ähnlich]. –